Erben in Frankreich - Die gesetzliche Erbfolge

erstmalig veröffentlicht: 11.01.2022, letzte Fassung: 11.01.2022

Rechtsgebiete

Erbrecht
Internationales Recht: Französisches Recht
Zusammenfassung des Autors

Der Artikel beschäftigt sich mit der gesetzlichen Erbfolge in Frankreich. Im Artikel erfahren Sie, wann französisches Recht zur Anwendung kommt und wie die gesetzliche Erbfolge in Frankreich geregelt ist. 

Nach der Europäischen Erbrechtsverordnung gilt für einen Erbfall grundsätzlich das Recht des Landes, in welchem der Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Hatte ein deutscher Staatsangehöriger zum Zeitpunkt des Todes seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Frankreich, gilt für sein bewegliches und unbewegliches Vermögen französisches Erbrecht und dies sogar dann, wenn Immobilien in einem anderen Land, z.B. in Deutschland vorhanden waren. Ein Franzose, der zum Zeitpunkt seines Todes in Deutschland gelebt hat, kann für seinen Erbfall eine Rechtswahl zugunsten seines Heimatrechts, d.h. des französischen Rechts treffen.

Das französische Zivilgesetzbuch (Code Civil) kennt anders als das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) keine Erbeinsetzung durch Testament. Dadurch kommt es in der Regel zur gesetzlichen Erbfolge und somit zur Verteilung des Nachlasses innerhalb der Familie. Der Erblasser kann nach französischem Recht jedoch Vermächtnisse anordnen, also einzelne Gegenstände oder Vermögenswerte zuwenden.

Im französischen Recht gibt es vier Erbordnungen. Die höhere Erbordnung schließt die nachfolgende Erbordnung aus. In erster Ordnung erben die Kinder des Erblassers, Art. 735 Code Civil. Die Kinder erben zu gleichen Teilen. Verstorbene oder erbunwürdige Kinder werden durch ihre Abkömmlinge repräsentiert, Art. 752 Code Civil. In zweiter Ordnung erben die Eltern und Geschwister des Erblassers, bzw. nach dem Repräsentationsprinzip bei Vorversterben oder Erbunwürdigkeit deren Abkömmlinge. Im deutschen Erbrecht erben die Geschwister nur dann, wenn die Eltern vorverstorben sind, bzw. ein Elternteil vorverstorben ist. Im französischen Recht erben die Geschwister des Erblassers neben den beiden Eltern jedoch zur Hälfte.

Beispiel: Ein verwitweter und kinderloser Erblasser hinterlässt seine Eltern, eine Schwester und die beiden Kinder seines vorverstorbenen Bruders. Nach deutschem Erbrecht würden die Eltern jeweils zu 1/2 erben. Nach französischem Erbrecht erben der Vater zu 1/4, die Mutter zu 1/4, die Schwester zu 1/4 und die Kinder des vorverstorbenen Bruders zu 1/8.

Ist ein Elternteil vorverstorben, wird dessen Erbteil anders als im deutschen Erbrecht nicht dem verbleibenden Elternteil, sondern den Geschwistern zugeschlagen. In dritter Ordnung erben die Großeltern und Urgroßeltern des Erblassers, in vierter Ordnung die Seitenverwandten (collateraux).

Dem überlebenden Ehegatten des Erblassers steht ebenfalls ein Erbrecht zu. Wenn gemeinsame Kinder vorhanden sind, erhält der Ehegatte entweder den Nießbrauch am gesamten Vermögen oder ein Viertel der Erbschaft, siehe Art. 757 Code Civil. Die Kinder können den verbliebenen Elternteil auffordern, sein Wahlrecht auszuüben. Sofern der überlebende Ehegatte sich nicht äußert, gilt der Nießbrauchsrecht, Art. 758-3 Code Civil. Der Ehegatte und die Erben können die Umwandlung des Nießbrauchsrechts in eine Leibrente verlangen. Der Ehegatte erbt wie auch im deutschen Recht nicht mehr, wenn die Ehe zum Zeitpunkt des Erbfalls bereits rechtskräftig geschieden war.

Wenn Sie sich für eine Mandatierung in einem deutsch-französischen Erbfall interessieren, können Sie jederzeit Kontakt mit mir aufnehmen.

 

 

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2.
Richtlinie 77/187/EWG des Rates vom 14. Februar 1977 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Wahrung von Ansprüchen der Arbeitnehmer beim Übergang von Unternehmen, Betrieben oder Betriebsteilen (ABl. EG Nr. L 61 S. 26),
3.
Richtlinie 85/577/EWG des Rates vom 20. Dezember 1985 betreffend den Verbraucherschutz im Falle von außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen (ABl. EG Nr. L 372 S. 31),
4.
Richtlinie 87/102/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Verbraucherkredit (ABl. EG Nr. L 42 S. 48), zuletzt geändert durch die Richtlinie 98/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Februar 1998 zur Änderung der Richtlinie 87/102/EWG zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Verbraucherkredit (ABl. EG Nr. L 101 S. 17),
5.
Richtlinie 90/314/EWG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 1990 über Pauschalreisen (ABl. EG Nr. L 158 S. 59),
6.
Richtlinie 93/13/EWG des Rates vom 5. April 1993 über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen (ABl. EG Nr. L 95 S. 29),
7.
Richtlinie 94/47/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Oktober 1994 zum Schutz der Erwerber im Hinblick auf bestimmte Aspekte von Verträgen über den Erwerb von Teilzeitnutzungsrechten an Immobilien (ABl. EG Nr. L 280 S. 82),
8.
der Richtlinie 97/5/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Januar 1997 über grenzüberschreitende Überweisungen (ABl. EG Nr. L 43 S. 25),
9.
Richtlinie 97/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Mai 1997 über den Verbraucherschutz bei Vertragsabschlüssen im Fernabsatz (ABl. EG Nr. L 144 S. 19),
10.
Artikel 3 bis 5 der Richtlinie 98/26/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Wirksamkeit von Abrechnungen in Zahlungs- und Wertpapierliefer- und -abrechnungssystemen vom 19. Mai 1998 (ABl. EG Nr. L 166 S. 45),
11.
Richtlinie 1999/44/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Mai 1999 zu bestimmten Aspekten des Verbrauchsgüterkaufs und der Garantien für Verbrauchsgüter (ABl. EG Nr. L 171 S. 12),
12.
Artikel 10, 11 und 18 der Richtlinie 2000/31/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2000 über bestimmte rechtliche Aspekte der Dienste der Informationsgesellschaft, insbesondere des elektronischen Geschäftsverkehrs, im Binnenmarkt ("Richtlinie über den elektronischen Geschäftsverkehr", ABl. EG Nr. L 178 S. 1),
13.
Richtlinie 2000/35/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. Juni 2000 zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr (ABl. EG Nr. L 200 S. 35).