Fachartikel: Bank- und Kapitalmarktrecht

Restschuldversicherungen- Die Kostenfalle beim Ratenkredit


Restschuldversicherungen- Die Kostenfalle beim Ratenkredit

Eine Restschuldversicherung kann eine prima Sache sein. Sie soll dann einspringen, wenn der Kreditnehmer arbeitslos oder arbeitsunfähig wird oder stirbt - soweit die Theorie. 

In der Praxis handelt es sich oft um einen überteuerten, entbehrlichen Luxus.Die Restschuldversicherung wird deshalb starkt angegriffen. Zuletzt hat die BaFin eine umfassende Untersuchtung gemacht.

Bei Arbeitslosigkeit springt die Restschuldversicherung ein, wenn dies so vereinbart wurde - allerdings nur für einen kurzen Zeitraum.

Je nach Vertragsgestaltung können bei der Restschuldversicherung einzelne Elemente oder das komplette Spektrum von Risiken abgesichert werden. 

Auf den ersten Blick mag das eine logische Kreditergänzung sein, auf den zweiten Blick ist die Restschuldversicherung aber eher für die Banken, Sparkassen und Volksbanken  ein prima Zusatzgeschäft. 

Vielen ist nicht klar, wie teuer die Restschuldversicherung ist. Selbst wenn sie dem Kunden als Paket zusammen mit dem Kreditvertrag verkauft werden, handelt es sich bislang noch um zwei unabhängige Verträge. 

In den Erläuterungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht heißt es hierzu: "Die Bank lässt Ihnen in der Regel freie Wahl, ob Sie zusammen mit dem Kreditvertrag eine Restschuldversicherung abschließen wollen oder nicht. Die Kosten für eine freiwillige Restschuldversicherung müssen nicht in den effektiven Jahreszins eingerechnet werden." 

Selbst wenn diese Verfahrensweise rechtlich einwandfrei ist, spielt dies für den Kunden letztlich keine Rolle, denn es handelt sich um Kosten, die im Zusammenhang mit der Kreditaufnahme entstehen und die zu begleichen sind. 

Würde man diese in den effektiven Jahreszins mit einberechnen, würde so mancher sein blaues Wunder erleben. 

Das zeigt ein Modellfall der FMH-Finanzberatung für einen Ratenkredit über 10.000 Euro mit 36-monatiger Laufzeit. Die Kosten einer Versicherung liegen je nach Anbieter zwischen 500 und 950 Euro. Der durchschnittliche Effektivzins liegt derzeit bei 7,56 Prozent. 

Würde die Restschuldversicherung im Effektivzins berücksichtigt, würde dieser teilweise auf über 15 Prozent klettern. 

Nicht zu empfehlen FMH-Chef Herbst rät daher vom Abschluss einer Rest-schuldversicherung ab. 

"Der Schutz deckt häufig viele Fälle nicht ab: 

Die ersten drei Monate sind zum Beispiel aus dem Leistungskatalog ausgenommen, und im Fall von Arbeitslosigkeit sind nur die ersten zwölf Monate abgedeckt", erläutert Herbst. 

Anschließend zahle die Restschuldversicherung die Rate nicht mehr. Die Verbraucherschützer sind skepzisch. Ein Blick in die Versicherungsbedingungen enthülle oftmals schnell, dass die Versicherungsleistung gerade dann, wenn man sie benötigt, eher fraglich sei, so die Verbraucherschützer. 

Zudem seien die von den Darlehensgebern angebotenen Versicherungen selten günstig, werden in der Regel als Einmalprämie für die gesamte Laufzeit des Darlehens bei Vertragsabschluss fällig und über das Darlehen mitfinanziert. 

Nur wenn die Bank auf den Abschluss einer Restschuldversicherung besteht, muss sie dies im effektiven Jahreszins des Darlehens mit angeben. 

Für Kreditnehmer, die bereits eine Lebens- oder Unfallversicherung besitzen, ist die Restschuldversicherung ohnehin verzichtbar. Aber das Kreditinstitut baut oft Druck auf, weil ja neue Provisionen fließen und oft ein Tochterunternehmen der Versicherer ist.

ie Stiftung Warentest nimmt immer wieder die Restschuldversicherungen unter die Lupe. 

Ein Modellkunde, der einen Kredit über 100.000 Euro absichern wollte, musste beim teuersten Versicherer über 2000 Euro zahlen. Das ist fast dreimal so viel, wie der günstigste Anbieter verlangt. 

Die Stiftung Warentest rät beim Vergleichen verschiedener Angebote nicht nur auf den Versicherungsbeitrag im ersten Jahr zu schauen, da dieser niedriger als in den Folgejahren sein kann. Entscheidend ist der Barwert aller Beiträge. 

Der Barwert gibt an, wie viel Geld bei Vertragsabschluss als Einmalbetrag bereitgestellt werden müsste, um die künftigen Versicherungsbeiträge zu zahlen. Je höher der Barwert, umso teuerer ist das Angebot der Versicherung. Eine Restschuldversicherung muss der Kunde nicht unbedingt bei seiner Bank abschließen. Er sollte Angebote anderer Versicherer einholen und mit den Konditionen des Bankenangebotes vergleichen.

Bei längeren Verträgen kann der Versicherungsschutz von Jahr zu Jahr sinken, weil das Darlehn ja abgezahlt wird. Diese Variante wird kaum aneboten, weil es weniger Provision einbringt. 

Wenn Sie Probleme mit ihrer Restschuldversicherung haben, dann wenden Sie sich an uns.

Profilbild von Rechtsanwalt Karl-Heinz Steffens

Die Kanzlei Steffens ist seit 10 Jahren im Bank- und Kapitalmarktrecht tätig. Es gehören aktuell die Prüfung von Lebensversicherungen und Rentenversicherungen wegen des Widerrufs dazu. Rechtsanwalt Karl-Heinz Steffens ist Mitautor des Praxishandbuch Schiffsfonds vom De Gruyter Verlag.

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