Bayerischer Verwaltungsgerichtshof Beschluss, 13. Juli 2016 - 19 ZB 15.2120

13.07.2016
vorgehend
Verwaltungsgericht Ansbach, AN 5 K 14.1888, 06.08.2015

Gericht

Bayerischer Verwaltungsgerichtshof

Tenor

I.

Der Antrag auf Zulassung der Berufung wird abgelehnt.

II.

Die Beklagte trägt die Kosten des Zulassungsantragsverfahrens.

III.

Der Streitwert für das Zulassungsantragsverfahren wird auf 5.000,00 € festgesetzt.

Gründe

Gegenstand des Verfahrens ist die Erteilung einer Aufnahmezusage für jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat die Erteilung der beantragten Aufnahmezusage an die Klägerin mit Bescheid vom 22. Oktober 2014 abgelehnt, weil ihr Wehrpass im Bereich des Nationalitäteneintrags verfälscht sei, der Nachweis der jüdischen Abstammung und Nationalität mit einer verfälschten Urkunde ausgeschlossen sei und wegen der beabsichtigten Täuschung und der Verletzung der Wahrheitspflicht weitere, nachträglich vorgelegte Urkunden zum Nachweis der jüdischen Nationalität nicht berücksichtigt würden.

Das Verwaltungsgericht hat die Beklagte mit Urteil vom 6. August 2015 unter Aufhebung des angefochtenen Bescheids zur Erteilung der Aufnahmezusage an die Klägerin verpflichtet und zur Begründung ausgeführt, im Lichte des Grundsatzes der Gleichbehandlung sei der Klägerin die Aufnahmezusage zu erteilen. Neben einem nachträglich veränderten Wehrpass habe die Klägerin auch eine am 27. Oktober 1976 ausgestellte Geburtsurkunde ihres Sohnes vorgelegt, in dem ihre Nationalität mit Jüdin angegeben sei. Das Bundesamt gehe selbst von der Erfüllung der Voraussetzungen für die Erteilung einer Aufnahmezusage aus. Der Ablehnungstatbestand der Ziffer I.5, Spiegelstrich 2 der Verfahrensanordnung liege mangels strafrechtlicher Verurteilung der Klägerin nicht vor. Es gebe auch keine Verwaltungspraxis, wonach bei der Vorlage sowohl verfälschter als auch echter Urkunden die Erteilung einer Aufnahmezusage abgelehnt werde. Es gebe außerdem keine Anhaltspunkte dafür, wer die Manipulation am Wehrpass vorgenommen habe und dass dieser Sachverhalt der Klägerin bekannt gewesen sei.

Der auf ernstliche Zweifel an der Richtigkeit des Urteils (§ 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) sowie eine grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache (§ 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO) gestützte Zulassungsantrag der Beklagten hat keinen Erfolg. Das der rechtlichen Überprüfung durch den Senat ausschließlich unterliegende Vorbringen im Zulassungsantrag (§ 124a Abs. 4 Satz 4, Abs. 5 Satz 2 VwGO) rechtfertigt keine Zulassung der Berufung.

1. Die von der Beklagten vorgebrachten ernstlichen Zweifel an der Richtigkeit des Urteils (§ 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO) bestehen nicht.

Ernstliche Zweifel im Sinne des § 124 Abs. 2 Nr. 1 VwGO, die die Zulassung der Berufung rechtfertigen, sind zu bejahen, wenn ein einzelner tragender Rechtssatz oder eine einzelne erhebliche Tatsachenfeststellung mit schlüssigen Gegenargumenten in Frage gestellt wird (z. B. BVerfG, B. v. 20.12.2010 - 1 BvR 2011/10 - NVwZ 2011, 546/547 - juris) und die Zweifel an der Richtigkeit einzelner Begründungselemente auf das Ergebnis durchschlagen (vgl. BVerwG, B. v. 10.3.2010 - 7 AV 4/03 - DVBl 2004, 838/839 - juris). Dies ist nicht der Fall. Die Voraussetzungen für eine Ablehnung der Aufnahmezusage liegen nach der zutreffenden Entscheidung des Verwaltungsgerichts nicht vor.

In der Begründung des Zulassungsantrags wiederholt das Bundesamt den Vortrag, die Klägerin habe eine verfälschte Urkunde vorgelegt, sowie die Auffassung, wegen der beabsichtigten Täuschung und der Verletzung der Wahrheitspflicht könnten in einem solchen Fall andere Urkunden keine Berücksichtigung mehr finden. Gleichzeitig knüpft das Bundesamt an den Ausschlussgrund im 2. Spiegelstrich der Nr. I.5 der Anordnung an. Es will die Ausschlussregelung „in allen Fällen der Täuschung“ zur Anwendung bringen, auch wenn keine Verurteilung erfolgt ist bzw. wenn kein konkreter Tatnachweis geführt werden kann. Damit werden eine Rechtsgrundlage für eine Aufnahmeablehnung und ernstliche Zweifel an der Richtigkeit des Urteils nicht dargelegt.

a) Nach § 23 Abs. 2 Satz 1 AufenthG kann das Bundesministerium des Innern (Bundesministerium) zur Wahrung besonders gelagerter politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland im Benehmen mit obersten Landesbehörden anordnen, dass das Bundesamt Ausländern aus bestimmten Staaten oder in sonstiger Weise bestimmten Ausländergruppen eine Aufnahmezusage erteilt. Das Bundesministerium kann im Rahmen seines Entschließungs- und Auswahlermessens den von einer Anordnung erfassten Personenkreis bestimmen. Es kann dabei, wie das Verwaltungsgericht zutreffend festgestellt hat, positive Kriterien (Erteilungsvoraussetzungen) und negative Kriterien (Ausschlussgründe) aufstellen. Ein Anspruch des einzelnen Ausländers, von einer Anordnung nach § 23 Abs. 2 AufenthG erfasst zu werden, besteht nicht (vgl. BVerwG, U. v. 19.9.2000 - 1 C 19.99 - juris). Im vorliegenden Fall ist die Anordnung des Bundesministeriums des Innern gemäß § 23 Abs. 2 des Aufenthaltsgesetzes über die Aufnahme jüdischer Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion mit Ausnahme der Baltischen Staaten vom 24. Mai 2007 in der Fassung vom 21. Mai 2015 einschlägig.

Nach Nr. I.2.a der Anordnung zählt zu den positiven Erteilungsvoraussetzungen, dass als jüdische Zuwanderer nur Personen aufgenommen werden können, die nach staatlichen, vor 1990 ausgestellten Personenstandsurkunden selbst jüdischer Nationalität sind und von mindestens einem jüdischen Elternteil oder einem jüdischen Großelternteil abstammen. Der dabei verwendete Begriff der „jüdischen Nationalität“ beruht auf einer Besonderheit in der ehemaligen Sowjetunion und ihrer Nachfolgestaaten. Diese unterscheiden zwischen der Staatsangehörigkeit und der Nationalität; das Judentum wird der Nationalität zugerechnet, die in staatlichen Personenstandsurkunden des Herkunftsgebietes angegeben ist. Die Klägerin hat nach den Ausführungen der Beklagten mit der Geburtsurkunde ihres Sohnes eine vor 1990 ausgestellte Personenstandsurkunde vorgelegt, in der ihre jüdische Nationalität eingetragen ist, und damit die Aufnahmevoraussetzungen erfüllt.

Nach dem 2. Spiegelstrich der Nr. I.5 der Anordnung sind Zuwanderer ausgeschlossen, die wegen Delikten, die in Deutschland als vorsätzliche Straftaten anzusehen sind, bestraft sind. Dies ist bei der Klägerin unstreitig nicht der Fall, auch wenn sie ein verändertes (verfälschtes) Dokument vorgelegt hat. Allein der Hinweis des Bundesamtes im Zulassungsvorbringen, dass der Sachverhalt an die Generalstaatsanwaltschaft N. mit der Bitte um Prüfung und Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abgegeben worden ist, erfüllt den Ausschlusstatbestand nicht. Die Beklagte räumt im Zulassungsantrag selbst ein, dass eine Verurteilung nicht erfolgt ist und dass der konkrete Tatnachweis einer Urkundenfälschung von ihr nicht geführt werden kann.

Der Anordnung ist nicht zu entnehmen, dass die Vorlage eines veränderten Dokuments einen Ablehnungsgrund darstellt, etwa weil sie Zweifel an der Glaubwürdigkeit oder Zuverlässigkeit des Bewerbers begründe. Der Wortlaut der Anordnung schließt es nicht aus, die Aufnahmevoraussetzungen nach der Vorlage eines nicht berücksichtigungsfähigen Dokuments durch ein (anderes) unverfälschtes Dokument zu erfüllen.

b) In der Begründung des Zulassungsantrags trägt das Bundesamt vor, das Bundesministerium des Innern habe der Ablehnung von Aufnahmezusagen in derartigen Fällen zugestimmt. Ein Beleg für die vorgetragene Zustimmung ist jedoch nicht angegeben worden, insbesondere ist ein entsprechendes Schriftstück nicht vorgelegt worden. Bei dieser Sachlage vermag der Vortrag des Bundesamtes nicht durchzugreifen.

Aus den geltenden Aufnahmevoraussetzungen in Verbindung mit Art. 3 GG ergibt sich ein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch auf Gleichbehandlung. Die Aufnahmevoraussetzungen werden entsprechend § 23 Abs. 2 Satz 1 AufenthG durch das Bundesministerium des Innern im Benehmen mit den obersten Landesbehörden festgelegt. Letztlich maßgebend ist aber die tatsächliche Verwaltungspraxis, die vom Urheber gebilligt oder geduldet ist (BVerwG, U. v. 19.9.2000 - 1 C 19.99 - BVerwGE 112, 63, 66 ff.). Sie kann aus sachlichen Gründen jederzeit geändert oder weiterentwickelt werden.

aa) Die „Zustimmung“ kann nicht als (ergänzende) Anordnung im Sinne des § 23 Abs. 2 Satz 1 AufenthG bewertet werden. Eine solche Anordnung muss hinreichend bestimmt, also inhaltlich eindeutig sein. Dies ist nicht nur Voraussetzung für eine willkürfreie Anwendung durch das Bundesamt, sondern auch für die von § 23 Abs. 2 Satz 1 AufenthG geforderte Herstellung des Benehmens mit den obersten Landesbehörden.

Mangels einer verkörperten Erklärung muss auf das Vorbringen des Bundesamtes zurückgegriffen werden. Dieses ist jedoch widersprüchlich und lässt eine klare und verallgemeinerungsfähige neue Entscheidungspraxis nicht erkennen. Es ist offen, ob die Versagung eine Kenntnis des Aufnahmebewerbers von der Veränderung eines Dokuments voraussetzen soll oder ob bereits jegliche Vorlage eines veränderten Dokuments für eine Versagung der Aufnahme genügt. Ein Täuschungsversuch, von dem das Zulassungsvorbringen an einer Stelle spricht, setzt die Kenntnis des Verwenders von der Veränderung des Dokuments voraus, die hinsichtlich der hiesigen Klägerin nicht belegt ist. Eine Versagung der Aufnahme ohne konkreten Tatnachweis der Urkundenfälschung, von dem das Zulassungsvorbringen an anderer Stelle spricht, würde eine Versagung der Aufnahme unabhängig von der Kenntnis des Bewerbers allein wegen der Vorlage eines veränderten Dokuments und unabhängig von der Vorlage weiterer echter Personenstandsdokumente bedeuten.

bb) Eine tatsächliche Verwaltungspraxis des Bundesamtes, die zu dem vorliegend vom Bundesamt verfochtenen Ergebnis führt, existiert nicht.

Dass die Vorlage von durchweg gefälschten Dokumenten in der Vergangenheit stets zur Ablehnung einer Aufnahmezusage geführt hat, beruht auf dem Umstand, dass mit ausschließlich gefälschten Urkunden der Nachweis für die Aufnahmevoraussetzung nach Nr. I.2.a der Anordnung nicht erbracht werden kann. Einen „Mischfall“, in dem sowohl verfälschte als auch echte Urkunden vorgelegt wurden, hat es nach dem Vorbringen des Bundesamtes zur Begründung des Zulassungsantrages bislang nicht gegeben; eine ständige, vom Bundesinnenministerium gebilligte Verwaltungspraxis für solche Fälle kann folglich nicht bestehen. Eine Regelung zum Umgang mit einer neuen Fallkonstellation kann zwar geschaffen werden, muss jedoch aus Gründen der Gleichbehandlung (Art. 3 GG) hinreichend bestimmt sein. Eine hinreichend bestimmte Regelung für den künftigen Umgang mit „Mischfällen“ wie dem vorliegenden vermochte bereits das Verwaltungsgericht nicht festzustellen (vgl. UA S. 13); wie erwähnt ist sie auch für den Senat nicht erkennbar.

2. Die Berufung ist auch nicht wegen einer grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache (§ 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO) zuzulassen. Insoweit fehlt es bereits an der nach § 124a Abs. 4 Satz 4 VwGO erforderlichen Darlegung der grundsätzlichen Bedeutung. Dazu muss der Rechtsmittelführer eine konkrete Rechts- und Tatsachenfrage formulieren, ausführen, weshalb diese Frage für den Rechtsstreit entscheidungserheblich ist, erläutern, weshalb die formulierte Frage klärungsbedürftig ist, und darlegen, weshalb der Frage eine über den Einzelfall hinausgehende Bedeutung zukommt (Happ in Eyermann, VwGO, 14. Aufl. 2014, § 124a Rn. 72). Die Beklagte bezeichnet die Frage als klärungsbedürftig, ob eine Auslegung der Aufnahmeanordnung zulässig ist, wonach die einem Aufnahmebewerber zuzurechnende Vorlage verfälschter und unverfälschter Urkunden eine Aufnahme für ihn und seine Familienangehörigen ausschließt. Nachdem die Fragestellung an die Aufnahmeanordnung als Ganzes anknüpft, mangelt es bereits an einer konkreten Fragestellung. Im Übrigen kann das Bundesministerium des Innern im Rahmen seines Entschließungs- und Auswahlermessens den von einer Anordnung erfassten Personenkreis selbst bestimmen und hierfür positive Kriterien (Erteilungsvoraussetzungen) und negative Kriterien (Ausschlussgründe) aufstellen. Nach dem klaren Wortlaut der Anordnung ist die als klärungsbedürftig bezeichnete Frage derzeit zu verneinen. Der Wortlaut der Anordnung bietet keinen Anhalt für die Auslegung seitens des Bundesamts. Die Klägerin hat den Nachweis der jüdischen Nationalität in der geforderten Art und Weise erbracht und sie ist keine Straftäterin. Die Durchführung eines Berufungsverfahrens würde zu der erforderlichen Ergänzung der Aufnahmeregelungen und/oder der Verwaltungspraxis nichts beitragen.

Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO, die Streitwertfestsetzung auf §§ 47 Abs. 3, Abs. 1, 52 Abs. 2 GKG.

Mit der Ablehnung des Antrags auf Zulassung der Berufung wird das Urteil des Verwaltungsgerichts rechtskräftig (§ 124a Abs. 4 Satz 5 VwGO).

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Bayerischer Verwaltungsgerichtshof Beschluss, 13. Juli 2016 - 19 ZB 15.2120 zitiert 10 §§.

VwGO | § 154


(1) Der unterliegende Teil trägt die Kosten des Verfahrens. (2) Die Kosten eines ohne Erfolg eingelegten Rechtsmittels fallen demjenigen zur Last, der das Rechtsmittel eingelegt hat. (3) Dem Beigeladenen können Kosten nur auferlegt werden, wenn er.

VwGO | § 124


(1) Gegen Endurteile einschließlich der Teilurteile nach § 110 und gegen Zwischenurteile nach den §§ 109 und 111 steht den Beteiligten die Berufung zu, wenn sie von dem Verwaltungsgericht oder dem Oberverwaltungsgericht zugelassen wird. (2) Die...

GG | Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland


Eingangsformel Der Parlamentarische Rat hat am 23. Mai 1949 in Bonn am Rhein in öffentlicher Sitzung festgestellt, daß das am 8. Mai des Jahres 1949 vom Parlamentarischen Rat beschlossene...

GKG 2004 | § 47 Rechtsmittelverfahren


(1) Im Rechtsmittelverfahren bestimmt sich der Streitwert nach den Anträgen des Rechtsmittelführers. Endet das Verfahren, ohne dass solche Anträge eingereicht werden, oder werden, wenn eine Frist für die Rechtsmittelbegründung vorgeschrieben ist,...

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Bundesverfassungsgericht Stattgebender Kammerbeschluss, 20. Dez. 2010 - 1 BvR 2011/10

bei uns veröffentlicht am 20.12.2010

----- Tenor ----- 1. Der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom 28. Juni 2010 - 12 N 33.10 - verletzt den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht aus Artikel 19 Absatz 4 des Grundgesetzes. Der Beschluss des Oberverwaltungsgerich

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Tenor

1. Der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom 28. Juni 2010 - 12 N 33.10 - verletzt den Beschwerdeführer in seinem Grundrecht aus Artikel 19 Absatz 4 des Grundgesetzes.

Der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom 28. Juni 2010 - 12 N 33.10 - wird aufgehoben. Die Sache wird an das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zurückverwiesen.

2. ...

(1) Der unterliegende Teil trägt die Kosten des Verfahrens.

(2) Die Kosten eines ohne Erfolg eingelegten Rechtsmittels fallen demjenigen zur Last, der das Rechtsmittel eingelegt hat.

(3) Dem Beigeladenen können Kosten nur auferlegt werden, wenn er Anträge gestellt oder Rechtsmittel eingelegt hat; § 155 Abs. 4 bleibt unberührt.

(4) Die Kosten des erfolgreichen Wiederaufnahmeverfahrens können der Staatskasse auferlegt werden, soweit sie nicht durch das Verschulden eines Beteiligten entstanden sind.

(1) Die oberste Landesbehörde kann aus völkerrechtlichen oder humanitären Gründen oder zur Wahrung politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland anordnen, dass Ausländern aus bestimmten Staaten oder in sonstiger Weise bestimmten Ausländergruppen eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird. Die Anordnung kann unter der Maßgabe erfolgen, dass eine Verpflichtungserklärung nach § 68 abgegeben wird. Zur Wahrung der Bundeseinheitlichkeit bedarf die Anordnung des Einvernehmens mit dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Die Aufenthaltserlaubnis berechtigt nicht zur Erwerbstätigkeit; die Anordnung kann vorsehen, dass die zu erteilende Aufenthaltserlaubnis die Erwerbstätigkeit erlaubt oder diese nach § 4a Absatz 1 erlaubt werden kann.

(2) Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat kann zur Wahrung besonders gelagerter politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland im Benehmen mit den obersten Landesbehörden anordnen, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Ausländern aus bestimmten Staaten oder in sonstiger Weise bestimmten Ausländergruppen eine Aufnahmezusage erteilt. Ein Vorverfahren nach § 68 der Verwaltungsgerichtsordnung findet nicht statt. Den betroffenen Ausländern ist entsprechend der Aufnahmezusage eine Aufenthaltserlaubnis oder Niederlassungserlaubnis zu erteilen. Die Niederlassungserlaubnis kann mit einer wohnsitzbeschränkenden Auflage versehen werden.

(3) Die Anordnung kann vorsehen, dass § 24 ganz oder teilweise entsprechende Anwendung findet.

(4) Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat kann im Rahmen der Neuansiedlung von Schutzsuchenden im Benehmen mit den obersten Landesbehörden anordnen, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bestimmten, für eine Neuansiedlung ausgewählten Schutzsuchenden (Resettlement-Flüchtlinge) eine Aufnahmezusage erteilt. Absatz 2 Satz 2 bis 4 und § 24 Absatz 3 bis 5 gelten entsprechend.

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Aufenthaltsgesetz - AufenthG

(1) Im Rechtsmittelverfahren bestimmt sich der Streitwert nach den Anträgen des Rechtsmittelführers. Endet das Verfahren, ohne dass solche Anträge eingereicht werden, oder werden, wenn eine Frist für die Rechtsmittelbegründung vorgeschrieben ist, innerhalb dieser Frist Rechtsmittelanträge nicht eingereicht, ist die Beschwer maßgebend.

(2) Der Streitwert ist durch den Wert des Streitgegenstands des ersten Rechtszugs begrenzt. Das gilt nicht, soweit der Streitgegenstand erweitert wird.

(3) Im Verfahren über den Antrag auf Zulassung des Rechtsmittels und im Verfahren über die Beschwerde gegen die Nichtzulassung des Rechtsmittels ist Streitwert der für das Rechtsmittelverfahren maßgebende Wert.

(1) Gegen Endurteile einschließlich der Teilurteile nach § 110 und gegen Zwischenurteile nach den §§ 109 und 111 steht den Beteiligten die Berufung zu, wenn sie von dem Verwaltungsgericht oder dem Oberverwaltungsgericht zugelassen wird.

(2) Die Berufung ist nur zuzulassen,

1.
wenn ernstliche Zweifel an der Richtigkeit des Urteils bestehen,
2.
wenn die Rechtssache besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten aufweist,
3.
wenn die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat,
4.
wenn das Urteil von einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts, des Bundesverwaltungsgerichts, des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes oder des Bundesverfassungsgerichts abweicht und auf dieser Abweichung beruht oder
5.
wenn ein der Beurteilung des Berufungsgerichts unterliegender Verfahrensmangel geltend gemacht wird und vorliegt, auf dem die Entscheidung beruhen kann.

(1) Das Verwaltungsgericht lässt die Berufung in dem Urteil zu, wenn die Gründe des § 124 Abs. 2 Nr. 3 oder Nr. 4 vorliegen. Das Oberverwaltungsgericht ist an die Zulassung gebunden. Zu einer Nichtzulassung der Berufung ist das Verwaltungsgericht nicht befugt.

(2) Die Berufung ist, wenn sie von dem Verwaltungsgericht zugelassen worden ist, innerhalb eines Monats nach Zustellung des vollständigen Urteils bei dem Verwaltungsgericht einzulegen. Die Berufung muss das angefochtene Urteil bezeichnen.

(3) Die Berufung ist in den Fällen des Absatzes 2 innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung des vollständigen Urteils zu begründen. Die Begründung ist, sofern sie nicht zugleich mit der Einlegung der Berufung erfolgt, bei dem Oberverwaltungsgericht einzureichen. Die Begründungsfrist kann auf einen vor ihrem Ablauf gestellten Antrag von dem Vorsitzenden des Senats verlängert werden. Die Begründung muss einen bestimmten Antrag enthalten sowie die im Einzelnen anzuführenden Gründe der Anfechtung (Berufungsgründe). Mangelt es an einem dieser Erfordernisse, so ist die Berufung unzulässig.

(4) Wird die Berufung nicht in dem Urteil des Verwaltungsgerichts zugelassen, so ist die Zulassung innerhalb eines Monats nach Zustellung des vollständigen Urteils zu beantragen. Der Antrag ist bei dem Verwaltungsgericht zu stellen. Er muss das angefochtene Urteil bezeichnen. Innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung des vollständigen Urteils sind die Gründe darzulegen, aus denen die Berufung zuzulassen ist. Die Begründung ist, soweit sie nicht bereits mit dem Antrag vorgelegt worden ist, bei dem Oberverwaltungsgericht einzureichen. Die Stellung des Antrags hemmt die Rechtskraft des Urteils.

(5) Über den Antrag entscheidet das Oberverwaltungsgericht durch Beschluss. Die Berufung ist zuzulassen, wenn einer der Gründe des § 124 Abs. 2 dargelegt ist und vorliegt. Der Beschluss soll kurz begründet werden. Mit der Ablehnung des Antrags wird das Urteil rechtskräftig. Lässt das Oberverwaltungsgericht die Berufung zu, wird das Antragsverfahren als Berufungsverfahren fortgesetzt; der Einlegung einer Berufung bedarf es nicht.

(6) Die Berufung ist in den Fällen des Absatzes 5 innerhalb eines Monats nach Zustellung des Beschlusses über die Zulassung der Berufung zu begründen. Die Begründung ist bei dem Oberverwaltungsgericht einzureichen. Absatz 3 Satz 3 bis 5 gilt entsprechend.