Rechtsgebiet
Vergaberecht
2 Unterthemen · 80 von 504 Normen · 5 Urteile im Überblick
Dieser Text wurde von einer KI erstellt. Die redaktionelle Kontrolle durch einen Menschen steht noch aus.
Das Vergaberecht regelt den Einkauf von Gütern und Dienstleistungen sowie die Vergabe von Bauaufträgen durch die öffentliche Hand (Staat, Kommunen, öffentliche Unternehmen). Da öffentliche Auftraggeber Steuergelder ausgeben, dürfen sie ihre Vertragspartner nicht völlig frei (wie ein Privatmann) aussuchen, sondern sind an ein strenges, formalisiertes Verfahren gebunden, das Transparenz und Wettbewerb sichert.
📐 Die Grundsätze der Vergabe (GWB)
Oberhalb bestimmter EU-Schwellenwerte ist das Vergaberecht im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) sowie in speziellen Vergabeverordnungen (VgV, VOB/A, SektVO) geregelt. Die fundamentalen Prinzipien des Vergaberechts normiert § 97 Abs. 1 und 2 GWB (Grundsätze der Vergabe):
(1) Öffentliche Auftraggeber beschaffen Waren, Bau- und Dienstleistungen nach Maßgabe dieses Teils im Wettbewerb und im Wege transparenter Verfahren.
(2) Die Teilnehmer an einem Vergabeverfahren sind gleich zu behandeln, es sei denn, eine Ungleichbehandlung ist auf Grund dieses Gesetzes ausdrücklich geboten oder gestattet.
Zudem gilt der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Verhältnismäßigkeit. Aufträge sind grundsätzlich an fachkundige, leistungsfähige und zuverlässige Unternehmen zu vergeben, wobei soziale und umweltbezogene Kriterien berücksichtigt werden können.
⚖️ Vergabeverfahren und Schwellenwerte
Die Härte des Vergaberechts hängt vom Auftragswert ab. Unterhalb der sogenannten EU-Schwellenwerte (die alle zwei Jahre angepasst werden, z. B. oft um die 215.000 Euro für Dienstleistungen) gilt das nationale Haushaltsrecht (Unterschwellenvergabe).
Oberhalb der Schwellenwerte muss ein europaweites Verfahren durchgeführt werden (Oberschwellenvergabe). Das Standardverfahren ist das offene Verfahren, bei dem jedes interessierte Unternehmen ein Angebot abgeben darf. Andere Verfahrensarten (wie das Verhandlungsverfahren) sind nur in gesetzlich eng definierten Ausnahmefällen zulässig.
⚠️ Rechtsschutz (Nachprüfungsverfahren)
Eine Besonderheit des EU-Vergaberechts (Oberschwellenvergabe) ist der effektive primäre Rechtsschutz für übergangene Bieter. Hat ein Bieter den Eindruck, dass das Verfahren fehlerhaft lief oder er zu Unrecht ausgeschlossen wurde, kann er – nachdem er den Fehler beim Auftraggeber gerügt hat – ein Nachprüfungsverfahren bei der Vergabekammer beantragen. Dieser Antrag entfaltet aufschiebende Wirkung, der Auftraggeber darf den Zuschlag bis zur Entscheidung der Kammer nicht erteilen (Zuschlagsverbot). Gegen die Entscheidung der Vergabekammer ist die sofortige Beschwerde zum Oberlandesgericht (Vergabesenat) möglich.
Das Vergaberecht ist ein Teilbereich des öffentlichen Rechts, der die Vergabe von Aufträgen durch öffentliche Auftraggeber regelt. Weiterlesen ›
Schlüsselnormen
- § 97 GWBGrundsätze der Vergabe
- § 107 GWBAllgemeine Ausnahmen
- § 128 GWBAuftragsausführung
- § 120 GWBBesondere Methoden und Instrumente in Vergabeverfahren
- § 99 GWBÖffentliche Auftraggeber
- § 98 GWBAuftraggeber
- § 124 GWBFakultative Ausschlussgründe
- § 118 GWBBestimmten Auftragnehmern vorbehaltene öffentliche Aufträge
- § 100 GWBSektorenauftraggeber
- § 116 GWBBesondere Ausnahmen
- § 103 GWBÖffentliche Aufträge, Rahmenvereinbarungen und Wettbewerbe
- § 160 GWBEinleitung, Antrag
- § 106 GWBSchwellenwerte
- § 114 GWBMonitoring; Vergabestatistik; Datenservice Öffentlicher Einkauf
- § 182 GWBKosten des Verfahrens vor der Vergabekammer
- § 117 GWBBesondere Ausnahmen für Vergaben, die Verteidigungs- oder Sicherheitsaspekte umfassen
- § 102 GWBSektorentätigkeiten
- § 156 GWBVergabekammern
- § 155 GWBGrundsatz
- § 168 GWBEntscheidung der Vergabekammer
- § 104 GWBVerteidigungs- oder sicherheitsspezifische öffentliche Aufträge
- § 115 GWBAnwendungsbereich
- § 127 GWBZuschlag
- § 134 GWBInformations- und Wartepflicht
- § 186 GWBAnwendungsbestimmung zu § 47k
- § 113 GWBVerordnungsermächtigung
- § 130 GWBVergabe von öffentlichen Aufträgen über soziale und andere besondere Dienstleistungen
- § 123 GWBZwingende Ausschlussgründe
- § 110 GWBVergabe von öffentlichen Aufträgen und Konzessionen, die verschiedene Leistungen zum Gegenstand haben
- § 121 GWBLeistungsbeschreibung
- § 126 GWBZulässiger Zeitraum für Ausschlüsse
- § 165 GWBAkteneinsicht
- § 101 GWBKonzessionsgeber
- § 105 GWBKonzessionen
- § 167 GWBBeschleunigung
- § 131 GWBVergabe von öffentlichen Aufträgen über Personenverkehrsleistungen im Eisenbahnverkehr
- § 111 GWBVergabe von öffentlichen Aufträgen und Konzessionen, deren Teile unterschiedlichen rechtlichen Regelungen unterliegen
- § 108 GWBAnwendbarkeit bei öffentlich-öffentlicher Zusammenarbeit
- § 109 GWBAusnahmen für Vergaben auf der Grundlage internationaler Verfahrensregeln
- § 175 GWBVerfahrensvorschriften
- § 122 GWBEignung
- § 173 GWBWirkung
- § 135 GWBUnwirksamkeit
- § 119 GWBVerfahrensarten
- § 171 GWBZulässigkeit, Zuständigkeit
- § 169 GWBAussetzung des Vergabeverfahrens
- § 179 GWBBindungswirkung und Vorlagepflicht
- § 132 GWBAuftragsänderungen während der Vertragslaufzeit
- § 185 GWBUnternehmen der öffentlichen Hand, Geltungsbereich
- § 112 GWBVergabe von öffentlichen Aufträgen und Konzessionen, die verschiedene Tätigkeiten umfassen
- § 125 GWBSelbstreinigung
- § 163 GWBUntersuchungsgrundsatz
- § 172 GWBFrist, Form, Inhalt
- § 178 GWBBeschwerdeentscheidung
- § 158 GWBEinrichtung, Organisation, Form
- § 176 GWBVorabentscheidung über den Zuschlag
- § 133 GWBKündigung von öffentlichen Aufträgen in besonderen Fällen
- § 157 GWBBesetzung, Unabhängigkeit
- § 166 GWBMündliche Verhandlung
- § 137 GWBBesondere Ausnahmen
- § 138 GWBBesondere Ausnahme für die Vergabe an verbundene Unternehmen
- § 142 GWBSonstige anwendbare Vorschriften
- § 149 GWBBesondere Ausnahmen
- § 152 GWBAnforderungen im Konzessionsvergabeverfahren
- § 161 GWBForm, Inhalt
- § 181 GWBAnspruch auf Ersatz des Vertrauensschadens
- § 129 GWBZwingend zu berücksichtigende Ausführungsbedingungen
- § 136 GWBAnwendungsbereich
- § 154 GWBSonstige anwendbare Vorschriften
- § 159 GWBAbgrenzung der Zuständigkeit der Vergabekammern
- § 174 GWBBeteiligte am Beschwerdeverfahren
- § 183 GWBKorrekturmechanismus der Kommission
- § 184 GWBUnterrichtungspflichten der Nachprüfungsinstanzen
- § 97a GWBLosgrundsatz
- § 139 GWBBesondere Ausnahme für die Vergabe durch oder an ein Gemeinschaftsunternehmen
- § 140 GWBBesondere Ausnahme für unmittelbar dem Wettbewerb ausgesetzte Tätigkeiten
- § 141 GWBVerfahrensarten
- § 143 GWBRegelung für Auftraggeber nach dem Bundesberggesetz
- § 144 GWBAnwendungsbereich
- § 145 GWBBesondere Ausnahmen für die Vergabe von verteidigungs- oder sicherheitsspezifischen öffentlichen Aufträgen
Aktuelle Urteile
neueste zuerst- BVerwGInformationszugangsanspruch des Bieters im Vergabeverfahren10 C 5.24 · 17.12.2025 · Urteil
- EUGHFastned Deutschland GmbH & Co. KG gegen Die Autobahn GmbH des BundesC-452/23 · 29.04.2025
- EUGHReference for a preliminary ruling – Concessions – Concessions awarded to an in-house entity – Directive 2014/23/EU – Article 43(1)(c) – Modification of the concession on a date on which the concessionaire no longer has the status of an in-house entity – Modification ‘the need’ for which was ‘brought about’ by unforeseeable circumstances – Directive 89/665/EEC – Indirect review of the initial award of a concessionC-452/23 · 29.04.2025
- EUGHRinvio pregiudiziale – Concessioni – Concessioni che sono state oggetto di attribuzione ad un’entità in house – Direttiva 2014/23/UE – Articolo 43, paragrafo 1, lettera c) – Modifica della concessione ad una data in cui il concessionario non ha più la qualità di entità in house – Modifica la cui “necessità è determinata” da circostanze imprevedibili – Direttiva 89/665/CEE – Controllo incidentale riguardante l’attribuzione iniziale di una concessioneC-452/23 · 29.04.2025
- EUGHRenvoi préjudiciel – Concessions – Concessions ayant fait l’objet d’une attribution à une entité in house – Directive 2014/23/UE – Article 43, paragraphe 1, sous c) – Modification de la concession à une date à laquelle le concessionnaire n’a plus la qualité d’entité in house – Modification “rendue nécessaire” par des circonstances imprévisibles – Directive 89/665/CEE – Contrôle incident de l’attribution initiale d’une concessionC-452/23 · 29.04.2025
Passende Apps
anwalttoolsauch als White-Label für Kanzleien
- Rechtsanwalt Arnd Bühner | Fachanwalt für Vergaberecht
- Rechtsanwalt Christian Stetter | Fachanwalt für Vergaberecht
- Rechtsanwalt Dr. Christian Nowak | Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Fachanwalt für Vergaberecht
- Rechtsanwalt Dr. Dietrich Borchert | Fachanwalt für Vergaberecht
- Rechtsanwalt Dr. Harald Hauser | Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Fachanwalt für Vergaberecht
- Rechtsanwalt Dr. Sebastian Roling LL.M. | Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Fachanwalt für Vergaberecht
- Rechtsanwalt Dr. Sebastian Schattenfroh | Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Fachanwalt für Vergaberecht
- Rechtsanwalt Dr.jur. Alexander Herrmann | Fachanwalt für Vergaberecht
- Rechtsanwalt Dr.jur. Hannes Kern | Fachanwalt für Vergaberecht
- Rechtsanwalt Dr.jur. Sönke Anders | Fachanwalt für Verwaltungsrecht, Fachanwalt für Vergaberecht
- Rechtsanwalt Jens Carsten Kröcher | Fachanwalt für Vergaberecht
- Rechtsanwalt Tobias Osseforth Mag.rer.publ. | Fachanwalt für Vergaberecht
Häufige Rechtsfragen im Bereich Vergaberecht
Alle Fragen im FAQ ›Welche allgemeinen Grundsätze gelten für die Vergabe öffentlicher Aufträge und Konzessionen?
Öffentliche Aufträge und Konzessionen werden nach § 97 Abs. 1 S. 1 GWB im Wettbewerb und im Wege transparenter Verfahren vergeben; dabei werden die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und der Verhältnismäßigkeit gewahrt (§ 97 Abs. 1 S. 2 GWB). Die Teilnehmer an einem Vergabeverfahren sind gemäß § 97 Abs. 2 GWB gleich zu behandeln, es sei denn, eine Ungleichbehandlung ist aufgrund dieses Gesetzes ausdrücklich geboten oder gestattet. Unternehmen haben nach § 97 Abs. 6 GWB Anspruch darauf, dass die Bestimmungen über das Vergabeverfahren eingehalten werden.
Ab wann greift das Kartellvergaberecht des GWB (EU-Schwellenwerte)?
Der Teil 4 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen gilt nach § 106 Abs. 1 S. 1 GWB für die Vergabe von öffentlichen Aufträgen und Konzessionen sowie die Ausrichtung von Wettbewerben, deren geschätzter Auftrags- oder Vertragswert ohne Umsatzsteuer die jeweiligen Schwellenwerte erreicht oder überschreitet. Die jeweiligen Schwellenwerte ergeben sich gemäß § 106 Abs. 2 GWB aus den europäischen Vergaberichtlinien in ihrer jeweils geltenden Fassung.
Welche Informations- und Wartepflicht muss der öffentliche Auftraggeber vor Zuschlagserteilung einhalten?
Öffentliche Auftraggeber haben die Bieter, deren Angebote nicht berücksichtigt werden sollen, nach § 134 Abs. 1 S. 1 GWB über den Namen des Unternehmens, dessen Angebot angenommen werden soll, über die Gründe der vorgesehenen Nichtberücksichtigung ihres Angebots und über den frühesten Zeitpunkt des Vertragsschlusses unverzüglich in Textform zu informieren. Ein Vertrag darf gemäß § 134 Abs. 2 S. 1 GWB erst 15 Kalendertage — bei Versand der Information auf elektronischem Weg oder per Fax nach § 134 Abs. 2 S. 2 GWB erst zehn Kalendertage — nach Absendung der Information geschlossen werden.
Wann ist ein vergebener öffentlicher Auftrag von Anfang an unwirksam (De-facto-Vergabe)?
Ein öffentlicher Auftrag ist nach § 135 Abs. 1 GWB von Anfang an unwirksam, wenn der öffentliche Auftraggeber gegen § 134 GWB verstoßen hat oder den Auftrag ohne vorherige Veröffentlichung einer Bekanntmachung im Amtsblatt der Europäischen Union vergeben hat, ohne dass dies kraft Gesetzes gestattet ist, und dieser Verstoß in einem Nachprüfungsverfahren festgestellt worden ist. Die Unwirksamkeit kann gemäß § 135 Abs. 2 S. 1 GWB nur festgestellt werden, wenn sie im Nachprüfungsverfahren innerhalb von 30 Kalendertagen nach Information der betroffenen Bieter und Bewerber, jedoch nicht später als sechs Monate nach Vertragsschluss geltend gemacht worden ist.
Welche Rügeobliegenheiten gelten vor einem Nachprüfungsantrag bei der Vergabekammer?
Die Vergabekammer leitet ein Nachprüfungsverfahren nach § 160 Abs. 1 GWB nur auf Antrag ein; antragsbefugt ist nach § 160 Abs. 2 S. 1 GWB jedes Unternehmen, das ein Interesse an dem öffentlichen Auftrag oder der Konzession hat und eine Verletzung in seinen Rechten nach § 97 Abs. 6 GWB durch Nichtbeachtung von Vergabevorschriften geltend macht. Der Antrag ist gemäß § 160 Abs. 3 S. 1 Nr. 1 GWB unzulässig, soweit der Antragsteller den geltend gemachten Verstoß gegen Vergabevorschriften vor Einreichen des Nachprüfungsantrags erkannt und gegenüber dem Auftraggeber nicht innerhalb einer Frist von zehn Kalendertagen gerügt hat.