Verwaltungsgericht Freiburg Urteil, 27. Nov. 2015 - 4 K 80/14

27.11.2015

Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Klägerin trägt die Kosten des Verfahrens mit Ausnahme der außergerichtlichen Kosten des Beigeladenen, die dieser selbst trägt.

Tatbestand

 
Die Klägerin begehrt die Aufhebung einer dem Beigeladenen erteilten Baugenehmigung zur Errichtung eines Leistungszentrums für Fußballnachwuchs.
Die Klägerin ist Eigentümerin des Grundstückstücks Flst.-Nr. … der Gemarkung … (… Straße …), das mit einem Geschäftshaus (im weiteren Sinn) und mehreren (fünf) Neben- bzw. Betriebsgebäuden bebaut ist. Das östlich an dieses Grundstück angrenzende mit einem Wohnhaus bebaute Grundstück Flst.-Nr. … (… Straße …) gehört der Klägerin nicht. Auch das südlich angrenzende Grundstück Flst.-Nr. … (… Straße …), auf dem sich eine Gaststätte (… bzw. …) und zwei Gebäude befinden, die dem angrenzenden Campingplatz zugeordnet sind, gehört der Klägerin nicht. Die Grundstücke Flst-Nrn. … und … stehen im Eigentum der Beklagten; die nördlichen Bereiche dieser beiden Grundstücke sind an die Klägerin verpachtet. Zur Situation des Grundstücks der Klägerin und der Nachbargrundstücke wird auf den nachfolgenden Grundstückplan verwiesen:
Auf dem ihr gehörenden Grundstück Flst.-Nr. … und den gepachteten Flächen der Grundstücke Flst.-Nrn. … und … betreibt die Klägerin ein (von ihr) so genanntes (Wald-)Kurbad mit verschiedenen Saunaanlagen, Räumen für Massagen, Physiotherapie und Körperpflege und einer Liegewiese; außerdem befindet sich in dem Gebäude auf dem Grundstück Flst.-Nr. … ein Beherbergungsbetrieb der Klägerin („Hostel“) mit ca. 29 Übernachtungsmöglichkeiten (so die Angaben der Klägerin im abgeschlossenen Verfahren 4 K 1915/12).
Unmittelbar nördlich an das Betriebsgelände der Klägerin grenzen die von dem Beigeladenen als Sportflächen genutzten Grundstücke Flst.-Nrn. …, …, …, …, …, …, …, … und … . Siehe hierzu den von dem Beigeladenen zusammen mit seinem Bauantrag im Baugenehmigungsverfahren vorgelegten Lageplan:
Diese Flächen werden schon seit Jahrzehnten für die Ausübung des Fußballsports genutzt. Auf der Fläche des heutigen Grundstücks mit der Flst.-Nr. … wurde im Jahr 1922 das …-Stadion, ein Fußballstadion für mehrere tausend Zuschauer, errichtet. Südlich davon, auf den heute als Flst.-Nrn. … und … bezeichneten Flächen, befanden sich schon damals (1922) zwei Sportplätze sowie westlich des Stadions zunächst drei, später (nach 1928) fünf Tennisplätze. Das Stadion und die (zwei) südlich davon gelegenen Sportplätze wurden in den 1920er Jahren von zahlreichen Fußball-, Handball- und Hockeymannschaften sowie Leichtathletik- und Turnriegen des … Fußballclub (…) und außerhalb des Trainings der verschiedenen Abteilungen des … von … Schulen und anderen Sportvereinen genutzt. In den Jahren 1953 und 1954 wurde das …-Stadion mit einem Fassungsvermögen von ca. 23.000 Zuschauern ausgebaut. Nach den Lageplänen eines Baugesuchs für verschiedene bauliche Anlagen im Stadionbereich, die mit Bescheid der Beklagten vom 02.10.1954 baupolizeilich genehmigt wurden, existierten damals außer dem …-Stadion noch drei weitere etwa gleich (große zwei als Übungsplätze und einen als Handballplatz) bezeichnete Sportplätze. Auf der Fläche des Betriebsgrundstücks der Klägerin befand sich bis Anfang der 1970er Jahre eine Rollschuh- und Eisbahn mit Vereinshaus. Auf dem südlich angrenzenden Grundstück Flst.-Nr. … befanden sich bis dahin ein Gasthaus („…“) und eine Schreinerei. Auf der Grundlage einer Baugenehmigung aus dem Jahr 1975 fanden auf dem Betriebsgrundstück der Klägerin zahlreichen Umbauten und eine Änderung der Nutzung dieses Grundstücks als Kurbad statt. Zur damaligen Situation wird auf den nachfolgenden Plan aus dem Jahr 1954 verwiesen:
Später, im Jahr 1970, wurde der östliche dieser drei Plätze als Rasensportplatz in den Maßen 70 m x 105 m, statt in Nord-Süd-Richtung in Ost-West-Richtung ausgebaut. In 1980er Jahren erfolgte u. a. der Umbau des westlichsten der drei Sportplätze zu einem Hartplatz. Die Lage der Plätze entspricht seither (bis heute) weitgehend der aktuellen Situation, wie sie aus dem nachfolgenden Luftbild ersichtlich ist:
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Für das Gebiet südlich der Bahnstrecke … - …, das heißt u. a. für alle von der Klägerin und dem Beigeladenen genutzten Grundstücke, existiert kein Bebauungsplan. Westlich an das vom Beigeladenen genutzte Sportgelände und das Betriebsgrundstück der Klägerin schließt sich der …-Park, ein bewaldeter Stadtpark, an. Zwischen diesem Park und dem Gelände der Klägerin und des Beigeladenen verläuft eine asphaltierte Straße. Auf der Südseite des Campingplatzgeländes verläuft die … Straße, auf deren Südseite sich einige weitere Gebäude befinden. Ansonsten schließt sich auf der Südseite der … Straße ein großes Waldgebiet an. Auf der Ostseite grenzt das Sportgelände des Beigeladenen an ein Kleingartengelände sowie, durch die … Straße davon getrennt, an einige als Flüchtlingsunterkunft genutzte Gebäude und den Friedhof … . Auf der Nordseite wird das gesamte Areal begrenzt durch die eingleisige Bahnstrecke … - … und dahinter die vierspurige, in diesem Bereich abgesenkte Bundesstraße … . Siehe nachfolgendes Luftbild:
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Am 05.06.2000 stellte der Beigeladene bei der Beklagten einen Bauantrag für den Neubau eines Leistungszentrums mit Internatsbetrieb für den Fußballnachwuchs im …-Stadion. Im Wesentlichen sieht dieser Bauantrag vor, die Zuschauertribüne an der Südseite des …-Stadions umzubauen und nach Süden hin um einen zweigeschossigen Anbau für ein Fußballinternat mit Wohnappartements und verschiedenen Funktionsräumen zu erweitern. Die Besucherzahlen für das Stadion sollten (von bisher 23.000) auf weniger als 8.000 reduziert werden. Nach dem dem Bauantrag beigefügten Lageplan soll das Hauptspielfeld im Stadion (Platz 1) eine Rasenheizung und von den Nebenplätzen (Plätze 2 bis 4) die Plätze 2 und 3 jeweils einen neuen Belag erhalten. Der westlichste der drei Plätze, der auf dem Grundstück Flst.-Nr. … angelegte Platz 2, soll einen Kunstrasen bekommen, der östlich angrenzende Platz 3 auf dem Grundstück Flst.-Nr. … , der mittlere der drei Plätze, soll als Tennenplatz, das heißt als Platz mit einer Granulatoberfläche (Hartplatz), angelegt werden; Platz 4 auf dem Grundstück Flst.-Nr. … soll weiterhin als Rasenplatz erhalten bleiben.
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Mit Schreiben vom 13.06.2000 erläuterte der Beigeladene das Betriebskonzept für das beantragte Vorhaben. Danach sei ein Internat mit 16 Schlafplätzen vorgesehen. In den Ferien sei eine Belegung für Ferienmaßnahmen des … Fußballverbands möglich. Außerdem komme eine Belegung durch Sportler des … in Betracht. Die Spiele und das Training aller Nachwuchsmannschaften mit Ausnahme der Damen- und Mädchenmannschaften fänden im …-Stadion statt. Die bestehende Gastronomie bleibe erhalten. Zur medizinischen Versorgung sei ein ca. 300 m2 großes Therapiezentrum geplant.
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Mit Schreiben vom 05.07.2000 ergänzte der Beigeladene sein Betriebskonzept und führte aus: Auch von dem …, der das Gelände früher genutzt habe, sei das …-Stadion regelmäßig täglich von 15:30 Uhr bis 20:30 Uhr genutzt worden. An diesen Zeiten werde man sich weiterhin orientieren. Über Ort und Zeit von Spitzenspielen könne man keine Aussagen treffen, weil man keinen Einfluss darauf habe. Ein ggf. stattfindendes internationales Jugendturnier würde an einem Wochenende durchgeführt werden. Eine Zunahme der Jugendmannschaften wäre nur in den Altersklassen von sechs bis zehn Jahren möglich; die daraus folgende Zunahme führte dazu, dass die Anzahl der Mannschaften der des … entspreche. Wenn mehr als 16 Schlafplätze benötigt würden, werde der Mehrbedarf im Hotelbetrieb eines anderes Sportvereins gedeckt. Wenn eine Erweiterung erwogen werde, betreffe das in erster Linie den Internatsbereich. Das Therapiezentrum diene in den nächsten zwei Jahren allein der Betreuung der vereinseigenen Sportler. Eine Erweiterung in diesem Bereich hänge von einer Zulassung durch die Berufsgenossenschaft ab.
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Mit einem am 21.06.2000 bei der Beklagten eingegangenen Schreiben vom 20.06.2000 machte die Klägerin Einwendungen gegen das von dem Beigeladenen beantragte Bauvorhaben geltend. Zur Begründung trug sie im Wesentlichen vor: Sie habe in den Jahren von 1977 bis 1999 ihren Betrieb schrittweise entwickelt und ausgebaut. Ihr Betrieb habe ein großes Ruhebedürfnis. Von der Lärmbelastung, die vor allem von Platz 3 ausgehe, seien vor allem die Anlagen im Garten sowie der Dampfbadetempel, die Erdsauna, der Ruheraum und der Seminarbereich im Dachgeschoss betroffen. Es sei zu befürchten, dass der Lärm existenzbedrohend sei und auch Unternehmen, wie die Krankengymnastikpraxis, betreffe, die Räumlichkeit auf dem Gelände des Waldkurbads angemietet hätten. Der Bauantrag beinhalte lediglich Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Ausbau des bestehenden Tribünengebäudes. Von dort seien bei bestimmungsgemäßer Nutzung keine nennenswerten Lärmimmissionen zu erwarten. Der Bauantrag gehe jedoch nicht auf die Intensivnutzung der Plätze 2 und 3 ein. Diese Veränderungen kämen einer Neuanlage dieser Plätze gleich. Dadurch erfahre das Sportgelände im Grunde eine Nutzungsänderung. Das Gelände werde fortan nicht mehr als Übungsplatz für vereinseigene Sportler genutzt, sondern für Zwecke der überregionalen Rekrutierung des Profifußball-Nachwuchses. Darin liege eine Funktionsänderung des gesamten Geländes, das keinen sportlichen Zwecken mehr diene, sondern der Auslese und Kaderschmiede und damit der Gewinnerzielung. Diese Umwidmung verletze das Gebot der nachbarlichen Rücksichtnahme. Lärmschutzeinrichtungen seien nicht vorgesehen. Es sei mit einer Ausnutzung der Kapazitäten während des ganzen Jahres und rund um die Uhr zu rechnen. Das werde auch eine hohe Kfz-Frequenz zur Folge haben. Die Lärmbelastung sei nach der Sportanlagen-Lärmschutzverordnung zu beurteilen. Gerade wegen des besonderen Ruhebedürfnisses des Waldkurbads wirkten sich die Impulshaltigkeit und der Informationsgehalt des zu erwartenden Lärms besonders störend aus. Dadurch werde ihr Eigentum schwer und unerträglich beeinträchtigt.
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Mit Beschluss vom 11.07.2000 sprach der Gemeinderat der Beklagten sein Einvernehmen mit dem beantragten Vorhaben aus.
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Mit Bescheid vom 26.07.2000 erteilte die Beklagte dem Beigeladenen die von ihm beantragte Baugenehmigung für den Neubau eines Leistungszentrums für Fußballnachwuchs im …-Stadion. In Nr. 0.0.22 aF der Nebenbestimmungen ist ausgeführt, dass die Genehmigung auf der Grundlage des Betriebskonzepts des Beigeladenen vom 13.06.2000, ergänzt durch Schreiben vom 05.07.2000, erteilt werde. Abweichungen hiervon, z. B. ein weitergehender Spiel- und Trainingsbetrieb oder eine bauliche Erweiterung, bedürften einer baurechtlichen Überprüfung. Nach Nebenbestimmung Nr. 0.0.27 sei u. a. die Sportanlagen-Lärmschutzverordnung zu beachten. Nach Nebenbestimmung Nr. 0.0.30 befinde sich das Bauvorhaben im Außenbereich; für die immissionsschutzrechtliche Bewertung sei von einem Sondergebiet für Sportanlagen nach § 10 BauNVO auszugehen. Der Bereich der Klägerin und des angrenzenden Campingplatzes sei als Mischgebiet einzustufen. Nach Nebenbestimmung Nr. 09.11F werde die Baugenehmigung unter der Bedingung erteilt, dass die Einhaltung der baurechtlich zulässigen Lärmschutzwerte vor Erteilung der Baufreigabe durch ein Lärmimmissions-Gutachten unter Berücksichtigung der Nachbareinwendungen nachgewiesen werde; weitere Auflagen zur Sicherstellung des Lärmimmissionsschutzes blieben vorbehalten. In den Gründen der Baugenehmigung wies die Beklagte die Einwendungen der Klägerin im Wesentlichen mit folgender Begründung zurück: Das …-Stadion liege im Außenbereich. Im Flächennutzungsplan sei das Gelände als öffentliche Grünfläche mit der Spezifizierung Sportanlage ausgewiesen. Im Zuge der Genehmigung der Kleingartenanlage … sei das …-Stadion weitgehend aus dem Landschaftsschutzgebiet … herausgenommen worden. Lediglich ein kleiner Streifen an der Westseite des Stadiongeländes befinde sich noch im Landschaftsschutzgebiet und werde von den Baumaßnahmen (Kassenhäuschen) geringfügig tangiert. Das bisher genehmigte …-Stadion sei bauplanungsrechtlich gemäß § 35 Abs. 1 Nr. 4 BauGB wegen seiner besonderen Zweckbestimmung und Größe als privilegiertes Vorhaben im Außenbereich zulässig. Dies gelte für das genehmigte Vorhaben in gleicher Weise. Die baulichen Anlagen würden nur unwesentlich erweitert und die Zuschauerkapazität werde gegenüber der Baugenehmigung aus dem Jahr 1954 von 23.006 auf 7.854 reduziert. Nach dem Betriebskonzept des Beigeladenen solle das Stadion künftig durch die Nachwuchsmannschaften und die Amateurmannschaft genutzt werden. Bei Spitzenspielen werde mit 700 bis 800 Zuschauern gerechnet. Darüber hinaus seien Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem … Fußballverband und dem … vorgesehen. Gegenüber dem genehmigten Bestand sei eine weitaus geringere Maximalauslastung bzw. Frequentierung der Sportanlage geplant. Die bisherige Sportanlage sei nach der erteilten Baugenehmigung hinsichtlich der Nutzungsintensität nicht beschränkt gewesen. Sämtliche Sportanlagen seien lange vor Inbetriebnahme der Einrichtungen der Klägerin errichtet worden und würden seit ihrer Genehmigung bis heute regelmäßig für Sportveranstaltungen genutzt. Auch wenn man das Vorhaben nicht als privilegiertes Außenbereichsvorhaben ansähe, wäre es bauplanungsrechtlich zulässig, da öffentliche Belange nicht beeinträchtigt würden. Es liege auch kein Verstoß gegen das Gebot der Rücksichtnahme oder gegen Eigentumsrechte der Klägerin vor. Denn die geplanten Maßnahmen sähen lediglich eine dem heutigen Stand der Förderung des sportlichen Nachwuchses angemessene Verbesserung der Sportanlagen vor. Gegenüber der bisher genehmigten Nutzung träten keine weitergehenden unzumutbaren Belästigungen auf. Außerdem werde dem Gebot der Rücksichtnahme durch die Nebenbestimmungen zur Baugenehmigung Rechnung getragen.
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Nach einem schalltechnischen Gutachten Nr. .../726 des Ingenieurbüros für … vom 28.08.2000 komme es nach Maßgabe der Sportanlagen-Lärmschutzverordnung innerhalb der Ruhezeiten am Gebäude der Klägerin auf dem Grundstück Flst.-Nr. … (… Straße …) dann zu einer Überschreitung der für ein Mischgebiet zulässigen Immissionsrichtwerte von 55 dB(A) um 3 dB(A), wenn in diesen Ruhezeiten alle drei Spielfelder (Plätze 2, 3 und 4) durchgehend von Fußballspielern und einem Trainer genutzt würden und auf jedem Platz außerdem durchschnittlich 10 Zuschauer anwesend seien. Außerhalb der Ruhezeiten würden die Immissionsrichtwerte für ein Mischgebiet von 60 dB(A) dagegen auch unter den zuvor genannten Bedingungen um 5 dB(A) unterschritten. Bei Punktspielen im …-Stadion würden die Lärmrichtwerte dann, wenn sie als seltene Ereignisse an weniger als an 18 Kalendertagen im Jahr stattfänden, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Ruhezeiten eingehalten. Als Lösung für die Immissionsrichtwertüberschreitung in den Ruhezeiten schlug der Sachverständige vor, die Nutzung des Platzes 3 in der Zeit zwischen 20:00 Uhr und 22:00 Uhr zu unterlassen oder alle drei Plätze maximal bis 20:45 Uhr zu nutzen.
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Mit Bescheid vom 11.10.2000 ergänzte die Beklagte die Baugenehmigung vom 26.07.2000 um zahlreiche weitere Nebenbestimmungen, die u. a. speziell die Nutzung der Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 betreffen und die Einhaltung der Immissionsrichtwerte gewährleisten sollen.
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Sowohl gegen die Baugenehmigung vom 26.07.2000 als auch gegen den Bescheid vom 11.10.2000 erhob die Klägerin jeweils rechtzeitig Widerspruch. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus: Die für ihren Betrieb genutzten Flächen seien nicht als Mischgebiet anzusehen, da die Nutzung dort viel lärmempfindlicher sei als mischgebietstypische Nutzungen. Die Nutzung ihres Kurbads, zu dem ganz wesentlich die Freiflächen gehörten, entspreche einer reinen Wohnnutzung. Das Rücksichtnahmegebot erfordere deshalb eine Schonung ihres Grundstücks vor Lärmbeeinträchtigungen. Daraus folge die Rechtswidrigkeit der Nebenbestimmungen zur Baugenehmigung. Diese müssten das Ruhebedürfnis eines reinen Wohngebiets gewährleisten. Bestandsschutz komme den Trainingsplätzen auf dem Areal des Beigeladenen nicht zu, weil die genehmigte Nutzung im Rahmen eines Sportinternats baurechtlich eine ganz andere Nutzung darstelle als die frühere Nutzung.
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Mit Schreiben vom 30.01.2002 beantragte die Klägerin das Ruhen des Widerspruchsverfahrens. In den folgenden Jahren erhob die Klägerin zahllose Beschwerden wegen Lärmbeeinträchtigungen auf den Plätzen 2, 3 und 4. Mit Schreiben vom 10.01.2008 bat sie, das ruhende Widerspruchsverfahren wieder aufzunehmen.
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Mit Schreiben vom 21.05.2008 gab die Beklagte bekannt, dass der als Hartplatz angelegte Platz 3 (wieder) in einen Rasenplatz umgewandelt werde. Da diese Maßnahme baurechtlich verfahrensfrei sei, sei eine vorherige Benachrichtigung der Angrenzer unterblieben.
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Bereits mit Schreiben vom 26.10.2007 wandte sich die Klägerin wegen Lärmbeeinträchtigungen durch den Trainingsbetrieb auf dem Gelände des Beigeladenen mit einer Petition an den Landtag von Baden-Württemberg. Im Rahmen dieser Petition mit dem Az. 14/01811 beauftragte das Ministerium für Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) mit der Ermittlung der von der Nutzung der Sporteinrichtungen auf dem Gelände des …-Stadions auf das Grundstück der Klägerin einwirkenden Geräuschimmissionen. Zu diesem Zweck nahm die LUBW an vier Tagen, am 22.11.2008, am 03.04.2009, am 17.04.2009 und am 18.04.2009, Messungen von Geräuschen durch Sportausübungen vor. Am 04.12.2008 fand darüber hinaus eine Messung der Geräusche durch Maschinen zur Pflege der Grünflächen (Rasenmäher, Laubbläser und dgl.) statt. Als Immissionsorte wurden in Abstimmung mit den drei Prozessbeteiligten u. a. zwei Orte auf dem Betriebsgelände der Klägerin ausgewählt, einer am Fenster des Seminarraums auf der Nordseite im Dachgeschoss des Hauses auf dem Grundstück Flst.-Nr. … (… Straße …) und ein weiterer auf der Nordseite eines Therapie- und Anwendungsgebäudes auf diesem Grundstück. Die Messungen erfolgten und wurden bewertet auf der Grundlage der Sportanlagen-Lärmschutzverordnung. Im Messbericht der LUBW vom 31.08.2010 „Geräuscheinwirkungen der … Fußballschule auf die Nachbarschaft im Rahmen der Petition 14/1811“ wurde als Ergebnis der Messungen der Geräuscheinwirkungen durch den Sportbetrieb an den vier Messtagen festgestellt, dass die Immissionsrichtwerte bei beiden Immissionspunkten im Wesentlichen nur innerhalb der Ruhezeiten und in den Nachtzeiten überschritten würden. Die Petition wurde nach ausführlicher Darstellung des Sach- und Streitstands durch Beschluss des Petitionsausschusses des Landtags von Baden-Württemberg vom 11.07.2012 beendet. Der Beschluss lautet (LT-Drs. 15/2396): „Die Stadt (die Beklagte) wird gebeten, die Einhaltung der Nutzungen, wie Trainings-, Spielbetrieb, Jugendturniere in angemessener Weise zu überprüfen. Darüber hinaus kann der Petition nicht abgeholfen werden.“
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Mit Bescheid vom 04.04.2013 erließ die Beklagte gegenüber dem Beigeladenen eine weitere Ergänzung bzw. Neufassung der Nebenbestimmungen zur Baugenehmigung vom 26.07.2000, die gegenüber dem Ergänzungsbescheid vom 11.10.2000 noch differenziertere Vorgaben für die Nutzung sämtlicher Sportplätze auf dem Areal des Beigeladenen, insbesondere der Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4, zum Inhalt haben und die Einhaltung der Immissionsrichtwerte gewährleisten sollen.
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Gegen den Bescheid der Beklagten vom 04.04.2013 erhob die Klägerin rechtzeitig Widerspruch. Über die Widersprüche der Klägerin und des Beigeladenen ist bis heute nicht entschieden worden.
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Am 15.01.2014 hat die Klägerin Klage erhoben. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus: Sie, die Klägerin, betreibe seit 1977, früher unter der Firmierung … ein Kurbad mit Saunen, Erholungsfreiflächen, außenliegendem Kaltbad und medizinischem Badebetrieb nebst Physiotherapie. Die Gäste ihres Kurbads benötigten Ruhe und Erholung. Dies sei bis zur Übernahme des Sportgeländes in dem nördlich an ihr Betriebsgrundstück angrenzenden Areal durch den Beigeladenen gewährleistet gewesen. Die frühere Nutzung durch den … habe ihren Betrieb nicht beeinträchtigt, da das Sportareal nur in geringem Umfang genutzt worden sei. Das habe sich geändert aufgrund des Spiel- und Trainingsbetriebs nach Erteilung der angefochtenen Baugenehmigung, deren Nebenbestimmungen in den Ergänzungsbescheiden vom 11.10.2000 und vom 04.04.2013 unzureichend seien. Denn die Beklagte gehe fälschlicherweise davon aus, dass die Lärmgrenzwerte für ein Mischgebiet einzuhalten seien. Das entspreche jedoch nicht der vorhandenen Bebauung und Nutzung. Sowohl ihr Waldkurbad als auch der benachbarte Campingplatz seien sehr störanfällig und insoweit einer reinen Wohnnutzung gleichzustellen. In beiden Betrieben stünden die Erholung und Rekonvaleszenz im Vordergrund. Dem Gebot der Rücksichtnahme könne nur dadurch genügt werden, dass durch geeignete Maßnahmen sichergestellt werde, dass die höchstzulässigen Lärmgrenzwerte für Wohnnutzung eingehalten würden. Das sei durch die unmittelbar an ihr Betriebsgrundstück angrenzenden Trainingsplätze 2 bis 4 auf dem Sportgelände des Beigeladenen nicht gewährleistet. Für die Nutzung dieser Trainingsplätze könne kein Bestandsschutz beansprucht werden. Denn die frühere Nutzung sei eine grundlegend andere gewesen. Die Modernisierung des Gebäudes auf Platz 1 und auch das Internat der Sportschule des Beigeladenen stellten nicht das Problem dar, dieses liege vielmehr darin, dass die Trainingsplätze 2 bis 4 intensiver genutzt würden als früher. Es gehe heute nicht, wie früher, um das eine Spiel, sondern um den Dauerbetrieb von morgens bis abends. Insoweit bestehe ein Nutzungskonflikt zwischen ihrem Betrieb und den Anlagen des Beigeladenen. Auf zeitliche Festlegungen der Nutzung dieser Plätze, wie sie von ihr vorgeschlagen worden seien, habe sich der Beigeladene nicht eingelassen. Die Ruhestörungen und Lärmbelästigungen beträfen insbesondere auch Kasernenhofkommandos, die Verwendung ordinärer Begriffe, das Anbrüllen von Spielern und Trainern, lärmintensive Pflege- und Instandhaltungsmaßnahmen durch Maschinen, Lärm durch Fußbälle, die gegen Zäune oder eine Betonwand geschossen würden, usw. Diese Störungen der Gäste ihres Kurbad seien vielfach gerügt worden. Dennoch seien keine Verbesserungen eingetreten. Im Jahr 2005 sei der Trainingsplatz 4 mit neuen Flutlichtmasten bestückt worden. Auch dagegen habe sie Widerspruch erhoben. Die Beklagte habe jedoch erwidert, dass diese Maßnahme verfahrensfrei sei und insoweit kein Handlungsbedarf bestehe. Die von der Beklagten als Nebenbestimmungen zur Baugenehmigung erlassenen Auflagen würden von dem Beigeladenen nicht eingehalten. Nachdem über ihren seit Jahren anhängigen Widerspruch trotz Wiederaufgreifen des zwischenzeitlich ruhenden Verfahrens nicht entschieden worden und ihrem Anliegen auch ansonsten nicht Rechnung getragen worden sei, sei nun Klage geboten. Die Klage sei als Untätigkeitsklage zulässig und begründet. Das Bauplanungs- und Bauordnungsrecht gewähre einem Nachbarn umfassenden Drittschutz auch gegenüber Außenanlagen baulicher Anlagen und deren Nutzung, soweit sie nicht nachbarschaftsverträglich sei. Die Nutzung der Trainingsplätze 2 bis 4 sei somit rechtswidrig, indem sie gegen das Rücksichtnahmegebot in § 15 BauNVO verstoße. Die Unzumutbarkeit ergebe sich aus der Sportanlagen-Lärmschutzverordnung. Die Interessen des Beigeladenen und die ihres Waldkurbads seien miteinander unvereinbar. Der Interessenkonflikt sei auch nicht durch Auflagen korrigierbar. Daher sei die Baugenehmigung rechtswidrig und verletze sie in ihren Rechten. Soweit die Beklagte die frühere Rollschuh- und Eisbahn erwähne, sei klarzustellen, dass diese nur bis in die 1950er Jahre betrieben worden sei. Im April 1960 sei auf dieser Fläche ein Minigolfplatz mit Boccia-Bahnen eröffnet worden. Die Nutzung durch den … sei eine ganz andere gewesen als jetzt. Außer für Ligaspiele seien die Plätze nur für Laienfußball genutzt worden. Das Vorhaben eines überregionalen Leistungszentrums für Fußballnachwuchs des Beigeladenen sei weder vom Umfang noch von der Betriebsweise her mit einem lokalen Fußballverein wie früher vergleichbar. Insbesondere das Stadion sei vom … nur in einer überschaubaren Anzahl von Großereignissen im Jahr genutzt worden. Insgesamt handle es sich um eine Umwidmung der Gesamtanlage zu ganz anderen überregionalen Zwecken. Der Messbericht der LUBW, auf den die Beklagte abstelle, leide daran, dass keine langfristigen Daten erhoben worden seien, sondern nur punktuelle Erhebungen stattgefunden hätten. Diese ergäben kein realistisches Gesamtbild des Betriebs auf dem Gelände des Beigeladenen. Die Nebenbestimmungen und Auflagen zur Baugenehmigung stünden nur auf dem Papier. Sie seien weder kontrollierbar noch würden sie eingehalten. Das von ihr betriebene Kurbad stehe im Einklang mit der Entwicklung der Gesamtumgebung als Naherholungsgebiet. Daraus ergebe sich für sie ein planungssichernder Anspruch darauf, dass die Beklagte erhebliche Verschlechterungen des Gebiets unterbinde.
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Die Klägerin beantragt,
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die dem Beigeladenen mit Bescheid der Beklagten vom 26.07.2000 erteilte Baugenehmigung in der Fassung der Ergänzungsbescheide der Beklagten vom 11.10.2000 und vom 04.04.2013 aufzuheben.
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Die Beklagte beantragt,
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die Klage abzuweisen.
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Zur Begründung führt die Beklagte im Wesentlichen aus: Die Klage sei unbegründet. Denn das Vorhabengrundstück und das Grundstück des Kurbads lägen im Außenbereich. Dort könne Drittschutz nur über das Gebot der Rücksichtnahme beansprucht werden. Die dem Beigeladenen erteilte Baugenehmigung verstoße nicht gegen dieses Gebot der Rücksichtnahme, insbesondere rufe das Vorhaben in dem von der Baugenehmigung vorgezeichneten Nutzungsrahmen keine schädlichen Umwelteinwirkungen hervor. Als schädliche Umwelteinwirkungen kämen grundsätzlich nur die von der Sportanlage ausgehenden Lärmimmissionen in Betracht. Die Anforderungen an die Vermeidung erheblicher Nachteile oder Belästigungen für die Nachbarschaft würden bei der Errichtung und dem Betrieb von Sportanlagen in Bezug auf den Lärmschutz verbindlich durch die Sportanlagen-Lärmschutzverordnung konkretisiert. Eine gesteigerte Duldungspflicht eines der Sportstätte benachbarten Vorhabens könne sich u. a. daraus ergeben, dass der Sportbetrieb schon lange vor dem Nachbarvorhaben existiert und eine rechtliche oder zumindest faktische Vorbelastung bestanden habe. Den Maßstab für die Beurteilung der Zumutbarkeit bildeten hier die Immissionsrichtwerte für Mischgebiete, da die Schutzbedürftigkeit des Gebiets im konkreten Fall der von Anlagen im Mischgebiet entspreche. Diese Werte würden eingehalten. In der Rechtsprechung werde in Bezug auf die Außenbereichslage regelmäßig ein Schutzniveau zugrunde gelegt, das einem Dorf- oder Mischgebiet entspreche. Das gelte dementsprechend auch für das von der Klägerin betriebene Kurbad. Es lägen keine besonderen Umstände vor, die hier eine erhöhte Schutzbedürftigkeit rechtfertigten. Abgesehen davon sei das Waldkurbad von Beginn an einer Vorbelastung durch das deutlich früher errichtete …-Stadion ausgesetzt gewesen. Dieses Stadion existiere mit seinem Hauptplatz und seinen drei weiteren Sportplätzen durchgängig seit den 1920er Jahren, ursprünglich sogar mit einem Fassungsvermögen von ca. 23.000 Zuschauern. Die Inbetriebnahme des Kurbads der Klägerin liege dementsprechend ca. 50 Jahre später. Vorher habe sich an dieser Stelle ebenfalls eine Sportfläche, nämlich eine Rollschuhlaufbahn und ein Rollschuhclub-Gelände, befunden. Daran ändere sich nichts dadurch, dass das …-Stadion in den Jahren vor der Übernahme durch den Beigeladenen in den Jahren 1999/2000 nicht mehr in vollem Umfang genutzt worden sei. Die Nutzung der gesamten Fläche als Sport- und Trainingsfläche für Fußballspiele sei niemals aufgegeben worden. Der Wechsel vom … zum Beigeladenen ziele gerade auf die Fortführung der bisherigen Nutzung als Sportfläche. Abgesehen davon seien durch die lärmschutzrechtlichen Auflagen die Immissionsrichtwerte für ein Mischgebiet eingehalten. Das werde durch die ergänzenden Schutzauflagen vom 11.10.2000 und vom 04.04.2013 sichergestellt. Mit ihnen würden die Erkenntnisse aus dem Lärmgutachten der LUBW vom 31.08.2010 umgesetzt. Sollte im Einzelfall dennoch gegen lärmschutzrechtliche Auflagen verstoßen werden, bestehe unter Umständen ein Anspruch auf Einschreiten, nicht aber auf Aufhebung der Baugenehmigung. Schließlich sei zu betonen, dass das Rücksichtnahmegebot als Pflicht zur gegenseitigen Rücksichtnahme zu verstehen sei. Insoweit sei es der Klägerin selbst zuzurechnen, dass sie ihren Betrieb an der Grundstücksgrenze zu einer bestehenden Sportanlage mit vier Plätzen errichtet habe. Für weitergehende Schutzmaßnahmen dürfte die Klägerin nach alledem auf Selbsthilfe zu verweisen sein.
33 
Der Beigeladene hat keinen Antrag gestellt.
34 
In einer schriftlichen Stellungnahmen trägt der Beigeladene vor: Das heute von der … Fußballschule genutzte Gelände sei seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts als Sport- und Trainingsgelände genutzt worden. Außer dem …-Stadion mit einer Kapazität von mehreren tausend Zuschauern habe es schon früher die heute im Rahmen der Fußballschule genutzten Plätze 2 bis 4 gegeben, gegen die sich die Klage eigentlich richte. Platz 2 sei schon in der Zeit vor 1945 vorhanden gewesen und der heutige Platz 4 sei immerhin vor 1970 angelegt worden. Diese Situation habe mithin vor Einrichtung des Gewerbebetriebs der Klägerin im Jahr 1977 bestanden. Wenn die Klägerin ihren Gewerbebetrieb als Kurbad bezeichne, so beruhe das auf einer Namensgebung durch die Klägerin selbst. Die Voraussetzungen eines staatlichen Kurbads seien bei diesem Betrieb nicht erfüllt. Bei dem Betrieb der Klägerin handele es sich um einen privaten Sauna- und Badebetrieb mit angeschlossener Gastronomie. Es könne keine Rede davon sein, dass dieser Gewerbebetrieb im baurechtlichen Sinne unverträglich sei mit dem Nachwuchsleistungszentrum der … Fußballschule. Vielmehr seien der Betrieb der Klägerin und die Sporteinrichtungen klassische Nutzungsformen in einem typischen Mischgebiet. Beide Einrichtungen würden von § 6 Abs. 2 Nr. 5 BauNVO erfasst. Es liege demgemäß kein Verstoß gegen das Rücksichtnahmegebot vor. Das im Rahmen des Petitionsverfahrens von der LUBW erstellte Lärmgutachten komme zu dem Ergebnis, dass der zulässige Lärmpegel nicht überschritten werde. Durch die Modifizierung der Baugenehmigung in der Fassung vom 04.04.2013 habe die Beklagte einen ausgewogenen Interessenausgleich herbeigeführt. Es gebe wöchentliche Belegungs- und Organisationspläne zu jedem einzelnen Platz, durch die die Nebenbestimmungen zur Baugenehmigung beachtet würden. Wenn die Klägerin seit vielen Jahren lärmreduzierende Maßnahmen fordere, so sei dem entgegenzuhalten, dass sie selbst in keiner Weise irgendwelche Umgestaltungen oder Lärmschutzmaßnahmen auf ihrem Gelände ergriffen habe. Die Darstellungen der Klägerin über angebliche Verstöße gegen die Baugenehmigung seien übertrieben. Bereits bei Einrichtung ihres Betriebs im Jahre 1977 habe die Klägerin gewusst, dass unmittelbar an ihr Gelände Sportanlagen angrenzten, die zu Trainings- und Wettbewerbszwecken genutzt würden. Zur damaligen Zeit habe der in der zweiten Bundesliga gespielt und seine Heimspiele seien regelmäßig von 5.000 bis 10.000 Zuschauern besucht worden. Auch auf den Plätzen 2 bis 4 habe früher regelmäßig Trainingsbetrieb stattgefunden. Die Zuschauerzahlen der heutigen Wettbewerbsspiele lägen deutlich unter den damaligen Zuschauerzahlen.
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Der Kammer liegen die Akten der Beklagten über das genehmigte Vorhaben (12 Hefte) vor. Der Inhalt dieser Akten und der Gerichtsakten war Gegenstand der mündlichen Verhandlung; hierauf wird ergänzend Bezug genommen.

Entscheidungsgründe

 
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1. Die Klage ist als Anfechtungsklage zulässig.
37 
1.1 Als Eigentümerin des Grundstücks Flst.-Nr. …, die sich durch den Spiel- und Trainingsbetrieb auf dem benachbarten Sportgelände des Beigeladenen gestört fühlt, ist die Klägerin klagebefugt gemäß § 42 Abs. 2 VwGO. Hinsichtlich weiterer benachbarter Grundstücke, die entweder, wie Teilflächen der Grundstücke Flst.-Nrn. … und …, von der Klägerin (nur) gepachtet worden sind oder die im Eigentum anderer (natürlicher oder juristischer) Personen stehen, wie die Flächen des Campingplatzes auf den Grundstücken Flst.-Nrn. … und …, das mit einem Wohnhaus bebaute Grundstück Flst.-Nr. … sowie das mit einem Gasthaus/Café und anderen Gebäuden bebaute Grundstück Flst.-Nr. …, fehlt ihr hingegen die Klagebefugnis, da sich nur dinglich Berechtigte gegen eine Baugenehmigung für Bauvorhaben auf Nachbargrundstücken wenden können (vgl. Kopp/Schenke, VwGO, 21. Aufl. 2015, § 42 RdNr. 97, m.w.N.; Dürr, Baurecht Baden-Württemberg, 14. Aufl. 2013, RdNrn. 291 ff., m.w.N.).
38 
1.2 Die Klage ist auch ohne ordnungsgemäße und vollständige Durchführung des Widerspruchsverfahrens nach Maßgabe von § 75 VwGO zulässig, weil über den Widerspruch der Klägerin vom 22.08.2000 gegen die angefochtene Baugenehmigung bis heute nicht entschieden worden ist. An der Zulässigkeit der Klage ändert sich nichts dadurch, dass das Widerspruchsverfahren mit Einverständnis der Klägerin während vieler Jahre, von Anfang 2001 bis Anfang 2008, geruht hatte. Denn immerhin hat die Klägerin das ruhende Widerspruchsverfahren bereits im Januar 2008 wiederangerufen.
39 
2. Die Klage ist jedoch nicht begründet. Soweit dem Beigeladenen mit Bescheid der Beklagten vom 26.07.2000 in der Fassung der Ergänzungsbescheide der Beklagten vom 11.10.2000 und vom 04.04.2013 eine Baugenehmigung erteilt worden ist für den Neubau eines Leistungszentrums für Fußballnachwuchs mit den Anbauten auf der Südseite der bestehenden Zuschauertribüne, für den Neubau eines Kassenhauses auf der Westseite und eines Gebäudes für Technik und Geräte auf der Ostseite sowie für verschiedene sonstige Anlagen auf dem Sportgelände des Beigeladenen, die sich nördlich der drei Spiel- und Trainingsplätze befinden - in dem dem Bauantrag des Beigeladenen beigefügten Lageplan als Plätze 2, 3 und 4 bezeichnet -, ist dieser Bescheid rechtmäßig und verletzt die Klägerin nicht in ihren Rechten - im Folgenden unter 2.1 -. Soweit mit diesen Bescheiden auch eine Baugenehmigung für die Spiel- und Trainingsplätze 2, 3 und 4 auf den Grundstücken Flst-Nrn. …, …, …, … und … erteilt worden ist, ist diese Baugenehmigung zwar rechtswidrig, verletzt die Klägerin jedoch (ebenfalls) nicht in ihren Rechten - im Folgenden unter 2.2 - (§ 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO).
40 
Dabei gibt der Vortrag der Klägerin im Lauf des jahrelangen Verwaltungs- und Gerichtsverfahrens vorab Anlass zu der Klarstellung, dass Gegenstand der von der Klägerin erhobenen Anfechtungsklage allein die dem Beigeladene erteilte Baugenehmigung in der Fassung der Ergänzungsbescheide der Beklagten vom 11.10.2000 und vom 04.04.2013 ist. Das bedeutet, dass es - entgegen vielfach geäußerten Erwartungen der Klägerin - in diesem Verfahren nicht um die Fragen geht, welche Bedeutung und Wirkung eventuellen und von der Klägerin in zahlreichen Eingaben behaupteten Verstößen des Beigeladenen gegen diese Baugenehmigung zukommt. Denn Verstöße gegen einen Verwaltungsakt wie z. B. eine Baugenehmigung besagen nichts über die Rechtmäßigkeit dieses Verwaltungsakts. Damit kommt es auf die unzähligen Beschwerden der Klägerin, die zu einem Großteil den Streit zwischen ihr, der Beklagten und dem Beigeladenen ausmachen, hier nicht an.
41 
2.1 Für den Erfolg der Klage eines Nachbarn gegen eine auf dem Nachbargrundstück erteilte Baugenehmigung - wie hier - ist es anerkanntermaßen nicht ausreichend, dass ein genehmigtes Bauvorhaben gegen objektives Recht verstößt. Vielmehr muss hinzukommen, dass das Bauvorhaben gegen Vorschriften verstößt, die auch dem Schutz der Nachbarn und nicht allein öffentlichen Interessen dienen (siehe u. a. Dürr, a.a.O., RdNrn. 294 ff., m.w.N., und 348; Kopp/Schenke, a.a.O., § 113 RdNrn. 24 ff., m.w.N.).
42 
Das ist bei den durch den angefochtenen Bescheid genehmigten baulichen Anlagen in Form des Leistungszentrums für Fußballnachwuchs mit den Anbauten auf der Südseite der bestehenden Zuschauertribüne, des Kassenhauses auf der Westseite und des Gebäudes für Technik und Geräte auf der Ostseite sowie der verschiedenen sonstigen Anlagen, die sich allesamt nördlich der drei Trainingsplätze 2 bis 4 befinden, nicht der Fall. Es ist nicht erkennbar, gegen welche Vorschriften, die auch dem Schutz der Klägerin als Nachbarin dienen, die Baugenehmigung für diese baulichen Anlagen, die sich allesamt mehr als 100 m von der Grenze zum Grundstück der Klägerin entfernt befinden, verstoßen sollten. Auch die Einwendungen, die die Klägerin im Lauf des langjährigen Verwaltungs- und Gerichtsverfahrens gegen die Nutzung des Sportgeländes des Beigeladenen erhoben hat, betreffen im Wesentlichen den Spiel- und Trainingsbetrieb auf den ihrem Betriebsgrundstück nächstgelegenen Plätzen 2, 3 und 4 und nicht die nördlich davon gelegenen baulichen Anlagen. Für das Internat in dem Anbau an die bestehende Tribüne, das Kassenhaus und das Technik- und Gerätegebäude haben dies auch die Vertreter der Klägerin in der mündlichen Verhandlung bestätigt. Soweit die Vertreter der Klägerin sich am Rande auch über den Lärm der Zuschauer bei Ligaspielen in dem im Lageplan zum Bauantrag als Platz 1 bezeichneten …-Stadion beklagen, verkennen sie, dass mit dem durch die angefochtene Baugenehmigung genehmigten Vorhaben eine erhebliche Reduzierung der Zuschauerzahl im …-Stadion von ca. 23.000 auf unter 8.000 verbunden ist. Wie im Tatbestand dieses Urteils ausgeführt, besteht das …-Stadion mit einem Fassungsvermögen von mehr als 20.000 Zuschauern seit den 1920er Jahren. Dass eine mit der angefochtenen Baugenehmigung erfolgte Reduzierung dieser Zuschauerkapazität um etwa zwei Drittel keine Verletzung von Rechten der Klägerin wegen des Zuschauerlärms zur Folge haben kann, liegt auf der Hand und bedarf keiner weiteren Begründung. Das gilt auch in Bezug auf den Kraftfahrzeugverkehr, der mit der Zu- und Abfahrt der Zuschauer zum Stadion verbunden ist und der bei einem Fortbestand der Zuschauerzahl, wie sie vor Erteilung der angefochtenen Baugenehmigung zulässig war, bis in die Gegenwart ebenfalls deutlich größer wäre und in allen Belangen weitaus größere Belästigungen hervorriefe, als das jetzt, nach der Reduzierung der Zuschauerzahl, der Fall ist. Soweit die Klägerin rügt, der Stellplatzbedarf werde bei gut besuchten Ligaspielen weder auf dem Gelände des Beigeladenen noch auf öffentlichen Parkplätzen entlang der angrenzenden Straße gedeckt, ist die Klägerin zum einen darauf hinzuweisen, dass die Vorschriften über die Verpflichtung zur Herstellung von Stellplätzen (in § 37 LBO) grundsätzlich nicht dem Drittschutz, sondern nur dem öffentlichen Interesse an der Entlastung des öffentlichen Verkehrsraums dienen (siehe Sauter, Landesbauordnung für Baden-Württemberg, 3. Aufl., Stand: Jan. 2015, Bd. 1, § 37 RdNr. 12, m.w.N.; siehe auch Beschluss der Kammer vom 18.12.2008 - 4 K 2219/08 - juris). Zum anderen bestimmt § 37 Abs. 2 Satz 1 LBO, dass bei Änderungen von Anlagen Stellplätze (nur) in solcher Zahl herzustellen sind, dass die infolge der Änderung zusätzlich zu erwartenden Kraftfahrzeuge aufgenommen werden können. Bei einer Reduzierung der bisher zulässigen Zuschauerzahl eines Fußballstadions wie im vorliegenden Fall ist aber ebenfalls kein zusätzlicher, sondern ein erheblich verminderter Stellplatzbedarf zu erwarten.
43 
Damit ist für die Kammer kein Gesichtspunkt erkennbar, der dafür spricht, dass die hier angefochtene Baugenehmigung, soweit sie die baulichen Anlagen nördlich der drei Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 betrifft, einen Verstoß gegen öffentlich-rechtliche Vorschriften enthält, die auch dem Schutz von Rechten der Klägerin dienen.
44 
2.2 Soweit die angefochtene Baugenehmigung auch die Genehmigung für die drei Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 auf dem Sportgelände des Beigeladenen und deren Nutzung enthält, ist sie zwar (objektiv) rechtswidrig - im Folgenden unter 2.2.1 -, verletzt jedoch die Klägerin ebenfalls nicht in ihren Rechten - im Folgenden unter 2.2.2 -.
45 
Eine getrennte Betrachtung der Baugenehmigung für diese drei Spiel- und Trainingsplätze einerseits und für die geplanten Anlagen nördlich dieser Plätze andererseits scheitert nicht an der Unteilbarkeit der hier angefochtenen Baugenehmigung. Denn es handelt sich hier nicht um ein Gesamtbauvorhaben, bei dem die Genehmigung aller Anlagen in einem untrennbaren Zusammenhang stünde. Eine Aufhebung der Baugenehmigung für die Spiel- und Trainingsplätze würde der Baugenehmigung für das Internats- und die anderen Gebäude (objektiv) nicht ihre Bedeutung nehmen sowie an der Tatsache ihrer seit Jahrzehnten unbestrittenen Existenz und auch an ihrer Nutzbarkeit aus der (subjektiven) Sicht des Beigeladenen nichts ändern (Näheres hierzu unter 2.2.1 und 2.2.2).
46 
2.2.1 Dass die hier angefochtene Baugenehmigung auch eine Genehmigung der Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 auf dem Sportgelände des Beigeladenen und deren Nutzung zum Inhalt hat, kann allein mit Blick auf die umfangreichen Nebenbestimmungen in dem ursprünglichen Baugenehmigungsbescheid vom 26.07.2000 und vor allem in der Fassung der Ergänzungsbescheide vom 11.10.2000 und vom 04.04.2013, in denen es allein um Beschränkungen der Nutzung dieser Plätze geht, nicht ernsthaft bestritten werden.
47 
Die Baugenehmigung für die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 ist aber bereits deshalb rechtswidrig, weil der Beigeladene für diese Anlagen keinen Bauantrag gestellt hat. Am 05.06.2000 reichte der Beigeladene bei der Beklagten einen Bauantrag ein „für ein Leistungszentrum mit Internatsbetrieb für den Fußballnachwuchs im …-Stadion“. In der diesem Bauantrag beigefügten Baubeschreibung ist das Bauvorhaben bezeichnet als „Leistungszentrum für Fußballnachwuchs / Gaststätte“. In dieser Baubeschreibung ist unter der Rubrik „Angaben zur Nutzung“ ausgeführt „1. Umkleiden, Sporthallen, 2. Sauna, Physiotherapie, Sportmedizin, 3. Büros, Schulungsräume, 4. Internatsappartements, Gaststätte“. Als Pläne waren diesem Bauantrag zehn Grundriss- und Schnittzeichnungen des Anbaus an die Zuschauertribüne (samt Untergeschossen) sowie ein Lageplan des gesamten Sportareals des Beigeladenen beigefügt, wie er in verkleinertem Maßstab im Tatbestand dieses Urteils (auf Seite …) wiedergegeben ist. Eine Auslegung dieses Bauantrags anhand des nach objektiven Kriterien sich ergebenden mutmaßlichen Willens des Beigeladenen im Zeitpunkt der Antragstellung (im Jahr 2000) ergibt, dass der Beigeladene die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4, die es auch damals schon seit vielen Jahrzehnten gab, nicht zur Genehmigung (und damit auch nicht zur Disposition) stellen wollte. Denn außer in dem genannten Lageplan, in dem die Plätze eingezeichnet waren, fanden diese Plätze in dem gesamten Bauantrag keine Erwähnung. Das gilt insbesondere auch unter Berücksichtigung der (ersten) Beschreibung des Betriebskonzepts durch den Beigeladenen vom 13.06.2000. Aber auch in der (zweiten) Beschreibung des Betriebskonzepts vom 05.07.2000 findet sich kein Hinweis darauf, dass der Beigeladene die Plätze 2 bis 4 in eine durch einen Bauantrag veranlasste Prüfung ihrer Genehmigungsfähigkeit einbeziehen wollte. Zu dieser Ergänzung ihres Betriebskonzepts hatte die Beklagte den Beigeladenen erst nach Vorlage der Nachbareinwendungen der Klägerin, die das Augenmerk der Beteiligten vor allem auf die von ihr befürchteten Lärmimmissionen infolge der Nutzung der Plätze 2 und 3 (am Rande auch des Platzes 4) gelenkt haben - in Bezug auf die Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Ausbau des bestehenden Tribünengebäudes führte die Klägerin ausdrücklich aus, dass sie von dort keine nennenswerten Lärmimmissionen erwarte -, ausdrücklich aufgefordert.
48 
Einzig in dem oben genannten, dem Bauantrag beigefügten Lageplan finden die Plätze 2 bis 4 überhaupt eine Erwähnung in Form zeichnerischer Darstellungen. Aber auch diese Darstellung hatte ersichtlich nicht die Bedeutung eines Antrags auf Erteilung einer Baugenehmigung für diese Plätze, vielmehr diente ihre Darstellung nur der Veranschaulichung der vorhandenen Anlagen auf dem Sportgelände. Dass in Lageplänen, die mit einem Bauantrag eingereicht werden, nicht nur die baulichen Anlagen eingezeichnet sind, für die die Baugenehmigung begehrt wird, sondern dass sie auch nachrichtliche Darstellungen von Anlagen in der Umgebung des Bauvorhabens enthalten, ist in der baurechtlichen Praxis durchaus nicht unüblich und entspricht auch den Vorschriften (vgl. hierzu § 4 Abs. 4 Nr. 3 LBOVVO). Abgesehen davon, dass für einen Bauherrn (wie den Beigeladenen) regelmäßig kein Grund dafür besteht, bauliche Anlagen, die seit Jahrzehnten vorhanden sind und deren Existenz und baurechtliche Zulässigkeit in diesem zurückliegenden Zeitraum von keinem am baurechtlichen Geschehen Beteiligten in Frage gestellt worden sind, einem baurechtlichen Genehmigungsverfahren zu unterziehen, folgt eine solche Auslegung auch aus den konkreten Darstellungen auf diesem Lageplan. So fällt auf, dass die im Bauantrag ausdrücklich zur Genehmigung gestellten baulichen Anlagen, wie die An- und Umbauten an der Stadiontribüne, das Kassenhaus und das Gebäude für Technik und Geräte, in dem genannten Lageplan (im Einklang mit § 4 Abs. 4 Nr. 5 LBOVVO) exakt, das heißt nach Länge, Breite und Höhe in Zentimetern vermessen und verzeichnet sind; außerdem sind sie, wie von § 4 Abs. 5 Nrn. 4 ff. LBOVVO vorgeschrieben, entweder mit roter Farbe (für geplante neue bauliche Anlagen) oder mit gelber Farbe (für die Beseitigung bestehender Anlagen) gekennzeichnet. Demgegenüber entspricht die farbliche Darstellung der Plätze 2 bis 4 mit dunkelgrüner, hellbrauner und hellgrüner Farbe keiner der in § 4 Abs. 5 LBOVVO mit Inhalten verknüpften Farbgebungen. Auch die Maßangaben für die Plätze 2 bis 4 weichen grundsätzlich von denen für die offensichtlich zur Genehmigung gestellten baulichen Anlagen ab. So wird für Platz 4 nirgendwo ein Längen- oder Breitenmaß angegeben und auch für die Plätze 2 und 3 sind nur auf volle Meter gerundete Brutto- und Nettomaße, vermutlich zur Bezeichnung der gesamten Platzflächen einerseits und der abgegrenzten, kleineren Spielfelder andererseits, angegeben, die wenn überhaupt nur unter sportlichen, nicht jedoch unter baurechtlichen Aspekten einen Sinn haben. Auch soweit die Fläche für den Platz 2, im Lageplan bezeichnet mit Kunstrasen, gegenüber dem seit jeher bestehenden Spielfeld um einige Meter nach Süden versetzt werden sollte (was später zumindest im Hinblick auf die Erweiterung nach Süden nicht in die Tat umgesetzt worden ist), ist das nicht in der in den vorgelegten Plänen an anderer Stelle praktizierten und nach der Verfahrensverordnung zur Landesbauordnung vorgesehenen Art und Weise durch Angaben exakter Längen- und Breitenangaben geschehen. Vielmehr fehlt es (auch) insoweit an jeglichen Maßangaben und zwar sowohl für die beabsichtigte Erweiterung an der Südseite als auch für die beabsichtigte Beseitigung, das heißt Zurücksetzung, an der Nordseite, obwohl auch die Beseitigung von Anlagen, die durch neu geplante Anlagen ersetzt werden sollen, an anderer Stelle ausdrücklich bezeichnet ist (z. B. in Form der Angabe: „Abbruch best. Kassenhaus“). Schließlich enthält der Lageplan auf den eingezeichneten Flächen dieser Plätze auch sonst zahlreiche gestrichelte und/oder durchgehende Linien, die keine erkennbare baurechtliche Bedeutung haben und deren Sinn sich auch mit Hilfe der Verfahrensverordnung zur Landesbauordnung nicht erschließt.
49 
Auch der Prozessbevollmächtigte des Beigeladenen, der wie auch die meisten der heutigen Vorstandsmitglieder des Beigeladenen an der Bauantragstellung im Jahr 2000 noch nicht konkret beteiligt war, räumte in der mündlichen Verhandlung ein, dass Vieles dafür spreche, dass die Anlage der Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 nicht Gegenstand des Bauantrags gewesen war bzw. gewesen sein sollte, dass der Beigeladene diese bereits vorhandenen Plätze vielmehr als willkommene bestehende Anlagen in das Konzept der geplanten Fußballschule einbezogen hat.
50 
Auch in der Folgezeit gibt es keine (im Übrigen nach der Landesbauordnung formbedürftige) Erklärung des Beigeladenen, aus der sich ergibt, dass er für die bereits vorhandenen Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 eine Baugenehmigung beantragt hätte, was auch durch die zuvor gewürdigten Aussagen des Prozessbevollmächtigten des Beigeladenen in der mündlichen Verhandlung bestätigt wird.
51 
Ohne einen solchen Bauantrag hätte die Beklagte jedoch eine Baugenehmigung (als einen mitwirkungsbedürftigen Verwaltungsakt) für die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 nicht erteilen dürfen. Eine Baugenehmigung, die, wie zuvor dargelegt, ohne entsprechenden Antrag des Bauherrn erteilt wurde, ist (objektiv) rechtswidrig, aber regelmäßig und - so auch hier - nicht nichtig (Sauter, a.a.O., § 53 RdNr. 11 und § 58 RdNrn. 8 f. m.w.N.).
52 
Ob die angefochtene Baugenehmigung auch deshalb gegen objektives Recht verstößt, weil die Umgestaltung der seit Jahrzehnten existierenden Trainings- und Spielplätze 2 und 4 (Näheres hierzu unter Nrn. 2.2.2.2 und 2.2.2.3) von ursprünglichen Hart- und Rasenplätzen zu Kunstrasen- und Hartplätzen nach Nr. 8d des Anhangs zu § 50 Abs. 1 LBO verfahrensfrei ist und deshalb baurechtlich nicht genehmigt werden durfte, kann hiernach dahingestellt bleiben.
53 
2.2.2 Die nach den vorstehenden Ausführungen objektiv rechtswidrige Baugenehmigung der verfahrensfreien Umgestaltung der Trainings- und Spielplätze 2 und 4 verletzt aber nicht Rechte der Klägerin. Wie bereits ausgeführt, ist es für den Erfolg der Klage eines Nachbarn gegen eine dessen Nachbarn erteilte Baugenehmigung - wie hier - nicht ausreichend, dass ein genehmigtes Bauvorhaben gegen objektives Recht verstößt. Vielmehr muss hinzukommen, dass das Bauvorhaben gegen Vorschriften verstößt, die auch dem Schutz der Nachbarn und nicht allein öffentlichen Interessen dienen (siehe oben zu 2.1; vgl. Dürr, a.a.O., RdNrn. 294 ff., m.w.N., und 348; Kopp/Schenke, a.a.O., § 113 RdNrn. 24 ff., m.w.N.).
54 
In Rechtsprechung und Literatur ist des Weiteren anerkannt, dass die Vorschriften über das Baugenehmigungsverfahren - dazu zählen u. a. die Vorschriften des Achten Teils der Landesbauordnung (siehe hierzu die gesetzliche Überschrift dieses Teils), also u. a. die hier maßgeblichen Vorschriften der §§ 49 ff. LBO über die Mitwirkungspflicht des Bauherrn durch Stellung eines Bauantrags - grundsätzlich nicht nachbarschützend sind (siehe hierzu Sauter, a.a.O., § 55 RdNr. 77, Anm. zu §§ 49 ff., m.w.N.; vgl. [zur Regelung über die sachliche Zuständigkeit nach § 48 LBO] auch VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 25.04.2006, NVwZ-RR 2007, 82; vgl. auch OVG Rhld.-Pf., Urteil vom 21.01.2005, DÖV 2005, 615).
55 
Die Kammer hat jedoch Zweifel, ob dieser Auffassung in allen Fällen zu folgen ist, also auch in den Fällen, in denen ein Vorhaben, für das entweder keine Genehmigungspflicht besteht oder für das, wie hier, kein Bauantrag gestellt worden ist, durch Erteilung einer Baugenehmigung einen (formellen) Bestandsschutz erhält, der ihm u. a. auch gegenüber nachbarlichen Einwendungen einen zusätzlichen Schutz verleiht, den es ohne Baugenehmigung nicht hätte. Denn eine bestandskräftige Baugenehmigung bewirkt eine Schutzfunktion für das genehmigte Vorhaben in dem Sinn, als sie den Bestand des Vorhabens gewährleistet, solange die Baugenehmigung nicht beseitigt ist. Solange die Baugenehmigung besteht, ist das verwirklichte Vorhaben formell rechtmäßig. Die Baurechtsbehörde kann bei einem materiellen Rechtsverstoß eines Bauvorhabens weder kraft eigener Initiative noch aufgrund nachbarlicher Beschwerden etwa eine Abbruchs- oder Nutzungsuntersagungsanordnung erlassen, solange für dieses Bauvorhaben eine Baugenehmigung besteht. Ein unter Verstoß gegen materielles Recht, aber im Einklang mit einer Baugenehmigung errichtetes Vorhaben, kann erst dann Gegenstand behördlicher Anordnungen, ggf. auch auf Initiative eines Nachbarn, sein, wenn die Schutzwirkung der Baugenehmigung zuvor durch Aufhebung oder Rücknahme der Baugenehmigung beseitigt worden ist (siehe hierzu Sauter, a.a.O., § 58 RdNr. 19).
56 
Doch können diese Zweifel hier dahingestellt bleiben, da die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4, gegen deren Genehmigung sich die Klägerin mit der vorliegenden Klage wendet, bereits seit langer Zeit die zuvor genannten Schutzwirkungen gegenüber behördlichen Eingriffen genießen.
57 
2.2.2.1 Das folgt hier allerdings nicht daraus, dass diese Plätze bereits durch eine ältere Baugenehmigung gedeckt wären. Soweit die Beklagte verschiedentlich geäußert hat, für diese Plätze sei bereits im Jahr 1954 eine Baugenehmigung erteilt worden, trifft das aus mehreren Gründen nicht zu. Zwar sind dem … in jenem Jahr, und zwar am 21.03.1954 und am 02.10.1954, im Gebiet des …-Stadions zwei baupolizeiliche Genehmigungen erteilt worden, eine Genehmigung für den „Neubau einer Tribünenanlage, Gaststätte, Umbau Donatorenraum“ und eine weitere für „Außenanlagen, Stehplätze und Kassenhäuschen“. Doch beschränkten sich die Inhalte dieser Genehmigungen auf die zuvor genannten Anlagen. Zwar war auch in dem Verfahren, das zur Erteilung der baupolizeilichen Genehmigung vom 02.10.1954 führte, den Baugesuchsunterlagen ein Umgebungsplan beigefügt; dabei handelt es sich um den im Tatbestand dieses Urteils (auf Seite …) wiedergegebenen Plan, auf dem die drei Spiel- und Trainingsplätze bereits im Wesentlichen in der gleichen Ausdehnung und Lage wie die heutigen Plätze 2 bis 4, lediglich mit einer anderen Ausrichtung von Platz 4, dargestellt sind (Näheres hierzu unter 2.2.2.2) und der auf der Rückseite einen Genehmigungsstempel der Polizeidirektion … aufweist. Doch verhält es sich bei diesem Plan ähnlich wie mit dem Lageplan, der dem Bauantrag des Beigeladenen vom 05.06.2000 beigefügt war. Auch insoweit ist davon auszugehen, dass die Darstellung dieser drei Plätze in jenem Plan aus dem Jahr 1954 lediglich der Veranschaulichung der näheren Umgebung der baulichen Anlagen diente, für die die baupolizeiliche Genehmigung beantragt und erteilt wurde. Das ergibt sich auch daraus, dass nach § 123 der im Jahr 1954 geltenden Badischen Landesbauordnung - Bad. LBO - in der Fassung der Bekanntmachung vom 26.07.1935 (GVBl, S. 187) nur die in § 1 Bad. LBO genannten Bauten, zu denen Spiel- und Sportplätze nicht gehörten, einer Genehmigungspflicht unterlagen.
58 
2.2.2.2 Aber auch ohne baurechtliche Genehmigung handelte es sich bei den Spiel- und Trainingsplätzen 2 bis 4 im Zeitpunkt der Erteilung der hier angefochtenen Baugenehmigung vom 26.07.2000 nicht um neue Plätze, die erstmals angelegt werden sollten. Vielmehr existierten sie - auch in ihrer konkreten Ausdehnung und Lage - schon seit mehreren Jahrzehnten. Aus dem oben genannten Umgebungsplan aus dem Jahr 1954 zur Erteilung einer baupolizeilichen Genehmigung für „Außenanlagen, Stehplätze und Kassenhäuschen“ ist ersichtlich, dass schon damals außer dem eigentlichen Stadion mit Nebenanlagen südlich davon drei in dem betreffenden Plan als „Übungsfelder“ bzw. Feld für „Handball“ bezeichnete Sportplätze existierten. Zwei dieser Sportplätze entsprechen nach Lage, Größe und ihrer Nord-Süd-Ausrichtung weitestgehend exakt den heutigen Plätzen 2 und 3. Zumindest diese Plätze 2 und 3 haben ihre Lage bis heute in keiner Weise verändert, wie sich aus einem Vergleich des oben genannten Plans aus dem Jahr 1954 mit dem Lageplan ergibt, den der Beigeladene im Rahmen des im Jahr 2000 gestellten Bauantrags vorgelegt hat.
59 
Lediglich der vierte Platz, der in dem Plan aus dem Jahr 1954 mit „Handball“ bezeichnet ist, hatte damals eine andere Lage als der heutige (Rasen-)Platz 4; er befand sich damals östlich von Platz 3 parallel zu den beiden anderen Plätzen 2 und 3. Heute ist dieser Platz um etwas mehr als 90o in Ost-West-Richtung gedreht, so dass er nicht mehr mit seiner (kürzeren) Breitseite, sondern mit seiner Längsseite entlang der südlichen Grundstücksgrenzen verläuft. Diese Änderung hat der Platz 4 nach insoweit übereinstimmenden Aussagen der Prozessbeteiligten im Jahr 1970 erfahren, was auch durch Luftbilder aus der Zeit vor Stellung des Bauantrags vom 05.06.2000 bestätigt wird. Soweit dabei infolge der Drehung und der dadurch bewirkten Verlagerung dieses Platzes nach Osten erstmals eine Teilfläche (auf dem Grundstück Flst.-Nr. …), die zuvor voraussichtlich Wiese oder Ackerland war, neu als Sportplatz in Anspruch genommen wurde, lag darin wohl die Neuanlage eines Sportplatzes, die im Jahr 1970 nach der damals geltenden Landesbauordnung vom 06.04.1964 einer Baugenehmigung (gem. § 87 LBO a. F.) bedurft hätte, die nach Lage der Akten zu keinem Zeitpunkt erteilt worden ist.
60 
Das ändert jedoch nichts daran, dass alle drei Plätze (2 bis 4) vor Stellung des Bauantrags durch den Beigeladenen im Jahr 2000 bereits seit Jahrzehnten, die Plätze 2 und 3, von denen nach Angaben der Klägerin u. a. in ihren Einwendungen vom 20.06.2000 gegen den Bauantrag des Beigeladenen vom 05.06.2000 die meisten Lärmbeeinträchtigungen für ihren Betrieb ausgehen, sogar schon vor Inkrafttreten der ersten Landesbauordnung für Baden-Württemberg und des Bundesbaugesetzes, existierten und seitdem durchgehend als Sportanlagen genutzt worden sind.
61 
Bei dieser Sachlage kam allen drei Plätzen 2 bis 4 bereits bei Stellung des Bauantrags des Beigeladenen vom 05.06.2000 seit langem eine Schutzwirkung zu, die dem durch eine Baugenehmigung verliehenen Bestandsschutz weitestgehend gleichkommt.
62 
Für die Plätze 2 und 3 folgt das daraus, dass bauliche Anlagen, die in der Zeit vor Inkrafttreten der (ersten) Landesbauordnung für Baden-Württemberg (vom 06.04.1964) am 01.01.1965 und des Bundesbaugesetzes am 30.06.1961 in Einklang mit den im Zeitpunkt ihrer Herstellung geltenden öffentlich-rechtlichen Vorschriften, das heißt rechtmäßigerweise, errichtet worden sind, auch ohne formale Legalisierung durch eine Baugenehmigung für die Zeit ihres Bestands Bestandsschutz genießen (vgl. hierzu Sauter, a.a.O., § 65 RdNrn. 14a ff. und 31 ff., m.w.N.; vgl. zum baurechtlichen Bestandsschutz allgemein Urteil der Kammer vom 08.11.2012, VBlBW 2013, 225, m.w.N.). Für die Kammer ist kein rechtlicher Gesichtspunkt erkennbar, der bei der Anlage bzw. erstmaligen Herstellung dieser beiden Plätze, die spätestens bereits 1954, wahrscheinlich sogar schon erheblich früher, existierten, gegen die (materielle) Rechtmäßigkeit der Herstellung der beiden Spiel- und Trainingsplätze sprechen könnte. Auch dem Vortrag der Beteiligten lässt sich hierfür nichts entnehmen. Gerade auch die Nachbarschaft zu der damals, in den 1950er Jahren, auf dem Grundstück der Klägerin vorhandenen Rollschuh- und Eisbahn lässt - selbst unter Zugrundelegung der (strengeren) Anforderungen des erst seit 1961 geltenden Städtebaurechts in Form des Bundesbaugesetzes bzw. des späteren Baugesetzbuchs - keinen derartigen Zweifel aufkommen, auch dann nicht, wenn diese Bahn, wie die Klägerin vorträgt, in den 1950er Jahren nicht mehr als Rollschuh- und Eisbahn, sondern als Minigolf- und Boccia-Bahn genutzt wurde.
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Für den Platz 4 ergibt sich eine solche Schutzwirkung zwar nicht wie bei den Plätzen 2 und 3 aus seiner rechtmäßigen Errichtung zu einer Zeit, in der noch keine Baugenehmigungspflicht (für derartige Anlagen) bestanden hatte. Jedoch erlangte dieser Platz im Ergebnis einen vergleichbaren Schutz gegenüber behördlichen Eingriffen und nachbarlichen Einwendungen wie die beiden anderen Plätze, nachdem seine Existenz mindestens seit 1970, das heißt seit ca. drei Jahrzehnten vor Stellung des Bauantrags für das hier streitige Vorhaben im Jahr 2000 von allen am baurechtlichen Geschehen Beteiligten, das heißt den Behörden und den Nachbarn, bewusst als selbstverständlich hingenommen worden ist und sich alle Beteiligten mit seiner Existenz abgefunden haben. Es hat sogar nach der Errichtung von Platz 4 im Jahr 1970 weitere Baugenehmigungsverfahren auf dem heute von dem Beigeladenen genutzten Sportgelände gegeben, so u. a. einen Bauantrag vom 10.11.1988 „zur Erstellung eines Ballfanggitters im …-Stadion, Rasenplatz IV“, der mit Bescheid der Beklagten vom 01.12.1988 genehmigt wurde. Zu keinem Zeitpunkt vor Stellung des Bauantrags am 05.06.2000 durch den Beigeladenen wurden die Existenz und die baurechtliche Zulässigkeit der drei Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 von einem der Beteiligten in Frage gestellt. Hierdurch besteht speziell auch für diesen Platz 4 ein Vertrauenstatbestand. Denn die Beklagte hat u. a. (spätestens) durch die Erteilung der Baugenehmigung für das Ballfanggitter auch mit Wirkung nach außen zu erkennen gegeben, dass sie sich mit der Existenz von Platz 4 (und der Plätze 2 und 3) abgefunden hat und sie nicht in Frage stellen will (vgl. hierzu Sauter, a.a.O., § 65 RdNrn. 60 bis 63, m.w.N.). In besonderer Weise wirkt dieser Vertrauensschutz auch gegenüber der Klägerin, weil der Platz 4 und erst recht die Plätze 2 und 3 bereits bestanden haben, lange bevor die Klägerin ihren Betrieb aufgenommen hat und sie bzw. ihre Rechtsvorgängerin selbst (als Kommanditgesellschaft) existiert haben.
64 
2.2.2.3 Durch die beabsichtigte und anschließend umgesetzte Umwandlung der Plätze 2 und 3 von einem Hart- in einen Kunstrasenplatz und von einem Rasen- in einen Hartplatz ist eine Genehmigungspflicht ebenso wenig ausgelöst worden, wie durch die spätere, nach Erteilung der Baugenehmigung erfolgte Umwandlung von Platz 3 von einem Hartplatz in einen Rasenplatz. Denn nach Nr. 8d des Anhangs zu § 50 Abs. 1 LBO in der aktuell geltenden Fassung vom 11.11.2014 sind Anlagen, die der zweckentsprechenden Einrichtung von Ballspiel- und Sportplätzen dienen, ausgenommen Gebäude und Tribünen, verfahrensfrei. Mit dieser Regelung ist zwar nicht die Neuanlage solcher Plätze in ihrer Gesamtheit, das heißt die erstmalige „Umwidmung“ einer Freifläche und ihre Befestigung als Sportplatz gemeint, sondern nur die der Ausstattung solcher Plätze dienenden (Neben-)Anlagen (so auch zu vergleichbaren Bestimmungen in Bauordnungen anderer Bundesländer Sächs. OVG, Beschluss vom 01.07.2013 - 1 A 224/13 -, juris; Hess. VGH., Beschluss vom 19.02.1991, BauR 1991, 444; vgl. auch, wenngleich etwas unklar, Sauter, a.a.O., § 50 RdNr. 155; zu einer überholten Fassung der LBO vgl. Fehrenbacher, Die Genehmigungspflicht und Genehmigungsfähigkeit von Kinderspielplätzen in Wohngebieten, VBlBW 1994, 389 <390>). Dass im Zuge der Realisierung der geplanten baulichen Anlagen zum Neubau des Leistungszentrums für Fußballnachwuchs Veränderungen der Oberfläche bzw. der Beschaffenheit dieser Plätze beabsichtigt waren und dann auch umgesetzt wurden, indem z. B. der im Jahr 2000 als Hartplatz existierende Platz 2 einen Kunstrasenbelag bekommen und der zuvor als Rasenplatz angelegte Platz 3 zu einem Hartplatz umgebaut werden sollte, wie das in dem genannten Lageplan auf den entsprechenden Flächen vermerkt ist, führt nicht zur Genehmigungspflicht dieser Plätze. Solche Veränderungen sind nach Sinn und Zweck von Nr. 8d des Anhangs zu § 50 Abs. 1 LBO ebenso genehmigungsfrei, wie der vorher, in den 1980er Jahren, erfolgte Umbau des Platzes 2 in einen Hartplatz sowie später, im Jahr 2008, die Rückumwandlung des Platzes 3 in einen Rasenplatz und die Errichtung von Flutlichtmasten am Platz 4 (zu letzteren siehe auch Nr. 5b des Anhangs zu § 50 Abs. 1 LBO). Zu den nach Nr. 8d des Anhangs zu § 50 Abs. 1 LBO verfahrensfreien Vorhaben gehört nach Auffassung der Kammer nicht nur das Hinzufügen einzelner unselbständiger Anlagen, sondern auch, wie hier, die Veränderung von Oberflächen der in dieser Bestimmung genannten Sportplätze. Die gleiche Grundsätze gelten bzw. galten auch bereits aufgrund der Regelung in Nr. 51 des Anhangs zu § 50 Abs. 1 LBO in der im Jahr des Bauantrags (2000) geltenden Fassung dieses Gesetzes vom 08.08.1995, derzufolge bauliche Anlagen, die der zweckentsprechenden Einrichtung von Sportplätzen dienen, verfahrensfrei waren.
65 
Damit waren und sind die in dem Lageplan, den der Beigeladene mit seinem Bauantrag vorgelegt hat, eingezeichneten Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 wegen ihres Bestands seit mindestens drei Jahrzehnten vor Stellung des Bauantrags und des daraus folgenden Bestandsschutzes verfahrensfrei. Ob die in dem Lageplan, der dem Bauantrag beigefügt war, bezeichneten Umwandlungen bzw. Oberflächenveränderungen dieser Sportplätze überhaupt Inhalt der angefochtenen Baugenehmigung geworden sind, kann dahingestellt bleiben. Denn auch wenn das der Fall sein sollte, wäre das zwar unzulässig, weil verfahrensfreie Vorhaben nicht genehmigt werden dürfen (siehe Sauter, a.a.O., § 49 RdNr. 7), würde aber die Klägerin ebenfalls nicht in ihren Rechten verletzen.
66 
2.2.2.4 Diese einem baurechtlichen Bestandsschutz weitgehend entsprechende Schutzwirkung ist in den folgenden Jahren und Jahrzehnten bis in die Gegenwart nicht erloschen. Denn die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 sind durchgehend ihrer ursprünglichen Funktion entsprechend bis in die Gegenwart für Ballsport genutzt worden.
67 
Der Übergang der Verantwortlichkeit für die sportlichen Anlagen und ihrer Nutzung im Gesamtareal …-Stadion vom … auf den Beigeladenen im Jahr 2000 oder die (gelegentliche) Nutzung dieser Plätze durch Mannschaften anderer Sportvereine als den … und den Beigeladenen hat entgegen der Auffassung der Klägerin nicht zu einer Nutzungsänderung in dem Sinne geführt, dass von da an für die Nutzung der Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 andere oder weitergehende Anforderungen gegolten hätten als für die bis dahin ausgeübte Nutzung (vgl. hierzu § 50 Abs. 2 Nr. 1 LBO). Allein ein Wechsel in der Person des Bauherrn, des Nutzungsberechtigten oder Nutzers der jeweiligen Anlage hat in Anbetracht der im öffentlichen Baurecht gebotenen dinglichen Betrachtungsweise für den Bestandsschutz einer Anlage keine Bedeutung; denn der Bestandsschutz ist nicht personengebunden (Sauter, a.a.O., § 65 RdNr. 14e).
68 
Die vorstehenden Ausführungen zur Unbeachtlichkeit eines Wechsels in der Person des Nutzungsberechtigten gelten auch im vorliegenden Fall, in dem im Jahr 2000 ein Wechsel vom …, einem Amateur-Fußballclub, auf den Beigeladenen, einem Verein, dessen 1. Fußballmannschaft seit vielen Jahren entweder in der 1. oder in der 2. Profi-Bundesliga spielt, erfolgt ist. Dieser Unterschied beruht allein auf sportlichem Erfolg, um den in der Regel jeder Sportverein bemüht ist, und von dem die Frage des Bestandsschutzes baurechtlich zulässiger Anlagen nicht abhängen kann. Die Frage, ob die Sportler, die eine Sportanlage benutzen, mit diesem Sport (auch) Geld verdienen oder nicht, ist baurechtlich ohne Bedeutung. Dementsprechend ist auch ein Fußballstadion für Spiele der Fußballbundesliga eine Anlage für sportliche Zwecke, wie sie u. a. in § 4 Abs. 2 Nr. 3 BauNVO genannt ist (vgl. u. a. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 17.06.1992, VBlBW 1993, 131). Das gilt umso mehr für den vorliegenden Fall, in dem die betreffenden Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 gar nicht in erster Linie von der Profi-Mannschaft des Beigeladenen, sondern von den Amateur-, Frauen- und vor allem Jugendabteilungen des Beigeladenen genutzt werden, wie das auf dem betreffenden Areal im Wesentlichen auch in früheren Zeiten unter der Ägide des … der Fall war. Das Gleiche gilt im Ergebnis auch für den mit dem Bauantrag vom 05.06.2000 beabsichtigten und nach Fertigstellung der dazu erforderlichen baulichen Anlagen im Jahr 2000 aufgenommenen Internatsbetrieb. Dieser Internatsbetrieb betrifft im Wesentlichen die Nutzung der Gebäude, durch die sich die Klägerin nicht gestört fühlt. Dass diese Internatsschüler auch die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 nutzen, ändern deren Funktion nicht. Denn es macht für die baurechtlich zulässige Nutzung keinen Unterschied, ob die Plätze von auswärtigen Spielern, die erst zum Sportgelände fahren müssen, was den zu- und abfahrtsbedingten Lärm eher erhöht, genutzt werden oder von Spielern, die auf dem Gelände wohnen.
69 
Mit ihrer Behauptung, die Nutzung der Plätze 2 bis 4 und, daraus folgend, die von dieser Nutzung ausgehenden Lärmbelästigungen hätten seit der Übernahme der Anlagen durch den Beigeladenen erheblich zugenommen, was von Seiten des Beigeladenen und der Beklagten ausdrücklich bestritten wird, vermag die Klägerin nicht zu begründen, dass dies den Bestandsschutz dieser Spiel- und Trainingsplätze aufgehoben haben könnte. Denn eine Nutzungsintensivierung stellt grundsätzlich keine Nutzungsänderung dar (vgl. BVerwG, Urteil vom 29.10.1998, NVwZ 1999, 417, und Beschluss vom 11.07.2001 - 4 B 36/01 -, juris; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 12.08.2005, VBlBW 2006, 106, und Beschluss vom 09.04.2014, NVwZ-RR 2014, 752; Sauter, a.a.O., § 50 RdNr. 206, m.w.N.). Ob auf den Plätzen 2 bis 4 viele oder (zeitweise) nur wenige Wettkampf- oder Trainingsspiele stattfinden, wirft weder die Genehmigungsfrage (neu) auf noch erfährt die bodenrechtlich relevante Funktion dieser Plätze dadurch eine Änderung; genau die Nutzung zu Spiel- und Trainingszwecken war von Anfang an die diesen Plätzen zugedachte Funktion. Insoweit gilt nichts anderes als für die Betriebe der Klägerin, das Hostel und das Kurbad, deren baurechtliche Zulässigkeit durch eine Zu- oder Abnahme der Zahl ihrer Gäste ebenfalls so lange grundsätzlich nicht in Frage steht, wie diese Veränderungen keine bodenrechtlich relevante Änderung der zulässigen Nutzungsart zur Folge haben.
70 
Es bleibt hiernach festzuhalten, dass die angefochtene Baugenehmigung, soweit sie die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 auf dem Sportgelände des Beigeladenen betrifft, zwar mangels eines vom Beigeladenen gestellten Bauantrags objektiv rechtwidrig ist, hierdurch jedoch keine Rechte der Klägerin verletzt werden.
71 
Die Kostenentscheidung beruht auf den §§ 154 Abs. 1 und 162 Abs. 3 VwGO. Die Kammer sieht keinen Grund, die Kostenentscheidung gemäß § 167 Abs. 2 VwGO für vorläufig vollstreckbar zu erklären.
72 
Gründe des § 124 Abs. 2 Nrn. 3 oder 4 VwGO, aus denen die Berufung vom Verwaltungsgericht zuzulassen wäre, sind nicht gegeben.

Gründe

 
36 
1. Die Klage ist als Anfechtungsklage zulässig.
37 
1.1 Als Eigentümerin des Grundstücks Flst.-Nr. …, die sich durch den Spiel- und Trainingsbetrieb auf dem benachbarten Sportgelände des Beigeladenen gestört fühlt, ist die Klägerin klagebefugt gemäß § 42 Abs. 2 VwGO. Hinsichtlich weiterer benachbarter Grundstücke, die entweder, wie Teilflächen der Grundstücke Flst.-Nrn. … und …, von der Klägerin (nur) gepachtet worden sind oder die im Eigentum anderer (natürlicher oder juristischer) Personen stehen, wie die Flächen des Campingplatzes auf den Grundstücken Flst.-Nrn. … und …, das mit einem Wohnhaus bebaute Grundstück Flst.-Nr. … sowie das mit einem Gasthaus/Café und anderen Gebäuden bebaute Grundstück Flst.-Nr. …, fehlt ihr hingegen die Klagebefugnis, da sich nur dinglich Berechtigte gegen eine Baugenehmigung für Bauvorhaben auf Nachbargrundstücken wenden können (vgl. Kopp/Schenke, VwGO, 21. Aufl. 2015, § 42 RdNr. 97, m.w.N.; Dürr, Baurecht Baden-Württemberg, 14. Aufl. 2013, RdNrn. 291 ff., m.w.N.).
38 
1.2 Die Klage ist auch ohne ordnungsgemäße und vollständige Durchführung des Widerspruchsverfahrens nach Maßgabe von § 75 VwGO zulässig, weil über den Widerspruch der Klägerin vom 22.08.2000 gegen die angefochtene Baugenehmigung bis heute nicht entschieden worden ist. An der Zulässigkeit der Klage ändert sich nichts dadurch, dass das Widerspruchsverfahren mit Einverständnis der Klägerin während vieler Jahre, von Anfang 2001 bis Anfang 2008, geruht hatte. Denn immerhin hat die Klägerin das ruhende Widerspruchsverfahren bereits im Januar 2008 wiederangerufen.
39 
2. Die Klage ist jedoch nicht begründet. Soweit dem Beigeladenen mit Bescheid der Beklagten vom 26.07.2000 in der Fassung der Ergänzungsbescheide der Beklagten vom 11.10.2000 und vom 04.04.2013 eine Baugenehmigung erteilt worden ist für den Neubau eines Leistungszentrums für Fußballnachwuchs mit den Anbauten auf der Südseite der bestehenden Zuschauertribüne, für den Neubau eines Kassenhauses auf der Westseite und eines Gebäudes für Technik und Geräte auf der Ostseite sowie für verschiedene sonstige Anlagen auf dem Sportgelände des Beigeladenen, die sich nördlich der drei Spiel- und Trainingsplätze befinden - in dem dem Bauantrag des Beigeladenen beigefügten Lageplan als Plätze 2, 3 und 4 bezeichnet -, ist dieser Bescheid rechtmäßig und verletzt die Klägerin nicht in ihren Rechten - im Folgenden unter 2.1 -. Soweit mit diesen Bescheiden auch eine Baugenehmigung für die Spiel- und Trainingsplätze 2, 3 und 4 auf den Grundstücken Flst-Nrn. …, …, …, … und … erteilt worden ist, ist diese Baugenehmigung zwar rechtswidrig, verletzt die Klägerin jedoch (ebenfalls) nicht in ihren Rechten - im Folgenden unter 2.2 - (§ 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO).
40 
Dabei gibt der Vortrag der Klägerin im Lauf des jahrelangen Verwaltungs- und Gerichtsverfahrens vorab Anlass zu der Klarstellung, dass Gegenstand der von der Klägerin erhobenen Anfechtungsklage allein die dem Beigeladene erteilte Baugenehmigung in der Fassung der Ergänzungsbescheide der Beklagten vom 11.10.2000 und vom 04.04.2013 ist. Das bedeutet, dass es - entgegen vielfach geäußerten Erwartungen der Klägerin - in diesem Verfahren nicht um die Fragen geht, welche Bedeutung und Wirkung eventuellen und von der Klägerin in zahlreichen Eingaben behaupteten Verstößen des Beigeladenen gegen diese Baugenehmigung zukommt. Denn Verstöße gegen einen Verwaltungsakt wie z. B. eine Baugenehmigung besagen nichts über die Rechtmäßigkeit dieses Verwaltungsakts. Damit kommt es auf die unzähligen Beschwerden der Klägerin, die zu einem Großteil den Streit zwischen ihr, der Beklagten und dem Beigeladenen ausmachen, hier nicht an.
41 
2.1 Für den Erfolg der Klage eines Nachbarn gegen eine auf dem Nachbargrundstück erteilte Baugenehmigung - wie hier - ist es anerkanntermaßen nicht ausreichend, dass ein genehmigtes Bauvorhaben gegen objektives Recht verstößt. Vielmehr muss hinzukommen, dass das Bauvorhaben gegen Vorschriften verstößt, die auch dem Schutz der Nachbarn und nicht allein öffentlichen Interessen dienen (siehe u. a. Dürr, a.a.O., RdNrn. 294 ff., m.w.N., und 348; Kopp/Schenke, a.a.O., § 113 RdNrn. 24 ff., m.w.N.).
42 
Das ist bei den durch den angefochtenen Bescheid genehmigten baulichen Anlagen in Form des Leistungszentrums für Fußballnachwuchs mit den Anbauten auf der Südseite der bestehenden Zuschauertribüne, des Kassenhauses auf der Westseite und des Gebäudes für Technik und Geräte auf der Ostseite sowie der verschiedenen sonstigen Anlagen, die sich allesamt nördlich der drei Trainingsplätze 2 bis 4 befinden, nicht der Fall. Es ist nicht erkennbar, gegen welche Vorschriften, die auch dem Schutz der Klägerin als Nachbarin dienen, die Baugenehmigung für diese baulichen Anlagen, die sich allesamt mehr als 100 m von der Grenze zum Grundstück der Klägerin entfernt befinden, verstoßen sollten. Auch die Einwendungen, die die Klägerin im Lauf des langjährigen Verwaltungs- und Gerichtsverfahrens gegen die Nutzung des Sportgeländes des Beigeladenen erhoben hat, betreffen im Wesentlichen den Spiel- und Trainingsbetrieb auf den ihrem Betriebsgrundstück nächstgelegenen Plätzen 2, 3 und 4 und nicht die nördlich davon gelegenen baulichen Anlagen. Für das Internat in dem Anbau an die bestehende Tribüne, das Kassenhaus und das Technik- und Gerätegebäude haben dies auch die Vertreter der Klägerin in der mündlichen Verhandlung bestätigt. Soweit die Vertreter der Klägerin sich am Rande auch über den Lärm der Zuschauer bei Ligaspielen in dem im Lageplan zum Bauantrag als Platz 1 bezeichneten …-Stadion beklagen, verkennen sie, dass mit dem durch die angefochtene Baugenehmigung genehmigten Vorhaben eine erhebliche Reduzierung der Zuschauerzahl im …-Stadion von ca. 23.000 auf unter 8.000 verbunden ist. Wie im Tatbestand dieses Urteils ausgeführt, besteht das …-Stadion mit einem Fassungsvermögen von mehr als 20.000 Zuschauern seit den 1920er Jahren. Dass eine mit der angefochtenen Baugenehmigung erfolgte Reduzierung dieser Zuschauerkapazität um etwa zwei Drittel keine Verletzung von Rechten der Klägerin wegen des Zuschauerlärms zur Folge haben kann, liegt auf der Hand und bedarf keiner weiteren Begründung. Das gilt auch in Bezug auf den Kraftfahrzeugverkehr, der mit der Zu- und Abfahrt der Zuschauer zum Stadion verbunden ist und der bei einem Fortbestand der Zuschauerzahl, wie sie vor Erteilung der angefochtenen Baugenehmigung zulässig war, bis in die Gegenwart ebenfalls deutlich größer wäre und in allen Belangen weitaus größere Belästigungen hervorriefe, als das jetzt, nach der Reduzierung der Zuschauerzahl, der Fall ist. Soweit die Klägerin rügt, der Stellplatzbedarf werde bei gut besuchten Ligaspielen weder auf dem Gelände des Beigeladenen noch auf öffentlichen Parkplätzen entlang der angrenzenden Straße gedeckt, ist die Klägerin zum einen darauf hinzuweisen, dass die Vorschriften über die Verpflichtung zur Herstellung von Stellplätzen (in § 37 LBO) grundsätzlich nicht dem Drittschutz, sondern nur dem öffentlichen Interesse an der Entlastung des öffentlichen Verkehrsraums dienen (siehe Sauter, Landesbauordnung für Baden-Württemberg, 3. Aufl., Stand: Jan. 2015, Bd. 1, § 37 RdNr. 12, m.w.N.; siehe auch Beschluss der Kammer vom 18.12.2008 - 4 K 2219/08 - juris). Zum anderen bestimmt § 37 Abs. 2 Satz 1 LBO, dass bei Änderungen von Anlagen Stellplätze (nur) in solcher Zahl herzustellen sind, dass die infolge der Änderung zusätzlich zu erwartenden Kraftfahrzeuge aufgenommen werden können. Bei einer Reduzierung der bisher zulässigen Zuschauerzahl eines Fußballstadions wie im vorliegenden Fall ist aber ebenfalls kein zusätzlicher, sondern ein erheblich verminderter Stellplatzbedarf zu erwarten.
43 
Damit ist für die Kammer kein Gesichtspunkt erkennbar, der dafür spricht, dass die hier angefochtene Baugenehmigung, soweit sie die baulichen Anlagen nördlich der drei Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 betrifft, einen Verstoß gegen öffentlich-rechtliche Vorschriften enthält, die auch dem Schutz von Rechten der Klägerin dienen.
44 
2.2 Soweit die angefochtene Baugenehmigung auch die Genehmigung für die drei Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 auf dem Sportgelände des Beigeladenen und deren Nutzung enthält, ist sie zwar (objektiv) rechtswidrig - im Folgenden unter 2.2.1 -, verletzt jedoch die Klägerin ebenfalls nicht in ihren Rechten - im Folgenden unter 2.2.2 -.
45 
Eine getrennte Betrachtung der Baugenehmigung für diese drei Spiel- und Trainingsplätze einerseits und für die geplanten Anlagen nördlich dieser Plätze andererseits scheitert nicht an der Unteilbarkeit der hier angefochtenen Baugenehmigung. Denn es handelt sich hier nicht um ein Gesamtbauvorhaben, bei dem die Genehmigung aller Anlagen in einem untrennbaren Zusammenhang stünde. Eine Aufhebung der Baugenehmigung für die Spiel- und Trainingsplätze würde der Baugenehmigung für das Internats- und die anderen Gebäude (objektiv) nicht ihre Bedeutung nehmen sowie an der Tatsache ihrer seit Jahrzehnten unbestrittenen Existenz und auch an ihrer Nutzbarkeit aus der (subjektiven) Sicht des Beigeladenen nichts ändern (Näheres hierzu unter 2.2.1 und 2.2.2).
46 
2.2.1 Dass die hier angefochtene Baugenehmigung auch eine Genehmigung der Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 auf dem Sportgelände des Beigeladenen und deren Nutzung zum Inhalt hat, kann allein mit Blick auf die umfangreichen Nebenbestimmungen in dem ursprünglichen Baugenehmigungsbescheid vom 26.07.2000 und vor allem in der Fassung der Ergänzungsbescheide vom 11.10.2000 und vom 04.04.2013, in denen es allein um Beschränkungen der Nutzung dieser Plätze geht, nicht ernsthaft bestritten werden.
47 
Die Baugenehmigung für die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 ist aber bereits deshalb rechtswidrig, weil der Beigeladene für diese Anlagen keinen Bauantrag gestellt hat. Am 05.06.2000 reichte der Beigeladene bei der Beklagten einen Bauantrag ein „für ein Leistungszentrum mit Internatsbetrieb für den Fußballnachwuchs im …-Stadion“. In der diesem Bauantrag beigefügten Baubeschreibung ist das Bauvorhaben bezeichnet als „Leistungszentrum für Fußballnachwuchs / Gaststätte“. In dieser Baubeschreibung ist unter der Rubrik „Angaben zur Nutzung“ ausgeführt „1. Umkleiden, Sporthallen, 2. Sauna, Physiotherapie, Sportmedizin, 3. Büros, Schulungsräume, 4. Internatsappartements, Gaststätte“. Als Pläne waren diesem Bauantrag zehn Grundriss- und Schnittzeichnungen des Anbaus an die Zuschauertribüne (samt Untergeschossen) sowie ein Lageplan des gesamten Sportareals des Beigeladenen beigefügt, wie er in verkleinertem Maßstab im Tatbestand dieses Urteils (auf Seite …) wiedergegeben ist. Eine Auslegung dieses Bauantrags anhand des nach objektiven Kriterien sich ergebenden mutmaßlichen Willens des Beigeladenen im Zeitpunkt der Antragstellung (im Jahr 2000) ergibt, dass der Beigeladene die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4, die es auch damals schon seit vielen Jahrzehnten gab, nicht zur Genehmigung (und damit auch nicht zur Disposition) stellen wollte. Denn außer in dem genannten Lageplan, in dem die Plätze eingezeichnet waren, fanden diese Plätze in dem gesamten Bauantrag keine Erwähnung. Das gilt insbesondere auch unter Berücksichtigung der (ersten) Beschreibung des Betriebskonzepts durch den Beigeladenen vom 13.06.2000. Aber auch in der (zweiten) Beschreibung des Betriebskonzepts vom 05.07.2000 findet sich kein Hinweis darauf, dass der Beigeladene die Plätze 2 bis 4 in eine durch einen Bauantrag veranlasste Prüfung ihrer Genehmigungsfähigkeit einbeziehen wollte. Zu dieser Ergänzung ihres Betriebskonzepts hatte die Beklagte den Beigeladenen erst nach Vorlage der Nachbareinwendungen der Klägerin, die das Augenmerk der Beteiligten vor allem auf die von ihr befürchteten Lärmimmissionen infolge der Nutzung der Plätze 2 und 3 (am Rande auch des Platzes 4) gelenkt haben - in Bezug auf die Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Ausbau des bestehenden Tribünengebäudes führte die Klägerin ausdrücklich aus, dass sie von dort keine nennenswerten Lärmimmissionen erwarte -, ausdrücklich aufgefordert.
48 
Einzig in dem oben genannten, dem Bauantrag beigefügten Lageplan finden die Plätze 2 bis 4 überhaupt eine Erwähnung in Form zeichnerischer Darstellungen. Aber auch diese Darstellung hatte ersichtlich nicht die Bedeutung eines Antrags auf Erteilung einer Baugenehmigung für diese Plätze, vielmehr diente ihre Darstellung nur der Veranschaulichung der vorhandenen Anlagen auf dem Sportgelände. Dass in Lageplänen, die mit einem Bauantrag eingereicht werden, nicht nur die baulichen Anlagen eingezeichnet sind, für die die Baugenehmigung begehrt wird, sondern dass sie auch nachrichtliche Darstellungen von Anlagen in der Umgebung des Bauvorhabens enthalten, ist in der baurechtlichen Praxis durchaus nicht unüblich und entspricht auch den Vorschriften (vgl. hierzu § 4 Abs. 4 Nr. 3 LBOVVO). Abgesehen davon, dass für einen Bauherrn (wie den Beigeladenen) regelmäßig kein Grund dafür besteht, bauliche Anlagen, die seit Jahrzehnten vorhanden sind und deren Existenz und baurechtliche Zulässigkeit in diesem zurückliegenden Zeitraum von keinem am baurechtlichen Geschehen Beteiligten in Frage gestellt worden sind, einem baurechtlichen Genehmigungsverfahren zu unterziehen, folgt eine solche Auslegung auch aus den konkreten Darstellungen auf diesem Lageplan. So fällt auf, dass die im Bauantrag ausdrücklich zur Genehmigung gestellten baulichen Anlagen, wie die An- und Umbauten an der Stadiontribüne, das Kassenhaus und das Gebäude für Technik und Geräte, in dem genannten Lageplan (im Einklang mit § 4 Abs. 4 Nr. 5 LBOVVO) exakt, das heißt nach Länge, Breite und Höhe in Zentimetern vermessen und verzeichnet sind; außerdem sind sie, wie von § 4 Abs. 5 Nrn. 4 ff. LBOVVO vorgeschrieben, entweder mit roter Farbe (für geplante neue bauliche Anlagen) oder mit gelber Farbe (für die Beseitigung bestehender Anlagen) gekennzeichnet. Demgegenüber entspricht die farbliche Darstellung der Plätze 2 bis 4 mit dunkelgrüner, hellbrauner und hellgrüner Farbe keiner der in § 4 Abs. 5 LBOVVO mit Inhalten verknüpften Farbgebungen. Auch die Maßangaben für die Plätze 2 bis 4 weichen grundsätzlich von denen für die offensichtlich zur Genehmigung gestellten baulichen Anlagen ab. So wird für Platz 4 nirgendwo ein Längen- oder Breitenmaß angegeben und auch für die Plätze 2 und 3 sind nur auf volle Meter gerundete Brutto- und Nettomaße, vermutlich zur Bezeichnung der gesamten Platzflächen einerseits und der abgegrenzten, kleineren Spielfelder andererseits, angegeben, die wenn überhaupt nur unter sportlichen, nicht jedoch unter baurechtlichen Aspekten einen Sinn haben. Auch soweit die Fläche für den Platz 2, im Lageplan bezeichnet mit Kunstrasen, gegenüber dem seit jeher bestehenden Spielfeld um einige Meter nach Süden versetzt werden sollte (was später zumindest im Hinblick auf die Erweiterung nach Süden nicht in die Tat umgesetzt worden ist), ist das nicht in der in den vorgelegten Plänen an anderer Stelle praktizierten und nach der Verfahrensverordnung zur Landesbauordnung vorgesehenen Art und Weise durch Angaben exakter Längen- und Breitenangaben geschehen. Vielmehr fehlt es (auch) insoweit an jeglichen Maßangaben und zwar sowohl für die beabsichtigte Erweiterung an der Südseite als auch für die beabsichtigte Beseitigung, das heißt Zurücksetzung, an der Nordseite, obwohl auch die Beseitigung von Anlagen, die durch neu geplante Anlagen ersetzt werden sollen, an anderer Stelle ausdrücklich bezeichnet ist (z. B. in Form der Angabe: „Abbruch best. Kassenhaus“). Schließlich enthält der Lageplan auf den eingezeichneten Flächen dieser Plätze auch sonst zahlreiche gestrichelte und/oder durchgehende Linien, die keine erkennbare baurechtliche Bedeutung haben und deren Sinn sich auch mit Hilfe der Verfahrensverordnung zur Landesbauordnung nicht erschließt.
49 
Auch der Prozessbevollmächtigte des Beigeladenen, der wie auch die meisten der heutigen Vorstandsmitglieder des Beigeladenen an der Bauantragstellung im Jahr 2000 noch nicht konkret beteiligt war, räumte in der mündlichen Verhandlung ein, dass Vieles dafür spreche, dass die Anlage der Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 nicht Gegenstand des Bauantrags gewesen war bzw. gewesen sein sollte, dass der Beigeladene diese bereits vorhandenen Plätze vielmehr als willkommene bestehende Anlagen in das Konzept der geplanten Fußballschule einbezogen hat.
50 
Auch in der Folgezeit gibt es keine (im Übrigen nach der Landesbauordnung formbedürftige) Erklärung des Beigeladenen, aus der sich ergibt, dass er für die bereits vorhandenen Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 eine Baugenehmigung beantragt hätte, was auch durch die zuvor gewürdigten Aussagen des Prozessbevollmächtigten des Beigeladenen in der mündlichen Verhandlung bestätigt wird.
51 
Ohne einen solchen Bauantrag hätte die Beklagte jedoch eine Baugenehmigung (als einen mitwirkungsbedürftigen Verwaltungsakt) für die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 nicht erteilen dürfen. Eine Baugenehmigung, die, wie zuvor dargelegt, ohne entsprechenden Antrag des Bauherrn erteilt wurde, ist (objektiv) rechtswidrig, aber regelmäßig und - so auch hier - nicht nichtig (Sauter, a.a.O., § 53 RdNr. 11 und § 58 RdNrn. 8 f. m.w.N.).
52 
Ob die angefochtene Baugenehmigung auch deshalb gegen objektives Recht verstößt, weil die Umgestaltung der seit Jahrzehnten existierenden Trainings- und Spielplätze 2 und 4 (Näheres hierzu unter Nrn. 2.2.2.2 und 2.2.2.3) von ursprünglichen Hart- und Rasenplätzen zu Kunstrasen- und Hartplätzen nach Nr. 8d des Anhangs zu § 50 Abs. 1 LBO verfahrensfrei ist und deshalb baurechtlich nicht genehmigt werden durfte, kann hiernach dahingestellt bleiben.
53 
2.2.2 Die nach den vorstehenden Ausführungen objektiv rechtswidrige Baugenehmigung der verfahrensfreien Umgestaltung der Trainings- und Spielplätze 2 und 4 verletzt aber nicht Rechte der Klägerin. Wie bereits ausgeführt, ist es für den Erfolg der Klage eines Nachbarn gegen eine dessen Nachbarn erteilte Baugenehmigung - wie hier - nicht ausreichend, dass ein genehmigtes Bauvorhaben gegen objektives Recht verstößt. Vielmehr muss hinzukommen, dass das Bauvorhaben gegen Vorschriften verstößt, die auch dem Schutz der Nachbarn und nicht allein öffentlichen Interessen dienen (siehe oben zu 2.1; vgl. Dürr, a.a.O., RdNrn. 294 ff., m.w.N., und 348; Kopp/Schenke, a.a.O., § 113 RdNrn. 24 ff., m.w.N.).
54 
In Rechtsprechung und Literatur ist des Weiteren anerkannt, dass die Vorschriften über das Baugenehmigungsverfahren - dazu zählen u. a. die Vorschriften des Achten Teils der Landesbauordnung (siehe hierzu die gesetzliche Überschrift dieses Teils), also u. a. die hier maßgeblichen Vorschriften der §§ 49 ff. LBO über die Mitwirkungspflicht des Bauherrn durch Stellung eines Bauantrags - grundsätzlich nicht nachbarschützend sind (siehe hierzu Sauter, a.a.O., § 55 RdNr. 77, Anm. zu §§ 49 ff., m.w.N.; vgl. [zur Regelung über die sachliche Zuständigkeit nach § 48 LBO] auch VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 25.04.2006, NVwZ-RR 2007, 82; vgl. auch OVG Rhld.-Pf., Urteil vom 21.01.2005, DÖV 2005, 615).
55 
Die Kammer hat jedoch Zweifel, ob dieser Auffassung in allen Fällen zu folgen ist, also auch in den Fällen, in denen ein Vorhaben, für das entweder keine Genehmigungspflicht besteht oder für das, wie hier, kein Bauantrag gestellt worden ist, durch Erteilung einer Baugenehmigung einen (formellen) Bestandsschutz erhält, der ihm u. a. auch gegenüber nachbarlichen Einwendungen einen zusätzlichen Schutz verleiht, den es ohne Baugenehmigung nicht hätte. Denn eine bestandskräftige Baugenehmigung bewirkt eine Schutzfunktion für das genehmigte Vorhaben in dem Sinn, als sie den Bestand des Vorhabens gewährleistet, solange die Baugenehmigung nicht beseitigt ist. Solange die Baugenehmigung besteht, ist das verwirklichte Vorhaben formell rechtmäßig. Die Baurechtsbehörde kann bei einem materiellen Rechtsverstoß eines Bauvorhabens weder kraft eigener Initiative noch aufgrund nachbarlicher Beschwerden etwa eine Abbruchs- oder Nutzungsuntersagungsanordnung erlassen, solange für dieses Bauvorhaben eine Baugenehmigung besteht. Ein unter Verstoß gegen materielles Recht, aber im Einklang mit einer Baugenehmigung errichtetes Vorhaben, kann erst dann Gegenstand behördlicher Anordnungen, ggf. auch auf Initiative eines Nachbarn, sein, wenn die Schutzwirkung der Baugenehmigung zuvor durch Aufhebung oder Rücknahme der Baugenehmigung beseitigt worden ist (siehe hierzu Sauter, a.a.O., § 58 RdNr. 19).
56 
Doch können diese Zweifel hier dahingestellt bleiben, da die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4, gegen deren Genehmigung sich die Klägerin mit der vorliegenden Klage wendet, bereits seit langer Zeit die zuvor genannten Schutzwirkungen gegenüber behördlichen Eingriffen genießen.
57 
2.2.2.1 Das folgt hier allerdings nicht daraus, dass diese Plätze bereits durch eine ältere Baugenehmigung gedeckt wären. Soweit die Beklagte verschiedentlich geäußert hat, für diese Plätze sei bereits im Jahr 1954 eine Baugenehmigung erteilt worden, trifft das aus mehreren Gründen nicht zu. Zwar sind dem … in jenem Jahr, und zwar am 21.03.1954 und am 02.10.1954, im Gebiet des …-Stadions zwei baupolizeiliche Genehmigungen erteilt worden, eine Genehmigung für den „Neubau einer Tribünenanlage, Gaststätte, Umbau Donatorenraum“ und eine weitere für „Außenanlagen, Stehplätze und Kassenhäuschen“. Doch beschränkten sich die Inhalte dieser Genehmigungen auf die zuvor genannten Anlagen. Zwar war auch in dem Verfahren, das zur Erteilung der baupolizeilichen Genehmigung vom 02.10.1954 führte, den Baugesuchsunterlagen ein Umgebungsplan beigefügt; dabei handelt es sich um den im Tatbestand dieses Urteils (auf Seite …) wiedergegebenen Plan, auf dem die drei Spiel- und Trainingsplätze bereits im Wesentlichen in der gleichen Ausdehnung und Lage wie die heutigen Plätze 2 bis 4, lediglich mit einer anderen Ausrichtung von Platz 4, dargestellt sind (Näheres hierzu unter 2.2.2.2) und der auf der Rückseite einen Genehmigungsstempel der Polizeidirektion … aufweist. Doch verhält es sich bei diesem Plan ähnlich wie mit dem Lageplan, der dem Bauantrag des Beigeladenen vom 05.06.2000 beigefügt war. Auch insoweit ist davon auszugehen, dass die Darstellung dieser drei Plätze in jenem Plan aus dem Jahr 1954 lediglich der Veranschaulichung der näheren Umgebung der baulichen Anlagen diente, für die die baupolizeiliche Genehmigung beantragt und erteilt wurde. Das ergibt sich auch daraus, dass nach § 123 der im Jahr 1954 geltenden Badischen Landesbauordnung - Bad. LBO - in der Fassung der Bekanntmachung vom 26.07.1935 (GVBl, S. 187) nur die in § 1 Bad. LBO genannten Bauten, zu denen Spiel- und Sportplätze nicht gehörten, einer Genehmigungspflicht unterlagen.
58 
2.2.2.2 Aber auch ohne baurechtliche Genehmigung handelte es sich bei den Spiel- und Trainingsplätzen 2 bis 4 im Zeitpunkt der Erteilung der hier angefochtenen Baugenehmigung vom 26.07.2000 nicht um neue Plätze, die erstmals angelegt werden sollten. Vielmehr existierten sie - auch in ihrer konkreten Ausdehnung und Lage - schon seit mehreren Jahrzehnten. Aus dem oben genannten Umgebungsplan aus dem Jahr 1954 zur Erteilung einer baupolizeilichen Genehmigung für „Außenanlagen, Stehplätze und Kassenhäuschen“ ist ersichtlich, dass schon damals außer dem eigentlichen Stadion mit Nebenanlagen südlich davon drei in dem betreffenden Plan als „Übungsfelder“ bzw. Feld für „Handball“ bezeichnete Sportplätze existierten. Zwei dieser Sportplätze entsprechen nach Lage, Größe und ihrer Nord-Süd-Ausrichtung weitestgehend exakt den heutigen Plätzen 2 und 3. Zumindest diese Plätze 2 und 3 haben ihre Lage bis heute in keiner Weise verändert, wie sich aus einem Vergleich des oben genannten Plans aus dem Jahr 1954 mit dem Lageplan ergibt, den der Beigeladene im Rahmen des im Jahr 2000 gestellten Bauantrags vorgelegt hat.
59 
Lediglich der vierte Platz, der in dem Plan aus dem Jahr 1954 mit „Handball“ bezeichnet ist, hatte damals eine andere Lage als der heutige (Rasen-)Platz 4; er befand sich damals östlich von Platz 3 parallel zu den beiden anderen Plätzen 2 und 3. Heute ist dieser Platz um etwas mehr als 90o in Ost-West-Richtung gedreht, so dass er nicht mehr mit seiner (kürzeren) Breitseite, sondern mit seiner Längsseite entlang der südlichen Grundstücksgrenzen verläuft. Diese Änderung hat der Platz 4 nach insoweit übereinstimmenden Aussagen der Prozessbeteiligten im Jahr 1970 erfahren, was auch durch Luftbilder aus der Zeit vor Stellung des Bauantrags vom 05.06.2000 bestätigt wird. Soweit dabei infolge der Drehung und der dadurch bewirkten Verlagerung dieses Platzes nach Osten erstmals eine Teilfläche (auf dem Grundstück Flst.-Nr. …), die zuvor voraussichtlich Wiese oder Ackerland war, neu als Sportplatz in Anspruch genommen wurde, lag darin wohl die Neuanlage eines Sportplatzes, die im Jahr 1970 nach der damals geltenden Landesbauordnung vom 06.04.1964 einer Baugenehmigung (gem. § 87 LBO a. F.) bedurft hätte, die nach Lage der Akten zu keinem Zeitpunkt erteilt worden ist.
60 
Das ändert jedoch nichts daran, dass alle drei Plätze (2 bis 4) vor Stellung des Bauantrags durch den Beigeladenen im Jahr 2000 bereits seit Jahrzehnten, die Plätze 2 und 3, von denen nach Angaben der Klägerin u. a. in ihren Einwendungen vom 20.06.2000 gegen den Bauantrag des Beigeladenen vom 05.06.2000 die meisten Lärmbeeinträchtigungen für ihren Betrieb ausgehen, sogar schon vor Inkrafttreten der ersten Landesbauordnung für Baden-Württemberg und des Bundesbaugesetzes, existierten und seitdem durchgehend als Sportanlagen genutzt worden sind.
61 
Bei dieser Sachlage kam allen drei Plätzen 2 bis 4 bereits bei Stellung des Bauantrags des Beigeladenen vom 05.06.2000 seit langem eine Schutzwirkung zu, die dem durch eine Baugenehmigung verliehenen Bestandsschutz weitestgehend gleichkommt.
62 
Für die Plätze 2 und 3 folgt das daraus, dass bauliche Anlagen, die in der Zeit vor Inkrafttreten der (ersten) Landesbauordnung für Baden-Württemberg (vom 06.04.1964) am 01.01.1965 und des Bundesbaugesetzes am 30.06.1961 in Einklang mit den im Zeitpunkt ihrer Herstellung geltenden öffentlich-rechtlichen Vorschriften, das heißt rechtmäßigerweise, errichtet worden sind, auch ohne formale Legalisierung durch eine Baugenehmigung für die Zeit ihres Bestands Bestandsschutz genießen (vgl. hierzu Sauter, a.a.O., § 65 RdNrn. 14a ff. und 31 ff., m.w.N.; vgl. zum baurechtlichen Bestandsschutz allgemein Urteil der Kammer vom 08.11.2012, VBlBW 2013, 225, m.w.N.). Für die Kammer ist kein rechtlicher Gesichtspunkt erkennbar, der bei der Anlage bzw. erstmaligen Herstellung dieser beiden Plätze, die spätestens bereits 1954, wahrscheinlich sogar schon erheblich früher, existierten, gegen die (materielle) Rechtmäßigkeit der Herstellung der beiden Spiel- und Trainingsplätze sprechen könnte. Auch dem Vortrag der Beteiligten lässt sich hierfür nichts entnehmen. Gerade auch die Nachbarschaft zu der damals, in den 1950er Jahren, auf dem Grundstück der Klägerin vorhandenen Rollschuh- und Eisbahn lässt - selbst unter Zugrundelegung der (strengeren) Anforderungen des erst seit 1961 geltenden Städtebaurechts in Form des Bundesbaugesetzes bzw. des späteren Baugesetzbuchs - keinen derartigen Zweifel aufkommen, auch dann nicht, wenn diese Bahn, wie die Klägerin vorträgt, in den 1950er Jahren nicht mehr als Rollschuh- und Eisbahn, sondern als Minigolf- und Boccia-Bahn genutzt wurde.
63 
Für den Platz 4 ergibt sich eine solche Schutzwirkung zwar nicht wie bei den Plätzen 2 und 3 aus seiner rechtmäßigen Errichtung zu einer Zeit, in der noch keine Baugenehmigungspflicht (für derartige Anlagen) bestanden hatte. Jedoch erlangte dieser Platz im Ergebnis einen vergleichbaren Schutz gegenüber behördlichen Eingriffen und nachbarlichen Einwendungen wie die beiden anderen Plätze, nachdem seine Existenz mindestens seit 1970, das heißt seit ca. drei Jahrzehnten vor Stellung des Bauantrags für das hier streitige Vorhaben im Jahr 2000 von allen am baurechtlichen Geschehen Beteiligten, das heißt den Behörden und den Nachbarn, bewusst als selbstverständlich hingenommen worden ist und sich alle Beteiligten mit seiner Existenz abgefunden haben. Es hat sogar nach der Errichtung von Platz 4 im Jahr 1970 weitere Baugenehmigungsverfahren auf dem heute von dem Beigeladenen genutzten Sportgelände gegeben, so u. a. einen Bauantrag vom 10.11.1988 „zur Erstellung eines Ballfanggitters im …-Stadion, Rasenplatz IV“, der mit Bescheid der Beklagten vom 01.12.1988 genehmigt wurde. Zu keinem Zeitpunkt vor Stellung des Bauantrags am 05.06.2000 durch den Beigeladenen wurden die Existenz und die baurechtliche Zulässigkeit der drei Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 von einem der Beteiligten in Frage gestellt. Hierdurch besteht speziell auch für diesen Platz 4 ein Vertrauenstatbestand. Denn die Beklagte hat u. a. (spätestens) durch die Erteilung der Baugenehmigung für das Ballfanggitter auch mit Wirkung nach außen zu erkennen gegeben, dass sie sich mit der Existenz von Platz 4 (und der Plätze 2 und 3) abgefunden hat und sie nicht in Frage stellen will (vgl. hierzu Sauter, a.a.O., § 65 RdNrn. 60 bis 63, m.w.N.). In besonderer Weise wirkt dieser Vertrauensschutz auch gegenüber der Klägerin, weil der Platz 4 und erst recht die Plätze 2 und 3 bereits bestanden haben, lange bevor die Klägerin ihren Betrieb aufgenommen hat und sie bzw. ihre Rechtsvorgängerin selbst (als Kommanditgesellschaft) existiert haben.
64 
2.2.2.3 Durch die beabsichtigte und anschließend umgesetzte Umwandlung der Plätze 2 und 3 von einem Hart- in einen Kunstrasenplatz und von einem Rasen- in einen Hartplatz ist eine Genehmigungspflicht ebenso wenig ausgelöst worden, wie durch die spätere, nach Erteilung der Baugenehmigung erfolgte Umwandlung von Platz 3 von einem Hartplatz in einen Rasenplatz. Denn nach Nr. 8d des Anhangs zu § 50 Abs. 1 LBO in der aktuell geltenden Fassung vom 11.11.2014 sind Anlagen, die der zweckentsprechenden Einrichtung von Ballspiel- und Sportplätzen dienen, ausgenommen Gebäude und Tribünen, verfahrensfrei. Mit dieser Regelung ist zwar nicht die Neuanlage solcher Plätze in ihrer Gesamtheit, das heißt die erstmalige „Umwidmung“ einer Freifläche und ihre Befestigung als Sportplatz gemeint, sondern nur die der Ausstattung solcher Plätze dienenden (Neben-)Anlagen (so auch zu vergleichbaren Bestimmungen in Bauordnungen anderer Bundesländer Sächs. OVG, Beschluss vom 01.07.2013 - 1 A 224/13 -, juris; Hess. VGH., Beschluss vom 19.02.1991, BauR 1991, 444; vgl. auch, wenngleich etwas unklar, Sauter, a.a.O., § 50 RdNr. 155; zu einer überholten Fassung der LBO vgl. Fehrenbacher, Die Genehmigungspflicht und Genehmigungsfähigkeit von Kinderspielplätzen in Wohngebieten, VBlBW 1994, 389 <390>). Dass im Zuge der Realisierung der geplanten baulichen Anlagen zum Neubau des Leistungszentrums für Fußballnachwuchs Veränderungen der Oberfläche bzw. der Beschaffenheit dieser Plätze beabsichtigt waren und dann auch umgesetzt wurden, indem z. B. der im Jahr 2000 als Hartplatz existierende Platz 2 einen Kunstrasenbelag bekommen und der zuvor als Rasenplatz angelegte Platz 3 zu einem Hartplatz umgebaut werden sollte, wie das in dem genannten Lageplan auf den entsprechenden Flächen vermerkt ist, führt nicht zur Genehmigungspflicht dieser Plätze. Solche Veränderungen sind nach Sinn und Zweck von Nr. 8d des Anhangs zu § 50 Abs. 1 LBO ebenso genehmigungsfrei, wie der vorher, in den 1980er Jahren, erfolgte Umbau des Platzes 2 in einen Hartplatz sowie später, im Jahr 2008, die Rückumwandlung des Platzes 3 in einen Rasenplatz und die Errichtung von Flutlichtmasten am Platz 4 (zu letzteren siehe auch Nr. 5b des Anhangs zu § 50 Abs. 1 LBO). Zu den nach Nr. 8d des Anhangs zu § 50 Abs. 1 LBO verfahrensfreien Vorhaben gehört nach Auffassung der Kammer nicht nur das Hinzufügen einzelner unselbständiger Anlagen, sondern auch, wie hier, die Veränderung von Oberflächen der in dieser Bestimmung genannten Sportplätze. Die gleiche Grundsätze gelten bzw. galten auch bereits aufgrund der Regelung in Nr. 51 des Anhangs zu § 50 Abs. 1 LBO in der im Jahr des Bauantrags (2000) geltenden Fassung dieses Gesetzes vom 08.08.1995, derzufolge bauliche Anlagen, die der zweckentsprechenden Einrichtung von Sportplätzen dienen, verfahrensfrei waren.
65 
Damit waren und sind die in dem Lageplan, den der Beigeladene mit seinem Bauantrag vorgelegt hat, eingezeichneten Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 wegen ihres Bestands seit mindestens drei Jahrzehnten vor Stellung des Bauantrags und des daraus folgenden Bestandsschutzes verfahrensfrei. Ob die in dem Lageplan, der dem Bauantrag beigefügt war, bezeichneten Umwandlungen bzw. Oberflächenveränderungen dieser Sportplätze überhaupt Inhalt der angefochtenen Baugenehmigung geworden sind, kann dahingestellt bleiben. Denn auch wenn das der Fall sein sollte, wäre das zwar unzulässig, weil verfahrensfreie Vorhaben nicht genehmigt werden dürfen (siehe Sauter, a.a.O., § 49 RdNr. 7), würde aber die Klägerin ebenfalls nicht in ihren Rechten verletzen.
66 
2.2.2.4 Diese einem baurechtlichen Bestandsschutz weitgehend entsprechende Schutzwirkung ist in den folgenden Jahren und Jahrzehnten bis in die Gegenwart nicht erloschen. Denn die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 sind durchgehend ihrer ursprünglichen Funktion entsprechend bis in die Gegenwart für Ballsport genutzt worden.
67 
Der Übergang der Verantwortlichkeit für die sportlichen Anlagen und ihrer Nutzung im Gesamtareal …-Stadion vom … auf den Beigeladenen im Jahr 2000 oder die (gelegentliche) Nutzung dieser Plätze durch Mannschaften anderer Sportvereine als den … und den Beigeladenen hat entgegen der Auffassung der Klägerin nicht zu einer Nutzungsänderung in dem Sinne geführt, dass von da an für die Nutzung der Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 andere oder weitergehende Anforderungen gegolten hätten als für die bis dahin ausgeübte Nutzung (vgl. hierzu § 50 Abs. 2 Nr. 1 LBO). Allein ein Wechsel in der Person des Bauherrn, des Nutzungsberechtigten oder Nutzers der jeweiligen Anlage hat in Anbetracht der im öffentlichen Baurecht gebotenen dinglichen Betrachtungsweise für den Bestandsschutz einer Anlage keine Bedeutung; denn der Bestandsschutz ist nicht personengebunden (Sauter, a.a.O., § 65 RdNr. 14e).
68 
Die vorstehenden Ausführungen zur Unbeachtlichkeit eines Wechsels in der Person des Nutzungsberechtigten gelten auch im vorliegenden Fall, in dem im Jahr 2000 ein Wechsel vom …, einem Amateur-Fußballclub, auf den Beigeladenen, einem Verein, dessen 1. Fußballmannschaft seit vielen Jahren entweder in der 1. oder in der 2. Profi-Bundesliga spielt, erfolgt ist. Dieser Unterschied beruht allein auf sportlichem Erfolg, um den in der Regel jeder Sportverein bemüht ist, und von dem die Frage des Bestandsschutzes baurechtlich zulässiger Anlagen nicht abhängen kann. Die Frage, ob die Sportler, die eine Sportanlage benutzen, mit diesem Sport (auch) Geld verdienen oder nicht, ist baurechtlich ohne Bedeutung. Dementsprechend ist auch ein Fußballstadion für Spiele der Fußballbundesliga eine Anlage für sportliche Zwecke, wie sie u. a. in § 4 Abs. 2 Nr. 3 BauNVO genannt ist (vgl. u. a. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 17.06.1992, VBlBW 1993, 131). Das gilt umso mehr für den vorliegenden Fall, in dem die betreffenden Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 gar nicht in erster Linie von der Profi-Mannschaft des Beigeladenen, sondern von den Amateur-, Frauen- und vor allem Jugendabteilungen des Beigeladenen genutzt werden, wie das auf dem betreffenden Areal im Wesentlichen auch in früheren Zeiten unter der Ägide des … der Fall war. Das Gleiche gilt im Ergebnis auch für den mit dem Bauantrag vom 05.06.2000 beabsichtigten und nach Fertigstellung der dazu erforderlichen baulichen Anlagen im Jahr 2000 aufgenommenen Internatsbetrieb. Dieser Internatsbetrieb betrifft im Wesentlichen die Nutzung der Gebäude, durch die sich die Klägerin nicht gestört fühlt. Dass diese Internatsschüler auch die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 nutzen, ändern deren Funktion nicht. Denn es macht für die baurechtlich zulässige Nutzung keinen Unterschied, ob die Plätze von auswärtigen Spielern, die erst zum Sportgelände fahren müssen, was den zu- und abfahrtsbedingten Lärm eher erhöht, genutzt werden oder von Spielern, die auf dem Gelände wohnen.
69 
Mit ihrer Behauptung, die Nutzung der Plätze 2 bis 4 und, daraus folgend, die von dieser Nutzung ausgehenden Lärmbelästigungen hätten seit der Übernahme der Anlagen durch den Beigeladenen erheblich zugenommen, was von Seiten des Beigeladenen und der Beklagten ausdrücklich bestritten wird, vermag die Klägerin nicht zu begründen, dass dies den Bestandsschutz dieser Spiel- und Trainingsplätze aufgehoben haben könnte. Denn eine Nutzungsintensivierung stellt grundsätzlich keine Nutzungsänderung dar (vgl. BVerwG, Urteil vom 29.10.1998, NVwZ 1999, 417, und Beschluss vom 11.07.2001 - 4 B 36/01 -, juris; VGH Bad.-Württ., Urteil vom 12.08.2005, VBlBW 2006, 106, und Beschluss vom 09.04.2014, NVwZ-RR 2014, 752; Sauter, a.a.O., § 50 RdNr. 206, m.w.N.). Ob auf den Plätzen 2 bis 4 viele oder (zeitweise) nur wenige Wettkampf- oder Trainingsspiele stattfinden, wirft weder die Genehmigungsfrage (neu) auf noch erfährt die bodenrechtlich relevante Funktion dieser Plätze dadurch eine Änderung; genau die Nutzung zu Spiel- und Trainingszwecken war von Anfang an die diesen Plätzen zugedachte Funktion. Insoweit gilt nichts anderes als für die Betriebe der Klägerin, das Hostel und das Kurbad, deren baurechtliche Zulässigkeit durch eine Zu- oder Abnahme der Zahl ihrer Gäste ebenfalls so lange grundsätzlich nicht in Frage steht, wie diese Veränderungen keine bodenrechtlich relevante Änderung der zulässigen Nutzungsart zur Folge haben.
70 
Es bleibt hiernach festzuhalten, dass die angefochtene Baugenehmigung, soweit sie die Spiel- und Trainingsplätze 2 bis 4 auf dem Sportgelände des Beigeladenen betrifft, zwar mangels eines vom Beigeladenen gestellten Bauantrags objektiv rechtwidrig ist, hierdurch jedoch keine Rechte der Klägerin verletzt werden.
71 
Die Kostenentscheidung beruht auf den §§ 154 Abs. 1 und 162 Abs. 3 VwGO. Die Kammer sieht keinen Grund, die Kostenentscheidung gemäß § 167 Abs. 2 VwGO für vorläufig vollstreckbar zu erklären.
72 
Gründe des § 124 Abs. 2 Nrn. 3 oder 4 VwGO, aus denen die Berufung vom Verwaltungsgericht zuzulassen wäre, sind nicht gegeben.

ra.de-Urteilsbesprechung zu Verwaltungsgericht Freiburg Urteil, 27. Nov. 2015 - 4 K 80/14

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Verwaltungsgericht Freiburg Urteil, 27. Nov. 2015 - 4 K 80/14 zitiert 13 §§.

BauNVO | § 15 Allgemeine Voraussetzungen für die Zulässigkeit baulicher und sonstiger Anlagen


(1) Die in den §§ 2 bis 14 aufgeführten baulichen und sonstigen Anlagen sind im Einzelfall unzulässig, wenn sie nach Anzahl, Lage, Umfang oder Zweckbestimmung der Eigenart des Baugebiets widersprechen. Sie sind auch unzulässig, wenn von ihnen...

VwGO | § 113


(1) Soweit der Verwaltungsakt rechtswidrig und der Kläger dadurch in seinen Rechten verletzt ist, hebt das Gericht den Verwaltungsakt und den etwaigen Widerspruchsbescheid auf. Ist der Verwaltungsakt schon vollzogen, so kann das Gericht auf Antrag au

BBauG | § 35 Bauen im Außenbereich


(1) Im Außenbereich ist ein Vorhaben nur zulässig, wenn öffentliche Belange nicht entgegenstehen, die ausreichende Erschließung gesichert ist und wenn es 1. einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb dient und nur einen untergeordneten Teil der.

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(1) Soweit sich aus diesem Gesetz nichts anderes ergibt, gilt für die Vollstreckung das Achte Buch der Zivilprozeßordnung entsprechend. Vollstreckungsgericht ist das Gericht des ersten Rechtszugs.

(2) Urteile auf Anfechtungs- und Verpflichtungsklagen können nur wegen der Kosten für vorläufig vollstreckbar erklärt werden.

(1) Die in den §§ 2 bis 14 aufgeführten baulichen und sonstigen Anlagen sind im Einzelfall unzulässig, wenn sie nach Anzahl, Lage, Umfang oder Zweckbestimmung der Eigenart des Baugebiets widersprechen. Sie sind auch unzulässig, wenn von ihnen Belästigungen oder Störungen ausgehen können, die nach der Eigenart des Baugebiets im Baugebiet selbst oder in dessen Umgebung unzumutbar sind, oder wenn sie solchen Belästigungen oder Störungen ausgesetzt werden.

(2) Die Anwendung des Absatzes 1 hat nach den städtebaulichen Zielen und Grundsätzen des § 1 Absatz 5 des Baugesetzbuchs zu erfolgen.

(3) Die Zulässigkeit der Anlagen in den Baugebieten ist nicht allein nach den verfahrensrechtlichen Einordnungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes und der auf seiner Grundlage erlassenen Verordnungen zu beurteilen.

(1) Allgemeine Wohngebiete dienen vorwiegend dem Wohnen.

(2) Zulässig sind

1.
Wohngebäude,
2.
die der Versorgung des Gebiets dienenden Läden, Schank- und Speisewirtschaften sowie nicht störenden Handwerksbetriebe,
3.
Anlagen für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke.

(3) Ausnahmsweise können zugelassen werden

1.
Betriebe des Beherbergungsgewerbes,
2.
sonstige nicht störende Gewerbebetriebe,
3.
Anlagen für Verwaltungen,
4.
Gartenbaubetriebe,
5.
Tankstellen.

(1) Mischgebiete dienen dem Wohnen und der Unterbringung von Gewerbebetrieben, die das Wohnen nicht wesentlich stören.

(2) Zulässig sind

1.
Wohngebäude,
2.
Geschäfts- und Bürogebäude,
3.
Einzelhandelsbetriebe, Schank- und Speisewirtschaften sowie Betriebe des Beherbergungsgewerbes,
4.
sonstige Gewerbebetriebe,
5.
Anlagen für Verwaltungen sowie für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke,
6.
Gartenbaubetriebe,
7.
Tankstellen,
8.
Vergnügungsstätten im Sinne des § 4a Absatz 3 Nummer 2 in den Teilen des Gebiets, die überwiegend durch gewerbliche Nutzungen geprägt sind.

(3) Ausnahmsweise können Vergnügungsstätten im Sinne des § 4a Absatz 3 Nummer 2 außerhalb der in Absatz 2 Nummer 8 bezeichneten Teile des Gebiets zugelassen werden.

(1) Als Sondergebiete, die der Erholung dienen, kommen insbesondere in Betracht
Wochenendhausgebiete,
Ferienhausgebiete,
Campingplatzgebiete.

(2) Für Sondergebiete, die der Erholung dienen, sind die Zweckbestimmung und die Art der Nutzung darzustellen und festzusetzen. Im Bebauungsplan kann festgesetzt werden, dass bestimmte, der Eigenart des Gebiets entsprechende Anlagen und Einrichtungen zur Versorgung des Gebiets und für sportliche Zwecke allgemein zulässig sind oder ausnahmsweise zugelassen werden können.

(3) In Wochenendhausgebieten sind Wochenendhäuser als Einzelhäuser zulässig. Im Bebauungsplan kann festgesetzt werden, dass Wochenendhäuser nur als Hausgruppen zulässig sind oder ausnahmsweise als Hausgruppen zugelassen werden können. Die zulässige Grundfläche der Wochenendhäuser ist im Bebauungsplan, begrenzt nach der besonderen Eigenart des Gebiets, unter Berücksichtigung der landschaftlichen Gegebenheiten festzusetzen.

(4) In Ferienhausgebieten sind Ferienhäuser zulässig, die aufgrund ihrer Lage, Größe, Ausstattung, Erschließung und Versorgung für den Erholungsaufenthalt geeignet und dazu bestimmt sind, überwiegend und auf Dauer einem wechselnden Personenkreis zur Erholung zu dienen. Im Bebauungsplan kann die Grundfläche der Ferienhäuser, begrenzt nach der besonderen Eigenart des Gebiets, unter Berücksichtigung der landschaftlichen Gegebenheiten festgesetzt werden.

(5) In Campingplatzgebieten sind Campingplätze und Zeltplätze zulässig.

(1) Durch Klage kann die Aufhebung eines Verwaltungsakts (Anfechtungsklage) sowie die Verurteilung zum Erlaß eines abgelehnten oder unterlassenen Verwaltungsakts (Verpflichtungsklage) begehrt werden.

(2) Soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist, ist die Klage nur zulässig, wenn der Kläger geltend macht, durch den Verwaltungsakt oder seine Ablehnung oder Unterlassung in seinen Rechten verletzt zu sein.

(1) Soweit der Verwaltungsakt rechtswidrig und der Kläger dadurch in seinen Rechten verletzt ist, hebt das Gericht den Verwaltungsakt und den etwaigen Widerspruchsbescheid auf. Ist der Verwaltungsakt schon vollzogen, so kann das Gericht auf Antrag auch aussprechen, daß und wie die Verwaltungsbehörde die Vollziehung rückgängig zu machen hat. Dieser Ausspruch ist nur zulässig, wenn die Behörde dazu in der Lage und diese Frage spruchreif ist. Hat sich der Verwaltungsakt vorher durch Zurücknahme oder anders erledigt, so spricht das Gericht auf Antrag durch Urteil aus, daß der Verwaltungsakt rechtswidrig gewesen ist, wenn der Kläger ein berechtigtes Interesse an dieser Feststellung hat.

(2) Begehrt der Kläger die Änderung eines Verwaltungsakts, der einen Geldbetrag festsetzt oder eine darauf bezogene Feststellung trifft, kann das Gericht den Betrag in anderer Höhe festsetzen oder die Feststellung durch eine andere ersetzen. Erfordert die Ermittlung des festzusetzenden oder festzustellenden Betrags einen nicht unerheblichen Aufwand, kann das Gericht die Änderung des Verwaltungsakts durch Angabe der zu Unrecht berücksichtigten oder nicht berücksichtigten tatsächlichen oder rechtlichen Verhältnisse so bestimmen, daß die Behörde den Betrag auf Grund der Entscheidung errechnen kann. Die Behörde teilt den Beteiligten das Ergebnis der Neuberechnung unverzüglich formlos mit; nach Rechtskraft der Entscheidung ist der Verwaltungsakt mit dem geänderten Inhalt neu bekanntzugeben.

(3) Hält das Gericht eine weitere Sachaufklärung für erforderlich, kann es, ohne in der Sache selbst zu entscheiden, den Verwaltungsakt und den Widerspruchsbescheid aufheben, soweit nach Art oder Umfang die noch erforderlichen Ermittlungen erheblich sind und die Aufhebung auch unter Berücksichtigung der Belange der Beteiligten sachdienlich ist. Auf Antrag kann das Gericht bis zum Erlaß des neuen Verwaltungsakts eine einstweilige Regelung treffen, insbesondere bestimmen, daß Sicherheiten geleistet werden oder ganz oder zum Teil bestehen bleiben und Leistungen zunächst nicht zurückgewährt werden müssen. Der Beschluß kann jederzeit geändert oder aufgehoben werden. Eine Entscheidung nach Satz 1 kann nur binnen sechs Monaten seit Eingang der Akten der Behörde bei Gericht ergehen.

(4) Kann neben der Aufhebung eines Verwaltungsakts eine Leistung verlangt werden, so ist im gleichen Verfahren auch die Verurteilung zur Leistung zulässig.

(5) Soweit die Ablehnung oder Unterlassung des Verwaltungsakts rechtswidrig und der Kläger dadurch in seinen Rechten verletzt ist, spricht das Gericht die Verpflichtung der Verwaltungsbehörde aus, die beantragte Amtshandlung vorzunehmen, wenn die Sache spruchreif ist. Andernfalls spricht es die Verpflichtung aus, den Kläger unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts zu bescheiden.

Ist über einen Widerspruch oder über einen Antrag auf Vornahme eines Verwaltungsakts ohne zureichenden Grund in angemessener Frist sachlich nicht entschieden worden, so ist die Klage abweichend von § 68 zulässig. Die Klage kann nicht vor Ablauf von drei Monaten seit der Einlegung des Widerspruchs oder seit dem Antrag auf Vornahme des Verwaltungsakts erhoben werden, außer wenn wegen besonderer Umstände des Falles eine kürzere Frist geboten ist. Liegt ein zureichender Grund dafür vor, daß über den Widerspruch noch nicht entschieden oder der beantragte Verwaltungsakt noch nicht erlassen ist, so setzt das Gericht das Verfahren bis zum Ablauf einer von ihm bestimmten Frist, die verlängert werden kann, aus. Wird dem Widerspruch innerhalb der vom Gericht gesetzten Frist stattgegeben oder der Verwaltungsakt innerhalb dieser Frist erlassen, so ist die Hauptsache für erledigt zu erklären.

(1) Der unterliegende Teil trägt die Kosten des Verfahrens.

(2) Die Kosten eines ohne Erfolg eingelegten Rechtsmittels fallen demjenigen zur Last, der das Rechtsmittel eingelegt hat.

(3) Dem Beigeladenen können Kosten nur auferlegt werden, wenn er Anträge gestellt oder Rechtsmittel eingelegt hat; § 155 Abs. 4 bleibt unberührt.

(4) Die Kosten des erfolgreichen Wiederaufnahmeverfahrens können der Staatskasse auferlegt werden, soweit sie nicht durch das Verschulden eines Beteiligten entstanden sind.

(1) Im Außenbereich ist ein Vorhaben nur zulässig, wenn öffentliche Belange nicht entgegenstehen, die ausreichende Erschließung gesichert ist und wenn es

1.
einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb dient und nur einen untergeordneten Teil der Betriebsfläche einnimmt,
2.
einem Betrieb der gartenbaulichen Erzeugung dient,
3.
der öffentlichen Versorgung mit Elektrizität, Gas, Telekommunikationsdienstleistungen, Wärme und Wasser, der Abwasserwirtschaft oder einem ortsgebundenen gewerblichen Betrieb dient,
4.
wegen seiner besonderen Anforderungen an die Umgebung, wegen seiner nachteiligen Wirkung auf die Umgebung oder wegen seiner besonderen Zweckbestimmung nur im Außenbereich ausgeführt werden soll, es sei denn, es handelt sich um die Errichtung, Änderung oder Erweiterung einer baulichen Anlage zur Tierhaltung, die dem Anwendungsbereich der Nummer 1 nicht unterfällt und die einer Pflicht zur Durchführung einer standortbezogenen oder allgemeinen Vorprüfung oder einer Umweltverträglichkeitsprüfung nach dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung unterliegt, wobei bei kumulierenden Vorhaben für die Annahme eines engen Zusammenhangs diejenigen Tierhaltungsanlagen zu berücksichtigen sind, die auf demselben Betriebs- oder Baugelände liegen und mit gemeinsamen betrieblichen oder baulichen Einrichtungen verbunden sind,
5.
der Erforschung, Entwicklung oder Nutzung der Wind- oder Wasserenergie dient,
6.
der energetischen Nutzung von Biomasse im Rahmen eines Betriebs nach Nummer 1 oder 2 oder eines Betriebs nach Nummer 4, der Tierhaltung betreibt, sowie dem Anschluss solcher Anlagen an das öffentliche Versorgungsnetz dient, unter folgenden Voraussetzungen:
a)
das Vorhaben steht in einem räumlich-funktionalen Zusammenhang mit dem Betrieb,
b)
die Biomasse stammt überwiegend aus dem Betrieb oder überwiegend aus diesem und aus nahe gelegenen Betrieben nach den Nummern 1, 2 oder 4, soweit letzterer Tierhaltung betreibt,
c)
es wird je Hofstelle oder Betriebsstandort nur eine Anlage betrieben und
d)
die Kapazität einer Anlage zur Erzeugung von Biogas überschreitet nicht 2,3 Millionen Normkubikmeter Biogas pro Jahr, die Feuerungswärmeleistung anderer Anlagen überschreitet nicht 2,0 Megawatt,
7.
der Erforschung, Entwicklung oder Nutzung der Kernenergie zu friedlichen Zwecken oder der Entsorgung radioaktiver Abfälle dient, mit Ausnahme der Neuerrichtung von Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität, oder
8.
der Nutzung solarer Strahlungsenergie in, an und auf Dach- und Außenwandflächen von zulässigerweise genutzten Gebäuden dient, wenn die Anlage dem Gebäude baulich untergeordnet ist.

(2) Sonstige Vorhaben können im Einzelfall zugelassen werden, wenn ihre Ausführung oder Benutzung öffentliche Belange nicht beeinträchtigt und die Erschließung gesichert ist.

(3) Eine Beeinträchtigung öffentlicher Belange liegt insbesondere vor, wenn das Vorhaben

1.
den Darstellungen des Flächennutzungsplans widerspricht,
2.
den Darstellungen eines Landschaftsplans oder sonstigen Plans, insbesondere des Wasser-, Abfall- oder Immissionsschutzrechts, widerspricht,
3.
schädliche Umwelteinwirkungen hervorrufen kann oder ihnen ausgesetzt wird,
4.
unwirtschaftliche Aufwendungen für Straßen oder andere Verkehrseinrichtungen, für Anlagen der Versorgung oder Entsorgung, für die Sicherheit oder Gesundheit oder für sonstige Aufgaben erfordert,
5.
Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege, des Bodenschutzes, des Denkmalschutzes oder die natürliche Eigenart der Landschaft und ihren Erholungswert beeinträchtigt oder das Orts- und Landschaftsbild verunstaltet,
6.
Maßnahmen zur Verbesserung der Agrarstruktur beeinträchtigt, die Wasserwirtschaft oder den Hochwasserschutz gefährdet,
7.
die Entstehung, Verfestigung oder Erweiterung einer Splittersiedlung befürchten lässt oder
8.
die Funktionsfähigkeit von Funkstellen und Radaranlagen stört.
Raumbedeutsame Vorhaben dürfen den Zielen der Raumordnung nicht widersprechen; öffentliche Belange stehen raumbedeutsamen Vorhaben nach Absatz 1 nicht entgegen, soweit die Belange bei der Darstellung dieser Vorhaben als Ziele der Raumordnung abgewogen worden sind. Öffentliche Belange stehen einem Vorhaben nach Absatz 1 Nummer 2 bis 6 in der Regel auch dann entgegen, soweit hierfür durch Darstellungen im Flächennutzungsplan oder als Ziele der Raumordnung eine Ausweisung an anderer Stelle erfolgt ist.

(4) Den nachfolgend bezeichneten sonstigen Vorhaben im Sinne des Absatzes 2 kann nicht entgegengehalten werden, dass sie Darstellungen des Flächennutzungsplans oder eines Landschaftsplans widersprechen, die natürliche Eigenart der Landschaft beeinträchtigen oder die Entstehung, Verfestigung oder Erweiterung einer Splittersiedlung befürchten lassen, soweit sie im Übrigen außenbereichsverträglich im Sinne des Absatzes 3 sind:

1.
die Änderung der bisherigen Nutzung eines Gebäudes im Sinne des Absatzes 1 Nummer 1 unter folgenden Voraussetzungen:
a)
das Vorhaben dient einer zweckmäßigen Verwendung erhaltenswerter Bausubstanz,
b)
die äußere Gestalt des Gebäudes bleibt im Wesentlichen gewahrt,
c)
die Aufgabe der bisherigen Nutzung liegt nicht länger als sieben Jahre zurück,
d)
das Gebäude ist vor mehr als sieben Jahren zulässigerweise errichtet worden,
e)
das Gebäude steht im räumlich-funktionalen Zusammenhang mit der Hofstelle des land- oder forstwirtschaftlichen Betriebs,
f)
im Falle der Änderung zu Wohnzwecken entstehen neben den bisher nach Absatz 1 Nummer 1 zulässigen Wohnungen höchstens drei Wohnungen je Hofstelle und
g)
es wird eine Verpflichtung übernommen, keine Neubebauung als Ersatz für die aufgegebene Nutzung vorzunehmen, es sei denn, die Neubebauung wird im Interesse der Entwicklung des Betriebs im Sinne des Absatzes 1 Nummer 1 erforderlich,
2.
die Neuerrichtung eines gleichartigen Wohngebäudes an gleicher Stelle unter folgenden Voraussetzungen:
a)
das vorhandene Gebäude ist zulässigerweise errichtet worden,
b)
das vorhandene Gebäude weist Missstände oder Mängel auf,
c)
das vorhandene Gebäude wird seit längerer Zeit vom Eigentümer selbst genutzt und
d)
Tatsachen rechtfertigen die Annahme, dass das neu errichtete Gebäude für den Eigenbedarf des bisherigen Eigentümers oder seiner Familie genutzt wird; hat der Eigentümer das vorhandene Gebäude im Wege der Erbfolge von einem Voreigentümer erworben, der es seit längerer Zeit selbst genutzt hat, reicht es aus, wenn Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass das neu errichtete Gebäude für den Eigenbedarf des Eigentümers oder seiner Familie genutzt wird,
3.
die alsbaldige Neuerrichtung eines zulässigerweise errichteten, durch Brand, Naturereignisse oder andere außergewöhnliche Ereignisse zerstörten, gleichartigen Gebäudes an gleicher Stelle,
4.
die Änderung oder Nutzungsänderung von erhaltenswerten, das Bild der Kulturlandschaft prägenden Gebäuden, auch wenn sie aufgegeben sind, wenn das Vorhaben einer zweckmäßigen Verwendung der Gebäude und der Erhaltung des Gestaltwerts dient,
5.
die Erweiterung eines Wohngebäudes auf bis zu höchstens zwei Wohnungen unter folgenden Voraussetzungen:
a)
das Gebäude ist zulässigerweise errichtet worden,
b)
die Erweiterung ist im Verhältnis zum vorhandenen Gebäude und unter Berücksichtigung der Wohnbedürfnisse angemessen und
c)
bei der Errichtung einer weiteren Wohnung rechtfertigen Tatsachen die Annahme, dass das Gebäude vom bisherigen Eigentümer oder seiner Familie selbst genutzt wird,
6.
die bauliche Erweiterung eines zulässigerweise errichteten gewerblichen Betriebs, wenn die Erweiterung im Verhältnis zum vorhandenen Gebäude und Betrieb angemessen ist.
In begründeten Einzelfällen gilt die Rechtsfolge des Satzes 1 auch für die Neuerrichtung eines Gebäudes im Sinne des Absatzes 1 Nummer 1, dem eine andere Nutzung zugewiesen werden soll, wenn das ursprüngliche Gebäude vom äußeren Erscheinungsbild auch zur Wahrung der Kulturlandschaft erhaltenswert ist, keine stärkere Belastung des Außenbereichs zu erwarten ist als in Fällen des Satzes 1 und die Neuerrichtung auch mit nachbarlichen Interessen vereinbar ist; Satz 1 Nummer 1 Buchstabe b bis g gilt entsprechend. In den Fällen des Satzes 1 Nummer 2 und 3 sowie des Satzes 2 sind geringfügige Erweiterungen des neuen Gebäudes gegenüber dem beseitigten oder zerstörten Gebäude sowie geringfügige Abweichungen vom bisherigen Standort des Gebäudes zulässig.

(5) Die nach den Absätzen 1 bis 4 zulässigen Vorhaben sind in einer flächensparenden, die Bodenversiegelung auf das notwendige Maß begrenzenden und den Außenbereich schonenden Weise auszuführen. Für Vorhaben nach Absatz 1 Nummer 2 bis 6 ist als weitere Zulässigkeitsvoraussetzung eine Verpflichtungserklärung abzugeben, das Vorhaben nach dauerhafter Aufgabe der zulässigen Nutzung zurückzubauen und Bodenversiegelungen zu beseitigen; bei einer nach Absatz 1 Nummer 2 bis 6 zulässigen Nutzungsänderung ist die Rückbauverpflichtung zu übernehmen, bei einer nach Absatz 1 Nummer 1 oder Absatz 2 zulässigen Nutzungsänderung entfällt sie. Die Baugenehmigungsbehörde soll durch nach Landesrecht vorgesehene Baulast oder in anderer Weise die Einhaltung der Verpflichtung nach Satz 2 sowie nach Absatz 4 Satz 1 Nummer 1 Buchstabe g sicherstellen. Im Übrigen soll sie in den Fällen des Absatzes 4 Satz 1 sicherstellen, dass die bauliche oder sonstige Anlage nach Durchführung des Vorhabens nur in der vorgesehenen Art genutzt wird.

(6) Die Gemeinde kann für bebaute Bereiche im Außenbereich, die nicht überwiegend landwirtschaftlich geprägt sind und in denen eine Wohnbebauung von einigem Gewicht vorhanden ist, durch Satzung bestimmen, dass Wohnzwecken dienenden Vorhaben im Sinne des Absatzes 2 nicht entgegengehalten werden kann, dass sie einer Darstellung im Flächennutzungsplan über Flächen für die Landwirtschaft oder Wald widersprechen oder die Entstehung oder Verfestigung einer Splittersiedlung befürchten lassen. Die Satzung kann auch auf Vorhaben erstreckt werden, die kleineren Handwerks- und Gewerbebetrieben dienen. In der Satzung können nähere Bestimmungen über die Zulässigkeit getroffen werden. Voraussetzung für die Aufstellung der Satzung ist, dass

1.
sie mit einer geordneten städtebaulichen Entwicklung vereinbar ist,
2.
die Zulässigkeit von Vorhaben, die einer Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung nach Anlage 1 zum Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung oder nach Landesrecht unterliegen, nicht begründet wird und
3.
keine Anhaltspunkte für eine Beeinträchtigung der in § 1 Absatz 6 Nummer 7 Buchstabe b genannten Schutzgüter oder dafür bestehen, dass bei der Planung Pflichten zur Vermeidung oder Begrenzung der Auswirkungen von schweren Unfällen nach § 50 Satz 1 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes zu beachten sind.
Bei Aufstellung der Satzung sind die Vorschriften über die Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung nach § 13 Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 und 3 sowie Satz 2 entsprechend anzuwenden. § 10 Absatz 3 ist entsprechend anzuwenden. Von der Satzung bleibt die Anwendung des Absatzes 4 unberührt.