Landgericht Magdeburg Urteil, 08. März 2016 - 9 O 1524/14

bei uns veröffentlicht am08.03.2016

Tenor

1.) Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin 34.150,86 € nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit dem 21.12.2014 zu zahlen.

2.) Es wird festgestellt, dass die Beklagte verpflichtet ist, zukünftig gesetzlich auf die Klägerin übergehende Schadensersatzansprüche bzw. zukünftig entstehende Sozialversicherungsbeiträge aufgrund des Unfalls vom 19.12.1998, Versicherter Holger H, Az. Regress 0610/08260182 H003 zu ersetzen.

3.) Die Kosten des Rechtsstreites trägt die Beklagte.

4.) Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 120 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages vorläufig vollstreckbar.

Tatbestand

1

Die Klägerin macht als Rentenversicherungsträgerin gegen die Beklagte Ansprüche aus dem Verkehrsunfall vom 19.12.1998 aus übergegangenem Recht geltend.

2

Zum Unfallzeitpunkt absolvierte der Geschädigte Holger H eine sozialversicherungspflichtige Ausbildung als Fleischer bei der G Fleischwarenwerk GmbH & Co. KG in G.

3

Unstreitig ist zwischen den Parteien, dass der bei der Klägerin aufgrund der Ausbildung gesetzlich rentenversicherte Geschädigte Holger H am 19.12.1998 mit seinem Kraftrad mit dem amtlichen Kennzeichen ... die B 188 aus Richtung K kommend in Richtung K befuhr und der Halter des bei der Beklagten haftpflichtversicherten Pkw VW Polo, Daniel H, mit dem amtlichen Kennzeichen ... die Straße aus Richtung "Gut H" in Richtung der vorfahrtberechtigten B 188 fuhr.

4

Weiter ist unstreitig zwischen den Parteien, dass aufgrund des Fehlverhaltens des Daniel H, der den Geschädigten Holger H auf der vorfahrtberechtigten Straße übersah, es zur Kollision kam und der Unfall allein durch Daniel H verursacht und verschuldet wurde.

5

Der Versicherte Holger H wurde bei dem Unfall verletzt und in das Krankenhaus in G. eingeliefert. Dort wurde eine knöcherne Absprengung am vorderen oberen Darmbeinstachel links und eine Kontusion am rechten Sprunggelenk des rechten Fußes diagnostiziert. Am 24.12.1998 wurde der Geschädigte zwar entlassen, aber am 30.12.1998 erneut aufgrund der bei ihm aufgetretenen Querschnittssymptomatik stationär aufgenommen. Es folgten weitere stationäre Aufenthalte und Rehabilitationsmaßnahmen.

6

Das Landgericht Magdeburg verurteilte die Beklagte in dem Verfahren 4 O 199/04 bzw. 10 O 21/08 nach bereits erfolgter Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 100.000,00 € zur Zahlung eines weiteren Schmerzensgeld in Höhe von 95.000,00 € an den Geschädigten. Wegen der Einzelheiten wird auf das Urteil des Landgerichts Magdeburg vom 28.02.2008 verwiesen.

7

Die Klägerin meint, dass die bei dem Geschädigten eingetretene Querschnittslähmung auf den Verkehrsunfall am 19.12.1998 zurückzuführen sei. Dies ergebe sich bereits aus dem Verfahren 4 O 199/04 bzw. 10 O 21/08. Aufgrund dieser unfallbedingten Querschnittslähmung habe der Geschädigte seine Ausbildung nicht beenden können.

8

Weiter trägt die Klägerin vor, dass sie aufgrund des Unfalles Leistungen in Höhe von insgesamt 79.058,81 € erbracht habe.

9

Insoweit seien ihr Heilungskosten in Höhe von 32.284,51 € sowie Heil- und Hilfsmittelkosten in Höhe von 382,55 € entstanden, nämlich ausweislich der vorgelegten Anlage K7 Kosten für die stationäre Rehabilitationsmaßnahme vom 22.03.1999 bis 28.10.1999 abzüglich ersparter Verpflegungskosten in Höhe von insgesamt 27.785,96 €, für die stationäre Rehabilitationsmaßnahme vom 25.07.200 bis 29.08.2000 abzüglich ersparter Verpflegungskosten in Höhe von insgesamt 4.498,55 € sowie Kosten für ein orthopädisches Hilfsmittel in Höhe von 382,55.

10

Darüber hinaus habe die Klägerin für die Dauer der Rehabilitationsmaßnahmen dem Geschädigten Übergangsgeld in voller Höhe gezahlt, nämlich ausweislich der vorgelegten Anlage K7 in Höhe von 1.778,24 €. Die dabei gezahlten Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 1.076,90 € würden ebenfalls einen Schaden darstellen.

11

Weiter sei ein Erwerbsschaden als Sozialversicherungsbeitragsschaden in Höhe von 43.536,61 € entsprechend der Berechnung der Klägerin in der Klageschrift vom 03.11.2014 entstanden. Hinsichtlich der Einzelheiten wird auf die Klageschrift vom 03.11.2014 Bezug genommen.

12

Dabei seien die Heilungs- und Hilfsmittelkosten sowie die Sozialversicherungsbeiträge, für die Zeiten in denen Übergangsgeld gezahlt worden sei, nach § 116 SGB X auf die Klägerin übergegangen und der Erwerbsschaden als Beitragsschaden nach § 119 SGB X.

13

Abzüglich der von der Beklagten geleisteten Zahlungen in Höhe von 44.907,95 € bestehe daher ein Anspruch der Klägerin in Höhe von 34.150,86 €.

14

Die Klägerin beantragt,

15

1.) die Beklagt zu verurteilten, an sie 34.150,86 € nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zu zahlen,

16

2.) festzustellen, dass die Beklagte verpflichtet ist, zukünftig gesetzlich auf die Klägerin übergehende Schadensersatzansprüche bzw. zukünftig entstehende Sozialversicherungsbeiträge aufgrund des Unfalls vom 19.12.1998, Versicherter Holger H, Az. Regress 0610/08260182 H003 zu ersetzen.

17

Die Beklagte beantragt,

18

die Klage abzuweisen.

19

Die Beklagte behauptet, dass die Unfallbedingtheit der streitgegenständlichen Querschnittslähmung des Geschädigten Holger H weiter streitig sei und auch nicht durch das Vorverfahren 4 O 199/04 eindeutig geklärt sei.

20

Weiter meint die Beklagte, das der von der Klägerin geltend gemachte Erwerbsschaden als Beitragsschaden weder dem Grunde nach noch der Höhe nach bestehe. Die Beklagte bestreitet insoweit die von der Klägerin angegebenen Lohnersatzleistungen.

21

Darüber hinaus habe sowohl der Geschädigte als auch die Klägerin gegen ihre Schadensminderungspflicht nach § 254 BGB verstoßen, da es an ausreichenden Bemühungen beider fehle, nach dem Unfall einen angemessenen Arbeitsplatz für den Geschädigten zu finden.

22

Wegen weiterer Einzelheiten wird auf die Schriftsätze der Klägervertreterin und des Beklagtenvertreters nebst Anlagen Bezug genommen.

23

Das Gericht hat die Akte zum Verfahren 4 O 199/04 bzw. 10 O 21/08 beigezogen und mit Beschluss vom 07.04.2015 die Verwertung des Gutachtens des Sachverständigen Prof. Dr. Helmut Z vom 27.06.2005 einschließlich des Ergänzungsgutachtens des Sachverständigen Prof. Dr. Helmut Z vom 09.01.2006 nach § 411 a ZPO angeordnet.

24

Weiter hat das Gericht mit selbigen Beschluss durch Einholung einer ergänzenden Stellungnahme des Sachverständigen Prof. Dr. Helmut Z Beweis erhoben.

25

Wegen des Ergebnisses wird auf das Protokoll der mündlichen Verhandlung vom 30.06.2015 verwiesen.

Entscheidungsgründe

26

Die Klage ist zulässig und begründet.

27

Die Klägerin hat gegen die Beklagte einen Schadensersatzanspruch in Höhe von 34.150,86 € aus übergegangenem Recht aus §§ 7 StVG, 115 VVG i. V. m. §§ 116, 119 SGB X.

28

Die Ansprüche des Geschädigten Holger H gegen die Beklagte aus §§ 7 StVG, 115 VVG sind auf die Klägerin als zuständige Rentenversicherungsträgerin nach §§ 116, 119 SGB X gesetzlich übergegangen.

29

Die Voraussetzungen hierfür liegen vor. Insbesondere ist die Haftung dem Grunde nach zwischen den Parteien unstreitig.

30

Soweit die Beklagte vorträgt, dass die Kausalität des Unfalls für die Querschnittslähmung des Geschädigten nicht nachgewiesen sei und sie daher eine Quote von 50 % zugrunde lege, kann der Beklagten nicht gefolgt werden.

31

Entgegen der Auffassung der Beklagten war der Unfall vom 19.12.1998 ursächlich für die Querschnittslähmung des Geschädigten. Der Sachverständige Prof. Dr. Helmut Z kam bereits in seinem Gutachten vom 27.06.2005 zu dem Ergebnis, dass zwischen dem durch den Unfall erlittenen Trauma und der später eingetretenen Querschnittslähmung ein kausaler Zusammenhang besteht.

32

In seiner Ergänzungsgutachten vom 09.01.2006 hat der Sachverständige dann weiter ausgeführt, dass die angeborene Gerinnungsstörung das Geschehen zwar potenziert haben kann. Jedoch hat er auch ausdrücklich erklärt, dass die Gerinnungsstörung in der haftungsausfüllenden Kausalität keine größere Relevanz habe, so dass die Traumatisierung durch den Unfall die Ursache für die später erlittene Querschnittssymptomatik darstelle.

33

In seiner Anhörung im Termin zur mündlichen Verhandlung am 30.06.2015 hat der Sachverständige Prof. Dr. Helmut Z auf nochmalige Nachfrage nach der Kausalität seine Angaben in seinen vorangegangenen Gutachten bestätigt und ergänzt, dass der Unfall die entscheidende Ursache für die Querschnittslähmung gewesen sei.

34

Insoweit hat er erneut ausgeführt, das die die bei dem Geschädigten angeborene Gerinnungsstörung das Geschehen zwar potenziert haben kann, für die Kausalität sei dies jedoch unerheblich. Entscheidend seien allein der Unfall und das damit einhergehende schwere Trauma gewesen.

35

Auf Nachfrage des Beklagtenvertreters hat der Sachverständige Prof. Dr. Helmut Z den von ihm verwendeten Begriff "potenziert" dahingehend erläutert, dass die Gerinnungsstörung dafür gesorgt haben kann, dass eine Thrombose entstanden sei. Ob dies tatsächlich so gewesen sei, könne er nachträglich nicht mehr ermitteln. So dass die Entstehung einer Thrombose nach dem Sachverständigen Prof. Dr. Helmut Z reine Spekulation sei. Es sei darüber hinaus auch unerheblich, da die Gerinnungsstörung nicht die Ursache für die Querschnittslähmung gewesen sei, sondern die Querschnittslähmung auch ohne die Gerinnungsstörung eingetreten wäre, nämlich durch den Unfall.

36

Zum Schluss seiner Anhörung im Termin zur mündlichen Verhandlung am 30.06.2015 legte der Sachverständige sich ausdrücklich dahingehend fest, dass eine einwandfreie Kausalität des Unfalls vorliegen würde.

37

Das Gericht schließt sich den überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen an.

38

Auch die weiteren Voraussetzungen liegen vor. Die Ansprüche des Geschädigten auf Schadensersatz aus dem Unfall vom 19.12.1998 sind auf die Klägerin gesetzlich übergegangen.

39

Dabei richtet sich der Anspruchsübergang für die Ansprüche auf Ersatz der von der Klägerin geltend gemachten Heilungs- und Hilfsmittelkosten, auf Ersatz des Erwerbsschadens hinsichtlich des Übergangsgeldes und der Zahlung von Sozialversicherungsbeiträge bei Übergangsgeld nach § 116 SGB X und für den Ersatz des Erwerbsschadens als Beitragsschaden nach § 119 SGB X.

40

Für den Anspruchsübergang muss es sich um einen Sozialversicherten handeln, der der Versicherungspflicht unterlag. Der Geschädigte war zum Unfallzeitpunkt aufgrund seiner Ausbildung bei der Klägerin in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert.

41

Die Ansprüche hinsichtlich der von der Klägerin geltend gemachten Heilungs- und Hilfsmittelkosten, des Übergangsgeldes und der Sozialversicherungsbeiträge diesbezüglich sind nach § 116 SGB X auch in der von der Klägerin geltend gemachten Höhe übergegangen, nämlich bezüglich der Heilungskosten in Höhe von 32.284,51 €, für die Hilfsmittelkosten in Höhe von 382,55 €, für das Übergangsgeld in Höhe von 1.778,24 € und für die Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 1.076,90 €. Diese hat die Klägerin mit der von ihr vorgelegten Anlage K7 nachgewiesen. Hiergegen wehrt sich die Beklagte bis auf eine ihrer Auffassung nach zu berücksichtigende Quote von 50 % auch nicht. Eine Quote war jedoch aufgrund der bisherigen Ausführungen zur Ursächlichkeit des Unfalls nicht zu berücksichtigen.

42

Im Wesentlichen wendet sich die Beklagte gegen den von der Klägerin geführten Beitragsregress aufgrund des behaupteten Erwerbsschadens in Höhe von 43.536,61 €.

43

Entgegen der Auffassung der Beklagten besteht auch dieser Anspruch dem Grunde und der Höhe nach. Auch der Erwerbsschaden als Beitragsschaden ist nach § 119 SGB X auf die Klägerin übergegangen.

44

Der Geschädigte hat sich zum Unfallzeitpunkt in der Ausbildung zum Fleischer befunden. Entgegen der Auffassung der Beklagten konnte er diese aufgrund der wie vom Sachverständigen Prof. Dr. Helmut Z festgestellten unfallbedingten Querschnittlähmung nicht abschließen.

45

Beitragsrechtlich ist er so zu stellen, als wenn er die Ausbildung abgeschlossen und anschließend als Fleischer gearbeitet hätte. Der Geschädigte ist hinsichtlich seiner Alterssicherung so zu stellen, wie er ohne Schädigung stünde.

46

Die Höhe der Beiträge ist anhand einer Prognose über die Einkünfte des Geschädigten zu bestimmen. Für die Berechnung des Beitragsschadens ist zunächst von dem Bruttoentgelt auszugehen, dass der Geschädigte fiktiv als Fleischer hätte verdient. Hiervon sind die Lohnersatzleistungen abzuziehen, die der Geschädigte in den jeweiligen Zeiträumen tatsächlich erzielt hat. Von dem sich daraus ergebenden Betrag sind dann die Rentenversicherungsbeiträge entsprechend des jeweils geltenden Beitragssatzes zu ermitteln. Der so errechnete Betrag stellt dann den Beitragsschaden dar.

47

Genau dies hat die Klägerin mit ihrer Klageschrift und der von ihr vorgelegten Anlage K 18 getan. Die von der Klägerin mit Anlage K 8 bis K 16 vorgelegten Bescheinigungen der ehemaligen Arbeitgeberin des Geschädigten über die künftigen Bruttoentgelte des Geschädigten greift die Beklagte auch nicht an.

48

Sie bestreitet jedoch die von der Klägerin abgezogenen Lohnersatzleistungen. Entgegen der Auffassung der Beklagten können diese jedoch dem als Anlage K 19 vorgelegten Gesamtkontospiegel entnommen werden.

49

Die einzelnen Lohnersatzleistungen wie Entgeltersatzleistungen der Bundesagentur für Arbeit und Arbeitslosengeld II, deren Dauer und deren Höhe, wie sie die Klägerin in ihrem Gesamtkontospiegel zugrundgelegt hat, ergeben sich wiederum, wenn auch sehr mühsam, aus den von der Klägerin im Verfahren vorgelegten Anlagen K 19 a bis K 26.

50

Entgegen der Auffassung der Beklagten haben weder die Klägerin noch der Geschädigte gegen die Schadensminderungspflicht nach § 254 BGB verstoßen. Das Gericht schließt sich der Auffassung der Klägerin an, dass diese als Trägerin der gesetzlichen Rentenversicherung bereits aus keinerlei Rechtgrund verpflichtet war, ihrem Versicherten einen Arbeitsplatz zu vermitteln. Vielmehr sind nach §§ 12, 19 Abs. 1, Abs. 2 SGB I hierfür ausschließlich die Agenturen für Arbeit und sonstige Dienststellen der Bundesagentur für Arbeit zuständig. Nach § 23 Abs. 1 SGB I ist die Klägerin als Träger der gesetzlichen Rentenversicherung für die Heilbehandlung, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und andere Leistungen zur Erhaltung, Besserung und Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit einschließlich wirtschaftlicher Hilfen sowie die Bewilligung von Renten wegen Alters und verminderter Erwerbsfähigkeit zuständig.

51

Hinsichtlich des Geschädigten geht das Gericht nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme davon aus, dass dieser seiner Schadensminderungspflicht nachgekommen ist.

52

Insoweit hat der Zeuge Holger H in seiner Vernehmung im Termin zur mündlichen Verhandlung vom 23.02.2016 überzeugend und nachvollziehbar angegeben, dass er immer um einen Arbeitsplatz bemüht war, es jedoch sehr schwierig war. Für den Zeitraum bis zum Jahr 2000 hat er ausgesagt, dass es ihm gesundheitlich zunächst nicht möglich war, an einer Berufsfindung teilzunehmen. Dies deckt sich mit den Angaben der Klägerin, in den von ihr vorgelegten Anlagen. Im Jahr 2001 hat er dann an einer Berufsfindung in Hannover teilgenommen und daraufhin dann die Ausbildung zum technischen Zeichner angefangen. Diese endete im Jahr 2005. Danach hat er in seiner Zeugenvernehmung im Termin zur mündlichen Verhandlung glaubhaft bekundet, dass er sich stetig beworben habe, aber jedoch nur mit mäßigem Erfolg. Als Gründe hierfür hat er für das Gericht nachvollziehbar zum einen seine fehlende Berufserfahrung und zum anderen die ihm fehlende 3-D-Schulung angegeben.

53

Weiter hat der Zeuge Holger H auch von sich aus angegeben, dass er versucht habe flexibel zu sein, indem er sich auch auf andere Tätigkeiten wie leichte Bürotätigkeit oder als Mitarbeiter im Call-Center beworben habe. Hinsichtlich der Häufigkeit seiner Bemühung hat der Geschädigte weiter angegeben, dass er stets die Anforderungen des Arbeitsamtes diesbezüglich erfüllt habe und die geforderte Menge an Bewerbungen erbracht habe, da er anderenfalls beim Arbeitslosengeld auch gesperrt worden wäre.

54

Der Zeuge ist nach seinen Ausführungen in seiner Zeugenvernehmung im Termin zur mündlichen Verhandlung am 23.02.2016, die für das Gericht glaubhaft und überzeugend gewesen sind, seiner Schadensminderungspflicht vollständig gerecht geworden.

55

Soweit der Zeuge angeben hat, dass ihm vom Arbeitsamt nur ungefähr 10 Arbeitsvermittlungsangebote unterbreitet worden seien und die Angebote später weniger wurden, so kann dies nicht dem Geschädigten zugerechnet werden. Da es sich insoweit allenfalls um ein Versäumnis des Arbeitsamtes handeln kann, auf dass der Geschädigte jedoch kein Einfluss hatte, so dass es ihm auch nicht angelastet werden kann.

56

Der Klage war daher insoweit stattzugeben.

57

Vor diesem Hintergrund hat die Klägerin auch einen Anspruch gegen die Beklagten auf die von ihr geltend gemachten Zinsen nach §§ 291, 288 Abs. 1 BGB.

58

Die Klägerin kann zudem auch die Feststellung verlangen, da auch in Zukunft zu erwarten ist, dass weitere Ansprüche des Geschädigten aufgrund des Unfalles am 19.12.1998 nach §§ 116, 199 SGB X auf die Klägerin übergehen.

59

Der Klage war daher in vollem Umfang stattzugeben.

60

Die Kostenentscheidung beruht auf § 91 ZPO.

61

Die Vollstreckungsentscheidung folgt aus § 709 S. 1, 2 ZPO.

62

Der Streitwert wird nach §§ 63 Abs. 2, 48 Abs. 1, 43 Abs. 1, 39 Abs. 1 GKG i. V. m. § 3 ZPO auf die Gebührenstufe bis 40.000,00 € festgesetzt (vgl. Zöller, ZPO, § 3, Rn. 3 „Feststellungsklagen“).


ra.de-Urteilsbesprechung zu Landgericht Magdeburg Urteil, 08. März 2016 - 9 O 1524/14

Urteilsbesprechung schreiben

0 Urteilsbesprechungen zu Landgericht Magdeburg Urteil, 08. März 2016 - 9 O 1524/14

Referenzen - Gesetze

Landgericht Magdeburg Urteil, 08. März 2016 - 9 O 1524/14 zitiert 15 §§.

GKG 2004 | § 63 Wertfestsetzung für die Gerichtsgebühren


(1) Sind Gebühren, die sich nach dem Streitwert richten, mit der Einreichung der Klage-, Antrags-, Einspruchs- oder Rechtsmittelschrift oder mit der Abgabe der entsprechenden Erklärung zu Protokoll fällig, setzt das Gericht sogleich den Wert ohne...

BGB | § 291 Prozesszinsen


Eine Geldschuld hat der Schuldner von dem Eintritt der Rechtshängigkeit an zu verzinsen, auch wenn er nicht im Verzug ist; wird die Schuld erst später fällig, so ist sie von der Fälligkeit an zu verzinsen. Die Vorschriften des § 288 Abs. 1 Satz 2,...

ZPO | § 3 Wertfestsetzung nach freiem Ermessen


Der Wert wird von dem Gericht nach freiem Ermessen festgesetzt; es kann eine beantragte Beweisaufnahme sowie von Amts wegen die Einnahme des Augenscheins und die Begutachtung durch Sachverständige anordnen.

Referenzen

BGB

Dieses Gesetz dient der Umsetzung folgender Richtlinien:

1.
Richtlinie 76/207/EWG des Rates vom 9. Februar 1976 zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen hinsichtlich des Zugangs zur Beschäftigung, zur Berufsbildung und zum beruflichen Aufstieg sowie in Bezug auf die Arbeitsbedingungen (ABl. EG Nr. L 39 S. 40),
2.
Richtlinie 77/187/EWG des Rates vom 14. Februar 1977 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Wahrung von Ansprüchen der Arbeitnehmer beim Übergang von Unternehmen, Betrieben oder Betriebsteilen (ABl. EG Nr. L 61 S. 26),
3.
Richtlinie 85/577/EWG des Rates vom 20. Dezember 1985 betreffend den Verbraucherschutz im Falle von außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen (ABl. EG Nr. L 372 S. 31),
4.
Richtlinie 87/102/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Verbraucherkredit (ABl. EG Nr. L 42 S. 48), zuletzt geändert durch die Richtlinie 98/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Februar 1998 zur Änderung der Richtlinie 87/102/EWG zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Verbraucherkredit (ABl. EG Nr. L 101 S. 17),
5.
Richtlinie 90/314/EWG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 1990 über Pauschalreisen (ABl. EG Nr. L 158 S. 59),
6.
Richtlinie 93/13/EWG des Rates vom 5. April 1993 über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen (ABl. EG Nr. L 95 S. 29),
7.
Richtlinie 94/47/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Oktober 1994 zum Schutz der Erwerber im Hinblick auf bestimmte Aspekte von Verträgen über den Erwerb von Teilzeitnutzungsrechten an Immobilien (ABl. EG Nr. L 280 S. 82),
8.
der Richtlinie 97/5/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Januar 1997 über grenzüberschreitende Überweisungen (ABl. EG Nr. L 43 S. 25),
9.
Richtlinie 97/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Mai 1997 über den Verbraucherschutz bei Vertragsabschlüssen im Fernabsatz (ABl. EG Nr. L 144 S. 19),
10.
Artikel 3 bis 5 der Richtlinie 98/26/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Wirksamkeit von Abrechnungen in Zahlungs- und Wertpapierliefer- und -abrechnungssystemen vom 19. Mai 1998 (ABl. EG Nr. L 166 S. 45),
11.
Richtlinie 1999/44/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Mai 1999 zu bestimmten Aspekten des Verbrauchsgüterkaufs und der Garantien für Verbrauchsgüter (ABl. EG Nr. L 171 S. 12),
12.
Artikel 10, 11 und 18 der Richtlinie 2000/31/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2000 über bestimmte rechtliche Aspekte der Dienste der Informationsgesellschaft, insbesondere des elektronischen Geschäftsverkehrs, im Binnenmarkt ("Richtlinie über den elektronischen Geschäftsverkehr", ABl. EG Nr. L 178 S. 1),
13.
Richtlinie 2000/35/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. Juni 2000 zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr (ABl. EG Nr. L 200 S. 35).

Andere Urteile sind gegen eine der Höhe nach zu bestimmende Sicherheit für vorläufig vollstreckbar zu erklären. Soweit wegen einer Geldforderung zu vollstrecken ist, genügt es, wenn die Höhe der Sicherheitsleistung in einem bestimmten Verhältnis zur Höhe des jeweils zu vollstreckenden Betrages angegeben wird. Handelt es sich um ein Urteil, das ein Versäumnisurteil aufrechterhält, so ist auszusprechen, dass die Vollstreckung aus dem Versäumnisurteil nur gegen Leistung der Sicherheit fortgesetzt werden darf.

*

(1) Eine Geldschuld ist während des Verzugs zu verzinsen. Der Verzugszinssatz beträgt für das Jahr fünf Prozentpunkte über dem Basiszinssatz.

(2) Bei Rechtsgeschäften, an denen ein Verbraucher nicht beteiligt ist, beträgt der Zinssatz für Entgeltforderungen neun Prozentpunkte über dem Basiszinssatz.

(3) Der Gläubiger kann aus einem anderen Rechtsgrund höhere Zinsen verlangen.

(4) Die Geltendmachung eines weiteren Schadens ist nicht ausgeschlossen.

(5) Der Gläubiger einer Entgeltforderung hat bei Verzug des Schuldners, wenn dieser kein Verbraucher ist, außerdem einen Anspruch auf Zahlung einer Pauschale in Höhe von 40 Euro. Dies gilt auch, wenn es sich bei der Entgeltforderung um eine Abschlagszahlung oder sonstige Ratenzahlung handelt. Die Pauschale nach Satz 1 ist auf einen geschuldeten Schadensersatz anzurechnen, soweit der Schaden in Kosten der Rechtsverfolgung begründet ist.

(6) Eine im Voraus getroffene Vereinbarung, die den Anspruch des Gläubigers einer Entgeltforderung auf Verzugszinsen ausschließt, ist unwirksam. Gleiches gilt für eine Vereinbarung, die diesen Anspruch beschränkt oder den Anspruch des Gläubigers einer Entgeltforderung auf die Pauschale nach Absatz 5 oder auf Ersatz des Schadens, der in Kosten der Rechtsverfolgung begründet ist, ausschließt oder beschränkt, wenn sie im Hinblick auf die Belange des Gläubigers grob unbillig ist. Eine Vereinbarung über den Ausschluss der Pauschale nach Absatz 5 oder des Ersatzes des Schadens, der in Kosten der Rechtsverfolgung begründet ist, ist im Zweifel als grob unbillig anzusehen. Die Sätze 1 bis 3 sind nicht anzuwenden, wenn sich der Anspruch gegen einen Verbraucher richtet.

Eine Geldschuld hat der Schuldner von dem Eintritt der Rechtshängigkeit an zu verzinsen, auch wenn er nicht im Verzug ist; wird die Schuld erst später fällig, so ist sie von der Fälligkeit an zu verzinsen. Die Vorschriften des § 288 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2, Abs. 3 und des § 289 Satz 1 finden entsprechende Anwendung.

(1) Sind Gebühren, die sich nach dem Streitwert richten, mit der Einreichung der Klage-, Antrags-, Einspruchs- oder Rechtsmittelschrift oder mit der Abgabe der entsprechenden Erklärung zu Protokoll fällig, setzt das Gericht sogleich den Wert ohne Anhörung der Parteien durch Beschluss vorläufig fest, wenn Gegenstand des Verfahrens nicht eine bestimmte Geldsumme in Euro ist oder gesetzlich kein fester Wert bestimmt ist. Einwendungen gegen die Höhe des festgesetzten Werts können nur im Verfahren über die Beschwerde gegen den Beschluss, durch den die Tätigkeit des Gerichts aufgrund dieses Gesetzes von der vorherigen Zahlung von Kosten abhängig gemacht wird, geltend gemacht werden. Die Sätze 1 und 2 gelten nicht in Verfahren vor den Gerichten der Finanzgerichtsbarkeit.

(2) Soweit eine Entscheidung nach § 62 Satz 1 nicht ergeht oder nicht bindet, setzt das Prozessgericht den Wert für die zu erhebenden Gebühren durch Beschluss fest, sobald eine Entscheidung über den gesamten Streitgegenstand ergeht oder sich das Verfahren anderweitig erledigt. In Verfahren vor den Gerichten für Arbeitssachen oder der Finanzgerichtsbarkeit gilt dies nur dann, wenn ein Beteiligter oder die Staatskasse die Festsetzung beantragt oder das Gericht sie für angemessen hält.

(3) Die Festsetzung kann von Amts wegen geändert werden

1.
von dem Gericht, das den Wert festgesetzt hat, und
2.
von dem Rechtsmittelgericht, wenn das Verfahren wegen der Hauptsache oder wegen der Entscheidung über den Streitwert, den Kostenansatz oder die Kostenfestsetzung in der Rechtsmittelinstanz schwebt.
Die Änderung ist nur innerhalb von sechs Monaten zulässig, nachdem die Entscheidung in der Hauptsache Rechtskraft erlangt oder das Verfahren sich anderweitig erledigt hat.

(1) Hat bei der Entstehung des Schadens ein Verschulden des Beschädigten mitgewirkt, so hängt die Verpflichtung zum Ersatz sowie der Umfang des zu leistenden Ersatzes von den Umständen, insbesondere davon ab, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Teil verursacht worden ist.

(2) Dies gilt auch dann, wenn sich das Verschulden des Beschädigten darauf beschränkt, dass er unterlassen hat, den Schuldner auf die Gefahr eines ungewöhnlich hohen Schadens aufmerksam zu machen, die der Schuldner weder kannte noch kennen musste, oder dass er unterlassen hat, den Schaden abzuwenden oder zu mindern. Die Vorschrift des § 278 findet entsprechende Anwendung.

(1) Soweit der Schadenersatzanspruch eines Versicherten den Anspruch auf Ersatz von Beiträgen zur Rentenversicherung umfasst, geht dieser auf den Versicherungsträger über, wenn der Geschädigte im Zeitpunkt des Schadensereignisses bereits Pflichtbeitragszeiten nachweist oder danach pflichtversichert wird; dies gilt nicht, soweit

1.
der Arbeitgeber das Arbeitsentgelt fortzahlt oder sonstige der Beitragspflicht unterliegende Leistungen erbringt oder
2.
der Anspruch auf Ersatz von Beiträgen nach § 116 übergegangen ist.
Für den Anspruch auf Ersatz von Beiträgen zur Rentenversicherung gilt § 116 Abs. 3 Satz 1 und 2 entsprechend, soweit die Beiträge auf den Unterschiedsbetrag zwischen dem bei unbegrenzter Haftung zu ersetzenden Arbeitsentgelt oder Arbeitseinkommen und der bei Bezug von Sozialleistungen beitragspflichtigen Einnahme entfallen.

(2) Der Versicherungsträger, auf den ein Teil des Anspruchs auf Ersatz von Beiträgen zur Rentenversicherung nach § 116 übergeht, übermittelt den von ihm festgestellten Sachverhalt dem Träger der Rentenversicherung auf einem einheitlichen Meldevordruck. Das Nähere über den Inhalt des Meldevordrucks und das Mitteilungsverfahren bestimmen die Spitzenverbände der Sozialversicherungsträger.

(3) Die eingegangenen Beiträge oder Beitragsanteile gelten in der Rentenversicherung als Pflichtbeiträge. Durch den Übergang des Anspruchs auf Ersatz von Beiträgen darf der Versicherte nicht schlechter gestellt werden, als er ohne den Schadenersatzanspruch gestanden hätte.

(4) Die Vereinbarung der Abfindung von Ansprüchen auf Ersatz von Beiträgen zur Rentenversicherung mit einem ihrem Kapitalwert entsprechenden Betrag ist im Einzelfall zulässig. Im Fall des Absatzes 1 Satz 1 Nr. 1 gelten für die Mitwirkungspflichten des Geschädigten die §§ 60, 61, 65 Abs. 1 und 3 sowie § 65a des Ersten Buches entsprechend.

(1) Wird bei dem Betrieb eines Kraftfahrzeugs ein Mensch getötet, der Körper oder die Gesundheit eines Menschen verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist der Halter verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen.

(2) Die Ersatzpflicht ist ausgeschlossen, wenn der Unfall durch höhere Gewalt verursacht wird.

(3) Benutzt jemand das Kraftfahrzeug ohne Wissen und Willen des Fahrzeughalters, so ist er anstelle des Halters zum Ersatz des Schadens verpflichtet; daneben bleibt der Halter zum Ersatz des Schadens verpflichtet, wenn die Benutzung des Kraftfahrzeugs durch sein Verschulden ermöglicht worden ist. Satz 1 findet keine Anwendung, wenn der Benutzer vom Fahrzeughalter für den Betrieb des Kraftfahrzeugs angestellt ist oder wenn ihm das Kraftfahrzeug vom Halter überlassen worden ist.

Der Wert wird von dem Gericht nach freiem Ermessen festgesetzt; es kann eine beantragte Beweisaufnahme sowie von Amts wegen die Einnahme des Augenscheins und die Begutachtung durch Sachverständige anordnen.

(1) Die unterliegende Partei hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen, insbesondere die dem Gegner erwachsenen Kosten zu erstatten, soweit sie zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung notwendig waren. Die Kostenerstattung umfasst auch die Entschädigung des Gegners für die durch notwendige Reisen oder durch die notwendige Wahrnehmung von Terminen entstandene Zeitversäumnis; die für die Entschädigung von Zeugen geltenden Vorschriften sind entsprechend anzuwenden.

(2) Die gesetzlichen Gebühren und Auslagen des Rechtsanwalts der obsiegenden Partei sind in allen Prozessen zu erstatten, Reisekosten eines Rechtsanwalts, der nicht in dem Bezirk des Prozessgerichts niedergelassen ist und am Ort des Prozessgerichts auch nicht wohnt, jedoch nur insoweit, als die Zuziehung zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung notwendig war. Die Kosten mehrerer Rechtsanwälte sind nur insoweit zu erstatten, als sie die Kosten eines Rechtsanwalts nicht übersteigen oder als in der Person des Rechtsanwalts ein Wechsel eintreten musste. In eigener Sache sind dem Rechtsanwalt die Gebühren und Auslagen zu erstatten, die er als Gebühren und Auslagen eines bevollmächtigten Rechtsanwalts erstattet verlangen könnte.

(3) Zu den Kosten des Rechtsstreits im Sinne der Absätze 1, 2 gehören auch die Gebühren, die durch ein Güteverfahren vor einer durch die Landesjustizverwaltung eingerichteten oder anerkannten Gütestelle entstanden sind; dies gilt nicht, wenn zwischen der Beendigung des Güteverfahrens und der Klageerhebung mehr als ein Jahr verstrichen ist.

(4) Zu den Kosten des Rechtsstreits im Sinne von Absatz 1 gehören auch Kosten, die die obsiegende Partei der unterlegenen Partei im Verlaufe des Rechtsstreits gezahlt hat.

(1) Ein auf anderen gesetzlichen Vorschriften beruhender Anspruch auf Ersatz eines Schadens geht auf den Versicherungsträger oder Träger der Eingliederungshilfe oder der Sozialhilfe über, soweit dieser auf Grund des Schadensereignisses Sozialleistungen zu erbringen hat, die der Behebung eines Schadens der gleichen Art dienen und sich auf denselben Zeitraum wie der vom Schädiger zu leistende Schadensersatz beziehen. Dazu gehören auch

1.
die Beiträge, die von Sozialleistungen zu zahlen sind, und
2.
die Beiträge zur Krankenversicherung, die für die Dauer des Anspruchs auf Krankengeld unbeschadet des § 224 Abs. 1 des Fünften Buches zu zahlen wären.

(2) Ist der Anspruch auf Ersatz eines Schadens durch Gesetz der Höhe nach begrenzt, geht er auf den Versicherungsträger oder Träger der Eingliederungshilfe oder der Sozialhilfe über, soweit er nicht zum Ausgleich des Schadens des Geschädigten oder seiner Hinterbliebenen erforderlich ist.

(3) Ist der Anspruch auf Ersatz eines Schadens durch ein mitwirkendes Verschulden oder eine mitwirkende Verantwortlichkeit des Geschädigten begrenzt, geht auf den Versicherungsträger oder Träger der Eingliederungshilfe oder der Sozialhilfe von dem nach Absatz 1 bei unbegrenzter Haftung übergehenden Ersatzanspruch der Anteil über, welcher dem Vomhundertsatz entspricht, für den der Schädiger ersatzpflichtig ist. Dies gilt auch, wenn der Ersatzanspruch durch Gesetz der Höhe nach begrenzt ist. Der Anspruchsübergang ist ausgeschlossen, soweit der Geschädigte oder seine Hinterbliebenen dadurch hilfebedürftig im Sinne der Vorschriften des Zwölften Buches werden.

(4) Stehen der Durchsetzung der Ansprüche auf Ersatz eines Schadens tatsächliche Hindernisse entgegen, hat die Durchsetzung der Ansprüche des Geschädigten und seiner Hinterbliebenen Vorrang vor den übergegangenen Ansprüchen nach Absatz 1.

(5) Hat ein Versicherungsträger oder Träger der Eingliederungshilfe oder der Sozialhilfe auf Grund des Schadensereignisses dem Geschädigten oder seinen Hinterbliebenen keine höheren Sozialleistungen zu erbringen als vor diesem Ereignis, geht in den Fällen des Absatzes 3 Satz 1 und 2 der Schadenersatzanspruch nur insoweit über, als der geschuldete Schadenersatz nicht zur vollen Deckung des eigenen Schadens des Geschädigten oder seiner Hinterbliebenen erforderlich ist.

(6) Ein nach Absatz 1 übergegangener Ersatzanspruch kann bei nicht vorsätzlichen Schädigungen durch eine Person, die im Zeitpunkt des Schadensereignisses mit dem Geschädigten oder seinen Hinterbliebenen in häuslicher Gemeinschaft lebt, nicht geltend gemacht werden. Ein Ersatzanspruch nach Absatz 1 kann auch dann nicht geltend gemacht werden, wenn der Schädiger mit dem Geschädigten oder einem Hinterbliebenen nach Eintritt des Schadensereignisses die Ehe geschlossen oder eine Lebenspartnerschaft begründet hat und in häuslicher Gemeinschaft lebt. Abweichend von den Sätzen 1 und 2 kann ein Ersatzanspruch bis zur Höhe der zur Verfügung stehenden Versicherungssumme geltend gemacht werden, wenn der Schaden bei dem Betrieb eines Fahrzeugs entstanden ist, für das Versicherungsschutz nach § 1 des gesetzes über die Pflichtversicherung für Kraftfahrzeughalter oder § 1 des gesetzes über die Haftpflichtversicherung für ausländische Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeuganhänger besteht. Der Ersatzanspruch kann in den Fällen des Satzes 3 gegen den Schädiger in voller Höhe geltend gemacht werden, wenn er den Versicherungsfall vorsätzlich verursacht hat.

(7) Haben der Geschädigte oder seine Hinterbliebenen von dem zum Schadenersatz Verpflichteten auf einen übergegangenen Anspruch mit befreiender Wirkung gegenüber dem Versicherungsträger oder Träger der Eingliederungshilfe oder der Sozialhilfe Leistungen erhalten, haben sie insoweit dem Versicherungsträger oder Träger der Eingliederungshilfe oder der Sozialhilfe die erbrachten Leistungen zu erstatten. Haben die Leistungen gegenüber dem Versicherungsträger oder Träger der Sozialhilfe keine befreiende Wirkung, haften der zum Schadenersatz Verpflichtete und der Geschädigte oder dessen Hinterbliebene dem Versicherungsträger oder Träger der Sozialhilfe als Gesamtschuldner.

(8) Weist der Versicherungsträger oder Träger der Sozialhilfe nicht höhere Leistungen nach, sind vorbehaltlich der Absätze 2 und 3 je Schadensfall für nicht stationäre ärztliche Behandlung und Versorgung mit Arznei- und Verbandmitteln 5 vom Hundert der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 des Vierten Buches zu ersetzen.

(9) Die Vereinbarung einer Pauschalierung der Ersatzansprüche ist zulässig.

(10) Die Bundesagentur für Arbeit und die Träger der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem Zweiten Buch gelten als Versicherungsträger im Sinne dieser Vorschrift.