Landgericht München II Endurteil, 22. Feb. 2019 - 11 O 21010/15 Fin

bei uns veröffentlicht am22.02.2019

Gericht

Landgericht München II

Tenor

I. Die Klage wird abgewiesen.

II. Die Kläger haben die Kosten des Rechtsstreits je zur Hälfte zu tragen.

III. Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110% des jeweils zu vollstreckenden Betrages vorläufig vollstreckbar.

Tatbestand

Die Parteien streiten auf Basis österreichischen Rechts über den Rücktritt und Schadensersatzansprüche hinsichtlich eines Fremdwährungsdarlehens.

Die Beklagte ist ein in Österreich ansässiges Kreditinstitut, das Fremdwährungsdarlehen u.a. auch in Deutschland vertrieben hat. Seit 11.09.2000 betreibt die E1. G. Bank AG grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr auch nach Deutschland. Die E1. Bank zeigte den grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr gegenüber der BaFin am 20.11.2008 an.

Mit Wirkung zum 09.08.2008 wurde der Teilbetrieb „Österreichgeschäft“ von der E1. Bank der österreichischen S2. AG auf die Dritte Wiener Vereins- und Sparkasse abgespalten. Im Zuge dieses Umstrukturierungsvorgangs wurden die Firmenbezeichnungen beider Gesellschaften geändert. Die Firma der nunmehr für das Österreichgeschäft zuständigen Dritte Wiener Vereins- und S3. AG wurde auf E1. Bank der österreichischen S2. AG geändert. Die vormalige E1. Bank der österreichischen S2. AG firmiert nunmehr unter E1. G. Bank AG. Zum Vertrieb ihrer Fremdwährungsdarlehen in Deutschland bediente sich die Beklagte der S-I. GmbH (S-ImmoFin), die nicht über eine Zulassung nach § 32 KWG verfügt.

Unter dem 22.02.2008 erhielten die Kläger seitens der Beklagten eine Kreditzusage (vgl. Anlage B 1 a). Ausweislich des dort aufgeführten Verwendungszwecks diente der streitgegenständliche Kredit der Umschuldung eines weiteren Fremdwährungsdarlehens bei der Bank A. K. AG.

Am 29.02.2008 schlossen die Parteien zwecks Ablösung der vorher genannten Immobilienfinanzierung einen Fremdwährungskredit im Gegenwert von 295.000,00 €. Die Laufzeit datiert bis zum 20.04.2038. Im Kreditvertrag wurde vereinbart, dass die Kläger eine Bearbeitungsprovision in Höhe von 7.375,00 €, eine sog. Gestionsgebühr von 29,00 €, Kreditprüfkosten von 14,53 €, Notarkosten in Höhe von 200,00 € sowie für die Zahlungszusage weitere 29,00 € bezahlen. Zusätzlich kommen weitere nicht näher bezifferte Kosten, wie „Kontoführungsgebühren lt. Aushang“ sowie „Überziehungsprovision lt. Aushang“.

Neben dem Abschluss des Fremdwährungsdarlehens eröffneten die Kläger bei der Beklagten darüber hinaus ein sog. Abwicklungskonto mit der Nummer ...1/01.

Im Rahmen der Kreditgewährung verpflichteten sich die Kläger, eine Grundschuld ohne Brief über 364.000,00 € bei einem Jahreszins von 18%, eingetragen für die Bank A. K. AG unter laufender Nummer III/3, auf die Liegenschaft des Amtsgerichts Weilheim i. OB, Grundbuch P., Blatt 11223, Flurstücknummer 845/357, T. Z1.eg 4, Gebäude und Freifläche zu 479 qm der Beklagten grundbuchgemäß abzutreten. Ferner verpflichteten sich die Kläger, eine fondsgebundene Er- und Ablebensversicherung (mit Kapitalauszahlung) Polizze Nr. ... bei der A2 E2. L. AG mit einer monatlichen Prämienzahlung von mindestens 475,00 € abzuschließen und die Rechte aus dieser Versicherung an die Beklagte zu verzinsen. Weiterhin eine Lebensversicherung, Polizze Nr. ...-01 bei der H. L. AG über 250.000,00 €.

Als Verzinsung vereinbarten die Parteien 1,0000% p. a. (Marge) über dem Indikator 3-Monats-Libor. Der Kreditzusage war folgende Widerrufsbelehrung angehängt:

„WIDERRUFSBELEHRUNG

Widerrufsrecht

W. K., T. Z2. Weg 4, D P., und C. K., T. Z1. Weg 4, D P.,

nachstehend „Finanzierungsnehmer“ genannt,

können ihre auf den Abschluss des Finanzierungsvertrages Konto Nr. ...1/01 vom 22.02.2008 gerichtete Willenserklärung innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen in Textform (z. B. Brief, Fax, E-Mail) widerrufen.

Die Frist beginnt, wenn der/die Finanzierungsnehmer diese Belehrung und den Finanzierungsvertrag erhalten, unterzeichnet und (auch über einen Dritten) an die E1. Bank der oesterreichischen S. Amtsgericht abgeschickt oder ihr übergeben hat.

Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.

Der Widerruf ist zu richten an die E1. Bank der oesterreichischen S2. AG M2. Straße 121B/1. S, W2 Fax: ...

E-Mail: u...at Folgen eines form- und fristgerechten Widerrufs:

Die Finanzierungsnehmer sind nicht an den Vertrag gebunden.

Ist die Finanzierung oder Teile davon vor Erklärung des Widerrufs ausgezahlt worden, sind die vom Finanzierungsnehmer und der E1. Bank empfangenen Leistungen zurückzuzahlen.

Der Finanzierungsnehmer hat der E1. Bank gegenüber eine Gegenleistung (Zinsen) für die Überlassung des Finanzierungskapitals zu erbringen. Dies kann dazu führen, dass der Finanzierungsnehmer die vertraglichen Zahlungsverpflichtungen, insbesondere die Zinszahlungen, für den Zeitraum bis zur vollständigen Rückführung gleichwohl erfüllen muss. Die E1. Bank hat dem Finanzierungsnehmer die von ihm erbrachten Leistungen marktüblich zu verzinsen. Rückzahlungsverpflichtungen sind innerhalb von 30 Tagen nach Absendung der Widerrufserklärung zu erfüllen.

Innsbruck, am 29.02.08 … W. K. (Kreditnehmer)

… C. K.

(Kreditnehmer)"

Insoweit und zu den weiteren Einzelheiten der Widerrufsbelehrung wird auf Anlage B 1 b Bezug genommen.

Die Kläger tragen vor, dass ein persönlicher Kontakt zwischen den Parteien während der Darlehensanbahnung bzw. Vergabe in Bezug auf das streitgegenständliche Fremdwährungsdarlehen nicht bestanden habe. Den Klägern sei nicht bekannt gewesen, mit welchem konkreten Kreditinstitut der streitgegenständliche Fremdwährungskredit letztendlich geschlossen würde. Der Darlehensvertrag sei durch ausschließliche Verwendung von Fernkommunikationsmitteln geschlossen worden. Die von der Beklagten eingeschalteten Vertreter der S-ImmoFin lassen einen Fernkommunikationsvertrag nicht entfallen. Diese seien lediglich Boten. Die Vermittlung von Darlehen in das außerösterreichische Ausland sei nicht als Geschäftszweck im Gewerberegister eingetragen.

Die Kläger behaupten ferner, dass sie Verbraucher seien, die in dieser Eigenschaft ein Immobiliendarlehen aufnehmen wollten. Das streitgegenständliche Darlehen diene weder einer gewerblichen noch einer selbstständigen beruflichen Tätigkeit. Im streitgegenständlichen Darlehensvertrag sei weder der Effektivzinssatz noch der von den Klägern zu leistende Gesamtbetrag genannt worden.

Bei dem streitgegenständlichen Fremdwährungsdarlehen handle es sich um einen Kredit, der in einer anderen als der eigenen Währung aufgenommen werde. Die Schuld könne durch Wechselkursänderung vergrößert oder verkleinert werden. Die Aufnahme eines Fremdwährungskredits setze höheres Wissen über finanzwirtschaftliche Zusammenhänge voraus, als dies bei der Aufnahme eines Kredites in der eigenen Währung der Fall sei. Vorliegend bestehe ein Währungsrisiko. Zu diesem komme ein sog. Zinsänderungsrisiko hinzu. Die Vergabe eines Fremdwährungskredits in Österreich sei zwar erlaubt, jedoch strengen Regeln unterworfen. Die Vergabe sei nur nach einer strengen Bonitätsprüfung möglich, die ermitteln soll, ob der Kreditnehmer über genügend Reserve für etwaige Änderungen im Wechselkurs verfüge. Praktisch sei seit dem Jahr 2010 die Ausreichung von Fremdwährungskrediten in Österreich annähernd ausgeschlossen worden.

Die Kläger behaupten außerdem, dass es keinerlei persönlichen Kontakt bis zum Abschluss des Darlehensvertrages zwischen den Parteien gegeben habe. Die Kläger hätten die Beklagte bislang nicht in einer von deren Geschäftsstellen aufgesucht. Die Anbahnung des streitgegenständlichen Fremdwährungsdarlehens sei allein durch in Deutschland tätige Vermittler der S-ImmoFin erfolgt. Die Kläger seien dabei im Vorfeld darauf aufmerksam geworden, dass österreichische Banken bessere Darlehenskonditionen anböten, als in Deutschland ansässige Kreditinstitute.

Die Kläger hätten zum Zwecke ihrer Umfinanzierung auf einem Internetportal nach einer günstigen Finanzierung gesucht. Dort hätten die Kläger ihre Kontaktdaten sowie ihren Finanzierungsbedarf angegeben. Daraufhin sei es zum Kontakt mit Vertretern der S-ImmoFin gekommen. Es seien mehrere Besprechungstermine mit denselben Vertretern erfolgt.

Den Klägern sei dabei mündlich das Institut des Darlehens erläutert worden. Die Darlehensverträge sehen keine feste Tilgungswirkung vor, eine Tilgung würde erst am Ende der Vertragslaufzeit erfolgen. Zusätzlich müssten daher Tilgungsträger zu den Darlehensverträgen abgeschlossen werden, wobei der Abschluss von Lebensversicherungsverträgen von österreichischen Partnerunternehmen der Beklagten angeboten worden seien. Eine weitere Voraussetzung sei der Abschluss einer Risikolebensversicherung gewesen. Vorliegend sei den Klägern im Übrigen noch ein sog. Zinscap angeboten worden. Die Kläger hätten sich für diesen auch entschieden.

Nachdem die Kläger mit dem mündlich unterbreiteten Angebot einverstanden gewesen seien, hätten sie ein Schreiben der S-ImmoFin erhalten, welches mit vorläufiger Finanzierungszusage überschrieben gewesen sei. Nachdem sich die Kläger gegenüber dem Vertreter der S-ImmoFin mit diesem Angebot einverstanden erklärt hätten, hätten sie seitens der Beklagten postalisch ein Schreiben erhalten, welches die Überschrift „Kreditzusage“ getragen habe. Dieses beinhaltete das konkrete Vertragsangebot, welches von den Klägern in ihrer Privatwohnung in Deutschland unterzeichnet worden und sodann postalisch an die Beklagte übersandt worden sein soll. Dabei sei von Seiten der Beklagten eine Überprüfung der Echtheit der Unterschrift der Kläger erfolgt.

Die Kläger meinen, dass das Gericht für den hiesigen Rechtsstreit insgesamt zuständig sei. Die Kläger sind ferner der Auffassung, dass gemäß Ziffer 7. der Rahmenbedingungen für Finanzierungen der Beklagten für den streitgegenständlichen Fremdwährungskredit österreichisches Recht gelte. Auf dieser Basis können die Kläger Rückabwicklung des streitgegenständlichen. Fremdwährungsdarlehens verlangen.

Die Kläger sind weiterhin der Auffassung, dass die Beklagte die Zinsen nicht entsprechend der vertraglichen Vereinbarung berechnet habe. Im Vertrag heißt es insoweit, dass für die Zinsperiode die Verzinsung 1,0000% p. a. (Marge) über den Indikatior (3-Monats-Libor) betrage. Es sei mithin geregelt, dass der jeweilige in Prozentpunkten festgelegte jährliche Zinssatz des 3-Monats-Libor um den prozentualen Anteil der Marge erhöht werde. Tatsächlich habe die Beklagte jedoch den Zinssatz des 3-Monats-Libor um die Marge in Prozentpunkten erhöht.

Die Kläger sind des weiteren der Auffassung, dass die Beklagte unberechtigt teilweise betragsmäßig unbekannte Gebühren in Rechnung gestellt habe. Diese stünden der Beklagten nicht zu.

Das Auftreten der Vermittler der S-ImmoFin im Geschäftsverkehr habe dazu geführt, dass bei den Klägern der Anschein erweckt wurde, als würde die S-ImmoFin ein eigenes Darlehensangebot unterbreiten.

Bei einem Vertragsverhältnis zwischen einem Unternehmer einerseits und einem Verbraucher andererseits im Sinne des KSchG (österreichisches Konsumentenschutzgesetz) gelte nach Auffassung der Kläger das österreichische Fern-Finanzdienstleistungsgesetz (FernFinG). Die sehe vor, dass dem Verbraucher rechtzeitig vor Abgabe seiner Vertragserklärung erkennbar gemacht werden müsse, wer sein Vertragspartner sei, welchen Gesamtpreis der Verbraucher dem Unternehmen schulde einschließlich aller damit verbundenen Provisionsgebühren und Abgaben sowie aller über den Unternehmer abgeführten Steuern u ä. Die Vermittler der S-ImmoFin seien nicht als Vertreter der Beklagten aufgetreten. Auch hätten diese die hiesige Beklagte nicht als späteren Vertragspartner genannt.

Die Kläger meinen, dass ihnen auf Grundlage des § 8 österreichisches FernFinG ein Rücktrittsrecht zustehe. Die im Darlehensangebot der Beklagten übersandten Unterlagen erfüllten die gesetzlichen Informationspflichten der genannten Vorschrift nicht vollständig. Es fehle an der Nennung der für die Zulassung der für Bankgeschäfte zuständigen österreichischen Finanzmarktaufsicht, an der Bezifferung der vollständigen Nebenkosten und der Nennung des anfänglichen effektiven Jahreszinssatzes und an der hinreichend spezifischen Risikoaufklärung. Die Widerrufsbelehrung sei fehlerhaft. Die Angaben zu Beginn der Widerrufsfrist als auch die Rechtsfolgen seien fehlerhaft erfolgt. Die Beklagte habe verkannt, dass auf Basis des österreichischen Rechtes kein Widerruf, sondern vielmehr ein Kündigungsrecht greife.

Das Fehlen der genannten Informationen bewirke, dass die Rücktrittsfrist nach § 8 österreichisches FernFinG nicht zu laufen begonnen habe. Die Ausübung des Rücktrittsrechtes sei den Klägern weiterhin unbefristet möglich. Das Unterbleiben einer ordnungsgemäßen Belehrung sei von Seiten der Beklagten schuldhaft erfolgt.

Den Klägern stünde weiterhin ein Rücktrittsrecht auf Grundlage des § 3 Abs. 1 S. 1 österreichisches KSchG zu. Der Anwendungsbereich des österreichischen Konsumentenschutzgesetzes sei eröffnet. Auch die Ausnahmetatbestände des § 3 Abs. 3 KSchG greifen nach Auffassung der Kläger im hiesigen Fall nicht. Es liege insbesondere keine sog. kongruente Anbahnung seitens der Kläger vor. Hierfür reiche eine Internetrecherche, wie sie vorliegend erfolgt ist, nicht aus.

Ein vorgerichtliches Kreditgutachten sei zu dem Ergebnis gelangt, dass die Beklagte den Klägern einen Betrag in Höhe von 159.174,63 € schulde (vgl. Anlage K 4). Diese Feststellungen seien finanzmathematisch richtig erfolgt. Später haben die Kläger ein korrigiertes Kreditgutachten vom 03.02.2016 vorgelegt (vgl. Anlage K 18).

Die Kläger sind schließlich der Auffassung, dass die Beklagte aufgrund diverser Beratungsfehler auf Grundlage der §§ 3 Abs. 1 S. 3 KSchG, 5 FernFinG und § 33 Abs. 2 Ziff. 2 BWG Schadensersatz schulde. Im Übrigen stünde den Klägern auch nach § 32 KWG mangels entsprechender Erlaubnis ein Schadensersatzanspruch gegen die Beklagte zu.

Die Kläger haben ihre ursprünglichen Anträge zunächst mit Schriftsatz vom 31.03.2016 und schließlich mit Schriftsatz vom 03.12.2018 abgeändert.

Die Kläger beantragen zuletzt,

  • 1.Es wird festgestellt, dass die Kläger nicht verpflichtet sind, die vertraglich vereinbarten Zins- und Tilgungsleistungen auf das mit der Beklagten abgeschlossene Darlehen mit der Nummer 289-266-081 - einschließlich sämtlicher Unterziffern - zu zahlen.

  • 2.Die Beklagte wird verurteilt, den Saldo des Darlehens Nr. 289-266-081 - einschließlich sämtlicher Unterziffern - Zug um Zug gegen Zahlung von 295.000,00 € auf Null zu setzen.

  • 3.Die Beklagte wird verurteilt, an die Kläger außergerichtlich angefallene Rechtsanwaltsgebühren in Höhe von 4.770,47 € nebst 5 Prozentpunkten Zinsen über dem jeweiligen Basiszinssatz hieraus seit Rechtshängigkeit zu zahlen.

Die Beklagte beantragt,

Klageabweisung.

Die Beklagte behauptet, dass sich die Kläger für einen äußerst günstigen Fremdwährungszins entschieden hätten. Dem sei das Fremdwährungsrisiko gegenübergestanden. All dies sei den Klägern bekannt gewesen, so dass diese das Fremdwährungsrisiko zu tragen hätten.

Die Beklagte trägt ferner vor, dass der streitgegenständliche Fremdwährungskredit in den Räumen der S-ImmoFin in Innsbruck abgeschlossen worden sei. Der Vertrag sei in Anwesenheit eines Vertreters der S-ImmoFin geschlossen worden.

Die Beklagte trägt außerdem vor, dass die Kläger das streitgegenständliche Darlehen in japanischem Yen zu einem Gegenwert von 295.000,00 € abgeschlossen hätten. Diesem Vertrag seien diverse Gespräch mit Vertretern der S-ImmoFin vorausgegangen, in deren Rahmen die entsprechenden Zinsen besprochen worden sein sollen. Die Valutierung des Darlehens sei am 19.05.2008 erfolgt. Im Jahre 2010 hätten die Kläger eine Konvertierung des in Yen laufenden Kredits auf Euro beantragt.

Soweit die Beklagte in der Vergangenheit Geschäfte mit deutschen Kunden gemacht habe, seien die Geschäfte über die in Österreich ansässige und über keine Niederlassung in Deutschland verfügende S-ImmoFin vermittelt worden. Die Verzinsung sei eingehend mit den Klägern besprochen worden. Diese hätten sich einen am 3-Monats-Libor orientierten Zins gewünscht. Es sei daher besprochen worden, dass die Kläger neben dem 3-Monats-Libor-Zins eine zusätzliche Marge von 1,0000% p. a. zu zahlen hätten, wobei auch für die Kläger klar gewesen sei, dass sich der Prozentsatz auf das jeweils aushaftende Fremdkapital beziehe. Der Vertragsunterzeichnung selbst sei ein zweistündiger Beratungstermin vorausgegangen.

Die von den Klägern nach dem vorgelegten Kreditgutachten ermittelten Ergebnisse seien mittels Aufrechnung erlangt. Aufrechnungen scheiterten allerdings an dem vereinbarten Aufrechnungsverbot gemäß den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Beklagten. Im Übrigen seien die klägerseits vorgelegten Gutachten fehlerhaft. So sei beispielsweise die Marge falsch berechnet worden. Der Privatsachverständige sei überdies nicht von einem Fremdwährungskredit ausgegangen. Dieser habe falsche Referenzzinsen und eine falsche Zinsanpassung sowie falsche Nutzungsberechnung vorgenommen. Im Übrigen liege kein verbundenes Geschäft vor.

Die Beklagten behaupten außerdem, dass ein effektiver Jahreszinssatz in den Kreditverträgen deshalb nicht angegeben werden konnte, da dieser im Zeitpunkt des Abschlusses des streitgegenständlichen Fremdwährungsdarlehens nicht festgestanden habe. In der Kreditzusage heiße es insoweit, dass dieser Zinssatz gesondert vereinbart werde. Eine fehlerhafte Zinsberechnung liege nicht vor.

Die Beklagte meint, dass den Klägern weder ein Rücktrittsrecht noch Schadensersatzansprüche zustehen. Ein Rücktrittsrecht auf Basis des österreichischen Fernfinanzdienstleistungsgesetzes sei nicht gegeben. Dieses Gesetz gelte nur für Fernabsatzverträge, in denen sich der Unternehmer ausschließlich oder für einen bedeutenden Teil seiner Geschäfte der Fernkommunikationsmittel bedient. Vorliegend sei der streitgegenständliche Fremdwährungskredit allerdings nicht unter ausschließlicher Verwendung von Fernkommunikationsmitteln geschlossen worden. Vielmehr habe es diverse persönliche Kontakte mit Vertretern der S-ImmoFin gegeben. Diese seien nicht als bloße Boten, sondern vielmehr als Handelsvertreter der Beklagten zu qualifizieren. Der Anwendungsbereich des österreichischen Fernfinanzdienstleistungsgesetzes sei daher nicht eröffnet.

Auch ein Rücktrittsrecht auf Grundlage des § 3 österreichisches KSchG komme laut der Beklagten nicht in Betracht. Die Kläger hätten ihre Vertragserklärung in den Geschäftsräumen der S-ImmoFin in Innsbruck abgegeben, sodass der Anwendungsbereich des KSchG bereits nicht eröffnet sei. Im Übrigen greife der Ausschlusstatbestand des § 3 Abs. 3 Nr. 1 KSchG, da der vorliegende Fremdwährungskredit allein durch die Kläger angebahnt wurde. Im Übrigen sei die Kündigung auch verfristet.

Schließlich stünden den Klägern auch keine Schadensersatzansprüche zu. Es liege ein nicht verschuldeter Rechtsirrtum vor. Die Ansprüche seien im Übrigen jedenfalls verjährt.

Die Rücktrittsrechte der Kläger seien ferner verwirkt bzw. rechtsmissbräuchlich, da der Rücktritt trotz Kenntnis der Kläger seit 2013 erst im laufenden Verfahren erklärt worden sei. Von den vormaligen Prozessbevollmächtigten der Kläger sei vorgerichtlich ein solcher Rücktritt gerade nicht erklärt worden.

Durch Beschluss vom 25.04.2018 hat die Kammer den Rechtsstreit dem hier entscheidenden Einzelrichter übertragen (Bl. 258/260 d.A.). Das Gericht hat am 18.04.2016 sowie am 17.12.2018 mündlich verhandelt und dabei die beiden Kläger informatorisch angehört. Beweis hat das Gericht nicht erhoben. Zum Inhalt und Ablauf der beiden mündlichen Verhandlungen wird auf die jeweiligen Sitzungsprotokolle verwiesen (Bl. 177/180 und 290/295 d.A.). Mit Beschluss vom 30.05.2014 hatte das Gericht ursprünglich ein Rechtsgutachten zu den Fragen des österreichischen Rechts erlassen. Insoweit wird auf das Schreiben des Sachverständigen vom 02.03.2017 verwiesen (Bl. 225/226 d.A.). Mit weiterem Beschluss vom 17.10.2017 wurde der ursprüngliche Beweisbeschluss vom 30.05.2016 teilweise aufgehoben und der Sachverständige von der weiteren Gutachtenerstellung entbunden (Bl. 253/255 d.A.). Dies nachdem Parteivertreter übereinstimmend ein entsprechendes Rechtsgutachten desselben Sachverständigen aus einem Parallelverfahren vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth vorgelegt hatten.

Hinsichtlich der weiteren Einzelheiten des jeweiligen Parteivorbringens wird auf die gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen sowie auf die beiden Sitzungsprotokolle Bezug genommen.

Gründe

Die zulässige Klage ist unbegründet und daher abzuweisen. Die Kläger können weder Rückabwicklung des geschlossenen Fremdwährungsdarlehens noch Schadensersatz von der Beklagten verlangen. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der nachgelassenen Schriftsätze vom 14. und 21.01.2019. Selbiges gilt schließlich auch für den weiteren Schriftsatz des Klägervertreters vom 18.02.2019. Ein Fall des § 156 ZPO lag hierin nicht begründet.

I.

Die Klage ist zulässig.

A)

Insbesondere ist das hier angerufene Landgericht München II gemäß § 1 ZPO i.V.m. § 71, 23 GVG sachlich und nach Art. 15 Abs. 1 lit. c, 16 Abs. 1 EuGVVO a.F. international wie örtlich zuständig.

B)

Auch im Übrigen sind Zulässigkeitshindernisse nicht ersichtlich.

Mit BGH-Urteil vom 16.05.2017, Az. XI ZR 586/15 ist der Feststellungsantrag der Kläger zulässig. Der Antrag unter Ziffer 2 des maßgeblichen Schriftsatzes vom 03.12.2018 ist mit Urteil des Oberlandesgerichtes München vom 02.11.2017, Az. 24 U 4366/16 ebenfalls zulässig.

II.

Die Kläger können die vorliegenden Anträge auch im Rahmen einer Klage geltend machen. Die Voraussetzungen einer sog. objektiven Klagehäufung nach § 260 ZPO liegen vor. Für sämtliche klageweise geltend gemachten Ansprüche ist das hiesige Recht zuständig und dieselbe Prozessart zulässig. Da auch kein Verbindungsverbot ersichtlich ist, liegen die Voraussetzungen des § 260 ZPO insgesamt vor.

III.

Die Klage ist allerdings unbegründet und war daher vollumfänglich abzuweisen.

A)

Die von den Klägern ins Feld geführten Kündigungsrechte sowie Schadensersatzansprüche richten sich nach österreichischem Recht.

1. Die Parteien haben unstreitig österreichisches Recht vereinbart. Dies ergibt sich aus Ziffer 7 der durch den streitgegenständlichen Vertrag in Bezug genommenen und von den Klägern gesondert unterzeichneten „Rahmenbedingungen für Finanzierungen“ Diese Rechtswahl ist auch zulässig.

2. Die Rom-I-Verordnung ist nicht anwendbar, da diese nur für ab dem 17.12.2009 abgeschlossene Verträge gilt (vgl. Art. 28 Rom-I-Verordnung). Die Kreditzusage der Beklagten datiert vom 22.02.2008 und wurde von den Klägern am 29.02.2008 angenommen. Vor diesem Hintergrund kommt es auf die Rom-I-Verordnung vorliegend nicht zur Anwendung.

3. Damit ist im Rahmen der anzustellenden IPR-Prüfung von den Art. 27 - 39 EGBGB a.F. auszugehen. Ausweislich des Art. 27 Abs. 1 EGBGB a.F. ist eine Rechtswahl, wie sie vorliegend getroffen wurde, grundsätzlich zulässig. Die hiesige Rechtswahl wurde auch ausdrücklich geschlossen. Art. 29 EGBGB a.F. steht dieser Rechtswahl nicht entgegen. Der Anwendungsbereich dieser Norm ist nicht einschlägig. Denn es handelt sich vorliegend weder um einen Vertrag über die Lieferung beweglicher Sachen oder die Erbringung von Dienstleistungen noch um einen solchen zur Finanzierung eines derartigen Geschäfts.

Laut den informatorisch angehörten Klägern diente das hiesige Fremdwährungsdarlehen der Umfinanzierung eines vorhergehenden Fremdwährungsdarlehen bei der Bank A. AG. Ein derartiger Vertrag unterfällt dem Anwendungsbereich des Art. 29 Abs. 1 EGBGB a.F. nicht. Damit ist österreichisches Recht anwendbar, was sich letztlich auch aus dem Schreiben des Sachverständigen vom 02.03.2017 ergibt (Bl. 225/226 d.A.).

B)

Die Kläger sind vom streitgegenständlichen Fremdwährungsdarlehen nicht wirksam zurückgetreten. Ein entsprechendes Rücktrittsrecht besteht weder nach § 8 des österreichischen Bundesgesetzes über den Fernabsatz von Finanzdienstleistungen am Verbraucher (FernFinG) noch nach § 3 des österreichischen Bundesgesetzes vom 8. März 1979 mit den Bestimmungen zum Schutz der Verbraucher getroffen werden (KSchG).

1. Ausweislich des § 1 des österreichischen FernFinG gilt dieses Gesetz für Fernabsatzverträge über Finanzdienstleistungen zwischen einem Unternehmer und einem Verbraucher im Sinn des Konsumentenschutzgesetzes. § 1 Abs. 1 KSchG definiert unter Ziffer 1 den Unternehmer als jemand, für den das Geschäft zum Betrieb seines Unternehmens gehört. Unter Ziffer 2 wird der Verbraucher als jemand definiert, für den dies nicht zutrifft.

a) Die Tatbestandsvoraussetzungen sind vorliegend gegeben. Die Kläger sind unstreitig als Verbraucher zu qualifizieren. Die Beklagte ist als österreichisches Kreditinstitut Unternehmerin.

b) § 3 Nr. 1 des österreichischen FernFinG definiert den Fernabsatzvertrag als einen Vertrag, der unter ausschließlicher Verwendung eines oder mehrerer Fernkommunikationsmittel im Rahmen eines für den Fernabsatz organisierten Vertriebs- oder Dienstleistungssystems des Unternehmers abgeschlossen wird.

Nach dem klägerischen Vortrag erfolgte die gesamte Anbahnung des streitgegenständlichen Fernabsatzvertrages durch in Deutschland tätige Vermittler der S-ImmoFin. Laut den klägerischen Angaben im Rahmen deren informatorischen Anhörung im Termin vom 17.12.2018 kam es zu zwei Besprechungsterminen zwischen den Klägern und einem Vermittler der S-ImmoFin. Beim ersten Termin wurde seitens der S-ImmoFin ein Finanzierungsangebot unterbreitet. Später kam es sodann zu einem weiteren Treffen in den Geschäftsräumen der S-ImmoFin in Innsbruck. Dort erfolgte die schlussendliche Unterzeichnung der Finanzierungszusage. Laut den Klägern war hierbei immer derselbe Vermittler der S-ImmoFin zugegen. Nach dem eigenen klägerischen Vortrag ist das streitgegenständliche Darlehen damit aber nicht unter ausschließlicher Verwendung von Fernkommunikationsmitteln geschlossen worden. Mit dem vom Klägervertreter vorgelegten Rechtsgutachten des Herrn Professor Thomas P. vom 05.12.2016, das im Verfahren mit dem Az. 6 O 3090/15 vom Landgericht Nürnberg-Fürth eingeholt worden ist, scheidet damit ein Fernabsatzvertrag im Sinne des österreichischen FernFinG aus (vgl. Seite 19 des Rechtsgutachtens).

Es mag zwar zutreffen, dass das auch nach österreichischem Recht der Anwendung der Vorschriften über den Fernabsatzvertrag nicht entgegensteht, wenn bei Vertragsschluss oder Anbahnung ein Bote beauftragt wird, der zwar dem Verbraucher in unmittelbarem persönlichen Kontakt gegenübertritt, jedoch über den Vertragsinhalt und insbesondere über die Beschaffenheit der Vertragsleistung des Unternehmers keine näheren Auskünfte geben kann und soll (vgl. BGH, Urt. v. 21.10.2004 - III ZR 380/03; BGHZ 160, 393). Derart untergeordnet war jedoch die Stellung der jeweiligen Vermittler der S-ImmoFin nach dem Vortrag der Kläger nicht. Vielmehr war es zu dem oben erwähnten, recht ausführlichen Besprechungsterminen mit den Vermittlern gekommen, wie in der Klageschrift umfassend dargestellt wird. Ergebnis der beiden Besprechungstermine war laut den Klägern, dass die S-ImmoFin, in deren Auftrag die Vermittler tätig waren, den Klägern vorläufige Finanzierungszusagen erteilte, denen eine Kreditzusage der Beklagten folgte.

Auch der bereits genannte Sachverständige Prof. P. lehnt ein Fernabsatzgeschäft im Sinne des FernFinG mit der Begründung ab, dass mit den Vermittlern der S-ImmoFin Vertreter des Unternehmens mit dem Verbraucher Vertragsverhandlungen geführt haben und eine physische Begegnung zwischen den Vertretern und dem Verbraucher stattfand. Dies schließt einen Fernabsatzvertrag aus, sofern es sich nicht lediglich um einen Boten handelt, der nur eine vorformulierte Nachricht des Unternehmers überbringt (vgl. Seite 17 des genannten Rechtsgutachtens). In dem von Prof. P. begutachteten Fall gab es - wie vorliegend bei den beiden Klägern - mehrere Besprechungstermine mit der S-ImmoFin. Prof. P. folgert daraus Folgendes: „Auch wenn es der S-ImmoFin allenfalls unmittelbar vor Vertragsschluss möglich gewesen sein sollte, Auskünfte zu bestimmten weiteren Darlehenskonditionen zu erteilen (…), geht das Handeln der S-ImmoFin über das eines bloßen Boten hinaus und entspricht nach gutachterlicher Einschätzung nach dem gegenwärtigen Stand der Akten und vorbehaltlich abweichender Feststellungen oder Einschätzungen durch das Gericht derjenigen eines Verhandlungsgehilfen. Eine bloße Botenstellung der S-ImmoFin liegt daher nicht vor. Damit liegen die Voraussetzungen vor, unter denen ein Fernabsatzgeschäft grundsätzlich zu verneinen ist“ (vgl. Seite 19 des Rechtsgutachtens).

Dieser mit Zitaten aus der österreichischen Literatur und von Entscheidungen des österreichischen OGH begründeten Einschätzung folgt das Gericht auch für den vorliegenden, hinsichtlich der Beteiligung der Vermittler der S-ImmoFin gleichgelagerten Fall. Vor diesem Hintergrund und mit Zustimmung beider Parteivertreter bedarf es daher der Einholung eines zusätzlichen Sachverständigengutachtens nach § 293 ZPO zum österreichischen Recht nicht.

Denn schon nach dem Vortrag der Kläger mangelt es vorliegend an einem Fernabsatzvertrag im Sinne des österreichischen FernFinG. Da die Vermittler der S-ImmoFin gerade nicht als bloße Boten zu qualifizieren sind, wurde der vorliegende Kreditvertrag gerade nicht unter ausschließlicher Verwendung von Fernkommunikationsmitteln geschlossen. Im Gegenteil gab es laut den Angaben der Kläger jedenfalls zwei persönliche Besprechungstermine mit Vertretern der S-ImmoFin. Dies lässt den Anwendungsbereich des österreichischen FernFinG entfallen.

Vor diesem Hintergrund steht den Klägern auf Grundlage des § 8 des österreichischen FernFinG gerade Kündigungsrecht zu.

2. Selbiges gilt im Ergebnis für das auf § 3 Abs. 1 österreichisches KSchG gestützte Kündigungsrecht.

a) Ausweislich des Satzes 1 der zitierten Vorschrift hat der Verbraucher ein Rücktrittsrecht für den Fall, dass er seine Vertragserklärung weder in den vom Unternehmer für seine geschäftlichen Zwecke dauernd benützten Räumen noch bei einem von diesem dafür auf einer Messe oder einem Markt benützten Stand abgegeben hat.

Gemäß den Anlagen B 1 b und B 1 e erfolgte die Vertragsunterzeichnung in Innsbruck. Hierauf angesprochen gaben die Kläger im Rahmen ihrer informatorischen Anhörung im Termin vom 17.12.2018 an, dass sie ihre Vertragserklärung tatsächlich in Innsbruck abgeben haben. Dies in Büroräumlichkeiten der S-ImmoFin.

Damit mangelt es an den oben dargelegten Voraussetzungen des § 3 Abs. 1 S. 1 KSchG.

Ausweislich des bereist genannten Rechtsgutachtens des Herrn Prof. P. werden nach der österreichischen Rechtsprechung Räume von Vermittlungspersonen den Räumlichkeiten des Unternehmers für die Zwecke des § 3 Nr. 1 KSchG grundsätzlich gleichgestellt (vgl. Seite 22 des Rechtsgutachtens). Dem folgend bejaht Prof. P. in dem für das Landgericht Nürnberg-Fürth erstatteten Gutachten die grundsätzliche Anwendbarkeit des § 3 Abs. 1 Nr. 1 KSchG in dem von ihm begutachteten Fall gerade damit, dass die Kläger ihre Vertragserklärung nicht in den Räumen der S-ImmoFin abgegeben haben, sondern zuhause (vgl. Seite 23 des Rechtsgutachtens). In contrario folgt hieraus, dass die Vertragserklärung durch die beiden hiesigen Kläger in den Räumen der S-ImmoFin in Innsbruck gerade doch in dem vom Unternehmer für seine geschäftlichen Zwecke dauernd benützten Räumen abgegeben wurde, sodass der Schutzbereich des § 3 Abs. 1 S. 1 KSchG bereits nicht eröffnet ist. Anders als der Klägervertreter schriftsätzlich vorgetragen hat, ist damit ein Vertragsschluss bei den Klägern zuhause widerlegt. Wie diese im Rahmen ihrer informatorischen Anhörung angaben, gab es zwar einen ersten Besprechungstermin bei ihnen zuhause. Die maßgebliche Vertragsunterzeichnung erfolgte allerdings ausweislich ihrer eigenen Angaben in den Büroräumlichkeiten der S-ImmoFin in Innsbruck. Hierfür haben sie sich extra nach Innsbruck begeben.

Da die Frage zur Auslegung des österreichischen Rechts durch das von den Klägern vorgelegte Gutachten des Sachverständigen Prof. P. bereits beantwortet ist, bedarf es der Einholung eines weiteren Gutachtens hierzu nicht. Nach Auffassung des Gerichtes ist diese Rechtsfrage mit dem zitierten Rechtsgutachten zu beantworten (so auch OLG München, Urt. v. 02.11.2017, Az. 24 U 4366/16).

Schon deshalb entfällt damit auch ein Rücktrittsrecht der Kläger auf Basis des § 3 österreichisches KSchG.

b) Überdies scheitert der Rücktritt der Kläger vorliegend am Ausnahmetatbestand des § 3 Abs. 3 Nr. 1 KSchG.

Ausweislich der zitierten Norm steht dem Verbraucher ein Rücktrittsrecht nicht zu, wenn er selbst die geschäftliche Verbindung mit dem Unternehmer oder dessen Beauftragten zwecks Schließung dieses Vertrages angebahnt hat. Soweit Letzteres zu bejahen ist, fehlt es an dem für Haustürgeschäfte charakteristischen Überrumpelungseffekt, und es besteht kein Grund, ein Rücktrittsrecht einzuräumen. Bei alledem genügt es für eine Anbahnung durch den Verbraucher im vorgenannten Sinne nach dem ausdrücklichen Wortlaut der zitierten Ausnahmevorschrift, wenn der Verbraucher Verbindung zu einem Beauftragten des Unternehmens aufgenommen hat (vgl. Seite 23 des Rechtsgutachtens).

Die bloße Tatsache also, dass die Anbahnung über die S-ImmoFin und nicht mit der Beklagten direkt erfolgte, steht einer Anbahnung im Sinne des § 3 Abs. 3 Nr. 1 KSchG mithin nicht entgegen. Nach der einschlägigen Rechtsprechung des OGH ist allerdings eine sog. kongruente Anbahnung erforderlich. Damit ist gemeint, dass der Verbraucher gerade wegen derjenigen Geschäftsverbindung zum Anbieter Kontakt aufgenommen haben muss, die dem späteren Vertragsabschluss zugrunde liegt. Damit reicht ein allgemeiner Informationswunsch ohne Bezug zu einem bestimmten Produkt an den Anbieter gerade nicht.

Von der österreichischen Rechtsprechung für eine kongruente Anbahnung bejaht wurde beispielsweise ein Fall, in dem ein Kunde den Kontakt mit einer Bank aufnahm, weil er mit seinen bisherigen Sparbuchzinsen nicht mehr zufrieden war und eine Neuanlage anstrebte, was sodann zum Erwerb argentinischer Staatsanleihen führte, die nach drei Beratungsgesprächen zur Erzielung einer Hebelwirkung zum Teil durch einen Kredit mit Schweizer Franken finanziert wurde (vgl. zu allem Seite 23 ff. des Rechtsgutachtens).

Vor diesem Hintergrund lässt es Prof. P. für eine kongruente Anbahnung genügen, wenn sich die Kläger wegen einer bestimmten Umschuldung in einer konkreten Größenordnung um eine Verbindung zur S-ImmoFin bemüht haben.

Dies ist im vorliegenden Fall zu bejahen. Die Kläger gaben im Rahmen ihrer informatorischen Anhörung an, dass sie eine Umfinanzierung ihres vorhergegangenen Fremdwährungsdarlehen bei der Bank A. AG angestrebt hatten. Vor diesem Hintergrund haben sie sich online nach einer günstigen Umschuldung umgesehen und sich in einem entsprechenden Portal angemeldet. In diesem haben sie nach eigenen Angaben ihre persönlichen Angaben hinterlassen sowie den entsprechenden Kreditbedarf. Laut Klägern hat sich erst hieran anschließend ein Vertreter der S-ImmoFin bei diesen gemeldet.

Vor diesem Hintergrund wird man auf unter Zugrundelegung des Gutachtens des Herrn Prof. P. zu dem Ergebnis gelangen, dass vorliegend ein Fall sogenannter kongruenten Anbahnung zu bejahen ist. Die Kläger sind nicht wegen eines bloßen Informationswunsches auf die S-ImmoFin gestoßen. Ihnen ging es vielmehr darum, einen konkreten Finanzierungsbedarf umzufinanzieren. Das hiesige Fremdwährungsdarlehen sollte einen vorangegangenen Fremdwährungskredit ablösen. Nach Auffassung des Gerichts und unter Zugrundelegung der Grundsätze im österreichischen Recht sowie der österreichischen Rechtsprechung liegt hierin nach Auffassung der erkennenden Kammer ein kongruentes Anbahnen i.S.d. § 3 Abs. 3 Nr. 1 KSchG. Auch deshalb scheidet ein Rücktrittsrecht der Kläger im vorliegenden Fall aus.

c) Die Fragen der Verwirkung bzw. des Rechtsmissbrauchs waren vor diesem Hintergrund nicht entscheidungserheblich und konnten daher offen bleiben.

C)

Schadensersatzansprüche stehen den Klägern gegen die Beklagte ebenfalls nicht zu.

1. Für einen behaupteten Schadensersatzanspruch wegen Verstoßes gegen die Verpflichtung zur Angabe des effektiven Jahreszinses nach § 33 Abs. 2 Ziff. 2 des österreichischen Bankwesengesetzes (BWG) fehlt es schon an einem schlüssigen Vortrag der Kläger.

Die Regelung des § 33 Abs. 2 Ziff. 2 BWG lautet im maßgeblichen Zeitraum wie folgt:

„Unbeschadet der Wirksamkeit des Rechtsgeschäftes bedürfen Verbraucherkreditverträge der Schriftform. Das Kreditinstitut hat bei Abschluss eines Verbraucherkreditvertrages dem Verbraucher eine in deutscher Sprache abgefasste Ausfertigung des Vertrages auszuhändigen. Auf Verlangen des Kreditwerbers hat das Kreditinstitut diesem einen Entwurf des in Aussicht genommenen Vertrages auszuhändigen. Der Verbraucherkreditvertrag hat zumindest folgende Angaben zu enthalten:

„1. …

2. Den effektiven Jahreszinssatz in arabischen Ziffern an auffallender Stelle des Vertrages, …“.

Wie der effektive Jahreszinssatz zu bestimmen ist, ergibt sich aus Abs. 4 der genannten Vorschrift.

Die vorliegende Kreditzusage an die beiden Kläger enthält keine entsprechende Angabe über den effektiven Jahreszins. Stattdessen findet sich unter der Überschrift „Information für Verbraucher gemäß § 33 BWG“ Folgendes:

„Da der Zinssatz für die erste Zinsperiode bei Inanspruchnahme mit Ihnen gesondert vereinbart wird, können wir Ihnen die Informationen für Verbraucher gemäß BWG (u.a. effektiver Jahreszinssatz, Gesamtbelastung, etc.) erst zu diesem Zeitpunkt bekanntgeben. Über Ihren Wunsch sind wir bei Kreditanspruchnahme gern bereit, Ihnen diese Daten gesondert schriftlich mitzuteilen.“

Auch wenn vor diesem Hintergrund der effektive Jahreszinssatz entgegen § 33 Abs. 2 Ziff. 2 BWG den Klägern gegenüber nicht bekanntgegeben wurde, würde dieser Verstoß kein Rücktrittsrecht der Kläger begründen. Es käme allenfalls ein Schadensersatzanspruch unter dem Gesichtspunkt der sog. culpa in contrahendo in Betracht, der neben der Verletzung der Informationspflicht insbesondere die Kausalität der Pflichtverletzung für einen hieraus resultierenden Schaden voraussetzt (vgl. Seite 39 des bereits mehrfach zitierten Rechtsgutachten des Herrn Prof. P.).

Die Kläger haben allerdings weder einen Schaden vorgetragen noch Tatsachen dargelegt, aus denen sich ein Kausalzusammenhang zwischen der behaupteten Pflichtverletzung und einem etwaigen Schaden ergibt. Insbesondere sind die vorgelegten Kreditgutachten Rackwitz insoweit unergiebig, weil sie nur die Berechnung der Rückzahlungsbeträge für den Fall eines Rücktritts nach § 8 FernFinG oder § 3 KSchG enthalten.

Auch die später vorgelegte Berechnung der Kontendetektei Möntmann (Anlage K 27), wonach bei einem Darlehen Nr. 288-344-220/03 vom 24.08.2007 über 116.000,00 € mit einem (nominalen) Zinssatz von 4,2080% sich ein effektiver Jahreszins von 8,3928% und sogar unter Berücksichtigung von Tilgungsträger und Gebühren von 13,5727% ergeben soll, ist unergiebig. Ein etwaiger Zusammenhang zwischen dem dort genannten Darlehensvertrag und dem hiesigen Darlehensvertrag ist nicht ersichtlich. Der streitgegenständliche Fremdwährungskredit über 295.000,00 € datiert vom 29.02.2008. Die vom Klägervertreter vorgelegte Berechnung betrifft also einen gänzlich anderen Vertrag.

Die Behauptung der Kläger, diese hätten bei ordnungsgemäßer Belehrung über einen derart hohen effektiven Jahreszinssatz vom Vertragsschluss Abstand genommen, entbehrt vor diesem Hintergrund jeder Grundlage. Es kann daher offenbleiben, ob sich die Beklagte zurecht darauf beruft, dass die Angabe eines effektiven Jahreszinssatzes wegen der Abhängigkeit von dem bei Inanspruchnahme des Darlehens erst zu vereinbarenden Zinssatzes für die erste Zinsperiode nicht möglich gewesen sei oder ob sie - wie der Sachverständige Prof. P. meint (vgl. Seite 44 seines Gutachtens) - an den konkreten anfänglichen effektiven Jahreszins, etwa unter Annahme einer sofortigen Beanspruchung des Darlehens, hätte angeben müssen.

2. Ein Schadensersatzanspruch der Kläger auf Grundlage des § 33 des deutschen Kreditwesengesetzes (KWG) i.V.m. § 823 Abs. 2 BGB scheidet ebenfalls nach dem oben Ausgeführten aus. Es fehlt insoweit aber bereits an den tatbestandlichen Voraussetzungen eines solchen Schadensersatzanspruches.

Die Regelung des § 32 des KWG stellt zwar ein Schlussgesetz i.S.d. § 823 Abs. 2 BGB dar (vgl. Palandt/Sprau, BGB, § 823, Rn. 68). Ein Verstoß gegen die genannte Norm scheidet jedoch aus, weil die Beklagte als Unternehmen mit Sitz in einem anderen Staat des europäischen Wirtschaftsraums ohne Erlaubnis durch die Aufsichtsbehörde über eine Zweigniederlassung oder im Wege des grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehrs Bankgeschäfte in Deutschland betreiben durfte. Dies ergibt sich aus § 53 b Abs. 1 S. 1 KWG. Zwar ist das Notifizierungsverfahren nach § 53 b Abs. 2 und 2 a KWG zu beachten. Zivilrechtlich berührt das Nichteinhalten des Mitteilungsverfahrens aber eben sowenig die Wirksamkeit der abgeschlossenen Geschäfte wie das Fehlen einer Erlaubnis. Die Regelung des § 53 b Abs. 2 ist im Übrigen kein Schutzgesetz i.S.d. § 823 Abs. 2 BGB, weil die Regelung des Mitteilungsverfahrens nicht dem Verbraucherschutz dient (Boos/Fischer/Schulte-Mattler/Vahldiek, KWG, § 53 b, Rn. 115).

D)

Ein etwaiges Widerrufsrecht der Kläger verhilft diesen ebenfalls nicht zum Erfolg.

Die Widerrufsbelehrung räumt den Finanzierungsnehmern (also den Klägern) jeweils ein Recht zum Widerruf der auf Abschluss des Finanzierungsvertrages gerichteten Willenserklärung ohne Angabe von Gründen ein. Ausweislich der als Anlage K 3 vorgelegten Belehrung beginnt die Frist, wenn der/die Finanzierungsnehmer diese Belehrung und den Finanzierungsvertrag erhalten, unterzeichnet und (auch über einen Dritten) an die E1. Bank der österreichischen S2. AG abgeschickt oder ihr übergeben hat.

Ausweislich der Anlage B 1 b haben die Kläger die Widerrufsbelehrung am 29.02.2008 unterzeichnet. Am selben Tag haben sie auch die Kreditzusage unterschrieben. Damit ist der Finanzierungsvertrag in diesem Moment zustande gekommen. Die Kläger haben am selben Tag die unterzeichnete Erklärung an die S-ImmoFin in deren Büroräume in Innsbruck übergeben. Dies steht einer Übergabe an die Beklagte gleich. Vor diesem Hintergrund ist die zweiwöchige Widerrufsfrist unabhängig vom konkreten Datum der Widerrufserklärung abgelaufen. Auch beim frühestmöglichen Zeitpunkt für die Kläger ist die 14-tägige Widerrufsfrist verstrichen.

E)

Mangels Hauptanspruchs waren auch die vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten nicht zuzusprechen. Die darüber hinaus geltend gemachten Zinsen teilen als Nebenforderung das Schicksal dieser Forderung.

IV.

Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 91, 100 Abs. 1 ZPO.

Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus § 709 S. 1, S. 2 ZPO.

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Landgericht München II Endurteil, 22. Feb. 2019 - 11 O 21010/15 Fin zitiert 17 §§.

BGB | § 823 Schadensersatzpflicht


(1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet. (2) Die..

ZPO | § 293 Fremdes Recht; Gewohnheitsrecht; Statuten


Das in einem anderen Staat geltende Recht, die Gewohnheitsrechte und Statuten bedürfen des Beweises nur insofern, als sie dem Gericht unbekannt sind. Bei Ermittlung dieser Rechtsnormen ist das Gericht auf die von den Parteien beigebrachten Nachweise.

ZPO | § 1 Sachliche Zuständigkeit


Die sachliche Zuständigkeit der Gerichte wird durch das Gesetz über die Gerichtsverfassung bestimmt.

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Bundesgerichtshof Urteil, 16. Mai 2017 - XI ZR 586/15

bei uns veröffentlicht am 16.05.2017

----------------- BUNDESGERICHTSHOF ----------------- IM NAMEN DES VOLKES URTEIL XI ZR 586/15 Verkündet am: 16. Mai 2017 Herrwerth Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle in dem Rechtsstreit Nachschlagewerk: ja BGHZ: nein BGHR: ja

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Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des 6. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 1. Dezember 2015 wird mit der Maßgabe zurückgewiesen, dass festgestellt wird, dass der Beklagten aus dem im April 2008 geschlossenen Darlehensvertrag Nr. 54 über nominal 190.000 € sowie den im Juli 2008 geschlossenen Darlehensverträgen Nr. 89 über nominal 44.000 € und Nr. 36 über nominal 120.000 € ab dem Zugang der Widerrufserklärung vom 11. September 2014 kein Anspruch mehr auf den Vertragszins und die vertragsgemäße Tilgung zusteht. Die Beklagte trägt die Kosten des Revisionsverfahrens. Von Rechts wegen

Andere Urteile sind gegen eine der Höhe nach zu bestimmende Sicherheit für vorläufig vollstreckbar zu erklären. Soweit wegen einer Geldforderung zu vollstrecken ist, genügt es, wenn die Höhe der Sicherheitsleistung in einem bestimmten Verhältnis zur Höhe des jeweils zu vollstreckenden Betrages angegeben wird. Handelt es sich um ein Urteil, das ein Versäumnisurteil aufrechterhält, so ist auszusprechen, dass die Vollstreckung aus dem Versäumnisurteil nur gegen Leistung der Sicherheit fortgesetzt werden darf.

(1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.

(2) Die gleiche Verpflichtung trifft denjenigen, welcher gegen ein den Schutz eines anderen bezweckendes Gesetz verstößt. Ist nach dem Inhalt des Gesetzes ein Verstoß gegen dieses auch ohne Verschulden möglich, so tritt die Ersatzpflicht nur im Falle des Verschuldens ein.

Die Zuständigkeit der Amtsgerichte umfaßt in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten, soweit sie nicht ohne Rücksicht auf den Wert des Streitgegenstandes den Landgerichten zugewiesen sind:

1.
Streitigkeiten über Ansprüche, deren Gegenstand an Geld oder Geldeswert die Summe von fünftausend Euro nicht übersteigt;
2.
ohne Rücksicht auf den Wert des Streitgegenstandes:
a)
Streitigkeiten über Ansprüche aus einem Mietverhältnis über Wohnraum oder über den Bestand eines solchen Mietverhältnisses; diese Zuständigkeit ist ausschließlich;
b)
Streitigkeiten zwischen Reisenden und Wirten, Fuhrleuten, Schiffern oder Auswanderungsexpedienten in den Einschiffungshäfen, die über Wirtszechen, Fuhrlohn, Überfahrtsgelder, Beförderung der Reisenden und ihrer Habe und über Verlust und Beschädigung der letzteren, sowie Streitigkeiten zwischen Reisenden und Handwerkern, die aus Anlaß der Reise entstanden sind;
c)
Streitigkeiten nach § 43 Absatz 2 des Wohnungseigentumsgesetzes; diese Zuständigkeit ist ausschließlich;
d)
Streitigkeiten wegen Wildschadens;
e)
(weggefallen)
f)
(weggefallen)
g)
Ansprüche aus einem mit der Überlassung eines Grundstücks in Verbindung stehenden Leibgedings-, Leibzuchts-, Altenteils- oder Auszugsvertrag.

(1) Vor die Zivilkammern, einschließlich der Kammern für Handelssachen, gehören alle bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten, die nicht den Amtsgerichten zugewiesen sind.

(2) Die Landgerichte sind ohne Rücksicht auf den Wert des Streitgegenstandes ausschließlich zuständig

1.
für die Ansprüche, die auf Grund der Beamtengesetze gegen den Fiskus erhoben werden;
2.
für die Ansprüche gegen Richter und Beamte wegen Überschreitung ihrer amtlichen Befugnisse oder wegen pflichtwidriger Unterlassung von Amtshandlungen;
3.
für Ansprüche, die auf eine falsche, irreführende oder unterlassene öffentliche Kapitalmarktinformation, auf die Verwendung einer falschen oder irreführenden öffentlichen Kapitalmarktinformation oder auf die Unterlassung der gebotenen Aufklärung darüber, dass eine öffentliche Kapitalmarktinformation falsch oder irreführend ist, gestützt werden;
4.
für Verfahren nach
a)
(weggefallen)
b)
den §§ 98, 99, 132, 142, 145, 258, 260, 293c und 315 des Aktiengesetzes,
c)
§ 26 des SE-Ausführungsgesetzes,
d)
§ 10 des Umwandlungsgesetzes,
e)
dem Spruchverfahrensgesetz,
f)
den §§ 39a und 39b des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes;
5.
in Streitigkeiten
a)
über das Anordnungsrecht des Bestellers gemäß § 650b des Bürgerlichen Gesetzbuchs,
b)
über die Höhe des Vergütungsanspruchs infolge einer Anordnung des Bestellers (§ 650c des Bürgerlichen Gesetzbuchs);
6.
für Ansprüche aus dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz.

(3) Der Landesgesetzgebung bleibt überlassen, Ansprüche gegen den Staat oder eine Körperschaft des öffentlichen Rechts wegen Verfügungen der Verwaltungsbehörden sowie Ansprüche wegen öffentlicher Abgaben ohne Rücksicht auf den Wert des Streitgegenstandes den Landgerichten ausschließlich zuzuweisen.

(4) Die Landesregierungen werden ermächtigt, durch Rechtsverordnung die Entscheidungen in Verfahren nach Absatz 2 Nummer 4 Buchstabe a bis e und Nummer 5 einem Landgericht für die Bezirke mehrerer Landgerichte zu übertragen. In Verfahren nach Absatz 2 Nummer 4 Buchstabe a bis e darf die Übertragung nur erfolgen, wenn dies der Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung dient. Die Landesregierungen können die Ermächtigung auf die Landesjustizverwaltungen übertragen.

(1) Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses gegenüber einem Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder Unternehmen ohne Unterbrechung länger als sechs Monate bestanden hat, ist rechtsunwirksam, wenn sie sozial ungerechtfertigt ist.

(2) Sozial ungerechtfertigt ist die Kündigung, wenn sie nicht durch Gründe, die in der Person oder in dem Verhalten des Arbeitnehmers liegen, oder durch dringende betriebliche Erfordernisse, die einer Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers in diesem Betrieb entgegenstehen, bedingt ist. Die Kündigung ist auch sozial ungerechtfertigt, wenn

1.
in Betrieben des privaten Rechts
a)
die Kündigung gegen eine Richtlinie nach § 95 des Betriebsverfassungsgesetzes verstößt,
b)
der Arbeitnehmer an einem anderen Arbeitsplatz in demselben Betrieb oder in einem anderen Betrieb des Unternehmens weiterbeschäftigt werden kann
und der Betriebsrat oder eine andere nach dem Betriebsverfassungsgesetz insoweit zuständige Vertretung der Arbeitnehmer aus einem dieser Gründe der Kündigung innerhalb der Frist des § 102 Abs. 2 Satz 1 des Betriebsverfassungsgesetzes schriftlich widersprochen hat,
2.
in Betrieben und Verwaltungen des öffentlichen Rechts
a)
die Kündigung gegen eine Richtlinie über die personelle Auswahl bei Kündigungen verstößt,
b)
der Arbeitnehmer an einem anderen Arbeitsplatz in derselben Dienststelle oder in einer anderen Dienststelle desselben Verwaltungszweigs an demselben Dienstort einschließlich seines Einzugsgebiets weiterbeschäftigt werden kann
und die zuständige Personalvertretung aus einem dieser Gründe fristgerecht gegen die Kündigung Einwendungen erhoben hat, es sei denn, daß die Stufenvertretung in der Verhandlung mit der übergeordneten Dienststelle die Einwendungen nicht aufrechterhalten hat.
Satz 2 gilt entsprechend, wenn die Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers nach zumutbaren Umschulungs- oder Fortbildungsmaßnahmen oder eine Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers unter geänderten Arbeitsbedingungen möglich ist und der Arbeitnehmer sein Einverständnis hiermit erklärt hat. Der Arbeitgeber hat die Tatsachen zu beweisen, die die Kündigung bedingen.

(3) Ist einem Arbeitnehmer aus dringenden betrieblichen Erfordernissen im Sinne des Absatzes 2 gekündigt worden, so ist die Kündigung trotzdem sozial ungerechtfertigt, wenn der Arbeitgeber bei der Auswahl des Arbeitnehmers die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das Lebensalter, die Unterhaltspflichten und die Schwerbehinderung des Arbeitnehmers nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt hat; auf Verlangen des Arbeitnehmers hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Gründe anzugeben, die zu der getroffenen sozialen Auswahl geführt haben. In die soziale Auswahl nach Satz 1 sind Arbeitnehmer nicht einzubeziehen, deren Weiterbeschäftigung, insbesondere wegen ihrer Kenntnisse, Fähigkeiten und Leistungen oder zur Sicherung einer ausgewogenen Personalstruktur des Betriebes, im berechtigten betrieblichen Interesse liegt. Der Arbeitnehmer hat die Tatsachen zu beweisen, die die Kündigung als sozial ungerechtfertigt im Sinne des Satzes 1 erscheinen lassen.

(4) Ist in einem Tarifvertrag, in einer Betriebsvereinbarung nach § 95 des Betriebsverfassungsgesetzes oder in einer entsprechenden Richtlinie nach den Personalvertretungsgesetzen festgelegt, wie die sozialen Gesichtspunkte nach Absatz 3 Satz 1 im Verhältnis zueinander zu bewerten sind, so kann die Bewertung nur auf grobe Fehlerhaftigkeit überprüft werden.

(5) Sind bei einer Kündigung auf Grund einer Betriebsänderung nach § 111 des Betriebsverfassungsgesetzes die Arbeitnehmer, denen gekündigt werden soll, in einem Interessenausgleich zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat namentlich bezeichnet, so wird vermutet, dass die Kündigung durch dringende betriebliche Erfordernisse im Sinne des Absatzes 2 bedingt ist. Die soziale Auswahl der Arbeitnehmer kann nur auf grobe Fehlerhaftigkeit überprüft werden. Die Sätze 1 und 2 gelten nicht, soweit sich die Sachlage nach Zustandekommen des Interessenausgleichs wesentlich geändert hat. Der Interessenausgleich nach Satz 1 ersetzt die Stellungnahme des Betriebsrates nach § 17 Abs. 3 Satz 2.

BGB

Dieses Gesetz dient der Umsetzung folgender Richtlinien:

1.
Richtlinie 76/207/EWG des Rates vom 9. Februar 1976 zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen hinsichtlich des Zugangs zur Beschäftigung, zur Berufsbildung und zum beruflichen Aufstieg sowie in Bezug auf die Arbeitsbedingungen (ABl. EG Nr. L 39 S. 40),
2.
Richtlinie 77/187/EWG des Rates vom 14. Februar 1977 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Wahrung von Ansprüchen der Arbeitnehmer beim Übergang von Unternehmen, Betrieben oder Betriebsteilen (ABl. EG Nr. L 61 S. 26),
3.
Richtlinie 85/577/EWG des Rates vom 20. Dezember 1985 betreffend den Verbraucherschutz im Falle von außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen (ABl. EG Nr. L 372 S. 31),
4.
Richtlinie 87/102/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Verbraucherkredit (ABl. EG Nr. L 42 S. 48), zuletzt geändert durch die Richtlinie 98/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Februar 1998 zur Änderung der Richtlinie 87/102/EWG zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Verbraucherkredit (ABl. EG Nr. L 101 S. 17),
5.
Richtlinie 90/314/EWG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 1990 über Pauschalreisen (ABl. EG Nr. L 158 S. 59),
6.
Richtlinie 93/13/EWG des Rates vom 5. April 1993 über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen (ABl. EG Nr. L 95 S. 29),
7.
Richtlinie 94/47/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Oktober 1994 zum Schutz der Erwerber im Hinblick auf bestimmte Aspekte von Verträgen über den Erwerb von Teilzeitnutzungsrechten an Immobilien (ABl. EG Nr. L 280 S. 82),
8.
der Richtlinie 97/5/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Januar 1997 über grenzüberschreitende Überweisungen (ABl. EG Nr. L 43 S. 25),
9.
Richtlinie 97/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Mai 1997 über den Verbraucherschutz bei Vertragsabschlüssen im Fernabsatz (ABl. EG Nr. L 144 S. 19),
10.
Artikel 3 bis 5 der Richtlinie 98/26/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Wirksamkeit von Abrechnungen in Zahlungs- und Wertpapierliefer- und -abrechnungssystemen vom 19. Mai 1998 (ABl. EG Nr. L 166 S. 45),
11.
Richtlinie 1999/44/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Mai 1999 zu bestimmten Aspekten des Verbrauchsgüterkaufs und der Garantien für Verbrauchsgüter (ABl. EG Nr. L 171 S. 12),
12.
Artikel 10, 11 und 18 der Richtlinie 2000/31/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2000 über bestimmte rechtliche Aspekte der Dienste der Informationsgesellschaft, insbesondere des elektronischen Geschäftsverkehrs, im Binnenmarkt ("Richtlinie über den elektronischen Geschäftsverkehr", ABl. EG Nr. L 178 S. 1),
13.
Richtlinie 2000/35/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. Juni 2000 zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr (ABl. EG Nr. L 200 S. 35).

Die sachliche Zuständigkeit der Gerichte wird durch das Gesetz über die Gerichtsverfassung bestimmt.

(1) Besteht der unterliegende Teil aus mehreren Personen, so haften sie für die Kostenerstattung nach Kopfteilen.

(2) Bei einer erheblichen Verschiedenheit der Beteiligung am Rechtsstreit kann nach dem Ermessen des Gerichts die Beteiligung zum Maßstab genommen werden.

(3) Hat ein Streitgenosse ein besonderes Angriffs- oder Verteidigungsmittel geltend gemacht, so haften die übrigen Streitgenossen nicht für die dadurch veranlassten Kosten.

(4) Werden mehrere Beklagte als Gesamtschuldner verurteilt, so haften sie auch für die Kostenerstattung, unbeschadet der Vorschrift des Absatzes 3, als Gesamtschuldner. Die Vorschriften des bürgerlichen Rechts, nach denen sich diese Haftung auf die im Absatz 3 bezeichneten Kosten erstreckt, bleiben unberührt.

(1) Die unterliegende Partei hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen, insbesondere die dem Gegner erwachsenen Kosten zu erstatten, soweit sie zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung notwendig waren. Die Kostenerstattung umfasst auch die Entschädigung des Gegners für die durch notwendige Reisen oder durch die notwendige Wahrnehmung von Terminen entstandene Zeitversäumnis; die für die Entschädigung von Zeugen geltenden Vorschriften sind entsprechend anzuwenden.

(2) Die gesetzlichen Gebühren und Auslagen des Rechtsanwalts der obsiegenden Partei sind in allen Prozessen zu erstatten, Reisekosten eines Rechtsanwalts, der nicht in dem Bezirk des Prozessgerichts niedergelassen ist und am Ort des Prozessgerichts auch nicht wohnt, jedoch nur insoweit, als die Zuziehung zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung notwendig war. Die Kosten mehrerer Rechtsanwälte sind nur insoweit zu erstatten, als sie die Kosten eines Rechtsanwalts nicht übersteigen oder als in der Person des Rechtsanwalts ein Wechsel eintreten musste. In eigener Sache sind dem Rechtsanwalt die Gebühren und Auslagen zu erstatten, die er als Gebühren und Auslagen eines bevollmächtigten Rechtsanwalts erstattet verlangen könnte.

(3) Zu den Kosten des Rechtsstreits im Sinne der Absätze 1, 2 gehören auch die Gebühren, die durch ein Güteverfahren vor einer durch die Landesjustizverwaltung eingerichteten oder anerkannten Gütestelle entstanden sind; dies gilt nicht, wenn zwischen der Beendigung des Güteverfahrens und der Klageerhebung mehr als ein Jahr verstrichen ist.

(4) Zu den Kosten des Rechtsstreits im Sinne von Absatz 1 gehören auch Kosten, die die obsiegende Partei der unterlegenen Partei im Verlaufe des Rechtsstreits gezahlt hat.

(1) Das Gericht kann die Wiedereröffnung einer Verhandlung, die geschlossen war, anordnen.

(2) Das Gericht hat die Wiedereröffnung insbesondere anzuordnen, wenn

1.
das Gericht einen entscheidungserheblichen und rügbaren Verfahrensfehler (§ 295), insbesondere eine Verletzung der Hinweis- und Aufklärungspflicht (§ 139) oder eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, feststellt,
2.
nachträglich Tatsachen vorgetragen und glaubhaft gemacht werden, die einen Wiederaufnahmegrund (§§ 579, 580) bilden, oder
3.
zwischen dem Schluss der mündlichen Verhandlung und dem Schluss der Beratung und Abstimmung (§§ 192 bis 197 des Gerichtsverfassungsgesetzes) ein Richter ausgeschieden ist.

Mehrere Ansprüche des Klägers gegen denselben Beklagten können, auch wenn sie auf verschiedenen Gründen beruhen, in einer Klage verbunden werden, wenn für sämtliche Ansprüche das Prozessgericht zuständig und dieselbe Prozessart zulässig ist.

Das in einem anderen Staat geltende Recht, die Gewohnheitsrechte und Statuten bedürfen des Beweises nur insofern, als sie dem Gericht unbekannt sind. Bei Ermittlung dieser Rechtsnormen ist das Gericht auf die von den Parteien beigebrachten Nachweise nicht beschränkt; es ist befugt, auch andere Erkenntnisquellen zu benutzen und zum Zwecke einer solchen Benutzung das Erforderliche anzuordnen.

Hält der Arbeitnehmer eine Kündigung für sozial ungerechtfertigt, so kann er binnen einer Woche nach der Kündigung Einspruch beim Betriebsrat einlegen. Erachtet der Betriebsrat den Einspruch für begründet, so hat er zu versuchen, eine Verständigung mit dem Arbeitgeber herbeizuführen. Er hat seine Stellungnahme zu dem Einspruch dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber auf Verlangen schriftlich mitzuteilen.