Verwaltungsgericht Regensburg Urteil, 08. März 2017 - RO 5 K 16.33413

bei uns veröffentlicht am08.03.2017

Tenor

I. Die Klage wird abgewiesen.

II. Die Kläger tragen die Kosten des Verfahrens.

Gerichtskosten werden nicht erhoben.

III. Das Urteil ist in Ziffer II vorläufig vollstreckbar.

Tatbestand

Der am …1980 geborene Kläger zu 1) und die am …1986 geborene Klägerin zu 2) und ihr Kind, der am …2011 geborene Kläger zu 3), eigenen Angaben nach nigerianische Staatsangehörige, Ibo Stammeszugehörige, reisten nach ihren Angaben auf dem Landweg (Italien) in das Bundesgebiet ein, wo sie am 29.1.2015 ihre Anerkennung als Asylberechtigter beantragten.

Am 13.10.2016 erfolgte ihre Anhörung in englischer Sprache durch das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge jetzt Bundesamt für ... (kurz: Bundesamt). Auf die hierbei aufgenommene Niederschrift wird Bezug genommen.

Dabei gab der Kläger zu 1) im Wesentlichen an:

Er komme aus Nigeria, aus dem Anambra-State, Dorf O... Sein Vater sei bereits gestorben. Seine Mutter und seine Schwester lebten in Kaduna State. Er habe Nigeria die Primary und die Secondary School besucht. Er habe als Karosseriebauer gelernt und gearbeitet. Er habe mit einem Partner ein Geschäft gehabt. In seinem Dorf habe es Grundbesitzprobleme gegeben. Ein Mann Namens N...aus K..., einem Nachbardorf, habe begonnen, ihr Land zu verkaufen. Dagegen habe die Dorfjugend gekämpft. Dieser Mann habe schon Häuser errichten lassen. Die Dorfjugend hätte dann diese erbauten Häuser zerstört. Dieser Mann habe auch bewaffnete Leute gehabt. Sie, die Dorfjugend hätten gegen diese gekämpft. Eines Nachts hätten die Leute angefangen, die Dorfjugend umzubringen. Sie haben zuerst unseren ersten Anführer getötet. Sie seien 3 Anführer gewesen. Er, der Kläger, sei einer der 3 Anführer gewesen. Die Dorfjugend sei dann zur Polizei gegangen. Die Polizei habe aber nichts unternommen, weil sie von diesem Mann bestochen gewesen sei. Ca. 1 Woche später seien Leute des Mannes erneut zum Dorf gekommen. Mitten in der Nacht gegen 2.00 Uhr früh hätten sie den zweiten Anführer aufgesucht. Er habe aber noch entkommen können. Dieser habe dann ihn gewarnt. Er habe dann seine Frau und sein Kind genommen und sei in den Busch gerannt. Sein Leben sei in Gefahr gewesen, denn die Leute wären dann sicher zu ihm gekommen. Sie hätten dann im Busch übernachtet. Am nächsten Morgen um 6.00 Uhr habe er dann mit seiner Familie einen Bus nach Kaduna State nehmen können. Sein anderer Freund sei nach Lagos geflüchtet. Er habe dann nach 2 Tagen von einem Bekannten aus dem Dorf erfahren, dass die Leute den anderen Anführer bis nach Lagos verfolgt hätten und ihn dort auch umgebracht hätten. Er habe in diesem Moment gewusst, dass nun auch sein Leben in Kaduna State in Gefahr sei. Deshalb habe er sich entschieden, in den Niger zu gehen.

Die Klägerin zu 2) gab im Wesentlichen an. Sie sei auch Ibu Stammesangehörige und Christin. Sie habe im Dorf O... mit ihrem Mann gelebt. Bis zum Jahr 2000 habe sie im Kamerun gelebt. Sie sei aber Nigerianerin. Ihre Eltern kämen aus dem Emo State. Sie habe in Kamerun die Schule besucht und spreche etwas Französisch. Ihr Vater habe in Kamerun eine Apotheke gehabt. Sie habe zusammen mit ihrem Mann und dem Kind Ende des Jahres 2012 O... verlassen. 2014 seien sie dann nach Deutschland gekommen. Sie selbst habe ein Computertraining absolviert. Sie habe Ausweise für Schulen gemacht (Bl. 114 BA). Das Ergebnis der Kämpfe der Dorfjugend mit den Leuten des Mannes W... war, dass Menschen getötet worden seien. Im Ibo-Land sei es oft so, dass die Leute nicht nachgeben und stattdessen Blut fließe. Der Anführer der Jugend sei getötet worden. Der zweite Anführer habe noch flüchten können. Er habe sie dann gewarnt. Deshalb hätten sie als Familie wegrennen müssen.

Mit Bescheid vom 12.12.2016 lehnte das Bundesamt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft (Ziffer 1) und den Antrag auf Asylanerkennung ab (Ziffer 2), erkannte auch nicht den subsidiären Schutzstatus zu (Ziffer 3) und stellte fest, dass keine Abschiebungsverbote nach § 60 Abs. 5 und 7 Satz 1 AufenthG vorliegen (Ziffer 4), forderte die Kläger auf, binnen von 30 Tagen nach Bekanntgabe bzw. Bestandskraft des Bescheides die Bundesrepublik Deutschland zu verlassen, drohte ihre Abschiebung nach Nigeria an und wies darauf hin, dass sie auch in einen anderen Staat abgeschoben werden können, in den sie einreisen dürfen oder der zu ihrer Rückübernahme verpflichtet sei (Ziffer 5) und befristete das gesetzliche Einreise- und Aufenthaltsverbot gemäß § 11 AufenthG auf 30 Monate ab dem Tag der Abschiebung (Ziffer 6). Hinsichtlich der näheren Begründung wird auf diesen Bescheid verwiesen.

Gegen diesen am 13.12.2016 zur Post gegebenen Bescheid erhoben die Kläger am 22.12.2016 zur Niederschrift Klage mit dem (sinngemäßen) Antrag,

die Beklagte unter Aufhebung des Bescheids des Bundesamts vom 12.12.2016 in Ziffern 1, 2, 3, 4 und 5 zu verpflichten, den Klägern die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und als Asylberechtigten anzuerkennen, hilfsweise subsidiären Schutzstatus, weiter hilfsweise Abschiebungsverbote nach § 60 Abs. 5 und 7 Satz 1 AufenthG festzustellen.

Zur Begründung der Klage trugen sie im Wesentlichen noch vor:

Der reiche Mann W... habe all das Land der Menschen in O... verkauft, obwohl es ihm gar nicht gehörte. Er habe das Land mit Gewalt, Drohungen und zerstörerischen Verhalten erlangen wollen. In Nigeria sei dies möglich, wenn jemand Geld habe. Der Mann habe im Ölgeschäft sein Geld gemacht. Er habe auch Waffen und Gewehre verkauft. Dieser Mann habe die Familie der Kläger töten wollen. Dieser Mann habe sogar mit Hilfe der Polizei das Dorf und auch die Familie der Kläger bedrohen können. Der Kläger zu 1) habe aber ihm das Land nicht überlassen wollen. Im Mai 2012 habe dann der reiche Mann seine Bande beauftragt, das Haus der Kläger zu zerstören. Die Familie habe dann noch weiter in einem nicht zerstörten Teil des Hauses bis August 2012 gewohnt. Im August 2012 habe dann die Bande versucht, den Kläger zu 1) und seine Frau zu töten. Sie seien geflohen. Es sei der erste Grund der Flucht gewesen.

Der zweite Grund sei der Biafriakonflikt gewesen. Die Klägerin zu 2) sei im Biafrakonflikt aktiv gewesen. Die Familie gehöre zum Volk der Ikbos. Dieses Volk lebe im Biafragebiet. In Nigeria gebe es viele Firmen, die Personalausweise druckten. Um die Unabhängigkeitsbewegung Biafras zu unterstützen, habe die Klägerin zu 2) Personalausweise mit der Nationalitätsangabe „Biafra“ und Biafra T-Shirte in ihrem eigenen Laden gedruckt und verkauft. Die Regierung habe erklärt, dass jeder, der solche Personalausweise und Biafra T-Shirts drucke, mit dem Tod bestraft werde.

Ein weiterer Grund sei der Stiefbruder seines Vaters gewesen. Dieser habe D... geheißen. Seine Eltern hätten nach der Rückkehr aus Kamerun im Jahr 2000 ein Haus im Heimatdorf bauen wollen. Doch die Familie D...s habe andere Pläne gehabt. Es sei ein Kampf gewesen, auf den sie nicht einmal vorbereitet gewesen seien. Er habe die Polizei und Armee gebraucht und sie hätten gekämpft. Ihre Eltern seien von der Armee und der Polizei zu Tode geprügelt worden. Ihre Mutter starb durch Prügel der Armee. Ihr Bruder E... habe Blut erbrochen. Alles was sie aus Kamerun mitgebracht gehabt hätten, sei ihnen genommen worden. E..., der nach Kamerun zurückgekehrt sei, sei dann einige Monate später im Jahr 2000 auch getötet worden. Sein Vater habe nichts ausrichten können. Nach einigen Monaten habe auch sein Vater sie verlassen. Er sei im März/April 2001 gestorben. Sie sei dann allein mit einer kleinen vierjährigen Schwester gewesen. Sie sei im Alter von 13 Jahren zu einer frühen Hochzeit gezwungen worden. Sie habe sich zwar geweigert, sie sei dann aber geschlagen und mit heißem Öl übergossen worden. Sie sei auch vergewaltigt worden. Sie habe in einem dunklen Ort in U... für einen sogenannten Ehemann L... zu Willen sein müssen. Sie sei dann schwanger geworden. Sie habe dann im 6. Monat die Schwangerschaft abbrechen müssen. Sie habe aber den Abbruch doch überlebt. Sie leide aufgrund der vielfachen Gewaltanwendungen immer noch an den Folgen. Sie habe sich dann entschlossen, im Jahr 2007 wieder zu der kleinen Schwester nach A... zurückzukehren. Sie seien dann in die kleine Stadt E... im Staat Akwaibom gegangen. Sie habe dann die Schwester bei einem Bruder D...s zurückgelassen und sei dann wieder in eine andere Stadt gegangen. Im Jahr 2010 habe sie dann ihren Mann geheiratet. Die Klägerin zu 2) legte ein ärztliches Attest der Dr. P... vom 12. 1.2017 vor. Blatt 22 GA. Darin werden im Wesentlichen Hautveränderungen nach Verbrühungen festgestellt.

Mit Schreiben vom 14.2.2017 legten die Kläger noch medizinische Unterlagen für die Klägerin zu 2) (Bl. 22 und 23 GA, Operation große Bauwandhernie) vor und Unterlagen und Bestätigungen eines Anwalts in Nigeria. Diese stellen die Vorkommnisse in O... dar.

Die Beklagte beantragt unter Bezugnahme auf die angefochtene Entscheidung,

die Klage abzuweisen.

Das Gericht hat die mit Ladungsschreiben vom 26.1.2017 und in der mündlichen Verhandlung mitgeteilten Erkenntnisquellen (Auskünfte und Berichte) in das Verfahren eingeführt.

Im Übrigen wird auf die gewechselten Schriftsätze, die Niederschrift über die mündliche Verhandlung und den Inhalt der Asylakten Bezug genommen.

Gründe

Die Klage ist zulässig, insbesondere wurde die Klagefrist des § 74 Abs. 1 Asylgesetz (AsylG) eingehalten.

Sie ist aber nicht begründet. Die Entscheidung des Bundesamtes, den Kläger nicht als Asylberechtigten anzuerkennen, das Vorliegen der Voraussetzungen des § 60 Abs. 1 AufenthG und das Vorliegen von Abschiebungsverboten gemäß § 60 Abs. 2 – 7 AufenthG zu verneinen und den Kläger unter Androhung der Abschiebung nach Nigeria zur Ausreise aufzufordern, ist nicht rechtswidrig und verletzt den Kläger nicht in seinen Rechten. Die vom Bundesamt gemäß § 31 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3 Satz 1 AsylG getroffene Entscheidung ist auch im Zeitpunkt der gerichtlichen Entscheidung nicht zu beanstanden. Ausreiseaufforderung und Abschiebungsandrohung sind zu Recht ergangen.

1. Ziffer 2 des angefochtenen Bescheides ist rechtmäßig und verletzt den Kläger nicht in seinen Rechten (§ 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO). Dem Kläger steht das Asylrecht im Sinne des Art. 16 a Abs. 1 Grundgesetz nicht zu. Nach Art. 16 a Abs. 2 GG kann sich auf das Asylrecht nicht berufen, wer zur Überzeugung des Gerichts über einen sicheren Drittstaat im Sinne des § 26 a AsylG eingereist ist. Die Kläger tragen selbst vor, dass sie auf dem Landweg über Italien in die Bundesrepublik Deutschland einreist sind. Sie können sich deshalb nicht auf das Asylrecht berufen.

2. Die Kläger haben keinen Anspruch auf die Feststellung der Voraussetzungen des § 60 Abs. 1 AufenthG. Ihnen droht bei ihrer Rückkehr nach Nigeria gegenwärtig keine Verfolgung im Sinne dieser Vorschrift.

Gemäß § 60 Abs. 1 AufenthG in der seit 1.1.2014 bis 30.11.2014 geltenden Fassung darf in Anwendung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (BGBl. 1953 II S. 559) ein Ausländer nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem sein Leben oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung bedroht ist. Eine Verfolgung kann nach § 3 c AsylG ausgehen von

a) dem Staat,

b) Parteien oder Organisationen, die den Staat oder einen wesentlichen Teil des Staatsgebietes beherrschen, oder

c) nichtstaatlichen Akteuren, sofern die unter den Buchstaben a) und b) genannten Akteure einschließlich internationaler Organisationen erwiesenermaßen nicht in der Lage oder nicht willens sind, Schutz vor der Verfolgung zu bieten, und dies unabhängig davon, ob in dem Land eine staatliche Herrschaftsmacht vorhanden ist oder nicht.

Die Flüchtlingseigenschaft kann allerdings nicht zuerkannt werden, wenn der Ausländer in einem Teil seines Herkunftslandes keine begründete Furcht vor Verfolgung oder Zugang zu Schutz vor Verfolgung nach § 3 d AsylG hat und sicher und legal in diesem Landesteil reisen kann, dort aufgenommen wird und vernünftigerweise erwartet werden kann, dass er sich dort niederlässt (§ 3 e AsylG).

a. Den Klägern drohen keine politischen Verfolgungsmaßnahmen wegen der Umstände, die zu ihrer Ausreise aus Nigeria geführt haben. Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisquellen stellt sich für das Gericht die Lage in Nigeria gegenwärtig wie folgt dar:

Nigeria ist mit etwa 150 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Afrikas. Seit der Unabhängigkeit 1960 hat sich die Bevölkerungszahl Nigerias mehr als verdreifacht. Seit der Unabhängigkeit wurde Nigeria bis 1966 und dann wieder von 1979 bis 1983 von zivilen Regierungen geführt. Am 29.5.1999 endete mit der Vereidigung des vom Volk demokratisch gewählten Präsidenten Olesegun Obasanjo sowie der gewählten zivilen Gouverneure der 36 Bundesstaaten eine mehr als 15 Jahre dauernde Periode fast ununterbrochener Militärdiktatur. Am 29.5.2007 gelang mit der Amtseinführung des neu gewählten Präsidenten Yar Ádua, der am 5. Mai 2010 starb, erstmals in der Geschichte des unabhängigen Nigeria ein demokratischer Regierungswechsel. Bei den Wahlen zum Bundesparlament am 9. April 2011 errang die damalige Regierungspartei PDP, der auch der Präsident angehörte, eine Mehrheit. Zum Präsidenten wurde im April 2011 mit nahezu 60% der Stimmen Goodluck Jonathan gewählt. Bei der Präsidentenwahl am 28.3.2015 wurde aber der CPC-Kandidat Muhammadu Buhari zum Präsidenten gewählt. Der Machtwechsel erfolgte friedlich. Auch die Wahl am 28.3.2015 wurde von internationalen und nationalen Wahlbeobachtern als weitgehend transparent gewertet. In Nigeria besteht ein Mehrparteiensystem. Die Parteizugehörigkeit orientiert sich bei den meisten der ca. 50 kleineren Parteien an Führungspersonen (so Lagebericht des AA vom 6.5.2012). Die politische Opposition kann sich grundsätzlich gewaltfrei betätigen. Gelegentlich sind jedoch Eingriffe seitens der Staatsgewalt festzustellen. Gegen sezessionistische Gruppierungen gehen die Sicherheitsorgane allerdings teilweise massiv vor (so Lagebericht des AA vom 6.5.2012 S. 10 z.B. gegen die MASSOB). Die Meinungs- und Pressefreiheit sind durch die Verfassung von 1999 garantiert und finden sich auch in der Verfassungswirklichkeit grundsätzlich wieder. Die Verfassung von 1999 gewährleistet auch die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, ebenso wie das Recht, einer politischen Partei oder Gewerkschaft anzugehören. Gewerkschaften berichten aber davon, dass die Sicherheitskräfte gegen sie bei Arbeitsniederlegungen Anfangs 2012 teilweise mit äußerster Härte vorgehen (so Lagebericht des AA vom 6.5.2012). Die Diskriminierung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Ethnie ist durch die Verfassung verboten. In Nigeria gibt es mehr als 250 Ethnien. Keine dieser Gruppen stellt landesweit eine Mehrheit dar. Die drei größten ethnischen Gruppen, die in der Summe rund zwei Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachen, sind die Hausa-Fulani im Norden, die Yoruba im Südwesten und die Igbo im Südosten. Eine vierte große, durch Gewalttaten im Niger-Delta prominente Ethnie, die Ijawa, der auch Präsident Jonathan angehört, lebte überwiegend in den ölreichen Regionen des Deltas (so Lagebericht des AA vom 6.5.2012).

In den Ölfördergebieten in der Region des Niger-Deltas, das die nigerianischen Bundesstaaten Delta, Bayelsa, Rivers und Agwa Ibom umfasst, kam es seit Jahren immer wieder zu Kämpfen zwischen paramilitärisch organisierten Banden und Sicherheitskräften, aber auch von bewaffneten Gruppen untereinander. Dadurch bestand ein hohes Anschlagsrisiko und ein Entführungsrisiko. Seit Anfang Oktober 2009 hat sich die Sicherheitslage aber beruhigt, da die Mehrzahl bewaffneter Gruppen ein Amnestieangebot der Regierung angenommen und ihre Waffen abgegeben hat (so Lagebericht des AA vom 6.5.2012 und 28.8.2013). Nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes gingen aber die früher vorkommenden Entführungen und Geiselnahmen in der Mehrzahl auf das Konto von kriminellen Banden und Splittergruppen von NDPVF (Niger Delta Peoples Volunteer Force) oder der MEND (Movement for Emancipation of the Niger Delta). Der frühere Staatspräsident Yar Àdua hat die Delta-Region zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht. Aufgrund des Amnestieprogramms haben aber die im Niger-Delta aktiven Rebellengruppen ihre Waffen abgegeben und einen unbefristeten Waffenstillstand erklärt (FAZ vom 27.10.2009 „MEND-Gruppe erklärt Waffenruhe“ und NZZ vom 6.10.2009 „Erfolg der Amnestie in Nigeria“). Der neue Präsident Jonathan, selbst aus dem Ölstaat Bayelsa stammend, setzt das Amnestieprogramm fort (so Lagebericht AA vom 6.5.2012). Seit dem Auslaufen des Amnestie-Programms unter Präsident Buhari hat sich aber die Lage im Niger-Delta verschlechtert. Es kam zu zahlreichen Anschlägen auf Öl-Pipelines. Die staatliche Seite scheint in dem Konflikt vornehmlich auf militärische Lösungen und weniger auf Dialog zu setzen (so Lagebericht des AA vom 21.11.2016).

Die Verfassung garantiert die Religionsfreiheit und verbietet, eine bestimmte Religion zur Staatsreligion zu machen. Im Vielvölkerstaat Nigeria mit einer überwiegenden muslimischen Bevölkerung im Norden und einer christlich bzw. traditionellen Religionen verpflichteten Bevölkerung im Süden ist die Garantie der Religionsfreiheit ein Grundpfeiler des Staatswesens. Die Bundesregierung achtet auf die Gleichbehandlung von Christen und Muslimen, z.B. bei der Finanzierung von Gotteshäusern und Wallfahrten. Allerdings ist die Toleranz gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften und religiösen Gruppen – lokal unterschiedlich – nur schwach ausgeprägt. In einigen Bundesstaaten ist die Lage der jeweiligen christlich bzw. muslimischen Minderheiten problematisch. Häufig liegen immer wieder vorkommenden lokalen religiösen Auseinandersetzungen jedoch wirtschaftliche, soziale und ethnische Konflikte zugrunde (so Lagebericht des AA vom 6.5.2012 und 28.8.2013).

In den zwölf nördlichen Bundesstaaten wurde im Jahr 2000 die Sharia eingeführt. Von der Anwendung von Sharia-Vorschriften (Verbot des gemischten Schulunterrichts, kein Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit, Geschlechtertrennung in Bussen, Verbot der Beförderung von Frauen auf Motorrädern), sind auch Nicht-Muslime betroffen. Im Norden Nigerias sind radikal-islamische Sekten entstanden. Bei Kämpfen mit den Sicherheitskräften kam es bereits zu Hunderten Todesopfern (so FAZ vom 30.12.2009). Seit Anfang 2011 hat sich die Lage im Nordosten und in Teilen Zentralnigerias deutlich zugespitzt. In einigen Regionen kommt es fast täglich zu Anschlägen der islamistischen Gruppe Boko Haram (so Lagebericht des AA vom 6.5.2012, 28.8.2013 und 28.11.2014).

Die Sicherheitskräfte gehen insbesondere seit Verhängung des Ausnahmezustandes in Yobe, Borno und Adamawa im Mai 2013 gegen mutmaßliche Terroristen mit äußerster Härte vor (so Lagebericht des AA vom 28.8.2013 und 28.11.2014). Im Nordosten und Zentrum Nigerias hat sich aber die Sicherheitslage insgesamt verbessert (so Lagebericht des AA vom 21.11.2016).

Bezüglich des Nordostens häufen sich die Befürchtungen, dass das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Christen und Muslimen, vor allem im Nordosten durch den BokoHaram-Konflikt schwer beschädigt worden ist. In der zweiten Hälfte 2014 gelang es den terroristischen Islamisten von Boko Haram, im Nordosten Nigerias ein eigenes „Kalifat“ zu errichten, das bis Januar 2015 die territoriale Fläche von Belgien erreicht hatte. Erst seit Februar 2015 konnte die nigerianische Armee mit Unterstützung von Truppen der Nachbarstaaten den größten Teil dieses Territoriums zurück erobern. Boko Haram ist zwar nicht mehr in der Lage, größere Gebiete zu kontrollieren, ebenso wenig gelingt es jedoch den Sicherheitskräften, die befreiten Gebiete auch im ländlichen Raum dauerhaft zu sichern (so Lagebericht des AA vom 21.11.2016).

In der nigerianischen Verfassung ist die Gleichberechtigung der Frau verankert. Frauen werden aber in der Gesellschaft Nigerias dennoch in vielen Rechts- und Lebensbereichen benachteiligt. Die Praxis der Genitalverstümmelung ist nach wie vor verbreitet, aber rückläufig (so Lagebericht des AA vom 21.11.2016). Frauen und Kinder werden auch verstärkt Opfer von Menschenhändlern, die sie zur Ausübung der Prostitution ins Ausland verschleppen. Diskriminierung im Arbeitsleben ist nach wie vor an der Tagesordnung. Alleinstehende Frauen begegnen besonderen Schwierigkeiten. In dem traditionell konservativen Norden, aber auch in anderen Landesteilen, sind sie oft erheblichem Druck der Familien ausgesetzt und können diesem nur durch Umzug in eine Stadt umgehen, in der weder Familienangehörige noch Fremde der Familie leben (so AA vom 28.8.2013 S. 17).

Gewalt ist in der nigerianischen Gesellschaft alltäglich. Armut, mangelnde Bildung, Korruption der Staatsorgane und damit einhergehende Perspektivlosigkeit, vor allem junger Männer, bilden ideale Voraussetzungen für eine latente Gewaltbereitschaft aus politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Motiven. Die staatlichen Ordnungskräfte sind personell, technisch und finanziell nicht in der Lage, die Gewaltkriminalität befriedigend zu kontrollieren. Zudem geht ein Teil der Kriminalität nach allgemeiner Auffassung auf das Konto der Polizei bzw. des Militärs selbst. Um der verunsicherten Bevölkerung ein gewisses Maß an Schutz angedeihen zu lassen, treten in den Regionen bestimmte Organisation in Form von ethnischen Vigilantengruppen in der Bevölkerung auf (so Lagebericht des AA vom 6.5.2012 und 28.8.2013). Abgelegene Gebiete im Niger-Delta sind aber noch bis heute ein rechtsfreier Raum.

Es gibt in Nigeria keine Bürgerkriegsgebiete und keine Bürgerkriegsparteien. Bei den bewaffneten Auseinandersetzungen im Niger-Delta handelte es sich sowohl um einen Konflikt zwischen regionalen Gruppen einerseits und Ölfirmen bzw. der Staatsgewalt andererseits, als auch um Rivalitäten der unterschiedlichen lokalen Gemeinschaften. Allerdings hat der Amnestie-Prozess, der Ende 2015 ausgelaufen ist, im Ganzen wesentlich zu einer Befriedigung der Sicherheitslage im Niger-Delta beigetragen (so Lagebericht des AA vom 3.12.2015, S. 18). Nach dem Auslauf des Amnestieprogramms am 15.12.2015 unter Busari kommt es aber zu willkürlichen Verhandlungen, extralegalen Hinrichten und Folter (so Lagebericht des AA vom 21.11.2016).

Im Nordosten und Zentrum Nigerias hatte sich die Sicherheitslage bis Februar 2015 auch im Zusammenhang mit der Ausrufung eines „Kalifats“ von Boko Haram (Juli/August 2014 und dem Wahljahr 2015) weiter verschlechtert. Es ist der nigerianischen Armee in Kooperation mit seinen regionalen Nachbarn inzwischen aber gelungen ist, das „Kalifat“ zu zerschlagen und den größten Teil seines Territoriums zurückzugewinnen. Es gelang aber noch nicht, die rückeroberten Gebiete dauerhaft zu sichern. (so Lagebericht des AA vom 21.11.2016, S. 17).

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, staatlicher Verfolgung oder Repressionen Dritter durch Umzug in einen anderen Teil Nigerias auszuweichen. Dies kann allerdings zu wirtschaftlichen und sozialen Problemen führen, wenn sich Einzelpersonen an einen Ort begeben, in dem keine Mitglieder ihrer Familie, der erweiterten Verwandtschaft oder der Dorfgemeinschaft leben. Angesichts der anhaltenden schlechten Wirtschaftslage und der Bedeutung derartiger Bindungen in der nigerianischen Gesellschaft ist es schwierig, an Orten, in denen kein solches soziales Netz besteht, Fuß zu fassen. Für alleinstehende Frauen besteht zudem die Gefahr, bei Umzug in die Großstadt von der eigenen Großfamilie keine wirtschaftliche Unterstützung zu erhalten (so Lagebericht des AA vom 6.5.2012, 28.8.2013, 3.12.2015 und 21.11.2016). Erkenntnisse darüber, dass abgelehnte Asylbewerber bei Rückkehr nach Nigeria allein wegen der Beantragung von Asyl mit staatlichen Repressionen zu rechnen haben, liegen nicht vor. Verhaftungen bei Rückkehr aus politischen Gründen oder andere außergewöhnliche Vorkommnisse bei der Einreise von abgeschobenen oder freiwillig ausgereisten Asylbewerbern aus Deutschland sind nicht bekannt (so Lagebericht des AA vom 6.5.2012, 28.8.2013, 3.12.2015 und vom 21.11.2016).

b. Unter Gewichtung und Abwägung all dieser Umstände kommt das Gericht zu der Überzeugung, dass den Klägern bei einer Rückkehr in ihre Heimat durch die Machthaber und/oder andere Akteure keine Verfolgung im Sinne des § 60 Abs. 1 AufenthG droht.

Die Voraussetzungen einer politischen Verfolgung durch den Staat oder Parteien oder Organisationen, die den Staat oder wesentliche Teile des Staatsgebietes beherrschen (§ 3 c AsylG) liegen bei der Klagepartei nicht vor. Dafür, dass die Klagepartei in ihrer Heimat asylerhebliche Nachstellungen befürchten müsste, konnte dem Vorbringen vor dem Bundesamt und im gerichtlichen Verfahren nichts entnommen werden.

Ebenso wenig kann dem Vorbringen entnommen werden, dass eine Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure nach § 3 c Nr. 3 AsylG droht. Ein individuelles Verfolgungsschicksal hat die Klagepartei weder vor dem Bundesamt noch im gerichtlichen Klageverfahren glaubhaft geltend gemacht.

Der Vortrag der Kläger, dass der Kläger zu 1) im Dorf O... ein Anführer der Dorfjugend gewesen sei und diese gegen einen reichen Mann gekämpft habe, weil er ihr Land habe wegnehmen wollen, ist nicht glaubhaft. Dazu ist der Vortrag der Kläger zu vage und ungenau. In der mündlichen Verhandlung konnten sie auch nicht aufklären, warum sie von einem Dorf O... sprechen. O... ist eine Stadt in Nigeria mit 70.000 Einwohnern. Das in der mündlichen Verhandlung vorgelegte Foto über ein zerstörtes Haus beweist nicht, dass die Kläger dieses Haus besessen haben und es in diesem Ort steht oder dass es bei den Kämpfen durch den reichen Mann zerstört worden ist. Das Foto zeigte nur ein zerstörtes Haus, das vom Busch überwachsen war. Es kann sich um jedes beliebige Haus in Nigeria handeln, das zur Ruine geworden ist. Zudem ist auch die Darstellung der Kläger, wie sie von einem zweiten Anführer gewarnt worden seien und dann entkommen konnten, sehr realitätsfremd. Wäre der Kläger zu 1) tatsächlich als Anführer verfolgt worden, hätte er nicht so einfach entkommen können. Das Gericht folgt im Übrigen den Ausführungen im angefochtenen Bescheid und sieht gemäß § 77 Abs. 2 VwGO von einer weiteren Darstellung der Entscheidungsgründe insoweit ab. Auch die ins gerichtliche Verfahren vorgelegten Bestätigungen beweisen nichts, sondern sind Vordrucke zur vielfältigen Verwendung in Europa.

Es wird der Klägerin zu 2) nicht abgenommen, dass sie Biafra-TShirte in ihrem eigenen Laden gedruckt und verkauft habe und deshalb verfolgt werde. Dies hat die Klägerin zu 2) erst im gerichtlichen Verfahren vorgetragen. Vor dem Bundesamt hat sie dies aber nicht erwähnt. Es handelt sich hier um ein gesteigertes Vorbringen. Zudem ergab die Befragung der Klägerin zu 2) in der mündlichen Verhandlung, dass sie keine Kenntnisse über die Unabhängigkeitsbewegung für Biafra hat. Sie konnte nicht einmal die in Nigeria sehr bekannte Organisation für die Befreiung Biafras nennen. Es wird der Klägerin deshalb nicht abgenommen, dass sie aus diesem Grunde verfolgt würde.

Das weitere Vorbringen der Klägerin zu 2) im gerichtlichen Verfahren, das das Schicksal der Klägerin zu 2) in der ersten Ehe darstellt, ist zwischenzeitlich überholt. Die Klägerin zu 2) lebt derzeit offenbar mit ihrem gegenwärtigen Mann in einer guten Ehe und hat mit ihm gemeinsame Kinder.

Die Zugehörigkeit zu der Gruppe der Christen oder Muslime oder anderen Religionsgruppen begründet für Nigeria keinen Verfolgungsschutz nach § 60 Abs. 1 AufenthG. Es fehlt an einer Verfolgungshandlung mit asylrelevanten Merkmalen. Nur wenn die begründete Furcht vor Verfolgung im Wesentlichen auf die asylrelevanten Merkmale (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe oder politische Überzeugung im Sinne des § 3 b Abs. 1 Nr. 1 bis 5 AsylG zurückzuführen ist, begründet sie Verfolgungsschutz nach § 60 Abs. 1 AufenthG. Zwischen den in § 3 Abs. 1 Nr. 1 AsylG i.V.m. den in § 3 b AsylG genannten Verfolgungsgründen und den in § 3 a Abs. 1 und 2 AsylG als Verfolgung eingestuften Handlungen oder dem Fehlen von Schutz vor solchen Handlungen muss eine Verknüpfung bestehen (§ 3 a Abs. 3 AsylG), ansonsten ist allenfalls der subsidiäre Schutzstatus zuzuerkennen. Angesichts der Größe der Religionsgemeinschaften fehlt es an der für die Annahme einer Gruppenverfolgung erforderlichen Verfolgungsdichte. Das Bundesverwaltungsgericht hat in der Entscheidung vom 21.4.2009 – 10 C 11.08 die in der höchstrichterlichen Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen für die Feststellung einer Gruppenverfolgung auch für die neue Rechtslage bestätigt. Danach setzt die Annahme einer Gruppenverfolgung voraus, dass die gegen diese Gruppe gerichteten Verfolgungshandlungen so intensiv und zahlreich sind, dass jedes einzelne Mitglied der Gruppe daraus die aktuelle Gefahr eigener Betroffenheit herleiten kann. Um diese Verfolgungsdichte festzustellen, müssen die Anzahl und Intensität der Verfolgungshandlungen gegenüber der gesamten Gruppe ermittelt und zur Größe der Gruppe in Beziehung gesetzt werden (s. Pressemitteilung des BVerwG Nr. 22/2009). Eine Gruppenverfolgung wäre nur dann gegeben, wenn für jeden Angehörigen der jeweiligen Gruppe nicht nur die Möglichkeit, sondern ohne Weiteres die aktuelle Gefahr eigener Betroffenheit besteht. Dies ist in Nigeria nicht der Fall.

3. Der Klagepartei stehen auch keine Abschiebungsverbote nach § 60 Abs. 2 AufenthG zu. Danach darf ein Ausländer nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem ihm der in § 4 Abs. 1 AsylG bezeichnete ernsthafte Schaden droht (subsidiärer Schutz).

Abschiebungsschutz nach § 60 Abs. 2 AufenthG kann der Klägerpartei nicht zugebilligt werden. Im Gegensatz zur früheren Rechtslage, wonach eine Schutzgewährung nach dieser Vorschrift Verfolgungsmaßnahmen einer staatlichen oder staatsähnlichen Gewalt voraussetzten, kann nach geltender Rechtslage in Umsetzung des Art. 6 Buchstabe c der Richtlinie 2004/83/EG, nunmehr Richtlinie 2011/95/EU, ein den subsidiären Schutz auslösender ernsthafter Schaden im Sinne des Art. 15 der Richtlinie auch von nichtstaatlichen Akteuren ausgehen (vgl. § 3 c Nr. 3 und § 4 Abs. 3 AsylG und auch zur früheren Rechtslage BVerwG vom 12.6.2007 Az. 10 C 24/07). Nach § 4 Abs. 1 Satz 2 AsylG gilt als ernsthafter Schaden die Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe (Nr. 1), Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung eines Klägers im Herkunftsstaat (Nr. 2) oder eine ernsthafte individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer Zivilperson infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts (Nr. 3). Außerdem dürfte keine interne Schutzmöglichkeit nach § 3e AsylG bestehen (§ 4 Abs. 3 AsylG).

Im vorliegenden Fall liegt ein subsidiärer Schutzanspruch § 60 Abs. 2 AufenthG nicht vor. Denn dies setzt voraus, dass eine tatsächliche Gefahr eines ernsthaften Schadens besteht (§ 4 Abs. 3 AsylG). Eine allgemeine Bedrohung genügt dafür nicht (vgl. Erwägungsgrund 26 der Richtlinie 2004/83/EG).

a. Eine tatsächliche Gefahr für die Verhängung der Todesstrafe oder Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung ist nicht glaubhaft gemacht worden.

b. Der Kläger kann sich auch nicht auf § 60 Abs. 2 AufenthG i.V.m. § 4 Abs. 1 Nr. 3 AsylG berufen. Nach dieser Vorschrift ist von der Abschiebung eines Ausländers in einen anderen Staat abzusehen, wenn er dort als Angehöriger der Zivilbevölkerung einer ernsthaften individuellen Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts ausgesetzt ist.

Nach der neueren Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes ist dieser Begriff völkerrechtlich zu verstehen und setzt eine gewisse Qualität eines Konfliktes voraus (vgl. BVerwG vom 24.6.2008 a.a.O.). Das Bundesverwaltungsgericht stellt zur Präzisierung des Begriffs auf Artikel 1 Ziffer 1 des am 8. Juni 1977 abgeschlossenen Zusatzprotokolls II (ZP II) zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer nicht internationaler bewaffneter Konflikte ab (BGBl 1990 II S. 1637). Danach findet das Protokoll auf alle bewaffneten Konflikte Anwendung, die von Art. 1 des Zusatzprotokolls zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte (Protokoll I) nicht erfasst sind und die im Hoheitsgebiet einer Hohen Vertragspartei zwischen deren Streitkräften und abtrünnigen Streitkräften oder anderen organisierten bewaffneten Gruppen stattfinden, die unter einer verantwortlichen Führung eine solche Kontrolle über einen Teil des Hoheitsgebiets der Hohen Vertragspartei ausüben, dass sie anhaltende, koordinierte Kampfhandlungen durchführen und dieses Protokoll anzuwenden vermögen.

Das Bundesverwaltungsgericht folgert hieraus, dass ein innerstaatlicher bewaffneter Konflikt im Sinne des humanitären Völkerrechts dann nicht vorliege, wenn die Ausschlusstatbestände des Art. 1 Nr. 2 ZP II erfüllt seien, es sich also nur um innere Unruhen und Spannungen handele wie Tumulte, vereinzelt auftretende Gewalttaten und andere ähnliche Handlungen, die nicht als bewaffnete Konflikte gelten. Der Konflikt müsse ein bestimmtes Maß an Intensität und Dauerhaftigkeit aufweisen. Typische Beispiele seien Bürgerkriegsauseinandersetzungen und Guerillakämpfe. Ein innerstaatlicher bewaffneter Konflikt liege auch dann vor, wenn die oben genannten Voraussetzungen nur in einem Teil des Staatsgebiets erfüllt seien. Ein aus seinem Herkunftsstaat Geflohener könne nur dann auf eine landesinterne Schutzalternative verwiesen werden, wenn diese außerhalb des Gebietes eines innerstaatlichen bewaffneten Konflikt liege. Damit werde anerkannt, dass sich ein innerstaatlicher Konflikt nicht auf das gesamte Staatsgebiet erstrecken müsse.

Art. 15 Buchstabe c der Richtlinie verlangt dem Wortlaut nach „eine ernsthafte individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer Zivilperson infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts.“ Dies entspricht den Tatbestandsmerkmalen des § 4 Abs. 1 Nr. 3 AsylG „ernsthafte individuelle Bedrohung“. Demnach lässt diese Vorschrift keine allgemeine Bedrohung genügen, sondern setzt eine individuelle Bedrohung voraus (vgl. BVerwG vom 24.6.2008 a.a.O., vom 15.5.2007 Az. 1 B 217/06 zur früheren Rechtslage). Nach dem Erwägungsgrund 26 der Qualifikationsrichtlinie stellen Gefahren, denen die Bevölkerung oder eine Bevölkerungsgruppe eines Landes allgemein ausgesetzt sind, für sich genommen normalerweise keine individuelle Bedrohung dar, die als ernsthafter Schaden zu beurteilen wäre.

Nach einer Vorabentscheidung des EuGH vom 17. Februar 2009 Az. C 465/07 ist Art. 15 Buchst. c der Richtlinie wie folgt auszulegen:

„ - Das Vorliegen einer ernsthaften individuellen Bedrohung eines Lebens oder der Unversehrtheit der Person, die die Gewährung des subsidiären Schutzes beantragt, setzt nicht voraus, dass diese Person beweist, dass sie aufgrund von ihrer persönlichen Situation innewohnenden Umständen spezifisch betroffen ist.

– Das Vorliegen einer solchen Bedrohung kann ausnahmsweise als gegeben angesehen werden, wenn der den bestehenden bewaffneten Konflikt kennzeichnende Grad willkürlicher Gewalt nach der Beurteilung der zuständigen nationalen Behörden, die mit einem Antrag auf subsidiären Schutz befasst sind, oder der Gerichte eines Mitgliedsstaats, bei denen eine Klage gegen die Ablehnung eines solchen Antrags anhängig ist, ein so hohes Niveau erreicht, dass stichhaltige Gründe für die Annahme bestehen, dass eine Zivilperson bei einer Rückkehr in das betreffende Land oder ggf. in die betreffende Region allein durch ihre Anwesenheit im Gebiet dieses Landes oder dieser Region tatsächlich Gefahr liefe, einer solchen Bedrohung ausgesetzt zu sein.“ (s. EuGH a.a.O., Rz 35 und 43).

Dabei kann der Grad willkürlicher Gewalt, der vorliegen muss, damit der Kläger Anspruch auf subsidiären Schutz hat, umso geringer sein, je mehr er möglicherweise zu belegen vermag, dass er aufgrund von seiner persönlichen Situation innewohnenden Umständen spezifisch betroffen ist (so EuGH a.a.O., Rz 39).

Im Niger-Delta besteht derzeit kein bewaffneter Konflikt mehr. Im Norden Nigerias kommt es bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und islamischen Sektenmitgliedern immer wieder zu Todesopfern. Doch besteht dieser Konflikt nicht landesweit und beschränkt sich auf drei Provinzen im Nordosten Nigerias.

Selbst wenn man für die Herkunftsregion der Klagepartei vom Vorliegen eines innerstaatlichen bewaffneten Konflikts ausginge, hat aber auch dort der Grad der willkürlichen Gewalt nicht ein so hohes Niveau erreicht, dass stichhaltige Gründe für die Annahme bestehen, dass eine Zivilperson allein durch ihre Anwesenheit dort tatsächlich Gefahr liefe, einer ernsthaften Bedrohung im Sinne des Art. 15 c der Richtlinie ausgesetzt zu sein. Eine solche individuelle Bedrohung kann vorliegen, wenn entweder besondere gefahrenerhöhende individuelle Umstände vorliegen oder – wenn ausnahmsweise ein besonders hohes Niveau allgemeiner Gefahren im Rahmen des bewaffneten Konflikts vorliegt, und die betreffende Person in anderen Teilen des Herkunftslandes keinen internen Schutz finden kann (so BVerwG vom 14.7.2009 – 10 C 13.08).

Zu diesem Personenkreis, der besonders gefährdet wäre, gehört die Klagepartei nicht.

Außerdem könnte die Klagepartei in anderen Landesteilen Nigerias, in denen derartige Gefahren nicht bestehen, internen Schutz finden (§ 4 Abs. 3 AsylG).

c. Auf § 60 Abs. 5 AufenthG kann sich die Klagepartei ebenfalls nicht berufen. Danach darf ein Ausländer nicht abgeschoben werden, soweit sich aus der Anwendung der Konvention vom 4.11.1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (BGBl 1952 II S. 685) ergibt, dass die Abschiebung unzulässig ist. Dieses Abschiebungsverbot erfasst nicht nur Gefahren für Leib und Leben, die seitens eines Staates oder staatsähnlichen Organisation drohen (so BVerwG vom 13.6.2013 – 10 C 13.12). Aber die Klagepartei hat keine konkrete individuelle Gefahr geltend gemacht hat. Eine allgemeine Bedrohung genügt nicht.

d. Der Klagepartei steht auch kein Abschiebungsschutz nach § 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG zu. Danach soll von der Abschiebung eines Ausländers in einen anderen Staat abgesehen werden, wenn dort für diesen Ausländer eine erhebliche konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit besteht. Gefahren nach Satz 1, denen die Bevölkerung oder die Bevölkerungsgruppe, der der Ausländer angehört, allgemein ausgesetzt ist, sind aber bei Anordnungen nach § 60 a Abs. 1 Satz 1 zu berücksichtigen (§ 60 Abs. 7 Satz 2 AufenthG).

Allerdings verlangt § 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG das Bestehen einer konkreten Gefahr ohne Rücksicht darauf ab, ob sie vom Staat ausgeht oder ihm zumindest zuzurechnen ist. Für die Annahme einer „konkreten Gefahr“ genügt aber ebenso wenig wie im Asylrecht die theoretische Möglichkeit, Opfer von Eingriffen in Leib, Leben oder Freiheit zu werden. Die Gefahr muss vielmehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit vorliegen, wobei das Element der „Konkretheit“ der Gefahr für „diesen“ Ausländer das zusätzliche Erfordernis einer einzelfallbezogenen, individuell bestimmten und erheblichen Gefährdungssituation statuiert.

Eine Verdichtung allgemeiner Gefahren zu einer ernsthaften individuellen Bedrohung liegt im Falle des Klägers bei einer Rückkehr nach Nigeria nicht vor. Hierzu wird auf die obigen Ausführungen verwiesen.

Eine erhebliche konkrete Gefahr aus gesundheitlichen Gründen liegt nach § 60 Abs. 7 Satz 2 AufenthG nur vor bei lebensbedrohlichen oder schwerwiegenden Erkrankungen, die sich durch die Abschiebung wesentlich verschlechtern würden. Eine solche liegt nicht vor. Aus den von der Klägerin zu 2) vorgelegten ärztlichen Attesten ergibt sich keine lebensbedrohliche oder schwerwiegende Erkrankung, die sich durch die Abschiebung wesentlich verschlechtern würde. Aus dem Attest von Dr. med. P...vom 2.1.2017 (Bl. 22 GA) ergeben sich zwar Feststellungen zu bestehenden Misshandlungsfolgen. Diese Misshandlungen liegen aber nach dem Vortrag der Klägerin zu 2) lange zurück. Es handelt sich hier um keine lebensbedrohliche oder schwerwiegende Erkrankung. Nach einem Befundbericht vom 13.10.2015 leidet die Klägerin zu 2) offenbar auch noch an Hämorriden. Auch hier handelt es sich um keine lebensbedrohliche Erkrankung. Auch die bei der Klägerin geplante Operation wegen einer Bauchwandhernie begründet kein Abschiebungsverbot aus gesundheitlichen Gründen. Nach der Operation wird die Klägerin erfahrungsgemäß wieder gesund sein.

e. Es besteht unter Würdigung der in das Verfahren eingeführten Erkenntnisquellen nach der Sach- und Rechtslage zum Zeitpunkt der Entscheidung des Gerichts auch keine solche extreme Gefahrenlage im Zielstaat, die die Feststellung eines Abschiebeverbotes in verfassungskonformer Anwendung des § 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG rechtfertigen würde. Der Kläger hat bisher nicht vorgetragen und dargelegt, dass ihm bei Rückkehr nach Nigeria eine extrem zugespitzte Gefahr droht, die die Feststellung eines Abschiebeverbotes nach dieser Bestimmung in verfassungskonformer Anwendung rechtfertigen würde (vgl. dazu BVerwG vom 23.8.2006 Az. 1 B 60/01). Wie oben ausgeführt, hat sich die allgemeine Gefahr in der Herkunftsregion des Klägers nicht so verdichtet, dass für sie eine individuelle Gefahr besteht oder gar, dass der Kläger „gleichsam sehenden Auges dem sicheren Tod oder schwersten Verletzungen ausgeliefert würde (vgl. dazu BVerwG vom 14.11.2007 Az. 10 B 47/07). Auch die Versorgungslage in Nigeria mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Stromversorgung ist nicht derartig schlecht, dass eine solche Gefährdung angenommen werden müsste. Rückkehrer finden in den Großstädten eine ausreichende medizinische Versorgung vor, wenn auch in der Regel weit unter europäischem Standart (so Lagebericht des AA vom 21.11.2016). Wenn der Rückkehrer über ein soziales Geflecht verfügt, kann ein Rückkehrer auch angesichts der schlechten Wirtschaftslage bei generalisierender Betrachtungsweise ein zumutbares Existenzminimum finden. Es kann dann davon ausgegangen werden, dass er durch die Unterstützung der Großfamilie oder des sonstigen sozialen Geflechts die dafür notwendige finanzielle und wirtschaftliche Unterstützung erhält.

Der Kläger zu 1) hat in Nigeria nach eigenen Angaben als Karrosseriebauer gelernt und gearbeitet. Bei der gebotenen generalisierenden Betrachtungsweise kann deshalb davon ausgegangen werden, dass er bei einer Rückkehr nach Nigeria die Familie versorgen und ihren Lebensunterhalt sichern kann.

4. Die in Ziffer 5) des Bundesamtsbescheides enthaltene Abschiebungsandrohung und Ausreiseaufforderung sind ebenfalls nicht zu beanstanden. Eine Verletzung von Rechten des Klägers liegt nicht vor (§ 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO). Ziffer 5) des Bundesamtsbescheides beruht auf §§ 34, 38 Abs. 1 AsylG und trägt den Erfordernissen dieser Vorschrift Rechnung.

5. Die Befristungsentscheidung des Beklagten (Ziffer 6 des Bescheides) entspricht den gesetzlichen Vorgaben von § 11 Abs. 1 bis 3 AufenthG. Die tatbestandlichen Voraussetzungen sind erfüllt, denn der Beklagte hat seine Entscheidung von Amts wegen zusammen mit der Abschiebungsandrohung für den Fall der Abschiebung getroffen. Auch die Ermessensentscheidung begegnet keinen rechtlichen Bedenken und beachtet Art. 11 Abs. 2 der Rückführungsrichtlinie (2008/115/EG), wonach die Dauer des Einreiseverbots in Anbetracht der jeweiligen Umstände des Einzelfalles festgesetzt und grundsätzlich nicht fünf Jahre überschreiten soll.

6. Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 1 der Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO), die Regelung der vorläufigen Vollstreckbarkeit auf § 167 Abs. 2 VwGO.

Die Höhe des Gegenstandswertes ergibt sich aus § 30 RVG.

ra.de-Urteilsbesprechung zu Verwaltungsgericht Regensburg Urteil, 08. März 2017 - RO 5 K 16.33413

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Verwaltungsgericht Regensburg Urteil, 08. März 2017 - RO 5 K 16.33413 zitiert 18 §§.

GG | Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland


Eingangsformel Der Parlamentarische Rat hat am 23. Mai 1949 in Bonn am Rhein in öffentlicher Sitzung festgestellt, daß das am 8. Mai des Jahres 1949 vom Parlamentarischen Rat beschlossene...

RVG | § 30 Gegenstandswert in gerichtlichen Verfahren nach dem Asylgesetz


(1) In Klageverfahren nach dem Asylgesetz beträgt der Gegenstandswert 5 000 Euro, in Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes 2 500 Euro. Sind mehrere natürliche Personen an demselben Verfahren beteiligt, erhöht sich der Wert für jede weitere...

AsylVfG 1992 | § 4 Subsidiärer Schutz


(1) Ein Ausländer ist subsidiär Schutzberechtigter, wenn er stichhaltige Gründe für die Annahme vorgebracht hat, dass ihm in seinem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht. Als ernsthafter Schaden gilt: 1. die Verhängung oder Vollstreckung der..

AsylVfG 1992 | § 3 Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft


(1) Ein Ausländer ist Flüchtling im Sinne des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (BGBl. 1953 II S. 559, 560), wenn er sich 1. aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität,...

Referenzen

AsylG

Dieses Gesetz dient der Umsetzung folgender Richtlinien:

1.
Richtlinie 2003/9/EG des Rates vom 27. Januar 2003 zur Festlegung von Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (ABl. EU Nr. L 31 S. 18),
2.
Richtlinie 2004/83/EG des Rates vom 29. April 2004 über Mindestnormen für die Anerkennung und den Status von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Flüchtlinge oder als Personen, die anderweitig internationalen Schutz benötigen, und über den Inhalt des zu gewährenden Schutzes (Abl. EU Nr. L 304 S. 12),
3.
Richtlinie 2005/85/EG des Rates vom 1. Dezember 2005 über Mindestnormen für Verfahren in den Mitgliedstaaten zur Zuerkennung und Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft (ABl. EU Nr. L 326 S. 13).

(1) Soweit sich aus diesem Gesetz nichts anderes ergibt, gilt für die Vollstreckung das Achte Buch der Zivilprozeßordnung entsprechend. Vollstreckungsgericht ist das Gericht des ersten Rechtszugs.

(2) Urteile auf Anfechtungs- und Verpflichtungsklagen können nur wegen der Kosten für vorläufig vollstreckbar erklärt werden.

(1) Dem Ausländer wird die Flüchtlingseigenschaft nicht zuerkannt, wenn er

1.
in einem Teil seines Herkunftslandes keine begründete Furcht vor Verfolgung oder Zugang zu Schutz vor Verfolgung nach § 3d hat und
2.
sicher und legal in diesen Landesteil reisen kann, dort aufgenommen wird und vernünftigerweise erwartet werden kann, dass er sich dort niederlässt.

(2) Bei der Prüfung der Frage, ob ein Teil des Herkunftslandes die Voraussetzungen nach Absatz 1 erfüllt, sind die dortigen allgemeinen Gegebenheiten und die persönlichen Umstände des Ausländers gemäß Artikel 4 der Richtlinie 2011/95/EU zum Zeitpunkt der Entscheidung über den Antrag zu berücksichtigen. Zu diesem Zweck sind genaue und aktuelle Informationen aus relevanten Quellen, wie etwa Informationen des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge oder des Europäischen Unterstützungsbüros für Asylfragen, einzuholen.

(1) Ein Ausländer ist subsidiär Schutzberechtigter, wenn er stichhaltige Gründe für die Annahme vorgebracht hat, dass ihm in seinem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht. Als ernsthafter Schaden gilt:

1.
die Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe,
2.
Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung oder
3.
eine ernsthafte individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer Zivilperson infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts.

(2) Ein Ausländer ist von der Zuerkennung subsidiären Schutzes nach Absatz 1 ausgeschlossen, wenn schwerwiegende Gründe die Annahme rechtfertigen, dass er

1.
ein Verbrechen gegen den Frieden, ein Kriegsverbrechen oder ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Sinne der internationalen Vertragswerke begangen hat, die ausgearbeitet worden sind, um Bestimmungen bezüglich dieser Verbrechen festzulegen,
2.
eine schwere Straftat begangen hat,
3.
sich Handlungen zuschulden kommen lassen hat, die den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen, wie sie in der Präambel und den Artikeln 1 und 2 der Charta der Vereinten Nationen (BGBl. 1973 II S. 430, 431) verankert sind, zuwiderlaufen oder
4.
eine Gefahr für die Allgemeinheit oder für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland darstellt.
Diese Ausschlussgründe gelten auch für Ausländer, die andere zu den genannten Straftaten oder Handlungen anstiften oder sich in sonstiger Weise daran beteiligen.

(3) Die §§ 3c bis 3e gelten entsprechend. An die Stelle der Verfolgung, des Schutzes vor Verfolgung beziehungsweise der begründeten Furcht vor Verfolgung treten die Gefahr eines ernsthaften Schadens, der Schutz vor einem ernsthaften Schaden beziehungsweise die tatsächliche Gefahr eines ernsthaften Schadens; an die Stelle der Flüchtlingseigenschaft tritt der subsidiäre Schutz.

(1) Ein Ausländer ist subsidiär Schutzberechtigter, wenn er stichhaltige Gründe für die Annahme vorgebracht hat, dass ihm in seinem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht. Als ernsthafter Schaden gilt:

1.
die Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe,
2.
Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung oder
3.
eine ernsthafte individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer Zivilperson infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts.

(2) Ein Ausländer ist von der Zuerkennung subsidiären Schutzes nach Absatz 1 ausgeschlossen, wenn schwerwiegende Gründe die Annahme rechtfertigen, dass er

1.
ein Verbrechen gegen den Frieden, ein Kriegsverbrechen oder ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Sinne der internationalen Vertragswerke begangen hat, die ausgearbeitet worden sind, um Bestimmungen bezüglich dieser Verbrechen festzulegen,
2.
eine schwere Straftat begangen hat,
3.
sich Handlungen zuschulden kommen lassen hat, die den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen, wie sie in der Präambel und den Artikeln 1 und 2 der Charta der Vereinten Nationen (BGBl. 1973 II S. 430, 431) verankert sind, zuwiderlaufen oder
4.
eine Gefahr für die Allgemeinheit oder für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland darstellt.
Diese Ausschlussgründe gelten auch für Ausländer, die andere zu den genannten Straftaten oder Handlungen anstiften oder sich in sonstiger Weise daran beteiligen.

(3) Die §§ 3c bis 3e gelten entsprechend. An die Stelle der Verfolgung, des Schutzes vor Verfolgung beziehungsweise der begründeten Furcht vor Verfolgung treten die Gefahr eines ernsthaften Schadens, der Schutz vor einem ernsthaften Schaden beziehungsweise die tatsächliche Gefahr eines ernsthaften Schadens; an die Stelle der Flüchtlingseigenschaft tritt der subsidiäre Schutz.

(1) Die Entscheidung des Bundesamtes ergeht schriftlich. Sie ist schriftlich zu begründen. Entscheidungen, die der Anfechtung unterliegen, sind den Beteiligten unverzüglich zuzustellen. Wurde kein Bevollmächtigter für das Verfahren bestellt, ist eine Übersetzung der Entscheidungsformel und der Rechtsbehelfsbelehrung in einer Sprache beizufügen, deren Kenntnis vernünftigerweise vorausgesetzt werden kann; Asylberechtigte und Ausländer, denen internationaler Schutz im Sinne des § 1 Absatz 1 Nummer 2 zuerkannt wird oder bei denen das Bundesamt ein Abschiebungsverbot nach § 60 Absatz 5 oder 7 des Aufenthaltsgesetzes festgestellt hat, werden zusätzlich über die Rechte und Pflichten unterrichtet, die sich daraus ergeben. Wird der Asylantrag nur nach § 26a oder § 29 Absatz 1 Nummer 1 abgelehnt, ist die Entscheidung zusammen mit der Abschiebungsanordnung nach § 34a dem Ausländer selbst zuzustellen. Sie kann ihm auch von der für die Abschiebung oder für die Durchführung der Abschiebung zuständigen Behörde zugestellt werden. Wird der Ausländer durch einen Bevollmächtigten vertreten oder hat er einen Empfangsberechtigten benannt, soll diesem ein Abdruck der Entscheidung zugeleitet werden.

(2) In Entscheidungen über zulässige Asylanträge und nach § 30 Abs. 5 ist ausdrücklich festzustellen, ob dem Ausländer die Flüchtlingseigenschaft oder der subsidiäre Schutz zuerkannt wird und ob er als Asylberechtigter anerkannt wird. In den Fällen des § 13 Absatz 2 Satz 2 ist nur über den beschränkten Antrag zu entscheiden.

(3) In den Fällen des Absatzes 2 und in Entscheidungen über unzulässige Asylanträge ist festzustellen, ob die Voraussetzungen des § 60 Absatz 5 oder 7 des Aufenthaltsgesetzes vorliegen. Davon kann abgesehen werden, wenn der Ausländer als Asylberechtigter anerkannt wird oder ihm internationaler Schutz im Sinne des § 1 Absatz 1 Nummer 2 zuerkannt wird.

(4) Wird der Asylantrag nur nach § 26a als unzulässig abgelehnt, bleibt § 26 Absatz 5 in den Fällen des § 26 Absatz 1 bis 4 unberührt.

(5) Wird ein Ausländer nach § 26 Absatz 1 bis 3 als Asylberechtigter anerkannt oder wird ihm nach § 26 Absatz 5 internationaler Schutz im Sinne des § 1 Absatz 1 Nummer 2 zuerkannt, soll von der Feststellung der Voraussetzungen des § 60 Absatz 5 und 7 des Aufenthaltsgesetzes abgesehen werden.

(6) Wird der Asylantrag nach § 29 Absatz 1 Nummer 1 als unzulässig abgelehnt, wird dem Ausländer in der Entscheidung mitgeteilt, welcher andere Staat für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist.

(7) In der Entscheidung des Bundesamtes ist die AZR-Nummer nach § 3 Absatz 1 Nummer 2 des Gesetzes über das Ausländerzentralregister zu nennen.

(1) Das Bundesamt erlässt nach den §§ 59 und 60 Absatz 10 des Aufenthaltsgesetzes eine schriftliche Abschiebungsandrohung, wenn

1.
der Ausländer nicht als Asylberechtigter anerkannt wird,
2.
dem Ausländer nicht die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wird,
2a.
dem Ausländer kein subsidiärer Schutz gewährt wird,
3.
die Voraussetzungen des § 60 Absatz 5 und 7 des Aufenthaltsgesetzes nicht vorliegen oder die Abschiebung ungeachtet des Vorliegens der Voraussetzungen des § 60 Absatz 7 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes ausnahmsweise zulässig ist und
4.
der Ausländer keinen Aufenthaltstitel besitzt.
Eine Anhörung des Ausländers vor Erlass der Abschiebungsandrohung ist nicht erforderlich. Im Übrigen bleibt die Ausländerbehörde für Entscheidungen nach § 59 Absatz 1 Satz 4 und Absatz 6 des Aufenthaltsgesetzes zuständig.

(2) Die Abschiebungsandrohung soll mit der Entscheidung über den Asylantrag verbunden werden. Wurde kein Bevollmächtigter für das Verfahren bestellt, sind die Entscheidungsformel der Abschiebungsandrohung und die Rechtsbehelfsbelehrung dem Ausländer in eine Sprache zu übersetzen, deren Kenntnis vernünftigerweise vorausgesetzt werden kann.

(1) In den sonstigen Fällen, in denen das Bundesamt den Ausländer nicht als Asylberechtigten anerkennt, beträgt die dem Ausländer zu setzende Ausreisefrist 30 Tage. Im Falle der Klageerhebung endet die Ausreisefrist 30 Tage nach dem unanfechtbaren Abschluss des Asylverfahrens.

(2) Im Falle der Rücknahme des Asylantrags vor der Entscheidung des Bundesamtes beträgt die dem Ausländer zu setzende Ausreisefrist eine Woche.

(3) Im Falle der Rücknahme des Asylantrags oder der Klage oder des Verzichts auf die Durchführung des Asylverfahrens nach § 14a Absatz 3 kann dem Ausländer eine Ausreisefrist bis zu drei Monaten eingeräumt werden, wenn er sich zur freiwilligen Ausreise bereit erklärt.

Aufenthaltsgesetz - AufenthG

(1) Gegen einen Ausländer, der ausgewiesen, zurückgeschoben oder abgeschoben worden ist, ist ein Einreise- und Aufenthaltsverbot zu erlassen. Infolge des Einreise- und Aufenthaltsverbots darf der Ausländer weder erneut in das Bundesgebiet einreisen noch sich darin aufhalten noch darf ihm, selbst im Falle eines Anspruchs nach diesem Gesetz, ein Aufenthaltstitel erteilt werden.

(2) Im Falle der Ausweisung ist das Einreise- und Aufenthaltsverbot gemeinsam mit der Ausweisungsverfügung zu erlassen. Ansonsten soll das Einreise- und Aufenthaltsverbot mit der Abschiebungsandrohung oder Abschiebungsanordnung nach § 58a unter der aufschiebenden Bedingung der Ab- oder Zurückschiebung und spätestens mit der Ab- oder Zurückschiebung erlassen werden. Das Einreise- und Aufenthaltsverbot ist bei seinem Erlass von Amts wegen zu befristen. Die Frist beginnt mit der Ausreise. Die Befristung kann zur Abwehr einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung mit einer Bedingung versehen werden, insbesondere einer nachweislichen Straf- oder Drogenfreiheit. Tritt die Bedingung bis zum Ablauf der Frist nicht ein, gilt eine von Amts wegen zusammen mit der Befristung nach Satz 5 angeordnete längere Befristung.

(3) Über die Länge der Frist des Einreise- und Aufenthaltsverbots wird nach Ermessen entschieden. Sie darf außer in den Fällen der Absätze 5 bis 5b fünf Jahre nicht überschreiten.

(4) Das Einreise- und Aufenthaltsverbot kann zur Wahrung schutzwürdiger Belange des Ausländers oder, soweit es der Zweck des Einreise- und Aufenthaltsverbots nicht mehr erfordert, aufgehoben oder die Frist des Einreise- und Aufenthaltsverbots verkürzt werden. Das Einreise- und Aufenthaltsverbot soll aufgehoben werden, wenn die Voraussetzungen für die Erteilung eines Aufenthaltstitels nach Kapitel 2 Abschnitt 5 vorliegen. Bei der Entscheidung über die Verkürzung der Frist oder die Aufhebung des Einreise- und Aufenthaltsverbots, das zusammen mit einer Ausweisung erlassen wurde, ist zu berücksichtigen, ob der Ausländer seiner Ausreisepflicht innerhalb der ihm gesetzten Ausreisefrist nachgekommen ist, es sei denn, der Ausländer war unverschuldet an der Ausreise gehindert oder die Überschreitung der Ausreisefrist war nicht erheblich. Die Frist des Einreise- und Aufenthaltsverbots kann aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung verlängert werden. Absatz 3 gilt entsprechend.

(5) Die Frist des Einreise- und Aufenthaltsverbots soll zehn Jahre nicht überschreiten, wenn der Ausländer auf Grund einer strafrechtlichen Verurteilung ausgewiesen worden ist oder wenn von ihm eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht. Absatz 4 gilt in diesen Fällen entsprechend.

(5a) Die Frist des Einreise- und Aufenthaltsverbots soll 20 Jahre betragen, wenn der Ausländer wegen eines Verbrechens gegen den Frieden, eines Kriegsverbrechens oder eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit oder zur Abwehr einer Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland oder einer terroristischen Gefahr ausgewiesen wurde. Absatz 4 Satz 4 und 5 gilt in diesen Fällen entsprechend. Eine Verkürzung der Frist oder Aufhebung des Einreise- und Aufenthaltsverbots ist grundsätzlich ausgeschlossen. Die oberste Landesbehörde kann im Einzelfall Ausnahmen hiervon zulassen.

(5b) Wird der Ausländer auf Grund einer Abschiebungsanordnung nach § 58a aus dem Bundesgebiet abgeschoben, soll ein unbefristetes Einreise- und Aufenthaltsverbot erlassen werden. In den Fällen des Absatzes 5a oder wenn der Ausländer wegen eines in § 54 Absatz 1 Nummer 1 genannten Ausweisungsinteresses ausgewiesen worden ist, kann im Einzelfall ein unbefristetes Einreise- und Aufenthaltsverbot erlassen werden. Absatz 5a Satz 3 und 4 gilt entsprechend.

(5c) Die Behörde, die die Ausweisung, die Abschiebungsandrohung oder die Abschiebungsanordnung nach § 58a erlässt, ist auch für den Erlass und die erstmalige Befristung des damit zusammenhängenden Einreise- und Aufenthaltsverbots zuständig.

(6) Gegen einen Ausländer, der seiner Ausreisepflicht nicht innerhalb einer ihm gesetzten Ausreisefrist nachgekommen ist, kann ein Einreise- und Aufenthaltsverbot angeordnet werden, es sei denn, der Ausländer ist unverschuldet an der Ausreise gehindert oder die Überschreitung der Ausreisefrist ist nicht erheblich. Absatz 1 Satz 2, Absatz 2 Satz 3 bis 6, Absatz 3 Satz 1 und Absatz 4 Satz 1, 2 und 4 gelten entsprechend. Das Einreise- und Aufenthaltsverbot ist mit seiner Anordnung nach Satz 1 zu befristen. Bei der ersten Anordnung des Einreise- und Aufenthaltsverbots nach Satz 1 soll die Frist ein Jahr nicht überschreiten. Im Übrigen soll die Frist drei Jahre nicht überschreiten. Ein Einreise- und Aufenthaltsverbot wird nicht angeordnet, wenn Gründe für eine vorübergehende Aussetzung der Abschiebung nach § 60a vorliegen, die der Ausländer nicht verschuldet hat.

(7) Gegen einen Ausländer,

1.
dessen Asylantrag nach § 29a Absatz 1 des Asylgesetzes als offensichtlich unbegründet abgelehnt wurde, dem kein subsidiärer Schutz zuerkannt wurde, das Vorliegen der Voraussetzungen für ein Abschiebungsverbot nach § 60 Absatz 5 oder 7 nicht festgestellt wurde und der keinen Aufenthaltstitel besitzt oder
2.
dessen Antrag nach § 71 oder § 71a des Asylgesetzes wiederholt nicht zur Durchführung eines weiteren Asylverfahrens geführt hat,
kann das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ein Einreise- und Aufenthaltsverbot anordnen. Das Einreise- und Aufenthaltsverbot wird mit Bestandskraft der Entscheidung über den Asylantrag wirksam. Absatz 1 Satz 2, Absatz 2 Satz 3 bis 6, Absatz 3 Satz 1 und Absatz 4 Satz 1, 2 und 4 gelten entsprechend. Das Einreise- und Aufenthaltsverbot ist mit seiner Anordnung nach Satz 1 zu befristen. Bei der ersten Anordnung des Einreise- und Aufenthaltsverbots nach Satz 1 soll die Frist ein Jahr nicht überschreiten. Im Übrigen soll die Frist drei Jahre nicht überschreiten. Über die Aufhebung, Verlängerung oder Verkürzung entscheidet die zuständige Ausländerbehörde.

(8) Vor Ablauf des Einreise- und Aufenthaltsverbots kann dem Ausländer ausnahmsweise erlaubt werden, das Bundesgebiet kurzfristig zu betreten, wenn zwingende Gründe seine Anwesenheit erfordern oder die Versagung der Erlaubnis eine unbillige Härte bedeuten würde. Im Falle der Absätze 5a und 5b ist für die Entscheidung die oberste Landesbehörde zuständig.

(9) Reist ein Ausländer entgegen einem Einreise- und Aufenthaltsverbot in das Bundesgebiet ein, wird der Ablauf einer festgesetzten Frist für die Dauer des Aufenthalts im Bundesgebiet gehemmt. Die Frist kann in diesem Fall verlängert werden, längstens jedoch um die Dauer der ursprünglichen Befristung. Der Ausländer ist auf diese Möglichkeit bei der erstmaligen Befristung hinzuweisen. Für eine nach Satz 2 verlängerte Frist gelten die Absätze 3 und 4 Satz 1 entsprechend.

(1) In Anwendung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (BGBl. 1953 II S. 559) darf ein Ausländer nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem sein Leben oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung bedroht ist. Dies gilt auch für Asylberechtigte und Ausländer, denen die Flüchtlingseigenschaft unanfechtbar zuerkannt wurde oder die aus einem anderen Grund im Bundesgebiet die Rechtsstellung ausländischer Flüchtlinge genießen oder die außerhalb des Bundesgebiets als ausländische Flüchtlinge nach dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge anerkannt sind. Wenn der Ausländer sich auf das Abschiebungsverbot nach diesem Absatz beruft, stellt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge außer in den Fällen des Satzes 2 in einem Asylverfahren fest, ob die Voraussetzungen des Satzes 1 vorliegen und dem Ausländer die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen ist. Die Entscheidung des Bundesamtes kann nur nach den Vorschriften des Asylgesetzes angefochten werden.

(2) Ein Ausländer darf nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem ihm der in § 4 Absatz 1 des Asylgesetzes bezeichnete ernsthafte Schaden droht. Absatz 1 Satz 3 und 4 gilt entsprechend.

(3) Darf ein Ausländer nicht in einen Staat abgeschoben werden, weil dieser Staat den Ausländer wegen einer Straftat sucht und die Gefahr der Verhängung oder der Vollstreckung der Todesstrafe besteht, finden die Vorschriften über die Auslieferung entsprechende Anwendung.

(4) Liegt ein förmliches Auslieferungsersuchen oder ein mit der Ankündigung eines Auslieferungsersuchens verbundenes Festnahmeersuchen eines anderen Staates vor, darf der Ausländer bis zur Entscheidung über die Auslieferung nur mit Zustimmung der Behörde, die nach § 74 des Gesetzes über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen für die Bewilligung der Auslieferung zuständig ist, in diesen Staat abgeschoben werden.

(5) Ein Ausländer darf nicht abgeschoben werden, soweit sich aus der Anwendung der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (BGBl. 1952 II S. 685) ergibt, dass die Abschiebung unzulässig ist.

(6) Die allgemeine Gefahr, dass einem Ausländer in einem anderen Staat Strafverfolgung und Bestrafung drohen können und, soweit sich aus den Absätzen 2 bis 5 nicht etwas anderes ergibt, die konkrete Gefahr einer nach der Rechtsordnung eines anderen Staates gesetzmäßigen Bestrafung stehen der Abschiebung nicht entgegen.

(7) Von der Abschiebung eines Ausländers in einen anderen Staat soll abgesehen werden, wenn dort für diesen Ausländer eine erhebliche konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit besteht. § 60a Absatz 2c Satz 2 und 3 gilt entsprechend. Eine erhebliche konkrete Gefahr aus gesundheitlichen Gründen liegt nur vor bei lebensbedrohlichen oder schwerwiegenden Erkrankungen, die sich durch die Abschiebung wesentlich verschlechtern würden. Es ist nicht erforderlich, dass die medizinische Versorgung im Zielstaat mit der Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland gleichwertig ist. Eine ausreichende medizinische Versorgung liegt in der Regel auch vor, wenn diese nur in einem Teil des Zielstaats gewährleistet ist. Gefahren nach Satz 1, denen die Bevölkerung oder die Bevölkerungsgruppe, der der Ausländer angehört, allgemein ausgesetzt ist, sind bei Anordnungen nach § 60a Abs. 1 Satz 1 zu berücksichtigen.

(8) Absatz 1 findet keine Anwendung, wenn der Ausländer aus schwerwiegenden Gründen als eine Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland anzusehen ist oder eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeutet, weil er wegen eines Verbrechens oder besonders schweren Vergehens rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren verurteilt worden ist. Das Gleiche gilt, wenn der Ausländer die Voraussetzungen des § 3 Abs. 2 des Asylgesetzes erfüllt. Von der Anwendung des Absatzes 1 kann abgesehen werden, wenn der Ausländer eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeutet, weil er wegen einer oder mehrerer vorsätzlicher Straftaten gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit, die sexuelle Selbstbestimmung, das Eigentum oder wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte rechtskräftig zu einer Freiheits- oder Jugendstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt worden ist, sofern die Straftat mit Gewalt, unter Anwendung von Drohung mit Gefahr für Leib oder Leben oder mit List begangen worden ist oder eine Straftat nach § 177 des Strafgesetzbuches ist.

(9) In den Fällen des Absatzes 8 kann einem Ausländer, der einen Asylantrag gestellt hat, abweichend von den Vorschriften des Asylgesetzes die Abschiebung angedroht und diese durchgeführt werden. Die Absätze 2 bis 7 bleiben unberührt.

(10) Soll ein Ausländer abgeschoben werden, bei dem die Voraussetzungen des Absatzes 1 vorliegen, kann nicht davon abgesehen werden, die Abschiebung anzudrohen und eine angemessene Ausreisefrist zu setzen. In der Androhung sind die Staaten zu bezeichnen, in die der Ausländer nicht abgeschoben werden darf.

(11) (weggefallen)

(1) Ein Ausländer ist Flüchtling im Sinne des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (BGBl. 1953 II S. 559, 560), wenn er sich

1.
aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
2.
außerhalb des Landes (Herkunftsland) befindet,
a)
dessen Staatsangehörigkeit er besitzt und dessen Schutz er nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht nicht in Anspruch nehmen will oder
b)
in dem er als Staatenloser seinen vorherigen gewöhnlichen Aufenthalt hatte und in das er nicht zurückkehren kann oder wegen dieser Furcht nicht zurückkehren will.

(2) Ein Ausländer ist nicht Flüchtling nach Absatz 1, wenn aus schwerwiegenden Gründen die Annahme gerechtfertigt ist, dass er

1.
ein Verbrechen gegen den Frieden, ein Kriegsverbrechen oder ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat im Sinne der internationalen Vertragswerke, die ausgearbeitet worden sind, um Bestimmungen bezüglich dieser Verbrechen zu treffen,
2.
vor seiner Aufnahme als Flüchtling eine schwere nichtpolitische Straftat außerhalb des Bundesgebiets begangen hat, insbesondere eine grausame Handlung, auch wenn mit ihr vorgeblich politische Ziele verfolgt wurden, oder
3.
den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen zuwidergehandelt hat.
Satz 1 gilt auch für Ausländer, die andere zu den darin genannten Straftaten oder Handlungen angestiftet oder sich in sonstiger Weise daran beteiligt haben.

(3) Ein Ausländer ist auch nicht Flüchtling nach Absatz 1, wenn er den Schutz oder Beistand einer Organisation oder einer Einrichtung der Vereinten Nationen mit Ausnahme des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge nach Artikel 1 Abschnitt D des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge genießt. Wird ein solcher Schutz oder Beistand nicht länger gewährt, ohne dass die Lage des Betroffenen gemäß den einschlägigen Resolutionen der Generalversammlung der Vereinten Nationen endgültig geklärt worden ist, sind die Absätze 1 und 2 anwendbar.

(4) Einem Ausländer, der Flüchtling nach Absatz 1 ist, wird die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt, es sei denn, er erfüllt die Voraussetzungen des § 60 Abs. 8 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes oder das Bundesamt hat nach § 60 Absatz 8 Satz 3 des Aufenthaltsgesetzes von der Anwendung des § 60 Absatz 1 des Aufenthaltsgesetzes abgesehen.

(1) In Anwendung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (BGBl. 1953 II S. 559) darf ein Ausländer nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem sein Leben oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung bedroht ist. Dies gilt auch für Asylberechtigte und Ausländer, denen die Flüchtlingseigenschaft unanfechtbar zuerkannt wurde oder die aus einem anderen Grund im Bundesgebiet die Rechtsstellung ausländischer Flüchtlinge genießen oder die außerhalb des Bundesgebiets als ausländische Flüchtlinge nach dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge anerkannt sind. Wenn der Ausländer sich auf das Abschiebungsverbot nach diesem Absatz beruft, stellt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge außer in den Fällen des Satzes 2 in einem Asylverfahren fest, ob die Voraussetzungen des Satzes 1 vorliegen und dem Ausländer die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen ist. Die Entscheidung des Bundesamtes kann nur nach den Vorschriften des Asylgesetzes angefochten werden.

(2) Ein Ausländer darf nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem ihm der in § 4 Absatz 1 des Asylgesetzes bezeichnete ernsthafte Schaden droht. Absatz 1 Satz 3 und 4 gilt entsprechend.

(3) Darf ein Ausländer nicht in einen Staat abgeschoben werden, weil dieser Staat den Ausländer wegen einer Straftat sucht und die Gefahr der Verhängung oder der Vollstreckung der Todesstrafe besteht, finden die Vorschriften über die Auslieferung entsprechende Anwendung.

(4) Liegt ein förmliches Auslieferungsersuchen oder ein mit der Ankündigung eines Auslieferungsersuchens verbundenes Festnahmeersuchen eines anderen Staates vor, darf der Ausländer bis zur Entscheidung über die Auslieferung nur mit Zustimmung der Behörde, die nach § 74 des Gesetzes über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen für die Bewilligung der Auslieferung zuständig ist, in diesen Staat abgeschoben werden.

(5) Ein Ausländer darf nicht abgeschoben werden, soweit sich aus der Anwendung der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (BGBl. 1952 II S. 685) ergibt, dass die Abschiebung unzulässig ist.

(6) Die allgemeine Gefahr, dass einem Ausländer in einem anderen Staat Strafverfolgung und Bestrafung drohen können und, soweit sich aus den Absätzen 2 bis 5 nicht etwas anderes ergibt, die konkrete Gefahr einer nach der Rechtsordnung eines anderen Staates gesetzmäßigen Bestrafung stehen der Abschiebung nicht entgegen.

(7) Von der Abschiebung eines Ausländers in einen anderen Staat soll abgesehen werden, wenn dort für diesen Ausländer eine erhebliche konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit besteht. § 60a Absatz 2c Satz 2 und 3 gilt entsprechend. Eine erhebliche konkrete Gefahr aus gesundheitlichen Gründen liegt nur vor bei lebensbedrohlichen oder schwerwiegenden Erkrankungen, die sich durch die Abschiebung wesentlich verschlechtern würden. Es ist nicht erforderlich, dass die medizinische Versorgung im Zielstaat mit der Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland gleichwertig ist. Eine ausreichende medizinische Versorgung liegt in der Regel auch vor, wenn diese nur in einem Teil des Zielstaats gewährleistet ist. Gefahren nach Satz 1, denen die Bevölkerung oder die Bevölkerungsgruppe, der der Ausländer angehört, allgemein ausgesetzt ist, sind bei Anordnungen nach § 60a Abs. 1 Satz 1 zu berücksichtigen.

(8) Absatz 1 findet keine Anwendung, wenn der Ausländer aus schwerwiegenden Gründen als eine Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland anzusehen ist oder eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeutet, weil er wegen eines Verbrechens oder besonders schweren Vergehens rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren verurteilt worden ist. Das Gleiche gilt, wenn der Ausländer die Voraussetzungen des § 3 Abs. 2 des Asylgesetzes erfüllt. Von der Anwendung des Absatzes 1 kann abgesehen werden, wenn der Ausländer eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeutet, weil er wegen einer oder mehrerer vorsätzlicher Straftaten gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit, die sexuelle Selbstbestimmung, das Eigentum oder wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte rechtskräftig zu einer Freiheits- oder Jugendstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt worden ist, sofern die Straftat mit Gewalt, unter Anwendung von Drohung mit Gefahr für Leib oder Leben oder mit List begangen worden ist oder eine Straftat nach § 177 des Strafgesetzbuches ist.

(9) In den Fällen des Absatzes 8 kann einem Ausländer, der einen Asylantrag gestellt hat, abweichend von den Vorschriften des Asylgesetzes die Abschiebung angedroht und diese durchgeführt werden. Die Absätze 2 bis 7 bleiben unberührt.

(10) Soll ein Ausländer abgeschoben werden, bei dem die Voraussetzungen des Absatzes 1 vorliegen, kann nicht davon abgesehen werden, die Abschiebung anzudrohen und eine angemessene Ausreisefrist zu setzen. In der Androhung sind die Staaten zu bezeichnen, in die der Ausländer nicht abgeschoben werden darf.

(11) (weggefallen)

(1) In Anwendung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (BGBl. 1953 II S. 559) darf ein Ausländer nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem sein Leben oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung bedroht ist. Dies gilt auch für Asylberechtigte und Ausländer, denen die Flüchtlingseigenschaft unanfechtbar zuerkannt wurde oder die aus einem anderen Grund im Bundesgebiet die Rechtsstellung ausländischer Flüchtlinge genießen oder die außerhalb des Bundesgebiets als ausländische Flüchtlinge nach dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge anerkannt sind. Wenn der Ausländer sich auf das Abschiebungsverbot nach diesem Absatz beruft, stellt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge außer in den Fällen des Satzes 2 in einem Asylverfahren fest, ob die Voraussetzungen des Satzes 1 vorliegen und dem Ausländer die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen ist. Die Entscheidung des Bundesamtes kann nur nach den Vorschriften des Asylgesetzes angefochten werden.

(2) Ein Ausländer darf nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem ihm der in § 4 Absatz 1 des Asylgesetzes bezeichnete ernsthafte Schaden droht. Absatz 1 Satz 3 und 4 gilt entsprechend.

(3) Darf ein Ausländer nicht in einen Staat abgeschoben werden, weil dieser Staat den Ausländer wegen einer Straftat sucht und die Gefahr der Verhängung oder der Vollstreckung der Todesstrafe besteht, finden die Vorschriften über die Auslieferung entsprechende Anwendung.

(4) Liegt ein förmliches Auslieferungsersuchen oder ein mit der Ankündigung eines Auslieferungsersuchens verbundenes Festnahmeersuchen eines anderen Staates vor, darf der Ausländer bis zur Entscheidung über die Auslieferung nur mit Zustimmung der Behörde, die nach § 74 des Gesetzes über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen für die Bewilligung der Auslieferung zuständig ist, in diesen Staat abgeschoben werden.

(5) Ein Ausländer darf nicht abgeschoben werden, soweit sich aus der Anwendung der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (BGBl. 1952 II S. 685) ergibt, dass die Abschiebung unzulässig ist.

(6) Die allgemeine Gefahr, dass einem Ausländer in einem anderen Staat Strafverfolgung und Bestrafung drohen können und, soweit sich aus den Absätzen 2 bis 5 nicht etwas anderes ergibt, die konkrete Gefahr einer nach der Rechtsordnung eines anderen Staates gesetzmäßigen Bestrafung stehen der Abschiebung nicht entgegen.

(7) Von der Abschiebung eines Ausländers in einen anderen Staat soll abgesehen werden, wenn dort für diesen Ausländer eine erhebliche konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit besteht. § 60a Absatz 2c Satz 2 und 3 gilt entsprechend. Eine erhebliche konkrete Gefahr aus gesundheitlichen Gründen liegt nur vor bei lebensbedrohlichen oder schwerwiegenden Erkrankungen, die sich durch die Abschiebung wesentlich verschlechtern würden. Es ist nicht erforderlich, dass die medizinische Versorgung im Zielstaat mit der Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland gleichwertig ist. Eine ausreichende medizinische Versorgung liegt in der Regel auch vor, wenn diese nur in einem Teil des Zielstaats gewährleistet ist. Gefahren nach Satz 1, denen die Bevölkerung oder die Bevölkerungsgruppe, der der Ausländer angehört, allgemein ausgesetzt ist, sind bei Anordnungen nach § 60a Abs. 1 Satz 1 zu berücksichtigen.

(8) Absatz 1 findet keine Anwendung, wenn der Ausländer aus schwerwiegenden Gründen als eine Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland anzusehen ist oder eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeutet, weil er wegen eines Verbrechens oder besonders schweren Vergehens rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren verurteilt worden ist. Das Gleiche gilt, wenn der Ausländer die Voraussetzungen des § 3 Abs. 2 des Asylgesetzes erfüllt. Von der Anwendung des Absatzes 1 kann abgesehen werden, wenn der Ausländer eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeutet, weil er wegen einer oder mehrerer vorsätzlicher Straftaten gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit, die sexuelle Selbstbestimmung, das Eigentum oder wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte rechtskräftig zu einer Freiheits- oder Jugendstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt worden ist, sofern die Straftat mit Gewalt, unter Anwendung von Drohung mit Gefahr für Leib oder Leben oder mit List begangen worden ist oder eine Straftat nach § 177 des Strafgesetzbuches ist.

(9) In den Fällen des Absatzes 8 kann einem Ausländer, der einen Asylantrag gestellt hat, abweichend von den Vorschriften des Asylgesetzes die Abschiebung angedroht und diese durchgeführt werden. Die Absätze 2 bis 7 bleiben unberührt.

(10) Soll ein Ausländer abgeschoben werden, bei dem die Voraussetzungen des Absatzes 1 vorliegen, kann nicht davon abgesehen werden, die Abschiebung anzudrohen und eine angemessene Ausreisefrist zu setzen. In der Androhung sind die Staaten zu bezeichnen, in die der Ausländer nicht abgeschoben werden darf.

(11) (weggefallen)

(1) In Klageverfahren nach dem Asylgesetz beträgt der Gegenstandswert 5 000 Euro, in Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes 2 500 Euro. Sind mehrere natürliche Personen an demselben Verfahren beteiligt, erhöht sich der Wert für jede weitere Person in Klageverfahren um 1 000 Euro und in Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes um 500 Euro.

(2) Ist der nach Absatz 1 bestimmte Wert nach den besonderen Umständen des Einzelfalls unbillig, kann das Gericht einen höheren oder einen niedrigeren Wert festsetzen.

(1) Soweit der Verwaltungsakt rechtswidrig und der Kläger dadurch in seinen Rechten verletzt ist, hebt das Gericht den Verwaltungsakt und den etwaigen Widerspruchsbescheid auf. Ist der Verwaltungsakt schon vollzogen, so kann das Gericht auf Antrag auch aussprechen, daß und wie die Verwaltungsbehörde die Vollziehung rückgängig zu machen hat. Dieser Ausspruch ist nur zulässig, wenn die Behörde dazu in der Lage und diese Frage spruchreif ist. Hat sich der Verwaltungsakt vorher durch Zurücknahme oder anders erledigt, so spricht das Gericht auf Antrag durch Urteil aus, daß der Verwaltungsakt rechtswidrig gewesen ist, wenn der Kläger ein berechtigtes Interesse an dieser Feststellung hat.

(2) Begehrt der Kläger die Änderung eines Verwaltungsakts, der einen Geldbetrag festsetzt oder eine darauf bezogene Feststellung trifft, kann das Gericht den Betrag in anderer Höhe festsetzen oder die Feststellung durch eine andere ersetzen. Erfordert die Ermittlung des festzusetzenden oder festzustellenden Betrags einen nicht unerheblichen Aufwand, kann das Gericht die Änderung des Verwaltungsakts durch Angabe der zu Unrecht berücksichtigten oder nicht berücksichtigten tatsächlichen oder rechtlichen Verhältnisse so bestimmen, daß die Behörde den Betrag auf Grund der Entscheidung errechnen kann. Die Behörde teilt den Beteiligten das Ergebnis der Neuberechnung unverzüglich formlos mit; nach Rechtskraft der Entscheidung ist der Verwaltungsakt mit dem geänderten Inhalt neu bekanntzugeben.

(3) Hält das Gericht eine weitere Sachaufklärung für erforderlich, kann es, ohne in der Sache selbst zu entscheiden, den Verwaltungsakt und den Widerspruchsbescheid aufheben, soweit nach Art oder Umfang die noch erforderlichen Ermittlungen erheblich sind und die Aufhebung auch unter Berücksichtigung der Belange der Beteiligten sachdienlich ist. Auf Antrag kann das Gericht bis zum Erlaß des neuen Verwaltungsakts eine einstweilige Regelung treffen, insbesondere bestimmen, daß Sicherheiten geleistet werden oder ganz oder zum Teil bestehen bleiben und Leistungen zunächst nicht zurückgewährt werden müssen. Der Beschluß kann jederzeit geändert oder aufgehoben werden. Eine Entscheidung nach Satz 1 kann nur binnen sechs Monaten seit Eingang der Akten der Behörde bei Gericht ergehen.

(4) Kann neben der Aufhebung eines Verwaltungsakts eine Leistung verlangt werden, so ist im gleichen Verfahren auch die Verurteilung zur Leistung zulässig.

(5) Soweit die Ablehnung oder Unterlassung des Verwaltungsakts rechtswidrig und der Kläger dadurch in seinen Rechten verletzt ist, spricht das Gericht die Verpflichtung der Verwaltungsbehörde aus, die beantragte Amtshandlung vorzunehmen, wenn die Sache spruchreif ist. Andernfalls spricht es die Verpflichtung aus, den Kläger unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts zu bescheiden.

(1) Alle bundesrechtlichen Vorschriften in anderen Gesetzen über Einspruchs- oder Beschwerdeverfahren sind durch die Vorschriften dieses Abschnitts ersetzt.

(2) Das gleiche gilt für landesrechtliche Vorschriften über Einspruchs- oder Beschwerdeverfahren als Voraussetzung der verwaltungsgerichtlichen Klage.

(1) Der unterliegende Teil trägt die Kosten des Verfahrens.

(2) Die Kosten eines ohne Erfolg eingelegten Rechtsmittels fallen demjenigen zur Last, der das Rechtsmittel eingelegt hat.

(3) Dem Beigeladenen können Kosten nur auferlegt werden, wenn er Anträge gestellt oder Rechtsmittel eingelegt hat; § 155 Abs. 4 bleibt unberührt.

(4) Die Kosten des erfolgreichen Wiederaufnahmeverfahrens können der Staatskasse auferlegt werden, soweit sie nicht durch das Verschulden eines Beteiligten entstanden sind.

(1) In Anwendung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (BGBl. 1953 II S. 559) darf ein Ausländer nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem sein Leben oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung bedroht ist. Dies gilt auch für Asylberechtigte und Ausländer, denen die Flüchtlingseigenschaft unanfechtbar zuerkannt wurde oder die aus einem anderen Grund im Bundesgebiet die Rechtsstellung ausländischer Flüchtlinge genießen oder die außerhalb des Bundesgebiets als ausländische Flüchtlinge nach dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge anerkannt sind. Wenn der Ausländer sich auf das Abschiebungsverbot nach diesem Absatz beruft, stellt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge außer in den Fällen des Satzes 2 in einem Asylverfahren fest, ob die Voraussetzungen des Satzes 1 vorliegen und dem Ausländer die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen ist. Die Entscheidung des Bundesamtes kann nur nach den Vorschriften des Asylgesetzes angefochten werden.

(2) Ein Ausländer darf nicht in einen Staat abgeschoben werden, in dem ihm der in § 4 Absatz 1 des Asylgesetzes bezeichnete ernsthafte Schaden droht. Absatz 1 Satz 3 und 4 gilt entsprechend.

(3) Darf ein Ausländer nicht in einen Staat abgeschoben werden, weil dieser Staat den Ausländer wegen einer Straftat sucht und die Gefahr der Verhängung oder der Vollstreckung der Todesstrafe besteht, finden die Vorschriften über die Auslieferung entsprechende Anwendung.

(4) Liegt ein förmliches Auslieferungsersuchen oder ein mit der Ankündigung eines Auslieferungsersuchens verbundenes Festnahmeersuchen eines anderen Staates vor, darf der Ausländer bis zur Entscheidung über die Auslieferung nur mit Zustimmung der Behörde, die nach § 74 des Gesetzes über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen für die Bewilligung der Auslieferung zuständig ist, in diesen Staat abgeschoben werden.

(5) Ein Ausländer darf nicht abgeschoben werden, soweit sich aus der Anwendung der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (BGBl. 1952 II S. 685) ergibt, dass die Abschiebung unzulässig ist.

(6) Die allgemeine Gefahr, dass einem Ausländer in einem anderen Staat Strafverfolgung und Bestrafung drohen können und, soweit sich aus den Absätzen 2 bis 5 nicht etwas anderes ergibt, die konkrete Gefahr einer nach der Rechtsordnung eines anderen Staates gesetzmäßigen Bestrafung stehen der Abschiebung nicht entgegen.

(7) Von der Abschiebung eines Ausländers in einen anderen Staat soll abgesehen werden, wenn dort für diesen Ausländer eine erhebliche konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit besteht. § 60a Absatz 2c Satz 2 und 3 gilt entsprechend. Eine erhebliche konkrete Gefahr aus gesundheitlichen Gründen liegt nur vor bei lebensbedrohlichen oder schwerwiegenden Erkrankungen, die sich durch die Abschiebung wesentlich verschlechtern würden. Es ist nicht erforderlich, dass die medizinische Versorgung im Zielstaat mit der Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland gleichwertig ist. Eine ausreichende medizinische Versorgung liegt in der Regel auch vor, wenn diese nur in einem Teil des Zielstaats gewährleistet ist. Gefahren nach Satz 1, denen die Bevölkerung oder die Bevölkerungsgruppe, der der Ausländer angehört, allgemein ausgesetzt ist, sind bei Anordnungen nach § 60a Abs. 1 Satz 1 zu berücksichtigen.

(8) Absatz 1 findet keine Anwendung, wenn der Ausländer aus schwerwiegenden Gründen als eine Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland anzusehen ist oder eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeutet, weil er wegen eines Verbrechens oder besonders schweren Vergehens rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren verurteilt worden ist. Das Gleiche gilt, wenn der Ausländer die Voraussetzungen des § 3 Abs. 2 des Asylgesetzes erfüllt. Von der Anwendung des Absatzes 1 kann abgesehen werden, wenn der Ausländer eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeutet, weil er wegen einer oder mehrerer vorsätzlicher Straftaten gegen das Leben, die körperliche Unversehrtheit, die sexuelle Selbstbestimmung, das Eigentum oder wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte rechtskräftig zu einer Freiheits- oder Jugendstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt worden ist, sofern die Straftat mit Gewalt, unter Anwendung von Drohung mit Gefahr für Leib oder Leben oder mit List begangen worden ist oder eine Straftat nach § 177 des Strafgesetzbuches ist.

(9) In den Fällen des Absatzes 8 kann einem Ausländer, der einen Asylantrag gestellt hat, abweichend von den Vorschriften des Asylgesetzes die Abschiebung angedroht und diese durchgeführt werden. Die Absätze 2 bis 7 bleiben unberührt.

(10) Soll ein Ausländer abgeschoben werden, bei dem die Voraussetzungen des Absatzes 1 vorliegen, kann nicht davon abgesehen werden, die Abschiebung anzudrohen und eine angemessene Ausreisefrist zu setzen. In der Androhung sind die Staaten zu bezeichnen, in die der Ausländer nicht abgeschoben werden darf.

(11) (weggefallen)