Landgericht Heidelberg Urteil, 15. Nov. 2016 - 2 O 107/16

bei uns veröffentlicht am15.11.2016

Tenor

1. Es wird festgestellt, dass sich der zwischen der Klägerin und dem Beklagten abgeschlossene Darlehensvertrag mit der Nr. vom 23.02.2009 über einen Darlehensnennbetrag von 112.000,00 EUR nicht durch einen Widerruf des Beklagten in ein Rückgewährschuldverhältnis umgewandelt hat und dass dem Beklagten infolge des Widerrufs des Darlehensvertrages keine Ansprüche gegen die Klägerin zustehen.

2. Der Beklagte hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.

3. Das Urteil ist gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des jeweils zu vollstreckenden Betrags vorläufig vollstreckbar.

Beschluss

Der Streitwert wird auf 14.364,35 EUR festgesetzt.

Tatbestand

 
Die Parteien streiten über die Wirksamkeit des Widerrufs eines Darlehensvertrages.
Die Klägerin schloss mit dem Beklagten als Darlehensnehmer im Februar 2009 einen Darlehensvertrag über den Nennbetrag von 112.000,00 EUR zur Ablösung eines Darlehens bei der H-Bank, das der Finanzierung einer Immobilie in Potsdam diente. Der Darlehensvertrag (Anl. K1) wurde von der Klägerin am 19.02.2009 aufgesetzt und unterschrieben. Die Unterschrift des Beklagten datiert vom 23.02.2009. Mit dem Darlehensvertrag wurde dem Beklagten eine Widerrufsbelehrung (Anl. K2) überlassen, die der Beklagte ebenfalls am 23.02.2009 unterzeichnete. Die Widerrufsbelehrung hat auszugsweise folgenden Wortlaut:
Widerrufsrecht
Sie können Ihre Vertragserklärung innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen in Textform (…) widerrufen.
Die Frist beginnt einen Tag, nachdem Ihnen
- ein Exemplar dieser Widerrufsbelehrung und
- eine Vertragsurkunde, Ihr schriftlicher Darlehensantrag oder eine Abschrift der Vertragsurkunde oder Ihres Darlehensantrags zur Verfügung gestellt, sowie
- die für den Vertrag geltenden Allgemeinen Geschäftsbedingungen und
- die Informationen, zu denen wir nach den Vorschriften über Fernabsatzverträge (§ 312c Abs. 2 BGB i.V.m. § 1 Abs. 1, 2 und 4 BGB-InfoV) verpflichtet sind,
in Textform mitgeteilt wurden, nicht jedoch vor dem Tag des Abschlusses des Darlehensvertrags.
Widerrufsfolgen
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Finanzierte Geschäfte
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…“
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Im Jahr 2014 verkaufte der Beklagte die mit dem Darlehen finanzierte Immobilie und bat die Klägerin um vorzeitige Ablösung des Darlehens. Mit Schreiben vom 27.05.2014 (Anlage K3) bot die Klägerin dem Beklagten einen Aufhebungsvertrag gegen Zahlung eines Aufhebungsentgelts i.H.v. 14.364,35 EUR an. Der Beklagte nahm das Aufhebungsangebot am 29.05.2014 an und erklärte sich mit dem Aufhebungsentgelt einverstanden (Anlagenkonvolut K3). In der Folgezeit löste der Beklagte das Darlehen ab und zahlte das vereinbarte Aufhebungsentgelt.
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Mit Anwaltsschreiben vom 12.04.2016 (Anl. K4) erklärte der Beklagte den Widerruf des Darlehensvertrages und forderte die Klägerin zur Rückzahlung der von ihm entrichteten Vorfälligkeitsentschädigung auf.
14 
Die Klägerin trägt vor,
der Beklagte habe den Darlehensvertrag nicht wirksam widerrufen. Im Zeitpunkt des Widerrufs sei die Widerrufsfrist bereits abgelaufen gewesen. Die dem Beklagten erteilte Widerrufsbelehrung sei gesetzesmäßig. Sie sei auch nicht durch den Zusatz: „nicht jedoch vor dem Tag des Abschlusses des Darlehensvertrages“ fehlerhaft. Insoweit werde nämlich nicht der Eindruck erweckt, dass es sich um eine gesonderte Voraussetzung für den Fristbeginn handele. Aus der Formulierung gehe vielmehr hervor, dass der Fristbeginn jedenfalls auf diesen Zeitpunkt hinausgeschoben werden soll. Ein solcher Zusatz sei unschädlich, weil das dadurch bewirkte Hinausschieben des Beginns der Widerrufsfrist dem Interesse des Kunden entspreche. Die Anpassung des Fristbeginns an die Vorschrift des § 187 BGB sei inhaltlich zutreffend und nicht zu beanstanden. Auch der Hinweis, dass die Widerrufsfrist nicht vor dem Tag des Vertragsschlusses beginnt, sei inhaltlich zutreffend; er gehe bei Fernabsatzverträgen auf § 312 d Abs. 5 BGB zurück und entspreche § 312 d Abs. 2 BGB in der damals geltenden Fassung. Dabei spiele es keine Rolle, dass es zum Vertragsabschluss erst mit Zugang der von dem Beklagten gegengezeichneten und zusammen mit der Widerrufsbelehrung rückübersandten Darlehensurkunde bei der Klägerin gekommen sei. Zwar könne dem Darlehensnehmer, wenn die Versendung per Post erfolge, das genaue Eingangsdatum nicht sicher bekannt sein. Generell gelte aber, dass der Unternehmer nicht gehalten sei, den Rechtsbegriff des Vertragsschlusses näher zu erläutern. Die Klägerin könne sich auch auf die Gesetzlichkeitsfiktion des § 14 Abs. 1 BGB-InfoV in der seinerzeit geltenden Fassung berufen. Eine 100 %-ige Identität von verwendeter Widerrufsbelehrung und Musterwiderrufsbelehrung sei dazu nicht erforderlich, entscheidend sei vielmehr, ob in der Änderung eine inhaltliche Bearbeitung liege. Das sei hier nicht der Fall (im Einzelnen: AS 79 ff.). Selbst wenn man dies alles anders sehen wollte, stünden einem wirksamen Widerruf jedenfalls aufgrund der zwischenzeitlich abgeschlossenen Aufhebungsvereinbarung der Einwand der Verwirkung und des Rechtsmissbrauchs entgegen.
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Die Klägerin beantragt:
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Es wird festgestellt, dass sich der zwischen der Klägerin und dem Beklagten abgeschlossene Darlehensvertrag mit der Nr. vom 23.02.2009 über einen Darlehensnennbetrag von 112.000,00 EUR nicht durch einen Widerruf des Beklagten in ein Rückgewährschuldverhältnis umgewandelt hat.
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Der Beklagte beantragt,
18 
die Klage abzuweisen.
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Der Beklagte trägt vor,
der von dem Kläger erklärte Widerruf sei wirksam. Die von der Beklagten verwendete Widerrufsbelehrung sei, wie das OLG Stuttgart (Urteil vom 29.09.2015, Az.: 6U 21/15) für eine identische Widerrufsbelehrung entschieden habe, fehlerhaft, weil der Verbraucher nicht eindeutig über den Beginn der Widerrufsfrist informiert werde. Zwar werde für die in einer Aufzählung zunächst genannten Bedingungen des Fristbeginns ein Hinweis zur Fristberechnung gemäß § 187 Abs. 1 BGB erteilt, für den Vertragsschluss als weitere Bedingung des Fristbeginns fehle ein solcher Hinweis zur Fristberechnung jedoch. Der gewählte Satzbau lasse auch nicht erkennen, dass sich die einleitende Wendung „einen Tag nachdem“ auch auf das Erfordernis des Vertragsschlusses beziehen soll. Vielmehr lasse die Wendung „nicht vor dem Tag des Abschlusses des Darlehensvertrages“ auch die Deutung zu, bei der Fristberechnung sei gemäß § 187 Abs. 2 BGB der Beginn des Tages des Vertragsschlusses maßgebend. Diese Formulierung sei geeignet, beim Verbraucher die Fehlvorstellung hervorzurufen, dass der Tag des Vertragsschlusses bei der Fristberechnung mitzuzählen sei. Die Widerrufsbelehrung entspreche auch aus weiteren Gründen nicht den gesetzlichen Anforderungen. Die „Verbraucherinformationen nach den Vorschriften über Fernabsatzverträge – Annuitätendarlehen“ (Anl. B1) enthielten unter „C“ eine Definition des Zustandekommens des Darlehensvertrages. Dem Verbraucher sei aber nicht bekannt, wann der Vertrag bei der Bank eingeht. Der Beklagte wisse bis heute nicht, wann der Darlehensvertrag bei der Klägerin eingegangen und damit der Darlehensvertrag zustande gekommen ist. Verwirrend sei auch, dass im Zusammenhang mit der Belehrung zum Fernabsatzgeschäft das Vertragsangebot der Klägerin mehrfach als „Vertragsurkunde“ bezeichnet werde. Auf die Gesetzlichkeitsfiktion könne sich die Klägerin nicht berufen, da sie das Muster aus Anlage 2 zu § 14 BGB-InfoV in der Fassung vom 01.04.2008 bis zum 03.08.2009 nicht ohne Änderungen übernommen habe. Das Widerrufsrecht des Beklagten sei durch die „Aufhebungsvereinbarung“ vom 27./29.05.2014 nicht ausgeschlossen. Es sei der Klägerin erkennbar nur darum gegangen, dass der Beklagte keine Einwände gegen die Höhe der von der Klägerin berechneten Vorfälligkeitsentschädigung erhebt. Ebenso sei das Widerrufsrecht des Beklagten nicht verwirkt.
20 
Wegen der weiteren Einzelheiten des beiderseitigen Parteivorbringens wird auf die gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen Bezug genommen.

Entscheidungsgründe

 
21 
1. Die Klage ist zulässig.
22 
Die örtliche Zuständigkeit des Landgerichts Heidelberg ergibt sich aus §§ 12, 13 ZPO. Dass nach verbreiteter Meinung eine negative Feststellungsklage auch dort erhoben werden kann, wo die Leistungsklage umgekehrten Rubrums erhoben werden könnte, also auch im allgemeinen Gerichtsstand des Klägers (vgl. OLG München, Beschluss vom 18.08.2009 - 31 AR 355/09 -, juris Rn. 6), schließt die örtliche Zuständigkeit des Gerichts, bei dem der Beklagte seinen allgemeinen Gerichtsstand hat, nicht aus.
23 
Das rechtliche Interesse der Klägerin an der Erhebung einer negativen Feststellungsklage ergibt sich daraus, dass der Beklagte sich in dem Anwaltsschreiben vom 12.04.2016 (Anl. K4) eines Anspruchs auf Rückzahlung der an die Klägerin entrichteten Vorfälligkeitsentschädigung berühmt hat.
24 
2. Die negative Feststellungsklage ist auch begründet. Der Beklagte hat den Darlehensvertrag vom 19.02./23.02.2009 nicht wirksam widerrufen, da die zweiwöchige Widerrufsfrist des § 355 Abs. 1 S. 2 BGB a.F. im Zeitpunkt der Widerrufsbelehrung vom 12.04.2016 bereits abgelaufen war. Die dem Beklagten bei Abschluss des Darlehensvertrages vom 19.02./23.02.2009 erteilte Widerrufsbelehrung (Anl. K2) ist nicht zu beanstanden. Sie belehrt den Darlehensnehmer zutreffend über den Beginn der Widerrufsfrist. Damit ist die Geschäftsgrundlage für den Aufhebungsvertrag vom 27.05./29.05.2014 nicht weggefallen, und dem Beklagten steht kein Anspruch auf Rückzahlung der von ihm geleisteten Vorfälligkeitsentschädigung gegen die Klägerin zu. Entsprechend dem Rechtsschutzziel der Klägerin war im Urteilstenor klarstellend auszusprechen, dass dem Beklagten infolge des Widerrufs des Darlehensvertrages keine Ansprüche gegen die Klägerin zustehen. Darin liegt nur eine Präzisierung des Klageantrags und kein „plus“ oder „aliud“ gegenüber dem Klagebegehren.
25 
Insbesondere ist die Belehrung über das Widerrufsrecht nicht im Hinblick auf den dort enthaltenen Zusatz: „nicht jedoch vor dem Tag des Abschlusses des Darlehensvertrags“ fehlerhaft oder irreführend. Der gegenteiligen Auffassung des OLG Stuttgart (Urteil vom 29.09.2015 - 6 U 21/15 -, juris Rn. 43) und des OLG Koblenz (Urteil vom 29.07.2016 - 8 U 1049/15 -, juris Rn. 35), die gewählte Formulierung sei fehlerhaft, weil sie nicht hinreichend deutlich zum Ausdruck bringe, ob sich die einleitende Wendung „einen Tag nachdem“ auch auf das Erfordernis des Vertragsschlusses beziehe, und die Wendung „nicht vor dem Tag des Abschlusses des Darlehensvertrages“ die Deutung zulasse, bei der Fristberechnung sei gemäß § 187 Abs. 2 BGB der Beginn des Tages des Vertragsschlusses maßgebend, vermag sich das Gericht nicht anzuschließen. Die Rechtsprechung des OLG Stuttgart und des OLG Koblenz überspannt die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung und verkennt, dass § 355 Abs. 2 S. 1 BGB a.F. lediglich eine deutliche Belehrung über das Widerrufsrecht als solches, die den Fristbeginn auslösenden Ereignisse und die Regelung des § 355 Abs. 1 S. 2 BGB a.F., nämlich dass der Widerruf keine Begründung enthalten muss, dass er innerhalb von zwei Wochen in Textform oder durch Rücksendung der Sache gegenüber dem Unternehmer zu erklären ist und dass zur Fristwahrung die rechtzeitige Absendung genügt, verlangt. Eine Belehrung, wie die Frist zu berechnen ist, verlangt § 355 Abs. 2 S. 1 BGB a.F. nicht.
26 
Die in Rede stehende Widerrufsbelehrung genügt dem Erfordernis, dass der Darlehensnehmer über den Beginn der Widerrufsfrist eindeutig zu informieren ist (BGH, Urteil vom 28. Juni 2011 - XI ZR 349/10 -, juris Rn 34). Die Widerrufsbelehrung belehrt den Darlehensnehmer entsprechend der gesetzlichen Regelung in § 355 Abs. 2 S. 1 und 3 BGB a.F. und in § 312d Abs. 2 BGB a.F. hinreichend deutlich, dass die Widerrufsfrist erst nach Überlassung eines Exemplars der Widerrufsbelehrung, der Vertragsurkunde bzw. des von dem Darlehensnehmer unterzeichneten schriftlichen Darlehensantrags oder einer Abschrift der Vertragsurkunde bzw. des von dem Darlehensnehmer unterzeichneten Darlehensantrags und bei Fernabsatzverträgen außerdem erst mit Überlassung der Informationen, zu deren Erteilung der Unternehmer nach § 312c Abs. 2 BGB a.F. verpflichtet ist, und nicht vor dem Tag des Vertragsschlusses beginnt. Die Ereignisse, die den Fristbeginn nach der gesetzlichen Regelung in § 355 Abs. 2 BGB a.F. und § 312d Abs. 2 BGB a.F. auslösen, werden in der Widerrufsbelehrung zutreffend und hinreichend deutlich genannt. Anders als in der von dem BGH beanstandeten Belehrung über den Fristbeginn (BGH, Urteil vom 28. Juni 2011 - XI ZR 349/10 -, juris Rn 34: „frühestens“) wird der durchschnittliche Verbraucher hinreichend verständlich darüber informiert, von welchen tatsächlichen Voraussetzungen der Fristbeginn abhängt. Da das Gesetz eine Belehrung darüber, wie die Frist zu berechnen ist, nicht verlangt, war ein Hinweis auf die Regelung des § 187 Abs. 1 BGB nicht geschuldet. Dass der Belehrungstext in der einleitenden Wendung: „Die Frist beginnt einen Tag, nachdem…“ einen solchen Hinweis gleichwohl enthält, ist sachlich zutreffend und macht die Widerrufsbelehrung nicht fehlerhaft. Dass der Hinweis auf § 187 Abs. 1 BGB im Zusammenhang mit der der gesetzlichen Bestimmung des § 312d BGB a.F. für Fernabsatzverträge entnommenen Wendung: „nicht jedoch vor dem Tag des Abschlusses des Darlehensvertrags“ nicht nochmals erfolgt, ist unschädlich, weil es einer Belehrung über die Fristberechnung von vornherein nicht bedurfte und vom Unternehmer eine über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehende Belehrung grundsätzlich nicht verlangt werden kann. Die Wendung: „nicht jedoch vor dem Tag des Abschlusses des Darlehensvertrags“ stellt auch den eingangs der Widerrufsbelehrung genannten Fristbeginn („die Frist beginnt einen Tag, nachdem Ihnen…“) nicht infrage, sondern benennt lediglich eine weitere, bei Fernabsatzgeschäften gemäß § 312d Abs. 2 BGB a.F. notwendige Voraussetzung für den Fristbeginn. Der durchschnittliche Verbraucher wird nicht annehmen, dass der Tag des Abschlusses des Darlehensvertrages den Fristbeginn bereits dann auslöst, wenn er die in der Widerrufsbelehrung im Einzelnen aufgezählten Unterlagen - insbesondere eine den Vertragsschluss bzw. seine eigene Vertragserklärung dokumentierende Urkunde bzw. Abschrift dieser Urkunde - noch nicht erhalten hat. In aller Regel erhält der Darlehensnehmer sowohl bei einem im Wege eines Präsenzgeschäftes als auch bei einem im Fernabsatzwege abgeschlossenen Darlehensvertrag eine den Vertragsschluss dokumentierende bzw. eine seine eigene Vertragserklärung beinhaltende Urkunde erst nach Vertragsschluss, so dass der Zeitpunkt des Vertragsschlusses im Regelfall für den Fristbeginn nicht maßgebend ist oder diesen jedenfalls nicht nach hinten verschiebt. Dass der Tag des Abschlusses des Darlehensvertrages das letztlich für den Fristbeginn auslösende Ereignis darstellt, kommt nur in Betracht, wenn die Vertragsunterzeichnung gemäß §§ 126 Abs. 2 S. 2, 492 Abs. 1 S. 2 BGB nicht auf derselben Urkunde, sondern auf getrennten Urkunden erfolgt und dem Darlehensnehmer die für ihn bestimmte und von der Bank schon unterzeichnete Vertragsurkunde bereits zusammen mit der für die Bank bestimmten, vom Darlehensnehmer noch zu unterzeichnenden, Vertragsurkunde übersandt wird. Abgesehen davon, dass diese Konstellation ausweislich des Darlehensvertrages vom 19.02/23.02.2009 im Streitfall nicht gegeben ist, weil die Unterzeichnung der Vertragsparteien auf derselben Urkunde erfolgt ist, ist in einem solchen Fall eine umfassende Belehrung des Darlehensnehmers über den exakten Beginn der Widerrufsfrist von vornherein nicht möglich, weil der Vertragsschluss in dieser Konstellation nach § 130 Abs. 1 BGB erst mit Zugang der Vertragserklärung des Darlehensnehmers bei der Bank erfolgt. Wann der Zugang erfolgt ist, kann aber stets erst im Nachhinein ermittelt und nicht im Voraus angegeben werden. Da das Gesetz, wie bereits dargelegt, lediglich eine Belehrung über die den Fristbeginn auslösenden Ereignisse und nicht über die rechtlichen Grundlagen der Fristberechnung verlangt, war ein Hinweis auf § 130 Abs. 1 BGB in der Widerrufsbelehrung ebenso wenig geboten wie auf § 187 Abs. 1 BGB. Ungeachtet dessen enthielten die dem Beklagten mit dem Vertragsangebot der Klägerin vom 19.02.2009 übersandten „Verbraucherinformationen nach den Vorschriften über Fernabsatzverträge Annuitätendarlehen“ (Anl. K1) auf Seite 2 unter „C“ eine Information über das Zustandekommen des Darlehensvertrages. Dort heißt es ausdrücklich, dass der Darlehensvertrag (erst) zustande kommt, wenn der Darlehensnehmer die Vertragsurkunde „Darlehensvertrag“ unterzeichnet und diese der Bank so übermittelt, dass sie innerhalb der in der Vertragsurkunde „Darlehensvertrag“ angegebenen Annahmefrist bei der Bank eingeht. Der Beklagte wurde somit von der Klägerin darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Vertrag nicht schon mit der Unterzeichnung durch ihn, sondern erst mit Zugang der von ihm unterschriebenen Vertragsurkunde bei der Klägerin zustande kommt.
27 
Eine andere Beurteilung ergibt sich auch nicht aus der von dem Beklagten zitierten Entscheidung des BGH vom 24.03.2009 (BGH, Urteil vom 24.03.2009 - XI ZR 456/07 -, juris Rn. 14). Diese Entscheidung betrifft eine Widerrufsbelehrung zu einem Widerrufsrecht nach § 1 HWiG in der Fassung vom 16.01.1986. Danach konnte der Verbraucher seine auf den Abschluss eines Vertrages gerichtete Willenserklärung, zu der er in einer Haustürsituation bestimmt worden ist, binnen einer Frist von einer Woche schriftlich widerrufen. Nach § 2 Abs. 1 S. 2 HWiG in der Fassung vom 16.01.1986 begann die Widerrufsfrist mit Aushändigung einer deutlich gestalteten Widerrufsbelehrung. In dem von dem BGH entschiedenen Fall erhielt der Verbraucher eine Widerrufsbelehrung, die den Fristbeginn entgegen der gesetzlichen Regelung in § 2 Abs. 1 S. 2 HWiG in der Fassung vom 16.01.1986 nicht an die Aushändigung der Belehrung, sondern an den Zugang der unterschriebenen Ausfertigung des Darlehensvertrages bei der Bank knüpfte. Der Verbraucher wurde also - anders als im Streitfall - fehlerhaft über den Beginn der Widerrufsfrist belehrt, indem dem Verbraucher ein anderes als das im Gesetz genannte Ereignis als das für den Fristbeginn maßgebliche Ereignis mitgeteilt wurde. Dies hat der BGH beanstandet, zumal in dem vom BGH entschiedenen Fall der Verbraucher das den Fristbeginn auslösende Ereignis, nämlich den Zugang der von ihm unterschriebenen Ausfertigung des Darlehensvertrages bei der Bank, nicht kannte.
28 
Die Widerrufsbelehrung ist auch nicht im Zusammenspiel mit den „Verbraucherinformationen nach den Vorschriften über Fernabsatzverträge Annuitätendarlehen“ (Anl. K1) verwirrend. Entgegen der Argumentation des Beklagten werden die Begriffe „Darlehensvertrag“ und „Angebot“ dort nicht synonym verwendet. Vielmehr wird dem durchschnittlichen Verbraucher in den „Verbraucherinformationen nach den Vorschriften über Fernabsatzverträge Annuitätendarlehen“ unter „C“ verständlich erläutert, dass die ihm übersandte Vertragsurkunde „Darlehensvertrag“ das schriftliche Darlehensangebot der Klägerin enthält, der Darlehensvertrag aber erst zustande kommt, wenn der Darlehensnehmer dieses durch Unterzeichnung der Vertragsurkunde annimmt und die von beiden Parteien unterzeichnete Vertragsurkunde der Klägerin zugeht. Aus der Erläuterung des Vertragsschlusses ergibt sich für den durchschnittlichen Verbraucher auch mit hinreichender Deutlichkeit, dass die ihm zur Unterzeichnung übersandte Vertragsurkunde „Darlehensvertrag“ bis zur Unterzeichnung durch den Verbraucher lediglich ein auf Abschluss eines Darlehensvertrages gerichtetes Vertragsangebot der Klägerin darstellt und damit noch nicht die in der Widerrufsbelehrung (Anl. K2) genannte „Vertragsurkunde“, die den Vertragsschluss dokumentiert und deren Überlassung zum Verbleib beim Verbraucher eines der den Beginn der Widerrufsfrist auslösenden Ereignisse darstellt.
29 
Soweit der Beklagte erstmals mit nach Schluss der mündlichen Verhandlung eingegangenem Schriftsatz vom 04.11.2016 geltend gemacht hat, dass die Widerrufsbelehrung auch deswegen fehlerhaft sei, weil sie das unrichtige Verständnis nahelege, die Widerrufsfrist beginne bereits einen Tag nach Zugang des mit der Widerrufsbelehrung versehenen Darlehensangebots der Bank zu laufen (BGH, Urteil vom 10.03.2009 - XI ZR 33/08 - juris Rn 15 f.), ist die hier in Rede stehende Widerrufsbelehrung mit der Belehrung, die der genannten Entscheidung des BGH zugrunde lag, ersichtlich nicht identisch. Die hier in Rede stehende Widerrufsbelehrung bringt durch die Formulierung: „Ihr schriftlicher Darlehensantrag“ hinreichend deutlich zum Ausdruck, dass der Lauf der Widerrufsfrist voraussetzt, dass der Verbraucher im Besitz einer seine eigene Vertragserklärung enthaltenden Urkunde ist.
30 
Auf die Fragen, ob die Klägerin sich auf die Schutzwirkung des § 14 Abs. 1 BGB-InfoV berufen kann und ob die zwischen den Parteien abgeschlossenen Aufhebungsvereinbarung vom 27.05./29.05.2014 der Ausübung des Widerrufsrechts entgegen steht, kommt es nach allem nicht mehr an.
31 
3. Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO. Der Ausspruch über die vorläufige Vollstreckbarkeit hat seine Grundlage in § 709 ZPO.
32 
4. Die Festsetzung des Streitwerts beruht auf §§ 48 GKG, 3 ZPO.

Gründe

 
21 
1. Die Klage ist zulässig.
22 
Die örtliche Zuständigkeit des Landgerichts Heidelberg ergibt sich aus §§ 12, 13 ZPO. Dass nach verbreiteter Meinung eine negative Feststellungsklage auch dort erhoben werden kann, wo die Leistungsklage umgekehrten Rubrums erhoben werden könnte, also auch im allgemeinen Gerichtsstand des Klägers (vgl. OLG München, Beschluss vom 18.08.2009 - 31 AR 355/09 -, juris Rn. 6), schließt die örtliche Zuständigkeit des Gerichts, bei dem der Beklagte seinen allgemeinen Gerichtsstand hat, nicht aus.
23 
Das rechtliche Interesse der Klägerin an der Erhebung einer negativen Feststellungsklage ergibt sich daraus, dass der Beklagte sich in dem Anwaltsschreiben vom 12.04.2016 (Anl. K4) eines Anspruchs auf Rückzahlung der an die Klägerin entrichteten Vorfälligkeitsentschädigung berühmt hat.
24 
2. Die negative Feststellungsklage ist auch begründet. Der Beklagte hat den Darlehensvertrag vom 19.02./23.02.2009 nicht wirksam widerrufen, da die zweiwöchige Widerrufsfrist des § 355 Abs. 1 S. 2 BGB a.F. im Zeitpunkt der Widerrufsbelehrung vom 12.04.2016 bereits abgelaufen war. Die dem Beklagten bei Abschluss des Darlehensvertrages vom 19.02./23.02.2009 erteilte Widerrufsbelehrung (Anl. K2) ist nicht zu beanstanden. Sie belehrt den Darlehensnehmer zutreffend über den Beginn der Widerrufsfrist. Damit ist die Geschäftsgrundlage für den Aufhebungsvertrag vom 27.05./29.05.2014 nicht weggefallen, und dem Beklagten steht kein Anspruch auf Rückzahlung der von ihm geleisteten Vorfälligkeitsentschädigung gegen die Klägerin zu. Entsprechend dem Rechtsschutzziel der Klägerin war im Urteilstenor klarstellend auszusprechen, dass dem Beklagten infolge des Widerrufs des Darlehensvertrages keine Ansprüche gegen die Klägerin zustehen. Darin liegt nur eine Präzisierung des Klageantrags und kein „plus“ oder „aliud“ gegenüber dem Klagebegehren.
25 
Insbesondere ist die Belehrung über das Widerrufsrecht nicht im Hinblick auf den dort enthaltenen Zusatz: „nicht jedoch vor dem Tag des Abschlusses des Darlehensvertrags“ fehlerhaft oder irreführend. Der gegenteiligen Auffassung des OLG Stuttgart (Urteil vom 29.09.2015 - 6 U 21/15 -, juris Rn. 43) und des OLG Koblenz (Urteil vom 29.07.2016 - 8 U 1049/15 -, juris Rn. 35), die gewählte Formulierung sei fehlerhaft, weil sie nicht hinreichend deutlich zum Ausdruck bringe, ob sich die einleitende Wendung „einen Tag nachdem“ auch auf das Erfordernis des Vertragsschlusses beziehe, und die Wendung „nicht vor dem Tag des Abschlusses des Darlehensvertrages“ die Deutung zulasse, bei der Fristberechnung sei gemäß § 187 Abs. 2 BGB der Beginn des Tages des Vertragsschlusses maßgebend, vermag sich das Gericht nicht anzuschließen. Die Rechtsprechung des OLG Stuttgart und des OLG Koblenz überspannt die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung und verkennt, dass § 355 Abs. 2 S. 1 BGB a.F. lediglich eine deutliche Belehrung über das Widerrufsrecht als solches, die den Fristbeginn auslösenden Ereignisse und die Regelung des § 355 Abs. 1 S. 2 BGB a.F., nämlich dass der Widerruf keine Begründung enthalten muss, dass er innerhalb von zwei Wochen in Textform oder durch Rücksendung der Sache gegenüber dem Unternehmer zu erklären ist und dass zur Fristwahrung die rechtzeitige Absendung genügt, verlangt. Eine Belehrung, wie die Frist zu berechnen ist, verlangt § 355 Abs. 2 S. 1 BGB a.F. nicht.
26 
Die in Rede stehende Widerrufsbelehrung genügt dem Erfordernis, dass der Darlehensnehmer über den Beginn der Widerrufsfrist eindeutig zu informieren ist (BGH, Urteil vom 28. Juni 2011 - XI ZR 349/10 -, juris Rn 34). Die Widerrufsbelehrung belehrt den Darlehensnehmer entsprechend der gesetzlichen Regelung in § 355 Abs. 2 S. 1 und 3 BGB a.F. und in § 312d Abs. 2 BGB a.F. hinreichend deutlich, dass die Widerrufsfrist erst nach Überlassung eines Exemplars der Widerrufsbelehrung, der Vertragsurkunde bzw. des von dem Darlehensnehmer unterzeichneten schriftlichen Darlehensantrags oder einer Abschrift der Vertragsurkunde bzw. des von dem Darlehensnehmer unterzeichneten Darlehensantrags und bei Fernabsatzverträgen außerdem erst mit Überlassung der Informationen, zu deren Erteilung der Unternehmer nach § 312c Abs. 2 BGB a.F. verpflichtet ist, und nicht vor dem Tag des Vertragsschlusses beginnt. Die Ereignisse, die den Fristbeginn nach der gesetzlichen Regelung in § 355 Abs. 2 BGB a.F. und § 312d Abs. 2 BGB a.F. auslösen, werden in der Widerrufsbelehrung zutreffend und hinreichend deutlich genannt. Anders als in der von dem BGH beanstandeten Belehrung über den Fristbeginn (BGH, Urteil vom 28. Juni 2011 - XI ZR 349/10 -, juris Rn 34: „frühestens“) wird der durchschnittliche Verbraucher hinreichend verständlich darüber informiert, von welchen tatsächlichen Voraussetzungen der Fristbeginn abhängt. Da das Gesetz eine Belehrung darüber, wie die Frist zu berechnen ist, nicht verlangt, war ein Hinweis auf die Regelung des § 187 Abs. 1 BGB nicht geschuldet. Dass der Belehrungstext in der einleitenden Wendung: „Die Frist beginnt einen Tag, nachdem…“ einen solchen Hinweis gleichwohl enthält, ist sachlich zutreffend und macht die Widerrufsbelehrung nicht fehlerhaft. Dass der Hinweis auf § 187 Abs. 1 BGB im Zusammenhang mit der der gesetzlichen Bestimmung des § 312d BGB a.F. für Fernabsatzverträge entnommenen Wendung: „nicht jedoch vor dem Tag des Abschlusses des Darlehensvertrags“ nicht nochmals erfolgt, ist unschädlich, weil es einer Belehrung über die Fristberechnung von vornherein nicht bedurfte und vom Unternehmer eine über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehende Belehrung grundsätzlich nicht verlangt werden kann. Die Wendung: „nicht jedoch vor dem Tag des Abschlusses des Darlehensvertrags“ stellt auch den eingangs der Widerrufsbelehrung genannten Fristbeginn („die Frist beginnt einen Tag, nachdem Ihnen…“) nicht infrage, sondern benennt lediglich eine weitere, bei Fernabsatzgeschäften gemäß § 312d Abs. 2 BGB a.F. notwendige Voraussetzung für den Fristbeginn. Der durchschnittliche Verbraucher wird nicht annehmen, dass der Tag des Abschlusses des Darlehensvertrages den Fristbeginn bereits dann auslöst, wenn er die in der Widerrufsbelehrung im Einzelnen aufgezählten Unterlagen - insbesondere eine den Vertragsschluss bzw. seine eigene Vertragserklärung dokumentierende Urkunde bzw. Abschrift dieser Urkunde - noch nicht erhalten hat. In aller Regel erhält der Darlehensnehmer sowohl bei einem im Wege eines Präsenzgeschäftes als auch bei einem im Fernabsatzwege abgeschlossenen Darlehensvertrag eine den Vertragsschluss dokumentierende bzw. eine seine eigene Vertragserklärung beinhaltende Urkunde erst nach Vertragsschluss, so dass der Zeitpunkt des Vertragsschlusses im Regelfall für den Fristbeginn nicht maßgebend ist oder diesen jedenfalls nicht nach hinten verschiebt. Dass der Tag des Abschlusses des Darlehensvertrages das letztlich für den Fristbeginn auslösende Ereignis darstellt, kommt nur in Betracht, wenn die Vertragsunterzeichnung gemäß §§ 126 Abs. 2 S. 2, 492 Abs. 1 S. 2 BGB nicht auf derselben Urkunde, sondern auf getrennten Urkunden erfolgt und dem Darlehensnehmer die für ihn bestimmte und von der Bank schon unterzeichnete Vertragsurkunde bereits zusammen mit der für die Bank bestimmten, vom Darlehensnehmer noch zu unterzeichnenden, Vertragsurkunde übersandt wird. Abgesehen davon, dass diese Konstellation ausweislich des Darlehensvertrages vom 19.02/23.02.2009 im Streitfall nicht gegeben ist, weil die Unterzeichnung der Vertragsparteien auf derselben Urkunde erfolgt ist, ist in einem solchen Fall eine umfassende Belehrung des Darlehensnehmers über den exakten Beginn der Widerrufsfrist von vornherein nicht möglich, weil der Vertragsschluss in dieser Konstellation nach § 130 Abs. 1 BGB erst mit Zugang der Vertragserklärung des Darlehensnehmers bei der Bank erfolgt. Wann der Zugang erfolgt ist, kann aber stets erst im Nachhinein ermittelt und nicht im Voraus angegeben werden. Da das Gesetz, wie bereits dargelegt, lediglich eine Belehrung über die den Fristbeginn auslösenden Ereignisse und nicht über die rechtlichen Grundlagen der Fristberechnung verlangt, war ein Hinweis auf § 130 Abs. 1 BGB in der Widerrufsbelehrung ebenso wenig geboten wie auf § 187 Abs. 1 BGB. Ungeachtet dessen enthielten die dem Beklagten mit dem Vertragsangebot der Klägerin vom 19.02.2009 übersandten „Verbraucherinformationen nach den Vorschriften über Fernabsatzverträge Annuitätendarlehen“ (Anl. K1) auf Seite 2 unter „C“ eine Information über das Zustandekommen des Darlehensvertrages. Dort heißt es ausdrücklich, dass der Darlehensvertrag (erst) zustande kommt, wenn der Darlehensnehmer die Vertragsurkunde „Darlehensvertrag“ unterzeichnet und diese der Bank so übermittelt, dass sie innerhalb der in der Vertragsurkunde „Darlehensvertrag“ angegebenen Annahmefrist bei der Bank eingeht. Der Beklagte wurde somit von der Klägerin darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Vertrag nicht schon mit der Unterzeichnung durch ihn, sondern erst mit Zugang der von ihm unterschriebenen Vertragsurkunde bei der Klägerin zustande kommt.
27 
Eine andere Beurteilung ergibt sich auch nicht aus der von dem Beklagten zitierten Entscheidung des BGH vom 24.03.2009 (BGH, Urteil vom 24.03.2009 - XI ZR 456/07 -, juris Rn. 14). Diese Entscheidung betrifft eine Widerrufsbelehrung zu einem Widerrufsrecht nach § 1 HWiG in der Fassung vom 16.01.1986. Danach konnte der Verbraucher seine auf den Abschluss eines Vertrages gerichtete Willenserklärung, zu der er in einer Haustürsituation bestimmt worden ist, binnen einer Frist von einer Woche schriftlich widerrufen. Nach § 2 Abs. 1 S. 2 HWiG in der Fassung vom 16.01.1986 begann die Widerrufsfrist mit Aushändigung einer deutlich gestalteten Widerrufsbelehrung. In dem von dem BGH entschiedenen Fall erhielt der Verbraucher eine Widerrufsbelehrung, die den Fristbeginn entgegen der gesetzlichen Regelung in § 2 Abs. 1 S. 2 HWiG in der Fassung vom 16.01.1986 nicht an die Aushändigung der Belehrung, sondern an den Zugang der unterschriebenen Ausfertigung des Darlehensvertrages bei der Bank knüpfte. Der Verbraucher wurde also - anders als im Streitfall - fehlerhaft über den Beginn der Widerrufsfrist belehrt, indem dem Verbraucher ein anderes als das im Gesetz genannte Ereignis als das für den Fristbeginn maßgebliche Ereignis mitgeteilt wurde. Dies hat der BGH beanstandet, zumal in dem vom BGH entschiedenen Fall der Verbraucher das den Fristbeginn auslösende Ereignis, nämlich den Zugang der von ihm unterschriebenen Ausfertigung des Darlehensvertrages bei der Bank, nicht kannte.
28 
Die Widerrufsbelehrung ist auch nicht im Zusammenspiel mit den „Verbraucherinformationen nach den Vorschriften über Fernabsatzverträge Annuitätendarlehen“ (Anl. K1) verwirrend. Entgegen der Argumentation des Beklagten werden die Begriffe „Darlehensvertrag“ und „Angebot“ dort nicht synonym verwendet. Vielmehr wird dem durchschnittlichen Verbraucher in den „Verbraucherinformationen nach den Vorschriften über Fernabsatzverträge Annuitätendarlehen“ unter „C“ verständlich erläutert, dass die ihm übersandte Vertragsurkunde „Darlehensvertrag“ das schriftliche Darlehensangebot der Klägerin enthält, der Darlehensvertrag aber erst zustande kommt, wenn der Darlehensnehmer dieses durch Unterzeichnung der Vertragsurkunde annimmt und die von beiden Parteien unterzeichnete Vertragsurkunde der Klägerin zugeht. Aus der Erläuterung des Vertragsschlusses ergibt sich für den durchschnittlichen Verbraucher auch mit hinreichender Deutlichkeit, dass die ihm zur Unterzeichnung übersandte Vertragsurkunde „Darlehensvertrag“ bis zur Unterzeichnung durch den Verbraucher lediglich ein auf Abschluss eines Darlehensvertrages gerichtetes Vertragsangebot der Klägerin darstellt und damit noch nicht die in der Widerrufsbelehrung (Anl. K2) genannte „Vertragsurkunde“, die den Vertragsschluss dokumentiert und deren Überlassung zum Verbleib beim Verbraucher eines der den Beginn der Widerrufsfrist auslösenden Ereignisse darstellt.
29 
Soweit der Beklagte erstmals mit nach Schluss der mündlichen Verhandlung eingegangenem Schriftsatz vom 04.11.2016 geltend gemacht hat, dass die Widerrufsbelehrung auch deswegen fehlerhaft sei, weil sie das unrichtige Verständnis nahelege, die Widerrufsfrist beginne bereits einen Tag nach Zugang des mit der Widerrufsbelehrung versehenen Darlehensangebots der Bank zu laufen (BGH, Urteil vom 10.03.2009 - XI ZR 33/08 - juris Rn 15 f.), ist die hier in Rede stehende Widerrufsbelehrung mit der Belehrung, die der genannten Entscheidung des BGH zugrunde lag, ersichtlich nicht identisch. Die hier in Rede stehende Widerrufsbelehrung bringt durch die Formulierung: „Ihr schriftlicher Darlehensantrag“ hinreichend deutlich zum Ausdruck, dass der Lauf der Widerrufsfrist voraussetzt, dass der Verbraucher im Besitz einer seine eigene Vertragserklärung enthaltenden Urkunde ist.
30 
Auf die Fragen, ob die Klägerin sich auf die Schutzwirkung des § 14 Abs. 1 BGB-InfoV berufen kann und ob die zwischen den Parteien abgeschlossenen Aufhebungsvereinbarung vom 27.05./29.05.2014 der Ausübung des Widerrufsrechts entgegen steht, kommt es nach allem nicht mehr an.
31 
3. Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 ZPO. Der Ausspruch über die vorläufige Vollstreckbarkeit hat seine Grundlage in § 709 ZPO.
32 
4. Die Festsetzung des Streitwerts beruht auf §§ 48 GKG, 3 ZPO.

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Landgericht Heidelberg Urteil, 15. Nov. 2016 - 2 O 107/16 zitiert 17 §§.

ZPO | § 91 Grundsatz und Umfang der Kostenpflicht


(1) Die unterliegende Partei hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen, insbesondere die dem Gegner erwachsenen Kosten zu erstatten, soweit sie zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung notwendig waren. Die Kostenerstattung...

GKG 2004 | § 48 Bürgerliche Rechtsstreitigkeiten


(1) In bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten richten sich die Gebühren nach den für die Zuständigkeit des Prozessgerichts oder die Zulässigkeit des Rechtsmittels geltenden Vorschriften über den Wert des Streitgegenstands, soweit nichts anderes bestimmt..

ZPO | Zivilprozessordnung


Buch 1 Allgemeine Vorschriften Abschnitt 1 Gerichte Titel 1 Sachliche Zuständigkeit der Gerichte und Wertvorschriften § 1 Sachliche Zuständigkeit Die sachliche Zuständigkeit der Gerichte wird...

BGB | § 1 Beginn der Rechtsfähigkeit


Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt.

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Landgericht Heidelberg Urteil, 15. Nov. 2016 - 2 O 107/16 zitiert oder wird zitiert von 3 Urteil(en).

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Bundesgerichtshof Urteil, 10. März 2009 - XI ZR 33/08

bei uns veröffentlicht am 10.03.2009

----------------- BUNDESGERICHTSHOF ----------------- IM NAMEN DES VOLKES URTEIL XI ZR 33/08 Verkündet am: 10. März 2009 Herrwerth, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle in dem Rechtsstreit Nachschlagewerk: ja BGHZ: ja BGHR: ja

Bundesgerichtshof Urteil, 24. März 2009 - XI ZR 456/07

bei uns veröffentlicht am 24.03.2009

----------------- BUNDESGERICHTSHOF ----------------- IM NAMEN DES VOLKES URTEIL XI ZR 456/07 Verkündet am: 24. März 2009 Herrwerth, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle in dem Rechtsstreit Nachschlagewerk: ja BGHZ: nein BGHR: ja

Bundesgerichtshof Urteil, 28. Juni 2011 - XI ZR 349/10

bei uns veröffentlicht am 28.06.2011

----------------- BUNDESGERICHTSHOF ----------------- IM NAMEN DES VOLKES URTEIL XI ZR 349/10 Verkündet am: 28. Juni 2011 Herrwerth, Justizangestellte als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle in dem Rechtsstreit Nachschlagewerk: ja BGHZ: nein BGHR: ja

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34
bb) Unzureichend war die den Klägern erteilte Nachbelehrung jedenfalls hinsichtlich des Beginns der Widerrufsfrist, über den der Verbraucher gemäß § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB ebenfalls eindeutig zu informieren ist (vgl. Senatsurteil vom 10. März 2009 - XI ZR 33/08, BGHZ 180, 123 Rn. 14 mwN). Die von der Beklagten verwendete Formulierung, die Frist beginne "frühestens mit Erhalt dieser Belehrung", belehrt den Verbraucher, wie der Bundesgerichtshof bereits wiederholt entschieden hat, nicht richtig über den nach § 355 Abs. 2 BGB maßgeblichen Beginn der Widerrufsfrist, weil sie nicht umfassend und zudem irreführend ist. Die Verwendung des Wortes "frühestens" ermöglicht es dem Verbraucher nicht, den Fristbeginn ohne Weiteres zu erkennen. Er vermag ihr lediglich zu entnehmen, dass die Widerrufsfrist "jetzt oder später" (Marx/Bäuml, WRP 2004, 162, 164; s. auch Dörrie, ZfIR 2002, 685, 690) beginnen, der Beginn des Fristlaufs also ggf. noch von weiteren Voraussetzungen abhängen soll. Der Verbraucher wird jedoch darüber im Unklaren gelassen, welche - etwaigen - weiteren Umstände dies sind (BGH, Urteile vom 9. Dezember 2009 - VIII ZR 219/08, WM 2010, 721 Rn. 13, 15, vom 29. April 2010 - I ZR 66/08, http://www.juris.de/jportal/portal/t/v8u/page/jurisw.psml?pid=Dokumentanzeige&showdoccase=1&js_peid=Trefferliste&documentnumber=1&numberofresults=3&fromdoctodoc=yes&doc.id=BJNR034200002BJNE001801377&doc.part=s&doc.price=0.0#focuspoint - 17 - WM 2010, 2126 Rn. 21, vom 1. Dezember 2010 - VIII ZR 82/10, WM 2011, 86 Rn. 12 und vom 2. Februar 2011 - VIII ZR 103/10, WM 2011, 474 Rn. 14).

Andere Urteile sind gegen eine der Höhe nach zu bestimmende Sicherheit für vorläufig vollstreckbar zu erklären. Soweit wegen einer Geldforderung zu vollstrecken ist, genügt es, wenn die Höhe der Sicherheitsleistung in einem bestimmten Verhältnis zur Höhe des jeweils zu vollstreckenden Betrages angegeben wird. Handelt es sich um ein Urteil, das ein Versäumnisurteil aufrechterhält, so ist auszusprechen, dass die Vollstreckung aus dem Versäumnisurteil nur gegen Leistung der Sicherheit fortgesetzt werden darf.

14
aa) Der mit dem Widerrufsrecht nach § 1 Abs. 1 HWiG bezweckte Schutz des Verbrauchers erfordert eine umfassende, unmissverständliche und für den Verbraucher eindeutige Belehrung (§ 2 Abs. 1 Satz 2 HWiG). Der Verbraucher soll dadurch nicht nur von seinem Widerrufsrecht Kenntnis erlangen, sondern auch in die Lage versetzt werden, sein Widerrufsrecht auszuüben. Er ist deshalb auch über den Beginn der Widerrufsfrist eindeutig zu informieren (Senatsurteil vom 13. Januar 2009 - XI ZR 118/08, WM 2009, 350, Tz. 14 m.w.N.). Nach diesen Maßstäben ist die den Klägern erteilte Widerrufsbelehrung unwirksam. Der verständige Kunde, auf dessen Sichtweise es für die Auslegung der Belehrung ankommt (vgl. Senatsurteil vom 13. Januar 2009 - XI ZR 118/08, WM 2009, 350, Tz. 16), kann den Beginn der Widerrufsfrist anhand der Belehrung nicht ermitteln. Denn nach dieser Belehrung beginnt die Frist entgegen § 2 Abs. 1 Satz 2 HWiG nicht mit Aushändigung der Belehrung, sondern erst dann, wenn die unterschriebene Ausfertigung des Darlehensvertrages der Beklagten zugegangen ist. Wann dies der Fall ist, entzieht sich der Kenntnis des Darlehensnehmers, der über interne Abläufe bei der Kreditgeberin nicht informiert ist.
15
aa) Deren Lauf hängt bei einem Vertrag, der wie der streitgegenständliche Verbraucherdarlehensvertrag schriftlich abzuschließen ist (§ 492 BGB), davon ab, dass dem Verbraucher über die Widerrufsbelehrung hinaus (§ 355 Abs. 2 Satz 1 BGB) auch eine Vertragsurkunde oder sein eigener schriftlicher Antrag im Original bzw. in Abschrift zur Verfügung gestellt wird (§ 355 Abs. 2 Satz 3 BGB). Der Widerrufsbelehrung muss bei Schriftform des Vertrags also eindeutig zu entnehmen sein, dass der Lauf der Widerrufsfrist zusätzlich zu dem Empfang der Widerrufsbelehrung voraussetzt, dass der Verbraucher im Besitz einer seine eigene Vertragserklärung enthaltenden Urkunde ist. § 355 Abs. 2 Satz 3 BGB trägt insofern dem mit der Belehrung verfolgten Ziel Rechnung, dem Verbraucher sein Widerrufsrecht klar und deutlich vor Augen zu führen. Nur wenn der Verbraucher eine Vertragserklärung bereits abgegeben hat oder zumindest zeitgleich mit der Belehrung abgibt, wenn sich also die Belehrung auf eine konkrete Vertragserklärung des Verbrauchers bezieht , kann er die ihm eingeräumte Überlegungsfrist sachgerecht wahrnehmen (BGH, Urteil vom 4. Juli 2002 - I ZR 55/00, WM 2002, 1989, 1992; vgl. auch zu § 7 VerbrKrG Senatsurteil vom 13. Januar 2009 - XI ZR 118/08, WM 2009, 350, 351, Tz. 18).
34
bb) Unzureichend war die den Klägern erteilte Nachbelehrung jedenfalls hinsichtlich des Beginns der Widerrufsfrist, über den der Verbraucher gemäß § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB ebenfalls eindeutig zu informieren ist (vgl. Senatsurteil vom 10. März 2009 - XI ZR 33/08, BGHZ 180, 123 Rn. 14 mwN). Die von der Beklagten verwendete Formulierung, die Frist beginne "frühestens mit Erhalt dieser Belehrung", belehrt den Verbraucher, wie der Bundesgerichtshof bereits wiederholt entschieden hat, nicht richtig über den nach § 355 Abs. 2 BGB maßgeblichen Beginn der Widerrufsfrist, weil sie nicht umfassend und zudem irreführend ist. Die Verwendung des Wortes "frühestens" ermöglicht es dem Verbraucher nicht, den Fristbeginn ohne Weiteres zu erkennen. Er vermag ihr lediglich zu entnehmen, dass die Widerrufsfrist "jetzt oder später" (Marx/Bäuml, WRP 2004, 162, 164; s. auch Dörrie, ZfIR 2002, 685, 690) beginnen, der Beginn des Fristlaufs also ggf. noch von weiteren Voraussetzungen abhängen soll. Der Verbraucher wird jedoch darüber im Unklaren gelassen, welche - etwaigen - weiteren Umstände dies sind (BGH, Urteile vom 9. Dezember 2009 - VIII ZR 219/08, WM 2010, 721 Rn. 13, 15, vom 29. April 2010 - I ZR 66/08, http://www.juris.de/jportal/portal/t/v8u/page/jurisw.psml?pid=Dokumentanzeige&showdoccase=1&js_peid=Trefferliste&documentnumber=1&numberofresults=3&fromdoctodoc=yes&doc.id=BJNR034200002BJNE001801377&doc.part=s&doc.price=0.0#focuspoint - 17 - WM 2010, 2126 Rn. 21, vom 1. Dezember 2010 - VIII ZR 82/10, WM 2011, 86 Rn. 12 und vom 2. Februar 2011 - VIII ZR 103/10, WM 2011, 474 Rn. 14).
Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des 5. Zivilsenats des Thüringer Oberlandesgerichts in Jena vom 28. September 2010 wird auf ihre Kosten zurückgewiesen.
Von Rechts wegen
14
aa) Der mit dem Widerrufsrecht nach § 1 Abs. 1 HWiG bezweckte Schutz des Verbrauchers erfordert eine umfassende, unmissverständliche und für den Verbraucher eindeutige Belehrung (§ 2 Abs. 1 Satz 2 HWiG). Der Verbraucher soll dadurch nicht nur von seinem Widerrufsrecht Kenntnis erlangen, sondern auch in die Lage versetzt werden, sein Widerrufsrecht auszuüben. Er ist deshalb auch über den Beginn der Widerrufsfrist eindeutig zu informieren (Senatsurteil vom 13. Januar 2009 - XI ZR 118/08, WM 2009, 350, Tz. 14 m.w.N.). Nach diesen Maßstäben ist die den Klägern erteilte Widerrufsbelehrung unwirksam. Der verständige Kunde, auf dessen Sichtweise es für die Auslegung der Belehrung ankommt (vgl. Senatsurteil vom 13. Januar 2009 - XI ZR 118/08, WM 2009, 350, Tz. 16), kann den Beginn der Widerrufsfrist anhand der Belehrung nicht ermitteln. Denn nach dieser Belehrung beginnt die Frist entgegen § 2 Abs. 1 Satz 2 HWiG nicht mit Aushändigung der Belehrung, sondern erst dann, wenn die unterschriebene Ausfertigung des Darlehensvertrages der Beklagten zugegangen ist. Wann dies der Fall ist, entzieht sich der Kenntnis des Darlehensnehmers, der über interne Abläufe bei der Kreditgeberin nicht informiert ist.
15
aa) Deren Lauf hängt bei einem Vertrag, der wie der streitgegenständliche Verbraucherdarlehensvertrag schriftlich abzuschließen ist (§ 492 BGB), davon ab, dass dem Verbraucher über die Widerrufsbelehrung hinaus (§ 355 Abs. 2 Satz 1 BGB) auch eine Vertragsurkunde oder sein eigener schriftlicher Antrag im Original bzw. in Abschrift zur Verfügung gestellt wird (§ 355 Abs. 2 Satz 3 BGB). Der Widerrufsbelehrung muss bei Schriftform des Vertrags also eindeutig zu entnehmen sein, dass der Lauf der Widerrufsfrist zusätzlich zu dem Empfang der Widerrufsbelehrung voraussetzt, dass der Verbraucher im Besitz einer seine eigene Vertragserklärung enthaltenden Urkunde ist. § 355 Abs. 2 Satz 3 BGB trägt insofern dem mit der Belehrung verfolgten Ziel Rechnung, dem Verbraucher sein Widerrufsrecht klar und deutlich vor Augen zu führen. Nur wenn der Verbraucher eine Vertragserklärung bereits abgegeben hat oder zumindest zeitgleich mit der Belehrung abgibt, wenn sich also die Belehrung auf eine konkrete Vertragserklärung des Verbrauchers bezieht , kann er die ihm eingeräumte Überlegungsfrist sachgerecht wahrnehmen (BGH, Urteil vom 4. Juli 2002 - I ZR 55/00, WM 2002, 1989, 1992; vgl. auch zu § 7 VerbrKrG Senatsurteil vom 13. Januar 2009 - XI ZR 118/08, WM 2009, 350, 351, Tz. 18).
BGB

Dieses Gesetz dient der Umsetzung folgender Richtlinien:

1.
Richtlinie 76/207/EWG des Rates vom 9. Februar 1976 zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen hinsichtlich des Zugangs zur Beschäftigung, zur Berufsbildung und zum beruflichen Aufstieg sowie in Bezug auf die Arbeitsbedingungen (ABl. EG Nr. L 39 S. 40),
2.
Richtlinie 77/187/EWG des Rates vom 14. Februar 1977 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Wahrung von Ansprüchen der Arbeitnehmer beim Übergang von Unternehmen, Betrieben oder Betriebsteilen (ABl. EG Nr. L 61 S. 26),
3.
Richtlinie 85/577/EWG des Rates vom 20. Dezember 1985 betreffend den Verbraucherschutz im Falle von außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen (ABl. EG Nr. L 372 S. 31),
4.
Richtlinie 87/102/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Verbraucherkredit (ABl. EG Nr. L 42 S. 48), zuletzt geändert durch die Richtlinie 98/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Februar 1998 zur Änderung der Richtlinie 87/102/EWG zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Verbraucherkredit (ABl. EG Nr. L 101 S. 17),
5.
Richtlinie 90/314/EWG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 1990 über Pauschalreisen (ABl. EG Nr. L 158 S. 59),
6.
Richtlinie 93/13/EWG des Rates vom 5. April 1993 über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen (ABl. EG Nr. L 95 S. 29),
7.
Richtlinie 94/47/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Oktober 1994 zum Schutz der Erwerber im Hinblick auf bestimmte Aspekte von Verträgen über den Erwerb von Teilzeitnutzungsrechten an Immobilien (ABl. EG Nr. L 280 S. 82),
8.
der Richtlinie 97/5/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Januar 1997 über grenzüberschreitende Überweisungen (ABl. EG Nr. L 43 S. 25),
9.
Richtlinie 97/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Mai 1997 über den Verbraucherschutz bei Vertragsabschlüssen im Fernabsatz (ABl. EG Nr. L 144 S. 19),
10.
Artikel 3 bis 5 der Richtlinie 98/26/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Wirksamkeit von Abrechnungen in Zahlungs- und Wertpapierliefer- und -abrechnungssystemen vom 19. Mai 1998 (ABl. EG Nr. L 166 S. 45),
11.
Richtlinie 1999/44/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Mai 1999 zu bestimmten Aspekten des Verbrauchsgüterkaufs und der Garantien für Verbrauchsgüter (ABl. EG Nr. L 171 S. 12),
12.
Artikel 10, 11 und 18 der Richtlinie 2000/31/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2000 über bestimmte rechtliche Aspekte der Dienste der Informationsgesellschaft, insbesondere des elektronischen Geschäftsverkehrs, im Binnenmarkt ("Richtlinie über den elektronischen Geschäftsverkehr", ABl. EG Nr. L 178 S. 1),
13.
Richtlinie 2000/35/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. Juni 2000 zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr (ABl. EG Nr. L 200 S. 35).

Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt.

*

(1) Unternehmer ist eine natürliche oder juristische Person oder eine rechtsfähige Personengesellschaft, die bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit handelt.

(2) Eine rechtsfähige Personengesellschaft ist eine Personengesellschaft, die mit der Fähigkeit ausgestattet ist, Rechte zu erwerben und Verbindlichkeiten einzugehen.

*

(1) Unternehmer ist eine natürliche oder juristische Person oder eine rechtsfähige Personengesellschaft, die bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit handelt.

(2) Eine rechtsfähige Personengesellschaft ist eine Personengesellschaft, die mit der Fähigkeit ausgestattet ist, Rechte zu erwerben und Verbindlichkeiten einzugehen.

Die Volljährigkeit tritt mit der Vollendung des 18. Lebensjahres ein.

(1) Ist durch Gesetz schriftliche Form vorgeschrieben, so muss die Urkunde von dem Aussteller eigenhändig durch Namensunterschrift oder mittels notariell beglaubigten Handzeichens unterzeichnet werden.

(2) Bei einem Vertrag muss die Unterzeichnung der Parteien auf derselben Urkunde erfolgen. Werden über den Vertrag mehrere gleichlautende Urkunden aufgenommen, so genügt es, wenn jede Partei die für die andere Partei bestimmte Urkunde unterzeichnet.

(3) Die schriftliche Form kann durch die elektronische Form ersetzt werden, wenn sich nicht aus dem Gesetz ein anderes ergibt.

(4) Die schriftliche Form wird durch die notarielle Beurkundung ersetzt.

(1) Eine Willenserklärung, die einem anderen gegenüber abzugeben ist, wird, wenn sie in dessen Abwesenheit abgegeben wird, in dem Zeitpunkt wirksam, in welchem sie ihm zugeht. Sie wird nicht wirksam, wenn dem anderen vorher oder gleichzeitig ein Widerruf zugeht.

(2) Auf die Wirksamkeit der Willenserklärung ist es ohne Einfluss, wenn der Erklärende nach der Abgabe stirbt oder geschäftsunfähig wird.

(3) Diese Vorschriften finden auch dann Anwendung, wenn die Willenserklärung einer Behörde gegenüber abzugeben ist.

Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des 5. Zivilsenats des Thüringer Oberlandesgerichts in Jena vom 28. September 2010 wird auf ihre Kosten zurückgewiesen.
Von Rechts wegen

(1) Ist für den Anfang einer Frist ein Ereignis oder ein in den Lauf eines Tages fallender Zeitpunkt maßgebend, so wird bei der Berechnung der Frist der Tag nicht mitgerechnet, in welchen das Ereignis oder der Zeitpunkt fällt.

(2) Ist der Beginn eines Tages der für den Anfang einer Frist maßgebende Zeitpunkt, so wird dieser Tag bei der Berechnung der Frist mitgerechnet. Das Gleiche gilt von dem Tage der Geburt bei der Berechnung des Lebensalters.

(1) Ist für den Anfang einer Frist ein Ereignis oder ein in den Lauf eines Tages fallender Zeitpunkt maßgebend, so wird bei der Berechnung der Frist der Tag nicht mitgerechnet, in welchen das Ereignis oder der Zeitpunkt fällt.

(2) Ist der Beginn eines Tages der für den Anfang einer Frist maßgebende Zeitpunkt, so wird dieser Tag bei der Berechnung der Frist mitgerechnet. Das Gleiche gilt von dem Tage der Geburt bei der Berechnung des Lebensalters.

(1) Fernabsatzverträge sind Verträge, bei denen der Unternehmer oder eine in seinem Namen oder Auftrag handelnde Person und der Verbraucher für die Vertragsverhandlungen und den Vertragsschluss ausschließlich Fernkommunikationsmittel verwenden, es sei denn, dass der Vertragsschluss nicht im Rahmen eines für den Fernabsatz organisierten Vertriebs- oder Dienstleistungssystems erfolgt.

(2) Fernkommunikationsmittel im Sinne dieses Gesetzes sind alle Kommunikationsmittel, die zur Anbahnung oder zum Abschluss eines Vertrags eingesetzt werden können, ohne dass die Vertragsparteien gleichzeitig körperlich anwesend sind, wie Briefe, Kataloge, Telefonanrufe, Telekopien, E-Mails, über den Mobilfunkdienst versendete Nachrichten (SMS) sowie Rundfunk und Telemedien.

(1) Bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen und bei Fernabsatzverträgen ist der Unternehmer verpflichtet, den Verbraucher nach Maßgabe des Artikels 246a des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche zu informieren. Die in Erfüllung dieser Pflicht gemachten Angaben des Unternehmers werden Inhalt des Vertrags, es sei denn, die Vertragsparteien haben ausdrücklich etwas anderes vereinbart.

(2) Bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen und bei Fernabsatzverträgen über Finanzdienstleistungen ist der Unternehmer abweichend von Absatz 1 verpflichtet, den Verbraucher nach Maßgabe des Artikels 246b des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche zu informieren.

(1) Bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen und bei Fernabsatzverträgen ist der Unternehmer verpflichtet, den Verbraucher nach Maßgabe des Artikels 246a des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche zu informieren. Die in Erfüllung dieser Pflicht gemachten Angaben des Unternehmers werden Inhalt des Vertrags, es sei denn, die Vertragsparteien haben ausdrücklich etwas anderes vereinbart.

(2) Bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen und bei Fernabsatzverträgen über Finanzdienstleistungen ist der Unternehmer abweichend von Absatz 1 verpflichtet, den Verbraucher nach Maßgabe des Artikels 246b des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche zu informieren.

(1) Wird einem Verbraucher durch Gesetz ein Widerrufsrecht nach dieser Vorschrift eingeräumt, so sind der Verbraucher und der Unternehmer an ihre auf den Abschluss des Vertrags gerichteten Willenserklärungen nicht mehr gebunden, wenn der Verbraucher seine Willenserklärung fristgerecht widerrufen hat. Der Widerruf erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Unternehmer. Aus der Erklärung muss der Entschluss des Verbrauchers zum Widerruf des Vertrags eindeutig hervorgehen. Der Widerruf muss keine Begründung enthalten. Zur Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.

(2) Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage. Sie beginnt mit Vertragsschluss, soweit nichts anderes bestimmt ist.

(3) Im Falle des Widerrufs sind die empfangenen Leistungen unverzüglich zurückzugewähren. Bestimmt das Gesetz eine Höchstfrist für die Rückgewähr, so beginnt diese für den Unternehmer mit dem Zugang und für den Verbraucher mit der Abgabe der Widerrufserklärung. Ein Verbraucher wahrt diese Frist durch die rechtzeitige Absendung der Waren. Der Unternehmer trägt bei Widerruf die Gefahr der Rücksendung der Waren.

(1) Wird einem Verbraucher durch Gesetz ein Widerrufsrecht nach dieser Vorschrift eingeräumt, so sind der Verbraucher und der Unternehmer an ihre auf den Abschluss des Vertrags gerichteten Willenserklärungen nicht mehr gebunden, wenn der Verbraucher seine Willenserklärung fristgerecht widerrufen hat. Der Widerruf erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Unternehmer. Aus der Erklärung muss der Entschluss des Verbrauchers zum Widerruf des Vertrags eindeutig hervorgehen. Der Widerruf muss keine Begründung enthalten. Zur Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs.

(2) Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage. Sie beginnt mit Vertragsschluss, soweit nichts anderes bestimmt ist.

(3) Im Falle des Widerrufs sind die empfangenen Leistungen unverzüglich zurückzugewähren. Bestimmt das Gesetz eine Höchstfrist für die Rückgewähr, so beginnt diese für den Unternehmer mit dem Zugang und für den Verbraucher mit der Abgabe der Widerrufserklärung. Ein Verbraucher wahrt diese Frist durch die rechtzeitige Absendung der Waren. Der Unternehmer trägt bei Widerruf die Gefahr der Rücksendung der Waren.

(1) In bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten richten sich die Gebühren nach den für die Zuständigkeit des Prozessgerichts oder die Zulässigkeit des Rechtsmittels geltenden Vorschriften über den Wert des Streitgegenstands, soweit nichts anderes bestimmt ist. In Musterfeststellungsklagen nach Buch 6 der Zivilprozessordnung und in Rechtsstreitigkeiten aufgrund des Unterlassungsklagengesetzes darf der Streitwert 250 000 Euro nicht übersteigen.

(2) In nichtvermögensrechtlichen Streitigkeiten ist der Streitwert unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls, insbesondere des Umfangs und der Bedeutung der Sache und der Vermögens- und Einkommensverhältnisse der Parteien, nach Ermessen zu bestimmen. Der Wert darf nicht über eine Million Euro angenommen werden.

(3) Ist mit einem nichtvermögensrechtlichen Anspruch ein aus ihm hergeleiteter vermögensrechtlicher Anspruch verbunden, ist nur ein Anspruch, und zwar der höhere, maßgebend.

Das Gericht, bei dem eine Person ihren allgemeinen Gerichtsstand hat, ist für alle gegen sie zu erhebenden Klagen zuständig, sofern nicht für eine Klage ein ausschließlicher Gerichtsstand begründet ist.

Der allgemeine Gerichtsstand einer Person wird durch den Wohnsitz bestimmt.

(1) Die unterliegende Partei hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen, insbesondere die dem Gegner erwachsenen Kosten zu erstatten, soweit sie zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung notwendig waren. Die Kostenerstattung umfasst auch die Entschädigung des Gegners für die durch notwendige Reisen oder durch die notwendige Wahrnehmung von Terminen entstandene Zeitversäumnis; die für die Entschädigung von Zeugen geltenden Vorschriften sind entsprechend anzuwenden.

(2) Die gesetzlichen Gebühren und Auslagen des Rechtsanwalts der obsiegenden Partei sind in allen Prozessen zu erstatten, Reisekosten eines Rechtsanwalts, der nicht in dem Bezirk des Prozessgerichts niedergelassen ist und am Ort des Prozessgerichts auch nicht wohnt, jedoch nur insoweit, als die Zuziehung zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung notwendig war. Die Kosten mehrerer Rechtsanwälte sind nur insoweit zu erstatten, als sie die Kosten eines Rechtsanwalts nicht übersteigen oder als in der Person des Rechtsanwalts ein Wechsel eintreten musste. In eigener Sache sind dem Rechtsanwalt die Gebühren und Auslagen zu erstatten, die er als Gebühren und Auslagen eines bevollmächtigten Rechtsanwalts erstattet verlangen könnte.

(3) Zu den Kosten des Rechtsstreits im Sinne der Absätze 1, 2 gehören auch die Gebühren, die durch ein Güteverfahren vor einer durch die Landesjustizverwaltung eingerichteten oder anerkannten Gütestelle entstanden sind; dies gilt nicht, wenn zwischen der Beendigung des Güteverfahrens und der Klageerhebung mehr als ein Jahr verstrichen ist.

(4) Zu den Kosten des Rechtsstreits im Sinne von Absatz 1 gehören auch Kosten, die die obsiegende Partei der unterlegenen Partei im Verlaufe des Rechtsstreits gezahlt hat.

(1) Ist für den Anfang einer Frist ein Ereignis oder ein in den Lauf eines Tages fallender Zeitpunkt maßgebend, so wird bei der Berechnung der Frist der Tag nicht mitgerechnet, in welchen das Ereignis oder der Zeitpunkt fällt.

(2) Ist der Beginn eines Tages der für den Anfang einer Frist maßgebende Zeitpunkt, so wird dieser Tag bei der Berechnung der Frist mitgerechnet. Das Gleiche gilt von dem Tage der Geburt bei der Berechnung des Lebensalters.